Dec 08 2009

„House Of Boys“ zum besten luxemburgischen Film gewählt

Published by at 12:58 under Articles,Filmprais

SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

Der letzte Freitagabend war für alle Filmschaffenden des Großherzogtums das Highlight des Jahres. Rund 800 geladene Gäste aus allen Bereichen der Kultur strömten in die Ausstellungshalle auf Kirchberg, wo die Preisverleihung des vierten „Lëtzebuerger Filmpräis“ stattfand. Während des Begrüßungstranks wurde noch viel spekuliert und diskutiert, wer denn nun welchen Preis gewinnen sollte oder gar müsste. Somit schwebte eine diskrete Spannung über der festlichen Atmosphäre. Mit etwas Verspätung begann die Preisverleihung kurz nach 20.00 Uhr.

Ein verdienter Ehrenpreis und der beste Kurzfilm
Die luxemburgische Band Eternal Tango umrahmte die Verleihung musikalisch, Fred Neuen und Max Hochmut (www.eveant.com) animierten sie mit viel Witz und Charme. Jury-Präsidentin Désirée Nosbusch stellte erst einmal ihre Juroren vor: Kritiker Boyd van Hoeij, EU-Kommissarin Viviane Reding, „Utopolis“-Direktor Nico Simon, Kameramann Klaus Peter Weber, Professor Frank Wilhelm und Regisseur Dan Wiroth. Die Präsidentin erklärte, dass die Jury sich für einen Ehrenpreis entschieden habe und zwar für die Bühnenbildnerin Christina Schaffer, die gleich elfmal in der Sparte beste technische Leistung nominiert war. Ihre besten Arbeiten waren u. a. die Dekorationen zu „Dust“, „Flawless“, „House Of Boys“ und „Nous trois“. Christina betrat komplett überrascht die Bühne und nahm den Tränen nahe, ihren Ehrenpreis entgegen. Bereits 2005 wurde sie mit dem Filmpreis für ihre Leistung in Sachen Bühnenbau für „The Girl With The Pearl Earring“ ausgezeichnet.
Die Schauspieler Vicky Krieps und Tom Leick überreichten anschließend den Preis für den besten Kurzfilm an die Samsa Produktion „Routine“ von Saesa Kyiokawa, was sicher auch eine Überraschung war. Die Regisseurin und die Produzentin Anne Schroeder nahmen ihre Preise in Empfang.
Die besten artistischen und technischen Leistungen
Die schwierigste Wahl stellte sich in den Kategorien der besten artistischen und technischen Leistungen. Unter über 100 Namen musste die Jury die Gewinner wählen. Die Entscheidung der Jury, den Preis der besten artistischen Leistung an Beryl Koltz und Armand Strainchamps zu vergeben, war sicher eine weitere Überraschung, denn ihr Film „Diddeleng – 100 Joer, 100 Gesiichter“ ist eine eher banale Aneinanderreihung von Aussagen zur hundertjährigen Geschichte der Stadt Düdelingen. Der Preis wurde von Produzent Jani Thiltges (Samsa Film) und Kostümbildnerin Uli Simon an die beiden Gewinner überreicht.
Dagegen war die Wahl von Kamerachef Carlo Thiel in der Sparte der besten technischen Leistung absolut vertretbar. Sein Name taucht in zehn verschiedenen nominierten Filmen auf, u. a. „Entrée d’artistes“, „House Of Boys“, „InThierryView“ und „Tausend Ozeane“. Er nahm seine Auszeichnung aus den Händen von Sascha Ley und Marco Lorenzini entgegen.
Die beste Co-Produktion und ein Hommage an Thierry Van Werveke
In der Kategorie der besten Co-Produktion tummelten sich eine Reihe interessanter Filme. Die Jury hat sich für „Bride Flight“ von Ben Sombogaart entschieden, eine holländisch-luxemburgische Gemeinschaftsproduktion zwischen ID TV Films (Holland) und Samsa Film. Film-Fund-Direktor Guy Daleiden und Tänzerin Sylvia Camarda übergaben die Filmpreise an den Samsa-Produzenten Jani Thiltges und sein holländische Kollegin Hanneke Niens.
