Jan 17 2010

„InThierryview“ – eine unumgängliche Dokumentation

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SOURCE: http://www.journal.lu – CH.S

Der Schock im Großherzogtum war groß, als am Montag, dem 12. Januar 2009, bekannt wurde, dass Thierry van Werveke im Alter von nur 50 Jahren in den frühen Morgenstunden verstorben war. Nach einer lebensrettenden Lebertransplantation im Januar 2008 hatte sich der Schauspieler gut erholt, aber ganz gesund wurde Thierry nicht. Knapp zwei Monate vor seinem Tod fand im „Utopolis“ die Premiere des Dokumentarfilms „InThierryview“ von Andy Bausch statt, eine sehenswerte Hommage an Luxemburgs Schauspielerlegende, Thierry National oder Johnny Chicago, wie er sich in „Troublemaker“ nannte.

Der Film wurde im vergangenen Dezember im Rahmen der Vergabe des vierten „Lëtzebuerger Filmpräis“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auf DVD ist er unter dem Label „Films Made in Luxembourg“ erschienen.

Noch zu Thierrys Lebzeiten sein Leben verewigen
Im Herbst 2007 diagnostizierten die Ärzte in Straßburg bei Thierry eine Hepatitis C und gaben ihm noch sechs Monate zu leben. Als sein langjähriger Freund und Weggefährte Andy Bausch diese traurige Nachricht erhielt, entschied er sich ganz schnell, ihm einen Dokumentarfilm zu widmen.
Noch ohne Produzenten gefunden zu haben, begann Andy mit den Vorbereitungen, als Thierry dem Projekt zustimmte. Schnell fanden sich aber beim Luxemburger Film Fund und dem Produzenten Paul Thiltges die nötigen finanziellen Mittel, den Film unter den bestmöglichen Umständen zu realisieren.
Viele Szenen wurden nachgestellt, viele Ausschnitte aus Filmen gesammelt, und am Ende des Drehs stand Luxemburgs Kultregisseur schließlich vor der Qual der Wahl, unter den Dutzenden von Interviews die interessantesten auszuwählen und zusammenzuschneiden, u.a. Interviews mit Til Schweiger, Moritz Bleibtreu, Sascha Ley, Michael Haneke, Frank Hoffmann, Buket Alakus, Ender Frings, Claude Bertemes und Danielle Igniti.
Auf der anderen Seite gaben Thierry und seine Frau Danielle nicht auf und fanden in der Uniklinik von Heidelberg Fachärzte, die einer Lebertransplantation zustimmten.
Ein Leben aufder Überholspur
Thierry van Werveke wurde am 23. Oktober 1958 in Genf geboren. Seit seiner Jugend hatte Thierry Probleme, sich als anständiger Junge, und später als Gentleman, in die Gesellschaft zu integrieren. In der Schule war er stets derjenige, der Witze riss und die Lehrer veräppelte. Mit zwölf Jahren hatte er den ersten Kontakt mit Drogen.
Bis Anfang 20 beherrschten die verschiedensten Rauschmittel sein Leben, ehe er beim Anblick eines halb verwesten Drogentoten realisierte, wie gefährlich seine Sucht enden könnte. Einer Droge entsagte er allerdings nie: dem Alkohol.
1980 änderte seine Lebensideologie erneut, als er Andy Bausch kennen lernte. Der junge Amateur-Filmemacher wollte unbedingt, dass Thierry in seinem Film „Stefan“ eine Hauptrolle spielen sollte. Der Rest dieser Verbindung ist luxemburgische Filmgeschichte. Es folgten u. a. „Lupowitz“ (1982), „Gwyncilla, Legend of Dark Ages“ (1986), „Troublemaker“ (1988), „A Wopbopaloobop A Lopbamboom“ (1989), „Back in Trouble“ (1997), „Le club des chômeurs“ (2001), „La Revanche“ (2004) und „Deepfrozen“ (2006).
