Dec 16 2010

„Wo Luxemburg draufsteht, steckt Qualität drin!“

Published by at 14:20 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu

Der Luxemburger Filmfonds feiert 20. Geburtstag. Grund genug für das „Lëtzebuerger Journal“, mit Guy Daleiden, der dessen Geschicke fast von der ersten Stunde an als Direktor mitbestimmt hat, über die heimische Filmszene, deren Förderung und Perspektiven zu sprechen.


L.J.: Der Fonds steht auf zwei Beinen: Förderung der einheimischen Filmszene und Anziehung ausländischer Produktionen. In welchem Verhältnis stehen die beiden derzeit zueinander – in Anteilen am Gesamtbudget, und bei der Anzahl der pro Jahr geförderten Projekte?

G.D.: Diese Trennung kann man heute so nicht mehr machen. Das so genannte Zertifikatengesetz hatte in der Tat damals, sprich vor mehr als zwanzig Jahren, den Anspruch, ausländische Film- und Fernsehproduktionen nach Luxemburg zu ziehen, um hierzulande eine audiovisuelle Produktionsstätte aufzubauen. Parallel dazu diente die direkte staatliche Hilfe, die über die luxemburgische Förderung zur Verfügung gestellt wurde, den einheimischen Produzenten dazu, ihre eigenen Produktionen zu finanzieren.

Doch seitdem die beiden staatlichen Hilfen im Fonds zusammengelegt wurden (Gesetz von 1998, Anm. der Red.), kann man die beiden Hilfen nicht mehr unabhängig voneinander betrachten. Sie dienen beide dazu, audiovisuelle Produktionen in Luxemburg zu entwickeln, zu produzieren und das mit lokalen Talenten und Technikern.

In nur 20 Jahren auf internationales Niveau: „darauf bin ich stolz“

L.J.: Wie hat sich der jeweilige Anteil in den letzten Jahren entwickelt und welche Steigerungsraten erwarten Sie für die nächsten Jahre?

G.D.: Seit einigen Jahren werden im Durchschnitt ungefähr 12 Spielfilme in Luxemburg produziert, die meisten werden von den beiden zur Verfügung stehenden Hilfen gefördert, verschiedene greifen nur auf das Zertifikatengesetz zurück. Dazu kommen einige Kurzfilme, Dokumentationen und Animationsserien.

L.J.: Welcher der beiden Aspekte ist für das Selbstverständnis des Fonds essentieller?

G.D.: Ein Projekt, an dem der luxemburgische Produzent mehrheitlich, sprich federführend ist – in der Regel, wenn ein luxemburgischer Regisseur den Film realisieren will –, benötigt die beiden zur Verfügung stehenden staatlichen Hilfen, um seinen Film zu finanzieren. Eine Koproduktion, an der der luxemburgische Produzent nur minoritär beteiligt ist, greift in der Regel ausschließlich auf die finanzielle Hilfe via des Steuerzertifikatengesetzes zurück.

L.J.: Auf welche Erfolge in beiden Bereichen sind Sie besonders stolz?

G.D.: Ich bin vor allem stolz darauf, dass Luxemburg es fertig gebracht hat, in nur 20 Jahren eine Filmwirtschaft aufzubauen, die in der Lage ist, sich auf internationalem Niveau zu bewegen und Filme zu produzieren, zu realisieren, die weltweite Anerkennung genießen.

L.J.: Die Gesamtzahl aller in Luxemburg ansässigen Beschäftigten der Filmindustrie ist kontinuierlich gestiegen. Vor und hinter der Kamera seien aktuell bis zu 600 LuxemburgerInnen beschäftigt, hieß es in der Bilanzpressekonferenz des Filmfonds. Lässt sich auch das vom Filmsektor erwirtschaftete BIP quantifizieren?

