Mar 10 2014

Franzi und die Gespenster der Fremdenlegion

Published by at 15:40 under Amour Fou

http://www.wort.lu

Die Regisseurin Elfi Mikesch über ihren Film “Fieber”

(JLS) – Sie ist ausgebildete Fotografin, hat als Kamerafrau mit Regisseuren wie Rosa von Praunheim oder Werner Schroeter zusammengearbeitet und selbst eine Reihe von Dokumentar- und Spielfilmen inszeniert. Ihr Film „Fieber“, eine luxemburgisch-österreichische Koproduktion, war bei der Berlinale zu sehen und erlebt seine Luxemburger Premiere am 6. März 2014 im Rahmen des Festivals „Discovery Zone“. Gedreht wurde „Fieber“ zu einem großen Teil im Sommer 2013 in Luxemburg, mit einem Cast, der neben den deutschen Stars Eva Mattes und Martin Wuttke auch luxemburgische Schauspieler wie Sascha Ley, André Jung, Luc Feit und Nilton Martins umfasst. Fragen an die Regisseurin.

In „Fieber“ geht es um die Kindheitserinnerungen einer Fotografin, die sich aus den Aufnahmen, die ihr Vater einst als Fremdenlegionär in Nordafrika gemacht hat, eine Fantasiewelt erschafft. Welche Rolle spielen für Sie diese im Film sehr präsenten Fotos?

Die im Film gezeigten Aufnahmen stammen aus der Zeit zwischen 1922 und 1932. Sie wurden von meinem Vater, der in seiner Jugend in der Fremdenlegion diente, in Algerien, Marokko und Syrien – damals französisches Protektoratsgebiet – aufgenommen. Franzi imaginiert von diesen Bildern ausgehend ihre eigene Geschichte und auch für mich stellen sie in gewisser Weise eine Realität dar, die ich gerne ergründen möchte. Als Fotografin stelle ich mir zudem die Frage: Was ist vor den Bildern, was kommt danach? Im Film versucht Franzi, mit ihrer kindlichen Fantasie und der Kraft ihrer Imagination hinter die Geschichte dieser Bilder zu kommen.

„Fieber“ ist kein Thesenfilm, sondern arbeitet sehr viel mit assoziativen Bildern, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart, reale Erinnerungen und Tagträume vermischen …

Was ist Erinnerung? An was wollen wir uns erinnern, an was nicht? Die erwachsene Franziska möchte etwas finden, was sie noch nicht gefunden hat. Sie will ihren Vater jetzt mit den Mitteln einer Erwachsenen kennenlernen. Und sie macht das auf dieser Zugreise nach Novi Sad in Serbien – einer Stadt, deren jüngere Vergangenheit ja auch mit Krieg verbunden ist. Von den Kriegen unserer Zeit, wie jetzt eben auch wieder in Syrien, gibt es sehr viele Bilder, und trotzdem ist die Frage noch genau so aktuell, was diese Aufnahmen zeigen, und was sie dagegen verschweigen.

Die Rolle der erwachsenen Franziska spielt Eva Mattes, die des Vaters Martin Wuttke, die beide großartige Schauspieler sind. Die anderen Rollen haben sie zum Großteil mit luxemburgischen Darstellern besetzt. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen?

Nicole Max spielt die Rolle der Mutter mit einer stillen Intensität, die vermittelt, dass diese Frau sich ihrem Mann unterworfen hat und sie seine Autorität zu keinem Zeitpunkt in Frage stellt. So begeht sie in gewisser Weise auch einen Verrat an ihrer Tochter. Wer Widerstand leistet, ist die Figur der Madame Marguerite, gespielt von Sascha Ley, die natürlich eine Traumfigur ist, an die das Publikum selber Geschichten knüpfen kann. Obwohl sie ihr großes musikalisches Talent in der Rolle nicht einbringen kann, ist auch sie sehr überzeugend, weil sie das Ambivalente, das Abgründige vertritt, das die Fantasie der kleinen Franzi entzündet.Dann haben wir André Jung als Militärarzt, der sich für das schämt, was in den Kolonialkriegen geschehen ist. Die Figur von Luc Feit verkörpert dagegen die Entwicklung einer Mentalität zum zynischen Söldnertum hin. In der Rolle des toten Widerstandskämpfers ist Nilton Martins sehr überzeugend. Er schafft es, ein Feuer in seine Interpretation zu bringen, die ihn gewissermaßen zum Sprecher der kolonisierten Bevölkerung macht. Seine Figur ist bei einem Luftangriff mit Senfgas ums Leben gekommen, die erstmals im Kolonialkrieg in Marokko geflogen wurden.

Sie haben zum ersten Mal in Luxemburg gedreht. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Es war für mich eine sehr schöne Erfahrung, mit all diesen sehr unterschiedlichen Leuten zu arbeiten. Das Luxemburger Team war großartig, Ich habe noch nie eine solche Erfahrung gemacht, wo alles ineinander gegriffen hat, wo alles gestimmt hat. Das ist natürlich ein Verdienst der Produktion, denn es ist nicht einfach, wenn man in verschiedenen Ländern dreht, in unserem Fall Luxemburg, Österreich, in Südtirol und dann auch in Novi Sad. Ich verdanke meinen Schauspielern, aber auch dem Team sehr viel.

