Apr 15 2014

Fiktionsräume

Published by at 01:29 under Amour Fou

SOURCE: http://www.journal.lu

Filmdekorateurin Christina Schaffer über die Citroën DS und amerikanische Bauernhöfe
EHNEN – PATRICK VERSALL

Denken Sie sich aus einem Spiel- oder Kurzfilm die Schauspieler, Kostüme und die Maske weg. Für das, was dann noch auf der Leinwand zu sehen, sind in der Regel die Production Designer verantwortlich. Vom Fotoalbum bis zum Klavier, Production Designer wie Christina Schaffer können fast alles besorgen oder herstellen lassen, was ein Filmemacher als Requisit für seinen Dreh braucht. Für die Dreharbeiten von Jean-Claude Schlimms „House of Boys“ wurde beispielsweise eigens ein Bauernhof errichtet: „Eine Farm in Holzbauweise, wie man sie in den Vereinigten Staaten findet“, erklärt Schaffer.

Für Elfi Mikeschs „Fieber“ musste einer ihrer Mitarbeiter ein kleines Klavier nachbauen, das bei den Dreharbeiten zertrümmert werden sollte. „Beim Klavier handelte es sich um ein Sammlerstück, das man absolut nicht für den Dreh zerstören konnte“, so die gebürtige Triererin, die Innenarchitektur und 3D-Gestaltung in ihrer Heimatstadt, in England und den Vereinigten Staaten studiert hat. Schaffer wurde vor wenigen Tagen erst mit dem österreichischen Diagonale-Preis für ihr Production Design in „Fieber“ ausgezeichnet. 1998 arbeitete sie zum ersten Mal an einem luxemburgischen Filmprojekt mit: „ ‚Riddlers Moon‘ hieß der Film“, erinnert sie sich.

Sisyphusarbeit

In den Aufgabenbereich eines Filmdekorateurs gehört auch die Reproduktion von historischen Fotos, was manchmal mit viel Aufwand verbunden sein kann. „Du brauchst das richtige Papier, die richtige Farbe. Es kann durchaus vorkommen, das mehrere Leute eines Teams nur mit der Reproduktion von Fotos beschäftigt sind.“ Auf manche Requisiten stößt man durch Zufall – etwa auf einem Trödelmarkt – oft muss Schaffer und ihre Mitarbeiter aber lange recherchieren, bis sie die erforderlichen Objekte finden. Man habe natürlich seine Quellen, aber nicht selten käme die Recherchearbeit einer Sisyphusarbeit gleich, unterstreicht sie. Fünf bis sechs Wochen haben die Production Designer oft nur Zeit, um die Requisiten zu sammeln oder herzustellen. „Für ‚The Girl with the Pearl Earring‘ hatten wir zwölf Wochen, was für ein solches Projekt dennoch nicht sehr viel ist“, unterstreicht Schaffer, die, wie die meisten ihrer Kollegen am Filmset, stets unter Zeitdruck arbeiten muss.

„Schiss“ hatte sie allerdings beim Dreh von Roman Coppolas „CQ“, wo sie sich nicht sicher war, ob sie es schaffen würde, eine Citroën DS nach zu bauen. Christina Schaffer entnimmt meistens dem Drehbuch, welche Gegenstände und Requisiten für einen Film gebraucht werden. Die Lektüre des Drehbuchs erlaube ihr den Einstieg ins Projekt, so Schaffer. Danach sucht sie das Gespräch mit den Filmemachern; mit „Fieber“-Regisseurin Mikesch hat sie sich lange über die Poesie des Streifens unterhalten. Es sei für sie und ihre Arbeit wichtig zu verstehen, was der Regisseur wolle, erklärt die Triererin, die an der luxemburgischen Mosel lebt und ein bekennender Fan des amerikanischen Production Design ist. In amerikanischen Produktionen stehen die Schauspieler im Vordergrund, nicht die Deko. „Ich mag es, wenn die Schauspieler in die Requisiten eingehüllt sind“, so Christina Schaffer lachend.