Wenn nur der Marktwert zählt – „das wäre Harakiri an unserer eigenen Kultur“

G.D.: Wenn man die Entwicklung in einem kreativen Bereich alleine auf das erwirtschaftete BIP zurückquantifiziert, ist man auf dem Holzweg. Das europäische Filmwesen muss von öffentlichen Geldern gefördert werden, ansonsten verliert es an Stellenwert gegenüber dem amerikanischen oder dem asiatischen Kino. Man kann auch sagen, sei’s drum, freie Marktwirtschaft überragt. Aber in so einer Konstellation möchte ich dann sofort aussteigen. Das wäre Harakiri an unserer eigenen Kultur. Unsere Gesetze besagen, dass wir das in die Filmwirtschaft investierte Geld in drei Teilbereichen wiederfinden müssen, sei es in der direkten Wirtschaft, oder im staatlichen Finanzsäckel, im kulturellen, im sozialen Bereich, wie in der Beschäftigung und im Bereich des Imagefaktors. Das deckt die aktuelle Situation ab.

L.J.: Gibt es konkrete Maßnahmen oder PR-Strategien, die der Filmfonds unterstützt, um die Strahlkraft der einheimischen Filmindustrie nach außen zu erhöhen (Stichwort: Standortfaktor)? Wenn ja: welche?

G.D.: Eine der Aufgaben der Förderung ist es, sich um die internationale Vermarktung und Promotion des Filmstandortes Luxemburg mitsamt seinen Talenten und Technikern zu kümmern. Der Fonds ist überall bei den international wichtigen Festivals vertreten, bei denen ein luxemburgischer Film ausgewählt ist. Außerdem haben wir regelmäßig einen Promotionstand bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und in Annecy. (Cannes für Animationsfilme, Anm. der Red.)

Drehbuchentwicklung gehört „zu den noch weiter zu fördernden Bereichen“

L.J.: Eine derzeit laufende Ausschreibung sucht nach produktionsreifen Manuskripten für eine echt Luxemburger Daily Soap oder Sitcom. Wurde in der Luxemburger Film- und Kinoproduktion bislang zu wenig gelacht?

G.D.: (lacht) Sie vergessen Andy Bausch. Er hat uns viele Komödien beschert, sogar eine Trilogie. Das sind aber immer Einzelteile, die nicht zu vergleichen sind mit immer wiederkehrenden Charakteren, wie das bei einer Sitcom oder Soap der Fall ist. Auch Luxemburg soll seine eigene Sitcom oder Soap haben, die sein multikulturelles, soziales Umfeld darstellt, wie es in unseren Nachbarländern der Fall ist.

L.J.: Gerade 2010 gab es wieder einen Boom von Filmen, die ernste Themen der Zeitgeschichte aufgreifen und z.T. (halb-)dokumentarisch be- und verarbeiten, Stichwort Krieg, Besetzung, Refraktäre, Nachkriegszeit. Nicht alle wurden vom Fonds gefördert. Welche Auswahlkriterien legt dieser gerade an solche Themen an?

G.D.: Es gibt bei uns keine Themenbereiche, die speziell gefördert werden. Wir entscheiden auf Grund der artistischen Qualität des Drehbuchs, der Talente und der finanziellen Machbarkeit des Projektes, unabhängig von der angesprochenen Thematik. Wir können und wollen nicht vorschreiben, welche Themen filmisch zu behandeln sind. Jeder hat die Freiheit, das Drehbuch zu schreiben, das er umsetzen will. Wir wählen die zu unterstützenden Projekte aufgrund ihrer kreativen Qualität und ihrem Interesse für die einheimische Filmszene aus.

L.J.: Glauben Sie, diese Themenwelle wird anhalten?

G.D.: Das ist schwer zu beurteilen. Es ist normal, dass im Bereich Film immer wieder versucht wird, neben aktuellen Themen auch Geschichten aus der Historie eines Landes zu verfilmen. Das gehört auch zum einheimischen Kulturerbe. Viele Bereiche aus unserer Vergangenheit sind noch nie thematisiert worden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Filmschaffende solche Geschichten aufgreifen…

L.J.: Zurück zur Soap bzw. Sitcom: Konnte oder wollte man bei der Ausschreibung nicht präziser nach einem der beiden doch recht unterschiedlichen Genres suchen?