Als Filmschauspieler erarbeitete er sich speziell in Deutschland einen Namen, z.B. war „Knockin’ on Heaven’s Door“ von Thomas Jahn, mit Til Schweiger und Moritz Bleibtreu, 1997 ein Riesenerfolg. Doch Thierrys stete Alkoholexzesse verhinderten den Sprung in die oberste Schauspieler garde. Trotzdem erhielt er 2008 den Adolf-Grimme-Preis für seine Rolle in „Eine andere Liga“ von Buket Alakus, zusammen mit den anderen Schauspielern des Films, u. a. Karoline Herfurth und Ken Duken.
Mitte der 1980er Jahre begann Thierrys Karriere als Sänger bei Nazz Nazz, 1998 ging sie bei Taboola Rasa weiter. 1987 startete Thierry eine weitere Laufbahn am Theater. Am 11. Juli 1997 heiratete er seine große Liebe Danielle, die ihm all die Jahre eine lebenswichtige Stütze war.
Dokumentationmit Bonusmaterial
Im Film erzählt Thierry in seiner typischen Art und Weise von seinem Leben, seiner Drogenabhängigkeit und seinen Alkoholexzessen. Immer wieder werden seine Erinnerungen durch Filmausschnitte illustriert oder ergänzt. Besonders lustig ist der Anfang, wo Thierry gleich drei Rollen auf einmal spielt, und die Frage aufgeworfen wird, wer dieser van Werveke denn nun sei. Am Ende der 106-minütigen Dokumentation weiß man, dass Thierry ein Stück Luxemburg ist, ein Urgestein der Luxemburger Filmgeschichte, ein Kerl, an den man sich gewöhnt hat und ohne den die Luxemburger Filmwelt nicht mehr dieselbe sein wird.
Der DVD liegt ein dünnes Booklet bei mit Fotos und einer Referenz auf die Fondation Thierry van Werveke, die sich als Aufgabe gesetzt hat, jungen „Troublemakers“ zu helfen.
Interessanter ist das Bonusmaterial. In einer Szenen, die es nicht in die Endfassung schafften, erfährt man, dass Thierry für einen James-Bond-Film ausgesucht worden war, aber wegen einer anderen Verpflichtung nicht zum Casting nach Berlin fliegen konnte, oder wie er in seiner typischen Manier Octavie Modert ein Autogramm schrieb, ohne zu wissen wer sie eigentlich war.
Zwei Musik-Clips dokumentieren Thierrys Gesangstalent bei Taboola Rasa und als Gastsänger bei den Luna Boots. Dass Thierry auch als Werbeikone glänzte, belegen ein paar Werbespots, u. a. der unglaubliche Spot, in dem er Milch trinkt!
Mit „The Last 50 Hours Of Frank Blue“ und „Cocaine Cowboy“ sind zwei ganz unterschiedliche Kurzfilme von Andy Bausch auf der DVD, die von zwei RTL-Reportagen ergänzt wird – eine über die Premiere von „InThierryview“ und eine über seinen Tod.
„InThierryview“ ist einer der besten Dokumentarfilme von Andy Bausch, nicht nur weil er und Thierry Freunde waren und er ganz besonders viel Herz und Seele in diese Arbeit investierte, sondern auch weil diese Dokumentation das Phänomen Thierry van Werveke komplett umreißt und sowohl die dunklen wie die guten Seiten aus dessen Leben darstellt. Viele Details werden möglicherweise erstaunen oder gar schockieren. Doch Thierry war bedingungslos mit seiner Arbeit verbunden, und deshalb ist er des Luxemburgers liebster Schauspieler. „InThierryview“ ist eine absolut sehenswerte Sammlung von Erinnerungen an Thierry van Werveke, mit der er definitiv unsterblich geworden ist.

