Sep 23 2013

Vicky Krieps & Miriam Stein Interview

Published by at 01:28 under Acting

SOURCE: http://www.couch-mag.de

Nicht nur COUCH liebt nostalgische Schwelgerei – auch die beiden Schauspielerinnen Vicky Krieps (“Die Vermessung der Welt”) und Miriam Stein (“Unsere Mütter, unsere Väter”) schwärmen im Interview von Zeitmaschinen, Heimatgefühlen und den Lieblingsmöbeln von der Oma.

Ihr entdeckt auf dem Speicher eine Zeitmaschine. In welche Zeit reist Ihr und warum?
Miriam: Vielleicht in die 50er Jahre, musikalisch finde ich die Zeit toll. Ich liebe Swing und Boogie. Die 70er wären auch interessant, Hippies und wilde Demonstrationen – da konnte man wirklich noch etwas verändern. Wenn ich könnte, würde ich mich gleich in mehrere Dekaden beamen. Nur nicht in die Zukunft – da lasse ich mich lieber überraschen!
Vicky: Mein Reiseziel wäre die Jahrhundertwende. Das war meine Zeit. Ich hab sie einfach nur verpasst. Mir gefällt einfach alles an dieser Dekade. Die Mode, Art Deco- und Jugendstilsachen, Kunst von Gustav Klimt und Egon Schiele. Für mich ist das buchstäblich die schönste Zeit. Außerdem denke ich, dass die Welt sich mit dem zweiten Weltkrieg stark verändert hat – auch ein Grund, warum ich die Zeit davor gern erlebt hätte.

Als Schauspielerinnen schlüpft Ihr permanent in neue Rollen. Wie wichtig ist Euch da Euer eigener Stil?
Miriam: Privat bin ich ganz bequem, sportlich und lässig unterwegs. Gerade erst war eine Freundin bei mir, die beim Anblick eines T-Shirts zu mir gesagt hat: ‘Das Ding hast du jetzt so viele Jahre, das schmeißen wir jetzt mal weg.’ Ich hab auch Lieblings-Shirts mit Löchern. Die trage ich so lang, bis eben besagte Freundin kommt – jetzt sind sie weg.
Vicky: Ich hatte schon immer einen sehr eigenen Stil. In erster Linie habe ich immer und gern die Jugendkleder meiner beiden Omas und meiner Mutter getragen. Das hat sich aber geändert, seit dem ich Schauspielerin bin. Privat trage ich jetzt gern sehr schlichte Sachen… Das liegt wahrscheinlich daran, dass man sich in meinem Beruf so oft verkleiden muss – ein bisschen Chichi da und Tütu hier… im Alltag kann man dann endlich schön entspannt, auch mal im Trainingsanzug rumlaufen.

Würdet ihr Euren Kleidungsstil auch auf Eure Wohnungen übertragen?
Miriam: Meine Wohnung ist schön eingerichtet. Auch mit ein paar alten Sachen, z. B. 50er-Jahre-Kommoden oder einem schönen, großen Esstisch – und einem riesigen Sofa.
Vicky: Mein Zuhause ist auf jeden Fall authentisch. Heißt: Es ist ein Ort, an dem gelebt wird. Da ist viel Zeug, aber alles ist in Gebrauch. Keine Ausstellungsstücke. Ich habe eine kleine Tochter, die sich, seit sie auf der Welt ist, in alle Himmelsrichtungen ausbreitet. Ansonsten findet sich in meiner Wohnung stilistisch dasselbe wie in meinem Kleiderschrank: Sachen meiner Oma oder vom Flohmarkt.

Ihr seid sicherlich viel unterwegs. Wie wichtig ist Euch Euer Zuhause?
Miriam: Sehr wichtig. Das ist für mich auch manchmal das Problem mit dem Beruf, denn eigentlich bin ich wirklich gern zu Hause. Verteilt übers Jahr bin ich etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr unterwegs. Ich freu mich daher immer auf den Moment, wenn ich die Tür aufmache und mein Zuhause rieche – jede Wohnung duftet ja ganz anders.
Vicky: Mir auch. Wenn ich nach Hause komme, dann muss es sich auch so anfühlen. Mein Zuhause ist gewachsen. Da ist eine Blume zur anderen gekommen, so wie ich sie eben gekauft oder aber geschenkt bekommen habe. Und meine Stühle sind zum Sitzen da.

