May 15 2011

Luxemburgerin beim “Tatort”

Published by at 14:06 under Acting,Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.wort.lu/wort/web/letzebuerg/artikel/2011/05/149843/eine-bessere-welt.php
(vac) – Als 800. Tatort wurde am vergangenen Sonntag, dem 8. Mai in der ARD die Folge „Eine bessere Welt“ ausgestrahlt. Die Hauptrolle der Mariam Sert war mit der Luxemburger Schauspielerin Vicky Krieps, die kürzlich ebenfalls als Dörte in Andres Veiels „Wer wenn nicht wir“ und Eileen Byrnes Kurzfilm „Légal.Illégal“ zu sehen war, besetzt.

Die Rolle an der Seite des neuen Frankfurter Kommissarenduos Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król) konnte sich die am 4. Oktober 1983 in Luxemburg geborenen Vicky Krieps, die ihre Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste absolvierte, – ohne das übliche Casting – sichern: „Die vorgesehene Schauspielerin ist abgesprungen, meine Agentur hat mich vorgeschlagen, Lars Kraume, der zuletzt bei ,Die kommenden Tage‘ Regie führte, hat sich mein ,Showreel‘ angesehen und mich ganz kurzfristig besetzt.“

„Natürlich freut es einen, wenn der Regisseur nach Ende der Dreharbeiten sagt, dass er eigentlich die ganze Zeit mich gesucht habe“, führt die Schauspielerin weiter aus. Demnächst wird Vicky Krieps in den zwei Hollywoodproduktionen „Anonymous“ (Roland Emmerich) und „Hanna“ (Joe Wright), sowie der Verfilmung von „Die Vermessung der Welt“ zu sehen sein.

„Darwins Erbe“: Jugendliche als Zielpublikum

Im hauptstädtischen TNL inszenierte die in Berlin lebende Vicky Krieps im TNL „Darwins Erbe“, ein Stück für Jugendliche ab elf Jahren der Kanadierin Evelyne de la Chenelière. Wir trafen eine trotz Erfolg bodenständige, junge Künstlerin zu einem überaus aufschlussreichen Gespräch.

Für Ihre Inszenierung haben Sie „Darwins Erbe“, ein zeitgenössisches Stück der kanadischen Autorin Evelyne de la Chenelière ausgewählt. Weshalb?

Was mich interessiert hat, ist die für diese Altersgruppe eher unübliche Geschichte, die eine Art „Warten auf Godot“ für Jugendliche ist. Es passiert nicht viel: Die beiden Figuren sitzen rum und warten auf die Ankunft der Dritten. Ich habe mir die Freiheit genommen, neben einigen Textkürzungen, Letztere zu streichen, denn aus meiner Sicht ging es ums Warten, und das Jugend-spezifische „Abhängen“. Ich fand es interessant, zu erforschen was in einem Moment passiert, in dem eigentlich überhaupt nichts passiert.

Welchen besonderen Anforderungen muss man gerecht werden, wenn man für ein jugendliches Publikum inszeniert?

Ich sehe darin eher Herausforderungen denn Anforderungen: Kinder und Jugendliche sind ein sehr kritisches Publikum. Als ich in Zürich „Die rote Zora“ spielte, konnte ich hier ausführlich Erfahrungen sammeln. Kinder lassen einem nichts durchgehen, doch wenn man sie zu begeistern vermag, lassen sie sich ohne Einschränkung mit auf die Reise nehmen.

Im Stück geht es um die heutige Relevanz des „survival of the fittest“. Wie begeistert man ein junges Publikum für solch ein schwieriges Thema?

Ich habe versucht, das Stück relativ absurd zu inszenieren und zu erklären, dass dies nicht bitterer Ernst ist, sondern wie das Leben an sich – in dem man verschiedene Posen annimmt – ein Spiel. Ich habe bewusst versucht zu überraschen und zu irritieren. Die Herausforderung dabei war herauszufinden, wie fantasievoll und bewusst unzusammenhängend meine Inszenierung sein dürfte, um nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern ein Gefühl zu vermitteln. Dabei soll „Darwins Erbe“ nicht eine moralische Lektion, sondern eine Herausforderung ans Publikum sein, und ihm nicht vorgefertigte Antworten servieren, sondern es dazu anregen, die Vorstellung mit ein paar Bildern und eigenen Fragen zu verlassen.

