Jun 30 2011

Vicky Krieps im L’Essentiel

Published by at 01:51 under Acting,Deutsch

SOURCE: http://www.lessentiel.lu

Vicky Krieps

“Cate Blanchett kam extra für mich ans Set”

LUXEMBURG – Vicky Krieps hat 2011 den Durchbruch geschafft. Die Luxemburger Schauspielerin ist derzeit im Hollywoodfilm «Wer ist Hanna?» zu sehen.

L’essentiel Online: Ihre zweite Hollywoodproduktion «Wer ist Hanna?» ist in Luxemburg gerade angelaufen. Haben Sie schon erste Reaktionen aus der Heimat erhalten?

Vicky Krieps: Noch nicht. Nur die Reaktionen bei der offiziellen Vorführung in Berlin – die Zuschauer fanden, dass mir die Punkfrisur im Film gut steht.

Wie haben Sie den Dreh mit Hollywoodstars wie Cate Blanchett erlebt, die in «Wer ist Hanna?» die Hauptrolle spielt?

Sie war gar nicht so «star-haft» wie ich hätte denken können, sondern sehr professionell. Cate Blanchett hat definitiv weniger Star-Allüren als viele deutsche Jungschauspieler. Sie ist sehr erreichbar und total professionell. Ich werde nie die Szene vergessen, in der mich Cate Blanchett erschossen hat. Sie ist bei minus 30 Grad zu mir ans Set nach Finnland gekommen, damit ich meinen Satz zu ihr sagen konnte und nicht ins Leere sprechen musste. Das war ziemlich beeindruckend. Denn ich bin noch ganz am Anfang und frage mich oft, ob ich wirklich in diesem Schauspiel-Geschäft mitmachen möchte. Deshalb war es wichtig für mich zu sehen, dass es in Hollywood durchaus gute Menschen gibt, die gewissenhaft ihre Arbeit machen.

Sie hatten 2011 ihre erste große Fernsehrolle im «Tatort», spielen in Hollywood mit und sind im Herbst in der Verfilmung des Bestsellers «Die Vermessung der Welt» zu sehen. Erleben Sie 2011 als das Jahr Ihres großen Durchbruchs?

Das wäre lustig, denn 11 ist meine Glückszahl. Für mich war das krasse Jahr aber 2010, als ich all diese Filme gedreht habe. Wenn ich Freunden erzählt habe, dass ich in einer Hollywoodproduktion drehe, hat das keiner verstanden. Jetzt ist der Film da, der «Tatort» ist gelaufen und auf einmal sagt mir meine Familie, wie gerührt sie ist, mich auf dem Bildschirm zu sehen. Im Theater ist das ganz anders, da gibt es die Reaktion direkt.

Sie sagen, Sie wollten keine Schauspielerin werden. Schaut man auf Ihre Erfolge, klingt das wie ein Understatement…

Nein, ich wusste es nie so genau. Ich dachte nicht mit 16, dass ich unbedingt Schauspielerin werden will. Nach einem sozialen Jahr in Südafrika habe ich nachgedacht und mich dann trotzdem auf der Schauspielschule in Zürich beworben. Ich dachte, es kann mir nicht schaden, egal was ich beruflich machen will. Aber ich habe schon einen Drang zum Schauspiel verspürt.

Der Luxemburger Künstler Serge Tonnar hat vor wenigen Wochen einen Vorwurf an junge Luxemburger Künstler formuliert, die immer nach Berlin wollen, aber nicht nach Bauschelt in Luxemburg. Trifft Sie das als Luxemburgerin in Berlin?

Nein, ich wollte ja eigentlich gar nicht nach Berlin. Das war eher ein Zufall. Nach meiner Schauspielausbildung in Zürich bekam ich das Angebot, in Berlin ein Stück am Kindertheater zu inszenieren. Weil ich gerade nichts anderes zu tun hatte, habe ich angenommen.

Nun leben Sie in Berlin vom Schauspiel. Ein Traum für Viele: War es schwierig, Fuß zu fassen?

Ich habe in Berlin gar nicht Fuß fassen wollen. Nach dem Kindertheater kamen die nächsten Angebote. Ich habe mir vielleicht die richtige Agentur ausgesucht. Jedenfalls war ich plötzlich in Berlin und hatte Arbeit. Erst dann habe ich gemerkt, dass es bei allen anderen andersherum ist: Sie wollen nach Berlin und finden dort nicht unbedingt Arbeit.