Désirée Nosbusch betrat wieder die Bühne und erinnerte an den im Januar verstorbenen Thierry Van Werveke. Selbst stand sie mit ihm u. a. in den Andy-Bausch-Filmen „A Wopbobaloobop a Lopbamboom“ (1989), „Three Shake-a-Leg Steps to Heaven“ (1993) und „Ex und hopp – Ein böses Spiel um Liebe, Geld und Bier“ (1991) vor der Kamera. Sie erinnerte mit einer bewegten Stimme an jene Momente mit Thierry, die in die luxemburgische Filmgeschichte eingegangen sind. Mit Thierry habe Luxemburg seinen wohl bekanntesten und besten Schauspieler verloren, der 2003 mit dem ersten „Lëtzebuerger Filmpräis“ in „Le club des chômeurs“ ausgezeichnet wurde und der als einziger Luxemburger mit dem Adolf-Grimme-Preis belohnt wurde, für seine Rolle in „Eine andere Liga“ von Buket Alakus. Mit einer stehenden Ovation bedankte sich das Publikum bei Thierry. Später am Abend teilte Produzent Paul Thiltges noch mit, dass die nach ihm benannte Stiftung, die Fondation Thierry Van Werveke, endlich vom Staat anerkannt wurde. Seine Witwe Danielle leitet diese Stiftung, die Jugendlichen in Schwierigkeiten und jungen Artisten helfen will.
Der beste Dokumentar- und Animationsfilm
Kulturministerin Octavie Modert und Musiker Gast Waltzing gaben den Gewinner in der Kategorie bester Dokumentarfilm bekannt: „Entrée d’artistes“ von Andy Bausch realisiert und produziert. Auch diese Wahl kann man als Überraschung ansehen, hätte man doch eher mit seinem „InThierryView“ gerechnet.
Regisseur Olivier Pesch und Maskenbildnerin Katja Reinert gaben die Gewinner in der neuen Kategorie des besten Animationsfilms bekannt. Als bester Langspielfilm wurde die belgisch-luxemburgische Co-Produktion „Panique au village“ von Vincent Patar und Stéphane Aubier gewählt und als bester Kurzfilm die Iris Produktion „Le vieil homme dans le brouillard“ von Thierry Schiel. Produzent Stéphan Roelants (Mélusine) nahm in Abwesenheit seines Co-Produzenten Vincent Tavier (La Parti Production) die Filmpreise in Empfang sowie Thierry Schiel und Produzent Nicolas Steil die ihren.
Die Wahl des Publikums
Das Publikum durfte dieses Jahr über Internet seinen Lieblingsfilm wählen. Zur Wahl standen die vier publikumwirksamsten Streifen im Luxemburger Box-Office der letzten zwei Jahre: „Léif Lëtzebuerger“ (9.000 Zuschauer), „Nuits d’Arabie“ (5.500), „InThierryView“ (5.100) und „Luxemburg, USA“ (4.200). Fred Neuen und Max Hochmut übergaben den Preis an Andy Bausch und Produzent Paul Thiltges für ihr filmisches Hommage an Thierry Van Werveke „InThierryView“. Somit wurde auch Thierry postum geehrt.
Der beste luxemburgische Film
Der Höhepunkt des Abends nahte, und Minister François Biltgen und Viviane Reding in ihrer Funktion als Jurymitglied betraten die Bühne, um den Namen des besten luxemburgischen Films bekannt zu geben. Nur drei Film waren in dieser Kategorie selektiert: „Réfractaire“ von Nicolas Steil, „Dust“ von Max Jacoby und „House Of Boys“ von Jean-Claude Schlim. „Es war die schwierigste Diskussion, aber wir haben einen Sieger gefunden“, erklärte Viviane Reding, und der Titel des ersten Spielfilms von Jean-Claude Schlim wurde als Gewinnerfilm genannt. Zusammen mit seinen Produzenten von Delux Productions Jimmy de Brabant und Bob Bellion nahm der Regisseur seinen „Lëtzebuerger Filmpräis“ entgegen.
Im Großen und Ganzen konnte man mit den Entscheidungen der Jury leben, eine wirkliche Fehlentscheidung blieb aus. Nach der Preisverleihung durften endlich Hunger und Durst gestillt werden. Besonders das Osso Bucco schmeckte lecker. Zwischen zwei Happen wurde der Filmpreis noch einmal Revue passieren gelassen. Leider aber wurde die Hintergrundmusik immer lauter, und nach und nach leerte sich der Saal, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Warum niemand den DJ rügte war unverständlich, außer dass man den Leuten so mitteilen wollte, sich schneller auf den Nachhauseweg zu machen. Schade war das schon, hatte man sich doch noch so viel zu sagen. Jetzt zieht wieder Ruhe in die Filmlandschaft unseres Ländchens ein, und die Filmschaffenden können sich neue Ideen ausdenken, mit denen sie das Luxemburger Publikum überraschen und in zwei Jahren einen „Lëtzebuerger Filmpräis“ gewinnen können. › CH.S.