Das vollständige Interview lesen Sie im “Luxemburger Wort” vom 6. März 2013.

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Die Regisseurin Elfi Mikesch über ihren Film “Fieber”

(JLS) – Sie ist ausgebildete Fotografin, hat als Kamerafrau mit Regisseuren wie Rosa von Praunheim oder Werner Schroeter zusammengearbeitet und selbst eine Reihe von Dokumentar- und Spielfilmen inszeniert. Ihr Film „Fieber“, eine luxemburgisch-österreichische Koproduktion, war bei der Berlinale zu sehen und erlebt seine Luxemburger Premiere am 6. März 2014 im Rahmen des Festivals „Discovery Zone“. Gedreht wurde „Fieber“ zu einem großen Teil im Sommer 2013 in Luxemburg, mit einem Cast, der neben den deutschen Stars Eva Mattes und Martin Wuttke auch luxemburgische Schauspieler wie Sascha Ley, André Jung, Luc Feit und Nilton Martins umfasst. Fragen an die Regisseurin.

In „Fieber“ geht es um die Kindheitserinnerungen einer Fotografin, die sich aus den Aufnahmen, die ihr Vater einst als Fremdenlegionär in Nordafrika gemacht hat, eine Fantasiewelt erschafft. Welche Rolle spielen für Sie diese im Film sehr präsenten Fotos?

Die im Film gezeigten Aufnahmen stammen aus der Zeit zwischen 1922 und 1932. Sie wurden von meinem Vater, der in seiner Jugend in der Fremdenlegion diente, in Algerien, Marokko und Syrien – damals französisches Protektoratsgebiet – aufgenommen. Franzi imaginiert von diesen Bildern ausgehend ihre eigene Geschichte und auch für mich stellen sie in gewisser Weise eine Realität dar, die ich gerne ergründen möchte. Als Fotografin stelle ich mir zudem die Frage: Was ist vor den Bildern, was kommt danach? Im Film versucht Franzi, mit ihrer kindlichen Fantasie und der Kraft ihrer Imagination hinter die Geschichte dieser Bilder zu kommen.

„Fieber“ ist kein Thesenfilm, sondern arbeitet sehr viel mit assoziativen Bildern, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart, reale Erinnerungen und Tagträume vermischen …

Was ist Erinnerung? An was wollen wir uns erinnern, an was nicht? Die erwachsene Franziska möchte etwas finden, was sie noch nicht gefunden hat. Sie will ihren Vater jetzt mit den Mitteln einer Erwachsenen kennenlernen. Und sie macht das auf dieser Zugreise nach Novi Sad in Serbien – einer Stadt, deren jüngere Vergangenheit ja auch mit Krieg verbunden ist. Von den Kriegen unserer Zeit, wie jetzt eben auch wieder in Syrien, gibt es sehr viele Bilder, und trotzdem ist die Frage noch genau so aktuell, was diese Aufnahmen zeigen, und was sie dagegen verschweigen.

Die Rolle der erwachsenen Franziska spielt Eva Mattes, die des Vaters Martin Wuttke, die beide großartige Schauspieler sind. Die anderen Rollen haben sie zum Großteil mit luxemburgischen Darstellern besetzt. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen?

Nicole Max spielt die Rolle der Mutter mit einer stillen Intensität, die vermittelt, dass diese Frau sich ihrem Mann unterworfen hat und sie seine Autorität zu keinem Zeitpunkt in Frage stellt. So begeht sie in gewisser Weise auch einen Verrat an ihrer Tochter. Wer Widerstand leistet, ist die Figur der Madame Marguerite, gespielt von Sascha Ley, die natürlich eine Traumfigur ist, an die das Publikum selber Geschichten knüpfen kann. Obwohl sie ihr großes musikalisches Talent in der Rolle nicht einbringen kann, ist auch sie sehr überzeugend, weil sie das Ambivalente, das Abgründige vertritt, das die Fantasie der kleinen Franzi entzündet.Dann haben wir André Jung als Militärarzt, der sich für das schämt, was in den Kolonialkriegen geschehen ist. Die Figur von Luc Feit verkörpert dagegen die Entwicklung einer Mentalität zum zynischen Söldnertum hin. In der Rolle des toten Widerstandskämpfers ist Nilton Martins sehr überzeugend. Er schafft es, ein Feuer in seine Interpretation zu bringen, die ihn gewissermaßen zum Sprecher der kolonisierten Bevölkerung macht. Seine Figur ist bei einem Luftangriff mit Senfgas ums Leben gekommen, die erstmals im Kolonialkrieg in Marokko geflogen wurden.

Sie haben zum ersten Mal in Luxemburg gedreht. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Es war für mich eine sehr schöne Erfahrung, mit all diesen sehr unterschiedlichen Leuten zu arbeiten. Das Luxemburger Team war großartig, Ich habe noch nie eine solche Erfahrung gemacht, wo alles ineinander gegriffen hat, wo alles gestimmt hat. Das ist natürlich ein Verdienst der Produktion, denn es ist nicht einfach, wenn man in verschiedenen Ländern dreht, in unserem Fall Luxemburg, Österreich, in Südtirol und dann auch in Novi Sad. Ich verdanke meinen Schauspielern, aber auch dem Team sehr viel.

Das vollständige Interview lesen Sie im “Luxemburger Wort” vom 6. März 2013.

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