G.D.: Wir betreten in diesem speziellen Fall Neuland. Nie zuvor haben RTL, der Fonds und die Produzenten sich zusammengesetzt, um über ein Fernsehformat nachzudenken. Deswegen wollten wir uns nicht einengen und der Fantasie der Konzeptschreiber keine Grenzen setzen.

L.J.: Dem Vernehmen nach sind ja bis zu 18 Teams aktuell mit der Drehbucherstellung beschäftigt – überrascht Sie das?

G.D.: Ich habe diese Information selbst auch in der Presse gelesen, und kann Ihnen das nicht bestätigen. Sollte das der Fall sein, dann würde es nicht nur unterstreichen, dass diese Ausschreibung einen Nerv der Zeit getroffen hat, sondern auch, dass wir ein interessantes Fernsehprogramm erwarten können. Auf jeden Fall bemerken wir eine wahre Begeisterung des gesamten Sektors an diesem neuen Format.

L.J.: An einheimischen DrehbuchautorInnen gab es ja tendenziell immer einen Mangel – plant der Fonds künftig weitere Aktivitäten, um das Drehbuchschreiben zu fördern oder interessierte AutorInnen, die bisher eher die Prosa gepflegt haben, auszubilden oder bei der Stoffentwicklung zu betreuen?

G.D.: Sie haben Recht, Drehbuchentwicklung gehört hierzulande zu den noch weiter zu fördernden Bereichen. Wir sind im Moment dabei, mit der luxemburgischen Vereinigung der Regisseure und Drehbuchautoren an neuen Ideen zu basteln, die es ermöglichen sollen, den Drehbuchautoren gezielter unter die Arme zu greifen.

L.J.: Wer befindet im Lektorenkomitee über den künstlerischen Wert eines beim Fonds eingereichten Filmprojekts?

G.D.: Das Lektorenkomitee besteht aus 5 unabhängigen Lesern und einem Berater, die alle eine solide, langjährige Erfahrung in der Drehbucheinschätzung mit sich bringen. Sie schreiben für jedes eingereichte Projekt ein Gutachten an den Verwaltungsrat des Filmfonds, basierend auf einer detaillierten Analyse des Drehbuches, in Bezug auf die Dramaturgie, die Struktur, die Dialoge und die Talente. Des Weiteren werden die Vertriebsmöglichkeiten des Projekts bewertet, sowie sein Interesse für die Entwicklung des Filmstandortes Luxemburg.

„Standortförderung auch weiterhin nicht nur wirtschaftlich und sozial bewerten“

L.J.: Blick in die Zukunft: 20 Wünsche für die nächsten 20 Jahre wären vielleicht ein bisschen viel, aber eine Handvoll dürfen Sie hier gerne äußern, wenn Sie mögen. Wenn Sie bei der guten Filmfee drei Wünsche frei hätten, was wünschen Sie sich dann… von der Politik?

G.D.: Dass sie weiterhin das Ziel des Erschaffens eines international qualitativ hochwertigen Filmstandortes unterstützen wird, der nicht nur nach wirtschaftlichen und sozialen, sondern auch nach kulturellen und imageträchtigen Kriterien zu bewerten ist.

L.J.: … von den im Filmsektor aktiven Luxemburgern?

G.D.: Dass ein Film mit einheimischem Regisseur einen international wichtigen Preis erringt und der Film vom Publikum akzeptiert wird. Das wäre fantastisch für die Vermarktung des einheimischen Kinos und würde den vielen hochwertigen Filmschaffenden die Anerkennung verleihen, die sie verdienen.

L.J.: Und vom Publikum (national wie international)?

G.D.: Dass es sich vermehrt luxemburgische Filme ansieht. Denn wo Luxemburg drauf steht, steckt Qualität drin!

L.J.: Das Lëtzebuerger Journal wünscht Ihnen und dem Filmfonds jedenfalls alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 20 Lahre (mindestens!). Wir melden uns aber gerne schon zum silbernen Jubiläum mit einer neuen, bestimmt ebenso spannenden Bilanz zurück. Bis dahin toi, toi, toi – und vielen Dank für das Gespräch.

