Aug 09 2010

„3, 2, 1 … Action!“

Published by at 01:29 under Articles,Deutsch

SOURCE: Vesna Andonovic http://www.wort.lu

Regisseur Miel Van Hoogenbemt dreht die Samsa-Koproduktion „Fils unique“

Danke der Nachfrage: Der Luxemburger Filmindustrie geht es (den Krisenumständen entsprechend) gut! – so lautete zumindest das Fazit der Pressekonferenz, anlässlich der die zuständigen Minister Modert und Biltgen die Jahresbilanz 2009 des Fonspa präsentierten. Letztes Beispiel dieses Tatbestandes: die Dreharbeiten zur Samsa-Film-Koproduktion „Fils unique“ des belgischen Regisseurs Miel Van Hoogenbemt. Besuch auf einem Set, das neben Patrick Chesnais auch ein erfreuliches Wiedersehen mit der Luxemburger Darstellerin Désirée Nosbusch bot …

Es herrscht reges Treiben im Schloss im Rollingergrund. Dabei bestehen Dreharbeiten, wie jeder, der schon einmal dabei war weiß, vor allem aus einem: stundenlangem Warten. Warten auf den Einsatz. Warten, dass die Techniker Licht und Kamera perfekt eingestellt haben. Warten, dass der Regisseur die Anweisung „3, 2, 1 … Action!“ gibt, und wie von Zauberhand, ausgenommen von den Darstellern auf dem Set, alles wie versteinert scheint.

Filmalltag: mehrere Stunden Dreharbeiten für 30 Sekunden im fertigen Film.
Letztere Anweisung gibt zur Zeit Miel Van Hoogenbemt, der in Luxemburg seinen ersten Langspielfilm, der nicht auf einer seiner Dokumentationen basiert, dreht. Zur autobiografisch angelehnten Geschichte, deren Drehbuch der Regisseur gemeinsam mit Dominique Sampiero schrieb: Der 40-jährige Vincent (Laurent Capelluto) hält sich und Tochter Lucie (Coline Leempoel) mit seinem Taxifahrerjob über Wasser. Als seine Mutter an Krebs erkrankt, bittet sie ihn, den Vater Theo (Patrick Chesnais) vorübergehend zu beherbergen.

Doch Vincent hat den „Oger“, wie er ihn früher nannte, seit zehn Jahren nicht gesehen und findet sich im Dilemma zwischen kindlicher Loyalität und Angst vor der Konfrontation mit dem „Pater familias“ wieder. Wird er einen Ausweg aus dieser Zwickmühle-Situation finden? An diesem Nachmittag steht eine Konzertszene auf dem Drehplan. Geduldig wartet das Statisten-Publikum auf seinen Einsatz und jubelt und klatscht auch noch beim vierten „Take“ voller Inbrunst auf Kommando drauf los.

Die mitreißenden Akkorde der fünfköpfigen Luxemburger Band „Kate“, die nicht nur mitspielt, sondern auch noch die gesamte Filmmusik schreibt, hält sie sichtlich bei Laune. „Wir waren ebenso überrascht wie begeistert, als der Regisseur uns kontaktiert hat, weil er unsere Musik auf ,MySpace‘ entdeckt hatte“, erklärt Bassist Philippe „Flepp“ Wenger.

„Eine leise, aber tiefgründige Familienchronik“

Bei den kurzen Drehpausen – mit Jacques Brel und „M“ musikalisch passend untermalt – kann für die Beteiligten von Verschnaufpause keine Rede sein: Bereitwillig stellen sich die Hauptdarsteller den Fragen der anwesenden Presse – die sie ebenso begrüßen können wie den zuständigen Minister François Biltgen, der am Nachmittag kurz vorbeischaut – „Weil ich gerne zuschaue, wie die Leute arbeiten“, meint er scherzhaft. „Es ist wichtig zu zeigen, dass die Filmförderung nicht umsonst ist, sondern eine ganze Reihe von Leuten von dieser Branche lebt“, so der Minister weiter. Den Luxemburger Produzenten Jani Thiltges von Samsa Film, der bereits an van Hoogenbemts erstem Langspielfilm „Miss Montigny“ mitwirkte, hat vor allem die Stringenz des Drehbuchs überzeugt, beim 2,2-Millionen-Projekt mit einzusteigen: „Es ist einfach eine sehr persönliche und berührende Geschichte, ein wahrer, kleiner ,film d’auteur‘“.

Von den insgesamt sieben Drehwochen gab es deren ganzer vier im Großherzogtum: Vom Flughafen, über den Hauptbahnhof bis hin zur Ettelbrücker Klinik wurde gefilmt. Désirée Nosbusch, die Violette, die Geliebte des Vaters, verkörpert, freut sich wieder, in der Heimat arbeiten zu können: „Ob ich auf Französisch oder Deutsch spiele, ist eigentlich egal. Hauptsache man hat eine gute Geschichte wie hier mit dieser leisen, aber tiefgründigen Familienchronik“, führt die Schauspielerin aus.

Auch ihrem Kollegen Patrick Chesnais, dessen zielstrebige Professionalität und Humor sie überaus schätzt, gefällt es besser als letztes Mal, als er im – dixit „beklemmenden“ – Clerf „Le ventre de Juliette“ drehte: „Ich mag die Figur des Vaters sehr: Er ist antipathisch, manchmal gar monströs, aber auch durchaus widersprüchlich und fesselnd – solch komplexe Rollen, und dann auch noch in einer so intelligent konstruierten Geschichte, findet man heutzutage selten“, sinnt er, bevor er wieder vor der Kamera erwartet wird.