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Filmdekorateurin Christina Schaffer über die Citroën DS und amerikanische Bauernhöfe
EHNEN – PATRICK VERSALL

Denken Sie sich aus einem Spiel- oder Kurzfilm die Schauspieler, Kostüme und die Maske weg. Für das, was dann noch auf der Leinwand zu sehen, sind in der Regel die Production Designer verantwortlich. Vom Fotoalbum bis zum Klavier, Production Designer wie Christina Schaffer können fast alles besorgen oder herstellen lassen, was ein Filmemacher als Requisit für seinen Dreh braucht. Für die Dreharbeiten von Jean-Claude Schlimms „House of Boys“ wurde beispielsweise eigens ein Bauernhof errichtet: „Eine Farm in Holzbauweise, wie man sie in den Vereinigten Staaten findet“, erklärt Schaffer.

Für Elfi Mikeschs „Fieber“ musste einer ihrer Mitarbeiter ein kleines Klavier nachbauen, das bei den Dreharbeiten zertrümmert werden sollte. „Beim Klavier handelte es sich um ein Sammlerstück, das man absolut nicht für den Dreh zerstören konnte“, so die gebürtige Triererin, die Innenarchitektur und 3D-Gestaltung in ihrer Heimatstadt, in England und den Vereinigten Staaten studiert hat. Schaffer wurde vor wenigen Tagen erst mit dem österreichischen Diagonale-Preis für ihr Production Design in „Fieber“ ausgezeichnet. 1998 arbeitete sie zum ersten Mal an einem luxemburgischen Filmprojekt mit: „ ‚Riddlers Moon‘ hieß der Film“, erinnert sie sich.

Sisyphusarbeit

In den Aufgabenbereich eines Filmdekorateurs gehört auch die Reproduktion von historischen Fotos, was manchmal mit viel Aufwand verbunden sein kann. „Du brauchst das richtige Papier, die richtige Farbe. Es kann durchaus vorkommen, das mehrere Leute eines Teams nur mit der Reproduktion von Fotos beschäftigt sind.“ Auf manche Requisiten stößt man durch Zufall – etwa auf einem Trödelmarkt – oft muss Schaffer und ihre Mitarbeiter aber lange recherchieren, bis sie die erforderlichen Objekte finden. Man habe natürlich seine Quellen, aber nicht selten käme die Recherchearbeit einer Sisyphusarbeit gleich, unterstreicht sie. Fünf bis sechs Wochen haben die Production Designer oft nur Zeit, um die Requisiten zu sammeln oder herzustellen. „Für ‚The Girl with the Pearl Earring‘ hatten wir zwölf Wochen, was für ein solches Projekt dennoch nicht sehr viel ist“, unterstreicht Schaffer, die, wie die meisten ihrer Kollegen am Filmset, stets unter Zeitdruck arbeiten muss.

„Schiss“ hatte sie allerdings beim Dreh von Roman Coppolas „CQ“, wo sie sich nicht sicher war, ob sie es schaffen würde, eine Citroën DS nach zu bauen. Christina Schaffer entnimmt meistens dem Drehbuch, welche Gegenstände und Requisiten für einen Film gebraucht werden. Die Lektüre des Drehbuchs erlaube ihr den Einstieg ins Projekt, so Schaffer. Danach sucht sie das Gespräch mit den Filmemachern; mit „Fieber“-Regisseurin Mikesch hat sie sich lange über die Poesie des Streifens unterhalten. Es sei für sie und ihre Arbeit wichtig zu verstehen, was der Regisseur wolle, erklärt die Triererin, die an der luxemburgischen Mosel lebt und ein bekennender Fan des amerikanischen Production Design ist. In amerikanischen Produktionen stehen die Schauspieler im Vordergrund, nicht die Deko. „Ich mag es, wenn die Schauspieler in die Requisiten eingehüllt sind“, so Christina Schaffer lachend.

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