› Das Interview führte Margot Antony

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SOURCE: http://www.journal.lu

Der Luxemburger Filmfonds feiert 20. Geburtstag. Grund genug für das „Lëtzebuerger Journal“, mit Guy Daleiden, der dessen Geschicke fast von der ersten Stunde an als Direktor mitbestimmt hat, über die heimische Filmszene, deren Förderung und Perspektiven zu sprechen.


L.J.: Der Fonds steht auf zwei Beinen: Förderung der einheimischen Filmszene und Anziehung ausländischer Produktionen. In welchem Verhältnis stehen die beiden derzeit zueinander – in Anteilen am Gesamtbudget, und bei der Anzahl der pro Jahr geförderten Projekte?

G.D.: Diese Trennung kann man heute so nicht mehr machen. Das so genannte Zertifikatengesetz hatte in der Tat damals, sprich vor mehr als zwanzig Jahren, den Anspruch, ausländische Film- und Fernsehproduktionen nach Luxemburg zu ziehen, um hierzulande eine audiovisuelle Produktionsstätte aufzubauen. Parallel dazu diente die direkte staatliche Hilfe, die über die luxemburgische Förderung zur Verfügung gestellt wurde, den einheimischen Produzenten dazu, ihre eigenen Produktionen zu finanzieren.

Doch seitdem die beiden staatlichen Hilfen im Fonds zusammengelegt wurden (Gesetz von 1998, Anm. der Red.), kann man die beiden Hilfen nicht mehr unabhängig voneinander betrachten. Sie dienen beide dazu, audiovisuelle Produktionen in Luxemburg zu entwickeln, zu produzieren und das mit lokalen Talenten und Technikern.

In nur 20 Jahren auf internationales Niveau: „darauf bin ich stolz“

L.J.: Wie hat sich der jeweilige Anteil in den letzten Jahren entwickelt und welche Steigerungsraten erwarten Sie für die nächsten Jahre?

G.D.: Seit einigen Jahren werden im Durchschnitt ungefähr 12 Spielfilme in Luxemburg produziert, die meisten werden von den beiden zur Verfügung stehenden Hilfen gefördert, verschiedene greifen nur auf das Zertifikatengesetz zurück. Dazu kommen einige Kurzfilme, Dokumentationen und Animationsserien.

L.J.: Welcher der beiden Aspekte ist für das Selbstverständnis des Fonds essentieller?

G.D.: Ein Projekt, an dem der luxemburgische Produzent mehrheitlich, sprich federführend ist – in der Regel, wenn ein luxemburgischer Regisseur den Film realisieren will –, benötigt die beiden zur Verfügung stehenden staatlichen Hilfen, um seinen Film zu finanzieren. Eine Koproduktion, an der der luxemburgische Produzent nur minoritär beteiligt ist, greift in der Regel ausschließlich auf die finanzielle Hilfe via des Steuerzertifikatengesetzes zurück.

L.J.: Auf welche Erfolge in beiden Bereichen sind Sie besonders stolz?

G.D.: Ich bin vor allem stolz darauf, dass Luxemburg es fertig gebracht hat, in nur 20 Jahren eine Filmwirtschaft aufzubauen, die in der Lage ist, sich auf internationalem Niveau zu bewegen und Filme zu produzieren, zu realisieren, die weltweite Anerkennung genießen.

L.J.: Die Gesamtzahl aller in Luxemburg ansässigen Beschäftigten der Filmindustrie ist kontinuierlich gestiegen. Vor und hinter der Kamera seien aktuell bis zu 600 LuxemburgerInnen beschäftigt, hieß es in der Bilanzpressekonferenz des Filmfonds. Lässt sich auch das vom Filmsektor erwirtschaftete BIP quantifizieren?