Was würdet Ihr als Heimat, was als Euer Zuhause bezeichnen?
Miriam: Sind Zuhause und Heimat unterschiedliche Dinge? Für mich hat beides mit den Menschen zu tun, die ich mag. Ich fühle mich wohl, wenn sie um mich herum sind. In Berlin lebe ich mit meinem Freund zusammen, also ist hier mein Zuhause. Bin ich in Wien, wo meine Mama lebt, fühl ich mich da zu Hause. Wenn ich aber sage, ich fahre nach Hause, dann meine ich Berlin. Mittlerweile mehr als Wien, lustigerweise. In Wien habe ich 18 Jahre gelebt, in Berlin drei. Von daher könnte man sagen, dass die Stadt mich relativ schnell rumgekriegt hat.
Vicky: Meine Heimat ist in mir. Deshalb kann ich auch den Beruf so gut ertragen. Ich bin irgendwie immer zu Hause. Selbst wenn ich permanent auf Reisen bin.

Wie war das, als Ihr an der Schauspielschule zum ersten Mal aufeinander getroffen seid?
Vicky: Wir haben uns bei ihrer Aufnahmeprüfung kennengelernt, gesehen und sofort gemocht. Miriam trug an diesem Tag eine Hose, die ich auch hatte und präsentierte sogar denselben Dialog wie ich. Kurzum: Es gab einfach viele Gemeinsamkeiten, zum Beispiel lieben wir es beide mal so richtig abzutanzen und das ohne zu trinken.

Ab wann war für Euch absehbar, dass Ihr Schauspielerinnen werden wollt? Miriam, Du hast schon mit elf Deine erste Rolle gespielt…
Miriam: Stimmt. Wie alle Kinder habe ich immer gern gespielt, aber mit elf habe ich dann begriffen, dass das, was ich so gern mache, tatsächlich ein Beruf ist, mit dem man Geld verdienen kann. Und dann war klar: Das ist, was ich machen will. Ich find’s heute noch absurd, dass Schauspielerei wirklich ein Beruf ist, denn es macht mir einfach nur Spaß.
Vicky: Bei mir ist es anders als bei Miriam. Ich bin erst spät zu dem Beruf gekommen. Wenn man es genau nimmt, bin ich erst seit 2 1/2 Jahren als (Film-)Schauspielerin tätig. Ich hab mir nie vorgenommen, beim Film zu sein. Ich nehme einfach die Sachen so, wie sie kommen und schaue, wohin mich das führt.

Nach welchen Kriterien sucht Ihr Eure Rollen aus?
Vicky: Ich suche sie mir extrem über die Charaktere aus. Miriam und ich werden sehr oft beide für Projekte angefragt, haben aber ganz unterschiedliche Kriterien auszuwählen. Ich geh immer über die Figur, entscheide sehr intuitiv.
Miriam: Ich versuche, nach Drehbuch zu entscheiden, also danach, ob ich mir vorstellen kann, dass daraus ein guter Film wird, den ich mir selbst vielleicht auch ansehen würde. Das bedingt aber auch, dass man oft Sachen absagt und vielleicht länger nicht dreht. Bislang hat sich diese Vorgehensweise für mich, würde ich sagen, gelohnt.

Gibt es irgendeine Rolle, die Ihr in Zukunft gern verkörpern würdet?
Miriam: Ich bin gespannt, wie sich das mit dem Alter entwickelt. Bislang war ich immer das Mädchen. Jetzt bekomme ich aber auch Drehbücher, in denen meine Figuren erwachsen sind und einen Beruf haben. Darauf freue ich mich. Für ältere Frauen gibt es oft nicht besonders viele Rollen, aber wenn, dann sind sie sehr spannend. Als junge Frau ist man häufig die, in die der Mann sich verliebt. Er Charaktertyp, sie Objekt der Begierde.
Vicky: Da muss ich gut überlegen. Als Teenager wurde ich oft mit Romy Schneider verglichen, was mich immer gewundert hat. Irgendwann dachte ich dann, dass ich sie vielleicht mal spielen werde. Aber die Zukunft wird zeigen, was für Rollen sie für mich parat hat…

Interview: Christiane Tillmann
Fotos: Karel Kuehne
Styling: Jane Garber

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Nicht nur COUCH liebt nostalgische Schwelgerei – auch die beiden Schauspielerinnen Vicky Krieps (“Die Vermessung der Welt”) und Miriam Stein (“Unsere Mütter, unsere Väter”) schwärmen im Interview von Zeitmaschinen, Heimatgefühlen und den Lieblingsmöbeln von der Oma.