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SOURCE: Vesna Andonovic http://www.wort.lu

Regisseur Miel Van Hoogenbemt dreht die Samsa-Koproduktion „Fils unique“

Danke der Nachfrage: Der Luxemburger Filmindustrie geht es (den Krisenumständen entsprechend) gut! – so lautete zumindest das Fazit der Pressekonferenz, anlässlich der die zuständigen Minister Modert und Biltgen die Jahresbilanz 2009 des Fonspa präsentierten. Letztes Beispiel dieses Tatbestandes: die Dreharbeiten zur Samsa-Film-Koproduktion „Fils unique“ des belgischen Regisseurs Miel Van Hoogenbemt. Besuch auf einem Set, das neben Patrick Chesnais auch ein erfreuliches Wiedersehen mit der Luxemburger Darstellerin Désirée Nosbusch bot …

Es herrscht reges Treiben im Schloss im Rollingergrund. Dabei bestehen Dreharbeiten, wie jeder, der schon einmal dabei war weiß, vor allem aus einem: stundenlangem Warten. Warten auf den Einsatz. Warten, dass die Techniker Licht und Kamera perfekt eingestellt haben. Warten, dass der Regisseur die Anweisung „3, 2, 1 … Action!“ gibt, und wie von Zauberhand, ausgenommen von den Darstellern auf dem Set, alles wie versteinert scheint.

Filmalltag: mehrere Stunden Dreharbeiten für 30 Sekunden im fertigen Film.
Letztere Anweisung gibt zur Zeit Miel Van Hoogenbemt, der in Luxemburg seinen ersten Langspielfilm, der nicht auf einer seiner Dokumentationen basiert, dreht. Zur autobiografisch angelehnten Geschichte, deren Drehbuch der Regisseur gemeinsam mit Dominique Sampiero schrieb: Der 40-jährige Vincent (Laurent Capelluto) hält sich und Tochter Lucie (Coline Leempoel) mit seinem Taxifahrerjob über Wasser. Als seine Mutter an Krebs erkrankt, bittet sie ihn, den Vater Theo (Patrick Chesnais) vorübergehend zu beherbergen.

Doch Vincent hat den „Oger“, wie er ihn früher nannte, seit zehn Jahren nicht gesehen und findet sich im Dilemma zwischen kindlicher Loyalität und Angst vor der Konfrontation mit dem „Pater familias“ wieder. Wird er einen Ausweg aus dieser Zwickmühle-Situation finden? An diesem Nachmittag steht eine Konzertszene auf dem Drehplan. Geduldig wartet das Statisten-Publikum auf seinen Einsatz und jubelt und klatscht auch noch beim vierten „Take“ voller Inbrunst auf Kommando drauf los.

Die mitreißenden Akkorde der fünfköpfigen Luxemburger Band „Kate“, die nicht nur mitspielt, sondern auch noch die gesamte Filmmusik schreibt, hält sie sichtlich bei Laune. „Wir waren ebenso überrascht wie begeistert, als der Regisseur uns kontaktiert hat, weil er unsere Musik auf ,MySpace‘ entdeckt hatte“, erklärt Bassist Philippe „Flepp“ Wenger.

„Eine leise, aber tiefgründige Familienchronik“

Bei den kurzen Drehpausen – mit Jacques Brel und „M“ musikalisch passend untermalt – kann für die Beteiligten von Verschnaufpause keine Rede sein: Bereitwillig stellen sich die Hauptdarsteller den Fragen der anwesenden Presse – die sie ebenso begrüßen können wie den zuständigen Minister François Biltgen, der am Nachmittag kurz vorbeischaut – „Weil ich gerne zuschaue, wie die Leute arbeiten“, meint er scherzhaft. „Es ist wichtig zu zeigen, dass die Filmförderung nicht umsonst ist, sondern eine ganze Reihe von Leuten von dieser Branche lebt“, so der Minister weiter. Den Luxemburger Produzenten Jani Thiltges von Samsa Film, der bereits an van Hoogenbemts erstem Langspielfilm „Miss Montigny“ mitwirkte, hat vor allem die Stringenz des Drehbuchs überzeugt, beim 2,2-Millionen-Projekt mit einzusteigen: „Es ist einfach eine sehr persönliche und berührende Geschichte, ein wahrer, kleiner ,film d’auteur‘“.

Von den insgesamt sieben Drehwochen gab es deren ganzer vier im Großherzogtum: Vom Flughafen, über den Hauptbahnhof bis hin zur Ettelbrücker Klinik wurde gefilmt. Désirée Nosbusch, die Violette, die Geliebte des Vaters, verkörpert, freut sich wieder, in der Heimat arbeiten zu können: „Ob ich auf Französisch oder Deutsch spiele, ist eigentlich egal. Hauptsache man hat eine gute Geschichte wie hier mit dieser leisen, aber tiefgründigen Familienchronik“, führt die Schauspielerin aus.

Auch ihrem Kollegen Patrick Chesnais, dessen zielstrebige Professionalität und Humor sie überaus schätzt, gefällt es besser als letztes Mal, als er im – dixit „beklemmenden“ – Clerf „Le ventre de Juliette“ drehte: „Ich mag die Figur des Vaters sehr: Er ist antipathisch, manchmal gar monströs, aber auch durchaus widersprüchlich und fesselnd – solch komplexe Rollen, und dann auch noch in einer so intelligent konstruierten Geschichte, findet man heutzutage selten“, sinnt er, bevor er wieder vor der Kamera erwartet wird.

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