Wenn nur der Marktwert zählt – „das wäre Harakiri an unserer eigenen Kultur“

G.D.: Wenn man die Entwicklung in einem kreativen Bereich alleine auf das erwirtschaftete BIP zurückquantifiziert, ist man auf dem Holzweg. Das europäische Filmwesen muss von öffentlichen Geldern gefördert werden, ansonsten verliert es an Stellenwert gegenüber dem amerikanischen oder dem asiatischen Kino. Man kann auch sagen, sei’s drum, freie Marktwirtschaft überragt. Aber in so einer Konstellation möchte ich dann sofort aussteigen. Das wäre Harakiri an unserer eigenen Kultur. Unsere Gesetze besagen, dass wir das in die Filmwirtschaft investierte Geld in drei Teilbereichen wiederfinden müssen, sei es in der direkten Wirtschaft, oder im staatlichen Finanzsäckel, im kulturellen, im sozialen Bereich, wie in der Beschäftigung und im Bereich des Imagefaktors. Das deckt die aktuelle Situation ab.

L.J.: Gibt es konkrete Maßnahmen oder PR-Strategien, die der Filmfonds unterstützt, um die Strahlkraft der einheimischen Filmindustrie nach außen zu erhöhen (Stichwort: Standortfaktor)? Wenn ja: welche?

G.D.: Eine der Aufgaben der Förderung ist es, sich um die internationale Vermarktung und Promotion des Filmstandortes Luxemburg mitsamt seinen Talenten und Technikern zu kümmern. Der Fonds ist überall bei den international wichtigen Festivals vertreten, bei denen ein luxemburgischer Film ausgewählt ist. Außerdem haben wir regelmäßig einen Promotionstand bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und in Annecy. (Cannes für Animationsfilme, Anm. der Red.)

Drehbuchentwicklung gehört „zu den noch weiter zu fördernden Bereichen“

L.J.: Eine derzeit laufende Ausschreibung sucht nach produktionsreifen Manuskripten für eine echt Luxemburger Daily Soap oder Sitcom. Wurde in der Luxemburger Film- und Kinoproduktion bislang zu wenig gelacht?

G.D.: (lacht) Sie vergessen Andy Bausch. Er hat uns viele Komödien beschert, sogar eine Trilogie. Das sind aber immer Einzelteile, die nicht zu vergleichen sind mit immer wiederkehrenden Charakteren, wie das bei einer Sitcom oder Soap der Fall ist. Auch Luxemburg soll seine eigene Sitcom oder Soap haben, die sein multikulturelles, soziales Umfeld darstellt, wie es in unseren Nachbarländern der Fall ist.

L.J.: Gerade 2010 gab es wieder einen Boom von Filmen, die ernste Themen der Zeitgeschichte aufgreifen und z.T. (halb-)dokumentarisch be- und verarbeiten, Stichwort Krieg, Besetzung, Refraktäre, Nachkriegszeit. Nicht alle wurden vom Fonds gefördert. Welche Auswahlkriterien legt dieser gerade an solche Themen an?

G.D.: Es gibt bei uns keine Themenbereiche, die speziell gefördert werden. Wir entscheiden auf Grund der artistischen Qualität des Drehbuchs, der Talente und der finanziellen Machbarkeit des Projektes, unabhängig von der angesprochenen Thematik. Wir können und wollen nicht vorschreiben, welche Themen filmisch zu behandeln sind. Jeder hat die Freiheit, das Drehbuch zu schreiben, das er umsetzen will. Wir wählen die zu unterstützenden Projekte aufgrund ihrer kreativen Qualität und ihrem Interesse für die einheimische Filmszene aus.

L.J.: Glauben Sie, diese Themenwelle wird anhalten?

G.D.: Das ist schwer zu beurteilen. Es ist normal, dass im Bereich Film immer wieder versucht wird, neben aktuellen Themen auch Geschichten aus der Historie eines Landes zu verfilmen. Das gehört auch zum einheimischen Kulturerbe. Viele Bereiche aus unserer Vergangenheit sind noch nie thematisiert worden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Filmschaffende solche Geschichten aufgreifen…

L.J.: Zurück zur Soap bzw. Sitcom: Konnte oder wollte man bei der Ausschreibung nicht präziser nach einem der beiden doch recht unterschiedlichen Genres suchen?