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Der Schock im Großherzogtum war groß, als am Montag, dem 12. Januar 2009, bekannt wurde, dass Thierry van Werveke im Alter von nur 50 Jahren in den frühen Morgenstunden verstorben war. Nach einer lebensrettenden Lebertransplantation im Januar 2008 hatte sich der Schauspieler gut erholt, aber ganz gesund wurde Thierry nicht. Knapp zwei Monate vor seinem Tod fand im „Utopolis“ die Premiere des Dokumentarfilms „InThierryview“ von Andy Bausch statt, eine sehenswerte Hommage an Luxemburgs Schauspielerlegende, Thierry National oder Johnny Chicago, wie er sich in „Troublemaker“ nannte.

Der Film wurde im vergangenen Dezember im Rahmen der Vergabe des vierten „Lëtzebuerger Filmpräis“ mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auf DVD ist er unter dem Label „Films Made in Luxembourg“ erschienen.

Noch zu Thierrys Lebzeiten sein Leben verewigen
Im Herbst 2007 diagnostizierten die Ärzte in Straßburg bei Thierry eine Hepatitis C und gaben ihm noch sechs Monate zu leben. Als sein langjähriger Freund und Weggefährte Andy Bausch diese traurige Nachricht erhielt, entschied er sich ganz schnell, ihm einen Dokumentarfilm zu widmen.
Noch ohne Produzenten gefunden zu haben, begann Andy mit den Vorbereitungen, als Thierry dem Projekt zustimmte. Schnell fanden sich aber beim Luxemburger Film Fund und dem Produzenten Paul Thiltges die nötigen finanziellen Mittel, den Film unter den bestmöglichen Umständen zu realisieren.
Viele Szenen wurden nachgestellt, viele Ausschnitte aus Filmen gesammelt, und am Ende des Drehs stand Luxemburgs Kultregisseur schließlich vor der Qual der Wahl, unter den Dutzenden von Interviews die interessantesten auszuwählen und zusammenzuschneiden, u.a. Interviews mit Til Schweiger, Moritz Bleibtreu, Sascha Ley, Michael Haneke, Frank Hoffmann, Buket Alakus, Ender Frings, Claude Bertemes und Danielle Igniti.
Auf der anderen Seite gaben Thierry und seine Frau Danielle nicht auf und fanden in der Uniklinik von Heidelberg Fachärzte, die einer Lebertransplantation zustimmten.
Ein Leben aufder Überholspur
Thierry van Werveke wurde am 23. Oktober 1958 in Genf geboren. Seit seiner Jugend hatte Thierry Probleme, sich als anständiger Junge, und später als Gentleman, in die Gesellschaft zu integrieren. In der Schule war er stets derjenige, der Witze riss und die Lehrer veräppelte. Mit zwölf Jahren hatte er den ersten Kontakt mit Drogen.
Bis Anfang 20 beherrschten die verschiedensten Rauschmittel sein Leben, ehe er beim Anblick eines halb verwesten Drogentoten realisierte, wie gefährlich seine Sucht enden könnte. Einer Droge entsagte er allerdings nie: dem Alkohol.
1980 änderte seine Lebensideologie erneut, als er Andy Bausch kennen lernte. Der junge Amateur-Filmemacher wollte unbedingt, dass Thierry in seinem Film „Stefan“ eine Hauptrolle spielen sollte. Der Rest dieser Verbindung ist luxemburgische Filmgeschichte. Es folgten u. a. „Lupowitz“ (1982), „Gwyncilla, Legend of Dark Ages“ (1986), „Troublemaker“ (1988), „A Wopbopaloobop A Lopbamboom“ (1989), „Back in Trouble“ (1997), „Le club des chômeurs“ (2001), „La Revanche“ (2004) und „Deepfrozen“ (2006).
Als Filmschauspieler erarbeitete er sich speziell in Deutschland einen Namen, z.B. war „Knockin’ on Heaven’s Door“ von Thomas Jahn, mit Til Schweiger und Moritz Bleibtreu, 1997 ein Riesenerfolg. Doch Thierrys stete Alkoholexzesse verhinderten den Sprung in die oberste Schauspieler garde. Trotzdem erhielt er 2008 den Adolf-Grimme-Preis für seine Rolle in „Eine andere Liga“ von Buket Alakus, zusammen mit den anderen Schauspielern des Films, u. a. Karoline Herfurth und Ken Duken.
Mitte der 1980er Jahre begann Thierrys Karriere als Sänger bei Nazz Nazz, 1998 ging sie bei Taboola Rasa weiter. 1987 startete Thierry eine weitere Laufbahn am Theater. Am 11. Juli 1997 heiratete er seine große Liebe Danielle, die ihm all die Jahre eine lebenswichtige Stütze war.
Dokumentationmit Bonusmaterial
Im Film erzählt Thierry in seiner typischen Art und Weise von seinem Leben, seiner Drogenabhängigkeit und seinen Alkoholexzessen. Immer wieder werden seine Erinnerungen durch Filmausschnitte illustriert oder ergänzt. Besonders lustig ist der Anfang, wo Thierry gleich drei Rollen auf einmal spielt, und die Frage aufgeworfen wird, wer dieser van Werveke denn nun sei. Am Ende der 106-minütigen Dokumentation weiß man, dass Thierry ein Stück Luxemburg ist, ein Urgestein der Luxemburger Filmgeschichte, ein Kerl, an den man sich gewöhnt hat und ohne den die Luxemburger Filmwelt nicht mehr dieselbe sein wird.
Der DVD liegt ein dünnes Booklet bei mit Fotos und einer Referenz auf die Fondation Thierry van Werveke, die sich als Aufgabe gesetzt hat, jungen „Troublemakers“ zu helfen.
Interessanter ist das Bonusmaterial. In einer Szenen, die es nicht in die Endfassung schafften, erfährt man, dass Thierry für einen James-Bond-Film ausgesucht worden war, aber wegen einer anderen Verpflichtung nicht zum Casting nach Berlin fliegen konnte, oder wie er in seiner typischen Manier Octavie Modert ein Autogramm schrieb, ohne zu wissen wer sie eigentlich war.
Zwei Musik-Clips dokumentieren Thierrys Gesangstalent bei Taboola Rasa und als Gastsänger bei den Luna Boots. Dass Thierry auch als Werbeikone glänzte, belegen ein paar Werbespots, u. a. der unglaubliche Spot, in dem er Milch trinkt!
Mit „The Last 50 Hours Of Frank Blue“ und „Cocaine Cowboy“ sind zwei ganz unterschiedliche Kurzfilme von Andy Bausch auf der DVD, die von zwei RTL-Reportagen ergänzt wird – eine über die Premiere von „InThierryview“ und eine über seinen Tod.
„InThierryview“ ist einer der besten Dokumentarfilme von Andy Bausch, nicht nur weil er und Thierry Freunde waren und er ganz besonders viel Herz und Seele in diese Arbeit investierte, sondern auch weil diese Dokumentation das Phänomen Thierry van Werveke komplett umreißt und sowohl die dunklen wie die guten Seiten aus dessen Leben darstellt. Viele Details werden möglicherweise erstaunen oder gar schockieren. Doch Thierry war bedingungslos mit seiner Arbeit verbunden, und deshalb ist er des Luxemburgers liebster Schauspieler. „InThierryview“ ist eine absolut sehenswerte Sammlung von Erinnerungen an Thierry van Werveke, mit der er definitiv unsterblich geworden ist.

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