Aug 08 2011

„D’Symmetrie vum Päiperlek“

Published by at 01:29 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.wort.lu/wort/web/letzebuerg/artikel/2011/08/157996/schmetterlinge-im-bauch.php -Vesna Andonovic
Schmetterlinge im Bauch AFO-Pioniere starten neues Filmprojekt

Nostalgie und eine Prise Wehmut klingen immer mit, wenn man in Kinokreisen den Namen „AFO“ erwähnt. Denn wie sonst keine anderen, stehen diese drei Buchstaben stellvertretend für die Kinderzeit des Luxemburger Films, in den frühen 80er-Jahren als die bewegten Bilder buchstäblich laufen lernten. Nun darf man den Blick endlich wieder nach vorne richten, denn mit „D’Symmetrie vum Päiperlek“ kehren die „AFO-Film“-Pioniere Paul Scheuer und Maisy Hausemer – die man in den letzten 16 Jahren nur als eingefleischte Kinogänger im dunklen Saal antraf – erneut auf die große Leinwand zurück. Besuch beim Casting-Endspurt der Iris-Produktion, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll …

Man erinnere sich: „Congé fir e Mord“ (1983), „Mumm Sweet Mumm“ (1989) oder „Dammentour“ (1992) läuteten ein, was heute ein wenngleich nicht einfacher, doch durchaus lebensfähiger Wirtschaftszweig ist: Die Luxemburger Filmindustrie, die mit zahlreichen internationalen Koproduktionen aufwarten kann. Leider ging die notwendige Professionnalisierung des Sektors nicht nur größtenteils auf Kosten der Magie des „Handgemachten“ – bei der die deutlich spürbare Begeisterung der „Macher“ kleine, technische Mängel aufwog –, sondern ebenfalls auf der der nationalen Identität. Um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen, werden so oft landestypische Merkmale, wie z. B. die Sprache einer hypothetischen Exportmöglichkeit geopfert.

Casting auf Hochtouren

Wie eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln – und Stärken – mutet da an, dass derzeit mit der Iris-Produktion „D’Symmetrie vum Päiperlek“ des Duo Scheuer/Hausemer und dem Samsa-Krimi „Doudege Wénkel“ von Christophe Wagner gleich zwei Luxemburger Produktionen – „op Lëtzebuergesch“ versteht sich – an der Tagesordnung stehen. Während letzter bereits mitten in den Dreharbeiten ist, läuft bei „D’Symmetrie vum Päiperlek“ das Casting derzeit noch auf Volltouren. Zu diesem finden sich dann nicht nur angehende Darsteller ein, auch ihre gestandenen Kollegen müssen sich hier aufs Neue beweisen – ein klein wenig Examensatmosphäre liegt schon in der Luft, wenn man gegenüber Maisy Hausemer, Paul Scheuer und Produzent Nicolas Steil Platz nimmt.

„In meiner Altersgruppe ist die Konkurrenz etwas spärlicher gesäht“, scherzt Marc Olinger ausgelassen und fügt hinzu, „Und glücklicherweise ist Fernand (Fox) nicht da, denn sonst hätte ich ja sowieso überhaupt keine Chance auf den Job.“ Der ehemalige Kapuzinertheater-Direktor und Schauspieler soll die Hauptrolle des Roger – dem Schriftsteller Roger Manderscheid, dem der Film gewidmet ist und dessen Spuren in Bild und Wort erkennbar sind, nachempfunden – übernehmen. Das Drehbuch wird auf Seite 42 aufgeschlagen, und Regisseur Paul Scheuer übernimmt die Zeilen der Sofia, während Maisy Hausemer und Produzent Nicolas Steil konzentriert auf den kleinen Monitor blicken, auf dem das Bild übertragen wird, das die Kamera gerade aufnimmt. Dann steigt Steil als Spielpartner ein, und Regisseur Scheuer studiert eingehend Olingers Betonung und Mimik.

Vor drei Jahren hatten Maisy Hausemer und Paul Scheuer dem Produktionshaus ihr Projekt zugeschickt: „Der Film vereint verschiedene Ebenen auf poetisch-traumhafte Weise und lässt so einen Surrealismus ,à la luxembourgeoise‘ entstehen“, so der Produzent, der weiter erläutert, dass es ein grundlegend optimistischer Film sei. „Mit 1,9 Millionen Euro sind wir ein kleiner Film mit großen Ambitionen“, meint Nicolas Steil abschließend.