G.D.: Wir betreten in diesem speziellen Fall Neuland. Nie zuvor haben RTL, der Fonds und die Produzenten sich zusammengesetzt, um über ein Fernsehformat nachzudenken. Deswegen wollten wir uns nicht einengen und der Fantasie der Konzeptschreiber keine Grenzen setzen.

L.J.: Dem Vernehmen nach sind ja bis zu 18 Teams aktuell mit der Drehbucherstellung beschäftigt – überrascht Sie das?

G.D.: Ich habe diese Information selbst auch in der Presse gelesen, und kann Ihnen das nicht bestätigen. Sollte das der Fall sein, dann würde es nicht nur unterstreichen, dass diese Ausschreibung einen Nerv der Zeit getroffen hat, sondern auch, dass wir ein interessantes Fernsehprogramm erwarten können. Auf jeden Fall bemerken wir eine wahre Begeisterung des gesamten Sektors an diesem neuen Format.

L.J.: An einheimischen DrehbuchautorInnen gab es ja tendenziell immer einen Mangel – plant der Fonds künftig weitere Aktivitäten, um das Drehbuchschreiben zu fördern oder interessierte AutorInnen, die bisher eher die Prosa gepflegt haben, auszubilden oder bei der Stoffentwicklung zu betreuen?

G.D.: Sie haben Recht, Drehbuchentwicklung gehört hierzulande zu den noch weiter zu fördernden Bereichen. Wir sind im Moment dabei, mit der luxemburgischen Vereinigung der Regisseure und Drehbuchautoren an neuen Ideen zu basteln, die es ermöglichen sollen, den Drehbuchautoren gezielter unter die Arme zu greifen.

L.J.: Wer befindet im Lektorenkomitee über den künstlerischen Wert eines beim Fonds eingereichten Filmprojekts?

G.D.: Das Lektorenkomitee besteht aus 5 unabhängigen Lesern und einem Berater, die alle eine solide, langjährige Erfahrung in der Drehbucheinschätzung mit sich bringen. Sie schreiben für jedes eingereichte Projekt ein Gutachten an den Verwaltungsrat des Filmfonds, basierend auf einer detaillierten Analyse des Drehbuches, in Bezug auf die Dramaturgie, die Struktur, die Dialoge und die Talente. Des Weiteren werden die Vertriebsmöglichkeiten des Projekts bewertet, sowie sein Interesse für die Entwicklung des Filmstandortes Luxemburg.

„Standortförderung auch weiterhin nicht nur wirtschaftlich und sozial bewerten“

L.J.: Blick in die Zukunft: 20 Wünsche für die nächsten 20 Jahre wären vielleicht ein bisschen viel, aber eine Handvoll dürfen Sie hier gerne äußern, wenn Sie mögen. Wenn Sie bei der guten Filmfee drei Wünsche frei hätten, was wünschen Sie sich dann… von der Politik?

G.D.: Dass sie weiterhin das Ziel des Erschaffens eines international qualitativ hochwertigen Filmstandortes unterstützen wird, der nicht nur nach wirtschaftlichen und sozialen, sondern auch nach kulturellen und imageträchtigen Kriterien zu bewerten ist.

L.J.: … von den im Filmsektor aktiven Luxemburgern?

G.D.: Dass ein Film mit einheimischem Regisseur einen international wichtigen Preis erringt und der Film vom Publikum akzeptiert wird. Das wäre fantastisch für die Vermarktung des einheimischen Kinos und würde den vielen hochwertigen Filmschaffenden die Anerkennung verleihen, die sie verdienen.

L.J.: Und vom Publikum (national wie international)?

G.D.: Dass es sich vermehrt luxemburgische Filme ansieht. Denn wo Luxemburg drauf steht, steckt Qualität drin!

L.J.: Das Lëtzebuerger Journal wünscht Ihnen und dem Filmfonds jedenfalls alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 20 Lahre (mindestens!). Wir melden uns aber gerne schon zum silbernen Jubiläum mit einer neuen, bestimmt ebenso spannenden Bilanz zurück. Bis dahin toi, toi, toi – und vielen Dank für das Gespräch.

› Das Interview führte Margot Antony

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