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(vac) – Als 800. Tatort wurde am vergangenen Sonntag, dem 8. Mai in der ARD die Folge „Eine bessere Welt“ ausgestrahlt. Die Hauptrolle der Mariam Sert war mit der Luxemburger Schauspielerin Vicky Krieps, die kürzlich ebenfalls als Dörte in Andres Veiels „Wer wenn nicht wir“ und Eileen Byrnes Kurzfilm „Légal.Illégal“ zu sehen war, besetzt.

Die Rolle an der Seite des neuen Frankfurter Kommissarenduos Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król) konnte sich die am 4. Oktober 1983 in Luxemburg geborenen Vicky Krieps, die ihre Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste absolvierte, – ohne das übliche Casting – sichern: „Die vorgesehene Schauspielerin ist abgesprungen, meine Agentur hat mich vorgeschlagen, Lars Kraume, der zuletzt bei ,Die kommenden Tage‘ Regie führte, hat sich mein ,Showreel‘ angesehen und mich ganz kurzfristig besetzt.“

„Natürlich freut es einen, wenn der Regisseur nach Ende der Dreharbeiten sagt, dass er eigentlich die ganze Zeit mich gesucht habe“, führt die Schauspielerin weiter aus. Demnächst wird Vicky Krieps in den zwei Hollywoodproduktionen „Anonymous“ (Roland Emmerich) und „Hanna“ (Joe Wright), sowie der Verfilmung von „Die Vermessung der Welt“ zu sehen sein.

„Darwins Erbe“: Jugendliche als Zielpublikum

Im hauptstädtischen TNL inszenierte die in Berlin lebende Vicky Krieps im TNL „Darwins Erbe“, ein Stück für Jugendliche ab elf Jahren der Kanadierin Evelyne de la Chenelière. Wir trafen eine trotz Erfolg bodenständige, junge Künstlerin zu einem überaus aufschlussreichen Gespräch.

Für Ihre Inszenierung haben Sie „Darwins Erbe“, ein zeitgenössisches Stück der kanadischen Autorin Evelyne de la Chenelière ausgewählt. Weshalb?

Was mich interessiert hat, ist die für diese Altersgruppe eher unübliche Geschichte, die eine Art „Warten auf Godot“ für Jugendliche ist. Es passiert nicht viel: Die beiden Figuren sitzen rum und warten auf die Ankunft der Dritten. Ich habe mir die Freiheit genommen, neben einigen Textkürzungen, Letztere zu streichen, denn aus meiner Sicht ging es ums Warten, und das Jugend-spezifische „Abhängen“. Ich fand es interessant, zu erforschen was in einem Moment passiert, in dem eigentlich überhaupt nichts passiert.

Welchen besonderen Anforderungen muss man gerecht werden, wenn man für ein jugendliches Publikum inszeniert?

Ich sehe darin eher Herausforderungen denn Anforderungen: Kinder und Jugendliche sind ein sehr kritisches Publikum. Als ich in Zürich „Die rote Zora“ spielte, konnte ich hier ausführlich Erfahrungen sammeln. Kinder lassen einem nichts durchgehen, doch wenn man sie zu begeistern vermag, lassen sie sich ohne Einschränkung mit auf die Reise nehmen.

Im Stück geht es um die heutige Relevanz des „survival of the fittest“. Wie begeistert man ein junges Publikum für solch ein schwieriges Thema?

Ich habe versucht, das Stück relativ absurd zu inszenieren und zu erklären, dass dies nicht bitterer Ernst ist, sondern wie das Leben an sich – in dem man verschiedene Posen annimmt – ein Spiel. Ich habe bewusst versucht zu überraschen und zu irritieren. Die Herausforderung dabei war herauszufinden, wie fantasievoll und bewusst unzusammenhängend meine Inszenierung sein dürfte, um nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern ein Gefühl zu vermitteln. Dabei soll „Darwins Erbe“ nicht eine moralische Lektion, sondern eine Herausforderung ans Publikum sein, und ihm nicht vorgefertigte Antworten servieren, sondern es dazu anregen, die Vorstellung mit ein paar Bildern und eigenen Fragen zu verlassen.

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