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SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

Der letzte Freitagabend war für alle Filmschaffenden des Großherzogtums das Highlight des Jahres. Rund 800 geladene Gäste aus allen Bereichen der Kultur strömten in die Ausstellungshalle auf Kirchberg, wo die Preisverleihung des vierten „Lëtzebuerger Filmpräis“ stattfand. Während des Begrüßungstranks wurde noch viel spekuliert und diskutiert, wer denn nun welchen Preis gewinnen sollte oder gar müsste. Somit schwebte eine diskrete Spannung über der festlichen Atmosphäre. Mit etwas Verspätung begann die Preisverleihung kurz nach 20.00 Uhr.

Ein verdienter Ehrenpreis und der beste Kurzfilm
Die luxemburgische Band Eternal Tango umrahmte die Verleihung musikalisch, Fred Neuen und Max Hochmut (www.eveant.com) animierten sie mit viel Witz und Charme. Jury-Präsidentin Désirée Nosbusch stellte erst einmal ihre Juroren vor: Kritiker Boyd van Hoeij, EU-Kommissarin Viviane Reding, „Utopolis“-Direktor Nico Simon, Kameramann Klaus Peter Weber, Professor Frank Wilhelm und Regisseur Dan Wiroth. Die Präsidentin erklärte, dass die Jury sich für einen Ehrenpreis entschieden habe und zwar für die Bühnenbildnerin Christina Schaffer, die gleich elfmal in der Sparte beste technische Leistung nominiert war. Ihre besten Arbeiten waren u. a. die Dekorationen zu „Dust“, „Flawless“, „House Of Boys“ und „Nous trois“. Christina betrat komplett überrascht die Bühne und nahm den Tränen nahe, ihren Ehrenpreis entgegen. Bereits 2005 wurde sie mit dem Filmpreis für ihre Leistung in Sachen Bühnenbau für „The Girl With The Pearl Earring“ ausgezeichnet.
Die Schauspieler Vicky Krieps und Tom Leick überreichten anschließend den Preis für den besten Kurzfilm an die Samsa Produktion „Routine“ von Saesa Kyiokawa, was sicher auch eine Überraschung war. Die Regisseurin und die Produzentin Anne Schroeder nahmen ihre Preise in Empfang.
Die besten artistischen und technischen Leistungen
Die schwierigste Wahl stellte sich in den Kategorien der besten artistischen und technischen Leistungen. Unter über 100 Namen musste die Jury die Gewinner wählen. Die Entscheidung der Jury, den Preis der besten artistischen Leistung an Beryl Koltz und Armand Strainchamps zu vergeben, war sicher eine weitere Überraschung, denn ihr Film „Diddeleng – 100 Joer, 100 Gesiichter“ ist eine eher banale Aneinanderreihung von Aussagen zur hundertjährigen Geschichte der Stadt Düdelingen. Der Preis wurde von Produzent Jani Thiltges (Samsa Film) und Kostümbildnerin Uli Simon an die beiden Gewinner überreicht.
Dagegen war die Wahl von Kamerachef Carlo Thiel in der Sparte der besten technischen Leistung absolut vertretbar. Sein Name taucht in zehn verschiedenen nominierten Filmen auf, u. a. „Entrée d’artistes“, „House Of Boys“, „InThierryView“ und „Tausend Ozeane“. Er nahm seine Auszeichnung aus den Händen von Sascha Ley und Marco Lorenzini entgegen.
Die beste Co-Produktion und ein Hommage an Thierry Van Werveke
In der Kategorie der besten Co-Produktion tummelten sich eine Reihe interessanter Filme. Die Jury hat sich für „Bride Flight“ von Ben Sombogaart entschieden, eine holländisch-luxemburgische Gemeinschaftsproduktion zwischen ID TV Films (Holland) und Samsa Film. Film-Fund-Direktor Guy Daleiden und Tänzerin Sylvia Camarda übergaben die Filmpreise an den Samsa-Produzenten Jani Thiltges und sein holländische Kollegin Hanneke Niens.