Ihr entdeckt auf dem Speicher eine Zeitmaschine. In welche Zeit reist Ihr und warum?
Miriam: Vielleicht in die 50er Jahre, musikalisch finde ich die Zeit toll. Ich liebe Swing und Boogie. Die 70er wären auch interessant, Hippies und wilde Demonstrationen – da konnte man wirklich noch etwas verändern. Wenn ich könnte, würde ich mich gleich in mehrere Dekaden beamen. Nur nicht in die Zukunft – da lasse ich mich lieber überraschen!
Vicky: Mein Reiseziel wäre die Jahrhundertwende. Das war meine Zeit. Ich hab sie einfach nur verpasst. Mir gefällt einfach alles an dieser Dekade. Die Mode, Art Deco- und Jugendstilsachen, Kunst von Gustav Klimt und Egon Schiele. Für mich ist das buchstäblich die schönste Zeit. Außerdem denke ich, dass die Welt sich mit dem zweiten Weltkrieg stark verändert hat – auch ein Grund, warum ich die Zeit davor gern erlebt hätte.

Als Schauspielerinnen schlüpft Ihr permanent in neue Rollen. Wie wichtig ist Euch da Euer eigener Stil?
Miriam: Privat bin ich ganz bequem, sportlich und lässig unterwegs. Gerade erst war eine Freundin bei mir, die beim Anblick eines T-Shirts zu mir gesagt hat: ‘Das Ding hast du jetzt so viele Jahre, das schmeißen wir jetzt mal weg.’ Ich hab auch Lieblings-Shirts mit Löchern. Die trage ich so lang, bis eben besagte Freundin kommt – jetzt sind sie weg.
Vicky: Ich hatte schon immer einen sehr eigenen Stil. In erster Linie habe ich immer und gern die Jugendkleder meiner beiden Omas und meiner Mutter getragen. Das hat sich aber geändert, seit dem ich Schauspielerin bin. Privat trage ich jetzt gern sehr schlichte Sachen… Das liegt wahrscheinlich daran, dass man sich in meinem Beruf so oft verkleiden muss – ein bisschen Chichi da und Tütu hier… im Alltag kann man dann endlich schön entspannt, auch mal im Trainingsanzug rumlaufen.

Würdet ihr Euren Kleidungsstil auch auf Eure Wohnungen übertragen?
Miriam: Meine Wohnung ist schön eingerichtet. Auch mit ein paar alten Sachen, z. B. 50er-Jahre-Kommoden oder einem schönen, großen Esstisch – und einem riesigen Sofa.
Vicky: Mein Zuhause ist auf jeden Fall authentisch. Heißt: Es ist ein Ort, an dem gelebt wird. Da ist viel Zeug, aber alles ist in Gebrauch. Keine Ausstellungsstücke. Ich habe eine kleine Tochter, die sich, seit sie auf der Welt ist, in alle Himmelsrichtungen ausbreitet. Ansonsten findet sich in meiner Wohnung stilistisch dasselbe wie in meinem Kleiderschrank: Sachen meiner Oma oder vom Flohmarkt.

Ihr seid sicherlich viel unterwegs. Wie wichtig ist Euch Euer Zuhause?
Miriam: Sehr wichtig. Das ist für mich auch manchmal das Problem mit dem Beruf, denn eigentlich bin ich wirklich gern zu Hause. Verteilt übers Jahr bin ich etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr unterwegs. Ich freu mich daher immer auf den Moment, wenn ich die Tür aufmache und mein Zuhause rieche – jede Wohnung duftet ja ganz anders.
Vicky: Mir auch. Wenn ich nach Hause komme, dann muss es sich auch so anfühlen. Mein Zuhause ist gewachsen. Da ist eine Blume zur anderen gekommen, so wie ich sie eben gekauft oder aber geschenkt bekommen habe. Und meine Stühle sind zum Sitzen da.