Wollen Sie nach Luxemburg zurückkehren?

Das müssten Sie mich in zehn Jahren noch mal fragen. Aber nur weil ich aus Luxemburg komme, muss ich nicht ausschließlich dort spielen. Derzeit wüsste ich nicht, wie ich dort viel arbeiten könnte. Bei Projekten bin ich immer wieder dabei. Ich spiele gerade in einer Produktion von Andy Bausch mit. Aber ich komme nicht um jeden Preis nach Luxemburg zurück.

Können Sie es sich leisten, kritisch bei der Auswahl Ihrer Angebote zu sein?

Es gibt Dinge, die ich nicht machen würde. Das «Traumschiff» wäre ein absolutes No-go. Wenn ich mir eine strenge Auswahl der Rollen nicht mehr erlauben könnte, müsste ich den Mut haben, offen zu bleiben für Anderes als die Schauspielerei. Ich will mich nicht auf einen Weg festlegen.

Wie geht es in den kommenden Monaten weiter?

Gerade habe ich in der Produktion «Formentera» auf der gleichnamigen Insel gedreht, ich bin im nächsten Andy Bausch-Film dabei sowie in dem Film «Die Vermessung der Welt» von Detlev Buck im Herbst. Ich spiele auch in einer französischen Produktion in Luxemburg mit und habe ein paar kleinere Engagements, zu denen ich noch nicht viel sagen kann.

Bleibt trotz der vielen Engagements Zeit fürs Theater und Ihr Akkordeon?

Akkordeonspielen fehlt mir am meisten. Ich mache das ja nicht professionell, sondern für mich. Es ist wichtig, dass ich meine Kreativität auch anders ausdrücken kann als beim Schauspielern. Außerdem habe ich mein Baby – das Kind erdet mich ungemein.

Kann man als Schauspielerin Kind und Beruf gut vereinbaren?

Wenn man als Frau ein Kind hat, muss man doppelt so schnell gehen wie alle anderen, um mitzukommen. Wenn man wirklich will, geht das. Ich denke, dass wir alle mehr Energie haben, als wir oft denken.

«Wer ist Hanna?» ist nach «Anonymus» der zweite Hollywoodstreifen, in dem Vicky Krieps zu sehen ist:

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Vicky Krieps

“Cate Blanchett kam extra für mich ans Set”

LUXEMBURG – Vicky Krieps hat 2011 den Durchbruch geschafft. Die Luxemburger Schauspielerin ist derzeit im Hollywoodfilm «Wer ist Hanna?» zu sehen.

L’essentiel Online: Ihre zweite Hollywoodproduktion «Wer ist Hanna?» ist in Luxemburg gerade angelaufen. Haben Sie schon erste Reaktionen aus der Heimat erhalten?

Vicky Krieps: Noch nicht. Nur die Reaktionen bei der offiziellen Vorführung in Berlin – die Zuschauer fanden, dass mir die Punkfrisur im Film gut steht.

Wie haben Sie den Dreh mit Hollywoodstars wie Cate Blanchett erlebt, die in «Wer ist Hanna?» die Hauptrolle spielt?

Sie war gar nicht so «star-haft» wie ich hätte denken können, sondern sehr professionell. Cate Blanchett hat definitiv weniger Star-Allüren als viele deutsche Jungschauspieler. Sie ist sehr erreichbar und total professionell. Ich werde nie die Szene vergessen, in der mich Cate Blanchett erschossen hat. Sie ist bei minus 30 Grad zu mir ans Set nach Finnland gekommen, damit ich meinen Satz zu ihr sagen konnte und nicht ins Leere sprechen musste. Das war ziemlich beeindruckend. Denn ich bin noch ganz am Anfang und frage mich oft, ob ich wirklich in diesem Schauspiel-Geschäft mitmachen möchte. Deshalb war es wichtig für mich zu sehen, dass es in Hollywood durchaus gute Menschen gibt, die gewissenhaft ihre Arbeit machen.

Sie hatten 2011 ihre erste große Fernsehrolle im «Tatort», spielen in Hollywood mit und sind im Herbst in der Verfilmung des Bestsellers «Die Vermessung der Welt» zu sehen. Erleben Sie 2011 als das Jahr Ihres großen Durchbruchs?