Désirée Nosbusch betrat wieder die Bühne und erinnerte an den im Januar verstorbenen Thierry Van Werveke. Selbst stand sie mit ihm u. a. in den Andy-Bausch-Filmen „A Wopbobaloobop a Lopbamboom“ (1989), „Three Shake-a-Leg Steps to Heaven“ (1993) und „Ex und hopp – Ein böses Spiel um Liebe, Geld und Bier“ (1991) vor der Kamera. Sie erinnerte mit einer bewegten Stimme an jene Momente mit Thierry, die in die luxemburgische Filmgeschichte eingegangen sind. Mit Thierry habe Luxemburg seinen wohl bekanntesten und besten Schauspieler verloren, der 2003 mit dem ersten „Lëtzebuerger Filmpräis“ in „Le club des chômeurs“ ausgezeichnet wurde und der als einziger Luxemburger mit dem Adolf-Grimme-Preis belohnt wurde, für seine Rolle in „Eine andere Liga“ von Buket Alakus. Mit einer stehenden Ovation bedankte sich das Publikum bei Thierry. Später am Abend teilte Produzent Paul Thiltges noch mit, dass die nach ihm benannte Stiftung, die Fondation Thierry Van Werveke, endlich vom Staat anerkannt wurde. Seine Witwe Danielle leitet diese Stiftung, die Jugendlichen in Schwierigkeiten und jungen Artisten helfen will.
Der beste Dokumentar- und Animationsfilm
Kulturministerin Octavie Modert und Musiker Gast Waltzing gaben den Gewinner in der Kategorie bester Dokumentarfilm bekannt: „Entrée d’artistes“ von Andy Bausch realisiert und produziert. Auch diese Wahl kann man als Überraschung ansehen, hätte man doch eher mit seinem „InThierryView“ gerechnet.
Regisseur Olivier Pesch und Maskenbildnerin Katja Reinert gaben die Gewinner in der neuen Kategorie des besten Animationsfilms bekannt. Als bester Langspielfilm wurde die belgisch-luxemburgische Co-Produktion „Panique au village“ von Vincent Patar und Stéphane Aubier gewählt und als bester Kurzfilm die Iris Produktion „Le vieil homme dans le brouillard“ von Thierry Schiel. Produzent Stéphan Roelants (Mélusine) nahm in Abwesenheit seines Co-Produzenten Vincent Tavier (La Parti Production) die Filmpreise in Empfang sowie Thierry Schiel und Produzent Nicolas Steil die ihren.
Die Wahl des Publikums
Das Publikum durfte dieses Jahr über Internet seinen Lieblingsfilm wählen. Zur Wahl standen die vier publikumwirksamsten Streifen im Luxemburger Box-Office der letzten zwei Jahre: „Léif Lëtzebuerger“ (9.000 Zuschauer), „Nuits d’Arabie“ (5.500), „InThierryView“ (5.100) und „Luxemburg, USA“ (4.200). Fred Neuen und Max Hochmut übergaben den Preis an Andy Bausch und Produzent Paul Thiltges für ihr filmisches Hommage an Thierry Van Werveke „InThierryView“. Somit wurde auch Thierry postum geehrt.
Der beste luxemburgische Film
Der Höhepunkt des Abends nahte, und Minister François Biltgen und Viviane Reding in ihrer Funktion als Jurymitglied betraten die Bühne, um den Namen des besten luxemburgischen Films bekannt zu geben. Nur drei Film waren in dieser Kategorie selektiert: „Réfractaire“ von Nicolas Steil, „Dust“ von Max Jacoby und „House Of Boys“ von Jean-Claude Schlim. „Es war die schwierigste Diskussion, aber wir haben einen Sieger gefunden“, erklärte Viviane Reding, und der Titel des ersten Spielfilms von Jean-Claude Schlim wurde als Gewinnerfilm genannt. Zusammen mit seinen Produzenten von Delux Productions Jimmy de Brabant und Bob Bellion nahm der Regisseur seinen „Lëtzebuerger Filmpräis“ entgegen.
Im Großen und Ganzen konnte man mit den Entscheidungen der Jury leben, eine wirkliche Fehlentscheidung blieb aus. Nach der Preisverleihung durften endlich Hunger und Durst gestillt werden. Besonders das Osso Bucco schmeckte lecker. Zwischen zwei Happen wurde der Filmpreis noch einmal Revue passieren gelassen. Leider aber wurde die Hintergrundmusik immer lauter, und nach und nach leerte sich der Saal, weil man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Warum niemand den DJ rügte war unverständlich, außer dass man den Leuten so mitteilen wollte, sich schneller auf den Nachhauseweg zu machen. Schade war das schon, hatte man sich doch noch so viel zu sagen. Jetzt zieht wieder Ruhe in die Filmlandschaft unseres Ländchens ein, und die Filmschaffenden können sich neue Ideen ausdenken, mit denen sie das Luxemburger Publikum überraschen und in zwei Jahren einen „Lëtzebuerger Filmpräis“ gewinnen können. › CH.S.

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