Was würdet Ihr als Heimat, was als Euer Zuhause bezeichnen?
Miriam: Sind Zuhause und Heimat unterschiedliche Dinge? Für mich hat beides mit den Menschen zu tun, die ich mag. Ich fühle mich wohl, wenn sie um mich herum sind. In Berlin lebe ich mit meinem Freund zusammen, also ist hier mein Zuhause. Bin ich in Wien, wo meine Mama lebt, fühl ich mich da zu Hause. Wenn ich aber sage, ich fahre nach Hause, dann meine ich Berlin. Mittlerweile mehr als Wien, lustigerweise. In Wien habe ich 18 Jahre gelebt, in Berlin drei. Von daher könnte man sagen, dass die Stadt mich relativ schnell rumgekriegt hat.
Vicky: Meine Heimat ist in mir. Deshalb kann ich auch den Beruf so gut ertragen. Ich bin irgendwie immer zu Hause. Selbst wenn ich permanent auf Reisen bin.

Wie war das, als Ihr an der Schauspielschule zum ersten Mal aufeinander getroffen seid?
Vicky: Wir haben uns bei ihrer Aufnahmeprüfung kennengelernt, gesehen und sofort gemocht. Miriam trug an diesem Tag eine Hose, die ich auch hatte und präsentierte sogar denselben Dialog wie ich. Kurzum: Es gab einfach viele Gemeinsamkeiten, zum Beispiel lieben wir es beide mal so richtig abzutanzen und das ohne zu trinken.

Ab wann war für Euch absehbar, dass Ihr Schauspielerinnen werden wollt? Miriam, Du hast schon mit elf Deine erste Rolle gespielt…
Miriam: Stimmt. Wie alle Kinder habe ich immer gern gespielt, aber mit elf habe ich dann begriffen, dass das, was ich so gern mache, tatsächlich ein Beruf ist, mit dem man Geld verdienen kann. Und dann war klar: Das ist, was ich machen will. Ich find’s heute noch absurd, dass Schauspielerei wirklich ein Beruf ist, denn es macht mir einfach nur Spaß.
Vicky: Bei mir ist es anders als bei Miriam. Ich bin erst spät zu dem Beruf gekommen. Wenn man es genau nimmt, bin ich erst seit 2 1/2 Jahren als (Film-)Schauspielerin tätig. Ich hab mir nie vorgenommen, beim Film zu sein. Ich nehme einfach die Sachen so, wie sie kommen und schaue, wohin mich das führt.

Nach welchen Kriterien sucht Ihr Eure Rollen aus?
Vicky: Ich suche sie mir extrem über die Charaktere aus. Miriam und ich werden sehr oft beide für Projekte angefragt, haben aber ganz unterschiedliche Kriterien auszuwählen. Ich geh immer über die Figur, entscheide sehr intuitiv.
Miriam: Ich versuche, nach Drehbuch zu entscheiden, also danach, ob ich mir vorstellen kann, dass daraus ein guter Film wird, den ich mir selbst vielleicht auch ansehen würde. Das bedingt aber auch, dass man oft Sachen absagt und vielleicht länger nicht dreht. Bislang hat sich diese Vorgehensweise für mich, würde ich sagen, gelohnt.

Gibt es irgendeine Rolle, die Ihr in Zukunft gern verkörpern würdet?
Miriam: Ich bin gespannt, wie sich das mit dem Alter entwickelt. Bislang war ich immer das Mädchen. Jetzt bekomme ich aber auch Drehbücher, in denen meine Figuren erwachsen sind und einen Beruf haben. Darauf freue ich mich. Für ältere Frauen gibt es oft nicht besonders viele Rollen, aber wenn, dann sind sie sehr spannend. Als junge Frau ist man häufig die, in die der Mann sich verliebt. Er Charaktertyp, sie Objekt der Begierde.
Vicky: Da muss ich gut überlegen. Als Teenager wurde ich oft mit Romy Schneider verglichen, was mich immer gewundert hat. Irgendwann dachte ich dann, dass ich sie vielleicht mal spielen werde. Aber die Zukunft wird zeigen, was für Rollen sie für mich parat hat…

Interview: Christiane Tillmann
Fotos: Karel Kuehne
Styling: Jane Garber

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