Das wäre lustig, denn 11 ist meine Glückszahl. Für mich war das krasse Jahr aber 2010, als ich all diese Filme gedreht habe. Wenn ich Freunden erzählt habe, dass ich in einer Hollywoodproduktion drehe, hat das keiner verstanden. Jetzt ist der Film da, der «Tatort» ist gelaufen und auf einmal sagt mir meine Familie, wie gerührt sie ist, mich auf dem Bildschirm zu sehen. Im Theater ist das ganz anders, da gibt es die Reaktion direkt.

Sie sagen, Sie wollten keine Schauspielerin werden. Schaut man auf Ihre Erfolge, klingt das wie ein Understatement…

Nein, ich wusste es nie so genau. Ich dachte nicht mit 16, dass ich unbedingt Schauspielerin werden will. Nach einem sozialen Jahr in Südafrika habe ich nachgedacht und mich dann trotzdem auf der Schauspielschule in Zürich beworben. Ich dachte, es kann mir nicht schaden, egal was ich beruflich machen will. Aber ich habe schon einen Drang zum Schauspiel verspürt.

Der Luxemburger Künstler Serge Tonnar hat vor wenigen Wochen einen Vorwurf an junge Luxemburger Künstler formuliert, die immer nach Berlin wollen, aber nicht nach Bauschelt in Luxemburg. Trifft Sie das als Luxemburgerin in Berlin?

Nein, ich wollte ja eigentlich gar nicht nach Berlin. Das war eher ein Zufall. Nach meiner Schauspielausbildung in Zürich bekam ich das Angebot, in Berlin ein Stück am Kindertheater zu inszenieren. Weil ich gerade nichts anderes zu tun hatte, habe ich angenommen.

Nun leben Sie in Berlin vom Schauspiel. Ein Traum für Viele: War es schwierig, Fuß zu fassen?

Ich habe in Berlin gar nicht Fuß fassen wollen. Nach dem Kindertheater kamen die nächsten Angebote. Ich habe mir vielleicht die richtige Agentur ausgesucht. Jedenfalls war ich plötzlich in Berlin und hatte Arbeit. Erst dann habe ich gemerkt, dass es bei allen anderen andersherum ist: Sie wollen nach Berlin und finden dort nicht unbedingt Arbeit.

Wollen Sie nach Luxemburg zurückkehren?

Das müssten Sie mich in zehn Jahren noch mal fragen. Aber nur weil ich aus Luxemburg komme, muss ich nicht ausschließlich dort spielen. Derzeit wüsste ich nicht, wie ich dort viel arbeiten könnte. Bei Projekten bin ich immer wieder dabei. Ich spiele gerade in einer Produktion von Andy Bausch mit. Aber ich komme nicht um jeden Preis nach Luxemburg zurück.

Können Sie es sich leisten, kritisch bei der Auswahl Ihrer Angebote zu sein?

Es gibt Dinge, die ich nicht machen würde. Das «Traumschiff» wäre ein absolutes No-go. Wenn ich mir eine strenge Auswahl der Rollen nicht mehr erlauben könnte, müsste ich den Mut haben, offen zu bleiben für Anderes als die Schauspielerei. Ich will mich nicht auf einen Weg festlegen.

Wie geht es in den kommenden Monaten weiter?

Gerade habe ich in der Produktion «Formentera» auf der gleichnamigen Insel gedreht, ich bin im nächsten Andy Bausch-Film dabei sowie in dem Film «Die Vermessung der Welt» von Detlev Buck im Herbst. Ich spiele auch in einer französischen Produktion in Luxemburg mit und habe ein paar kleinere Engagements, zu denen ich noch nicht viel sagen kann.

Bleibt trotz der vielen Engagements Zeit fürs Theater und Ihr Akkordeon?

Akkordeonspielen fehlt mir am meisten. Ich mache das ja nicht professionell, sondern für mich. Es ist wichtig, dass ich meine Kreativität auch anders ausdrücken kann als beim Schauspielern. Außerdem habe ich mein Baby – das Kind erdet mich ungemein.

Kann man als Schauspielerin Kind und Beruf gut vereinbaren?

Wenn man als Frau ein Kind hat, muss man doppelt so schnell gehen wie alle anderen, um mitzukommen. Wenn man wirklich will, geht das. Ich denke, dass wir alle mehr Energie haben, als wir oft denken.

«Wer ist Hanna?» ist nach «Anonymus» der zweite Hollywoodstreifen, in dem Vicky Krieps zu sehen ist:

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