Neue Talente und alte Hasen

 

Aus der Not, die durch die zahlreichen, gleichzeitig angesetzten Dreharbeiten von Spielfilmen und der Sitcom-Fernsehproduktion hat das Filmteam eine Tugend gemacht. „Schon zu ,AFO‘-Zeiten war uns daran gelegen, neue Talente und Gesichter zu finden“ erklärt Regisseur Paul Scheuer und fügt schmunzelnd hinzu, „Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass wir den ,alten Hasen‘ keine Chance bieten“. Veranschaulicht wird dies durch einen kurzen Blick auf die bereits besetzten Rollen: Die talentierte Marie Jung, deren Vater André gerade ein Kommisar in „Doudege Wénkel“ mimt und die nach einem Auftritt in „Der Fürsorger“ hier als Sophie/Sofia ihre erste Hauptrolle bestreitet. An ihrer Seite stehen u. a. die theatererprobten Schauspieler Fred Frenay (Gregori/Georges) und Luc Schiltz (Max/Misch).

Alle Hauptdarsteller dürfen dann auch gleich in zwei Rollen schlüpfen in der Geschichte um den Schriftsteller Roger, der „Geschichten erfindet“, so Maisy Hausemer schelmisch. Eine gewisse „Verspieltheit“ war und ist den Drehbuchautoren wichtig: „Quand on n’a plus envie de jouer, les jeux sont faits!“, hatten sie als Zitat ihrem Projekt vorangesetzt, und den Produzenten sogleich für sich gewonnen. Gedreht wird ab dem 16. August bis Ende September quer durchs Land, vom Stausee in Esch/Sauer, über Bettendorf bis hin nach Remerschen.

„Es war uns wichtig Luxemburger Mythen und Eigenarten miteinzuflechten“, so Maisy Hausemer, die verrät, dass selbst von den Schleck-Brüdern inspiriert, sportliche Höchstleistungen thematisiert werden. Etwas Geduld wird man dann trotzdem noch aufbringen müssen bis man im Vorspann Paul Scheuer und Maisy Hausemer lesen kann, „D’Symmetrie vum Päiperlek“ soll Ende 2012 in den hiesigen Kinos anlaufen. Bis da muss man sich mit dem – durchaus nicht minder angenehmen – Gefühl der Schmetterlinge im Bauch begnügen …

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Schmetterlinge im Bauch AFO-Pioniere starten neues Filmprojekt

Nostalgie und eine Prise Wehmut klingen immer mit, wenn man in Kinokreisen den Namen „AFO“ erwähnt. Denn wie sonst keine anderen, stehen diese drei Buchstaben stellvertretend für die Kinderzeit des Luxemburger Films, in den frühen 80er-Jahren als die bewegten Bilder buchstäblich laufen lernten. Nun darf man den Blick endlich wieder nach vorne richten, denn mit „D’Symmetrie vum Päiperlek“ kehren die „AFO-Film“-Pioniere Paul Scheuer und Maisy Hausemer – die man in den letzten 16 Jahren nur als eingefleischte Kinogänger im dunklen Saal antraf – erneut auf die große Leinwand zurück. Besuch beim Casting-Endspurt der Iris-Produktion, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll …

Man erinnere sich: „Congé fir e Mord“ (1983), „Mumm Sweet Mumm“ (1989) oder „Dammentour“ (1992) läuteten ein, was heute ein wenngleich nicht einfacher, doch durchaus lebensfähiger Wirtschaftszweig ist: Die Luxemburger Filmindustrie, die mit zahlreichen internationalen Koproduktionen aufwarten kann. Leider ging die notwendige Professionnalisierung des Sektors nicht nur größtenteils auf Kosten der Magie des „Handgemachten“ – bei der die deutlich spürbare Begeisterung der „Macher“ kleine, technische Mängel aufwog –, sondern ebenfalls auf der der nationalen Identität. Um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen, werden so oft landestypische Merkmale, wie z. B. die Sprache einer hypothetischen Exportmöglichkeit geopfert.

Casting auf Hochtouren

Wie eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln – und Stärken – mutet da an, dass derzeit mit der Iris-Produktion „D’Symmetrie vum Päiperlek“ des Duo Scheuer/Hausemer und dem Samsa-Krimi „Doudege Wénkel“ von Christophe Wagner gleich zwei Luxemburger Produktionen – „op Lëtzebuergesch“ versteht sich – an der Tagesordnung stehen. Während letzter bereits mitten in den Dreharbeiten ist, läuft bei „D’Symmetrie vum Päiperlek“ das Casting derzeit noch auf Volltouren. Zu diesem finden sich dann nicht nur angehende Darsteller ein, auch ihre gestandenen Kollegen müssen sich hier aufs Neue beweisen – ein klein wenig Examensatmosphäre liegt schon in der Luft, wenn man gegenüber Maisy Hausemer, Paul Scheuer und Produzent Nicolas Steil Platz nimmt.

„In meiner Altersgruppe ist die Konkurrenz etwas spärlicher gesäht“, scherzt Marc Olinger ausgelassen und fügt hinzu, „Und glücklicherweise ist Fernand (Fox) nicht da, denn sonst hätte ich ja sowieso überhaupt keine Chance auf den Job.“ Der ehemalige Kapuzinertheater-Direktor und Schauspieler soll die Hauptrolle des Roger – dem Schriftsteller Roger Manderscheid, dem der Film gewidmet ist und dessen Spuren in Bild und Wort erkennbar sind, nachempfunden – übernehmen. Das Drehbuch wird auf Seite 42 aufgeschlagen, und Regisseur Paul Scheuer übernimmt die Zeilen der Sofia, während Maisy Hausemer und Produzent Nicolas Steil konzentriert auf den kleinen Monitor blicken, auf dem das Bild übertragen wird, das die Kamera gerade aufnimmt. Dann steigt Steil als Spielpartner ein, und Regisseur Scheuer studiert eingehend Olingers Betonung und Mimik.

Vor drei Jahren hatten Maisy Hausemer und Paul Scheuer dem Produktionshaus ihr Projekt zugeschickt: „Der Film vereint verschiedene Ebenen auf poetisch-traumhafte Weise und lässt so einen Surrealismus ,à la luxembourgeoise‘ entstehen“, so der Produzent, der weiter erläutert, dass es ein grundlegend optimistischer Film sei. „Mit 1,9 Millionen Euro sind wir ein kleiner Film mit großen Ambitionen“, meint Nicolas Steil abschließend.

Neue Talente und alte Hasen

 

Aus der Not, die durch die zahlreichen, gleichzeitig angesetzten Dreharbeiten von Spielfilmen und der Sitcom-Fernsehproduktion hat das Filmteam eine Tugend gemacht. „Schon zu ,AFO‘-Zeiten war uns daran gelegen, neue Talente und Gesichter zu finden“ erklärt Regisseur Paul Scheuer und fügt schmunzelnd hinzu, „Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass wir den ,alten Hasen‘ keine Chance bieten“. Veranschaulicht wird dies durch einen kurzen Blick auf die bereits besetzten Rollen: Die talentierte Marie Jung, deren Vater André gerade ein Kommisar in „Doudege Wénkel“ mimt und die nach einem Auftritt in „Der Fürsorger“ hier als Sophie/Sofia ihre erste Hauptrolle bestreitet. An ihrer Seite stehen u. a. die theatererprobten Schauspieler Fred Frenay (Gregori/Georges) und Luc Schiltz (Max/Misch).

Alle Hauptdarsteller dürfen dann auch gleich in zwei Rollen schlüpfen in der Geschichte um den Schriftsteller Roger, der „Geschichten erfindet“, so Maisy Hausemer schelmisch. Eine gewisse „Verspieltheit“ war und ist den Drehbuchautoren wichtig: „Quand on n’a plus envie de jouer, les jeux sont faits!“, hatten sie als Zitat ihrem Projekt vorangesetzt, und den Produzenten sogleich für sich gewonnen. Gedreht wird ab dem 16. August bis Ende September quer durchs Land, vom Stausee in Esch/Sauer, über Bettendorf bis hin nach Remerschen.

„Es war uns wichtig Luxemburger Mythen und Eigenarten miteinzuflechten“, so Maisy Hausemer, die verrät, dass selbst von den Schleck-Brüdern inspiriert, sportliche Höchstleistungen thematisiert werden. Etwas Geduld wird man dann trotzdem noch aufbringen müssen bis man im Vorspann Paul Scheuer und Maisy Hausemer lesen kann, „D’Symmetrie vum Päiperlek“ soll Ende 2012 in den hiesigen Kinos anlaufen. Bis da muss man sich mit dem – durchaus nicht minder angenehmen – Gefühl der Schmetterlinge im Bauch begnügen …

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