Jun 10 2010

Als Mensch sterben…

Published by at 12:55 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu/ – CH.S.

Der luxemburgische Produzent Nicolas Steil (Iris Productions) lernte vor drei Jahren die kanadische Produzentin Lyse Lafontaine (Les Productions Equinoxe) in Paris kennen, die ihm später Kanadas erfolgreichste Regisseurin, die in der Schweiz geborene Léa Pool, vorstellte. Letztes Jahr beschlossen beide einen kanadisch-luxemburgischen Film zu realisieren, „La dernière fugue“, nach dem Roman „La belle mort“ von Gil Courtemanche. Der Film feierte am Mittwochabend seine luxemburgische Premiere im „Utopolis“ und läuft jetzt im „Utopia“.

Ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis
Das Familienoberhaupt der Lévesques, Vater Anatole (Jacques Godin), leidet an Parkinson. Die Mutter (Andrée Lachapelle) pflegt ihren Mann so gut es geht, nur will Anatole nicht von seinen alten Gewohnheiten, gutem Essen und Trinken, ablassen, selbst wenn er damit seine Gesundheit stark gefährdet. Zu Weihnachten ist die ganze Familie rund um den gut gefüllten Abendtisch versammelt, u. a. der älteste Sohn André (Yves Jacques), seine Frau Isabelle (Nicole Max), die Töchter Julie (Martine Francke) et Mireille (Isabelle Miquelon). André hat seit einem Fischereiunfall in seiner Jugend kein gutes Verhältnis mehr zum Vater. Doch er respektiert ihn als Mensch und bedauert seine schlechte Gesundheit. Schnell wird an diesem Abend klar, dass der Vater intensive und professionelle Pflege braucht. Allerdings räumt Andrés Neffe Sam (Aliocha Schneider) später seinem Onkel im Geheimen ein, dass der Großvater seiner Meinung nach besser tot wäre, einen Standpunkt, den André beim näheren Betrachten gar nicht so abwegig findet. Nur die Mutter ist nicht begeistert bei dem Gedanken, ihren Mann zu verlieren. Als der Vater ein wenig später selbst das Wort „sterben“ erwähnt, einigen sie sich darauf, ihm keine seiner alten Freuden zu verwehren und ihn somit würdig als Mensch (schneller) sterben zu lassen.
Eine ganz andere Sterbehilfe
Auch wenn im Zusammenhang mit diesem Film das Wort Euthanasie im Raum steht, kann man nicht wirklich von einer aktiven Sterbehilfe in der Geschichte sprechen – und der Schluss des Films entbehrt eh dieses Gedankens. Hier geht es darum, einen Menschen bis zum letzten Atemzug leben zu lassen, ihm all seine Freuden und Laster zu lassen, auch wenn dies einen schnelleren Tod bedeutet.
Für André ist Anatole nicht der ideale Vater, doch seine Mutter liebt ihn trotz vieler ehelicher Schwierigkeiten – anhand von Rückblenden werden einige dieser Situationen verdeutlicht. Der des Lebens müde gewordene Anatole selbst will sterben. Sein Wille soll jetzt respektiert werden, ohne dass jemand Hand anlegen muss.
Die Mutter ihrerseits möchte erst dann sterben, wenn sie allen ihren geliebten Menschen auf Wiedersehen gesagt hat. Andererseits wäre sie bereit, zusammen mit ihrem Mann zu sterben. Ein letztes Mal fahren André, seine Eltern und Sam an den See, wo sie oft ihre Ferien verbracht haben.
Die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema des Sterbens macht den Reiz dieser überdurchschnittlichen Co-Produktion aus, auch wenn nicht alle Aspekte angeschnitten werden. Sehr abgeklärt erzählt die Regisseurin ihre Geschichte und präsentiert ihr Hauptargument, den alten kranken Mann. In dieser Erzählstruktur fehlen leider die passenden Emotionen, auch wenn das Spiel der Darsteller überzeugend wirkt. Etwas Nähe zu den drei Hauptfiguren hätte sicher die nötige Warmherzigkeit in den Film einfließen lassen. Primär sollte man sich jedoch die Co-Produktion wegen des interessanten Themas ansehen.
Gedreht wurden die Außenaufnahmen in Québec – daher auch einige Dialogfetzen in Québec-Französisch – und die Innenaufnahmen in den Filmstudios in Contern. Viele Techniker aus Luxemburg haben am Film mitgewirkt, u. a. Philippe Kohn (Ton), François Dickes (Dekors) und Katja Reinert (Make-up). Patrick Hastert spielt die Rolle von Jean-Maurice.

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Der luxemburgische Produzent Nicolas Steil (Iris Productions) lernte vor drei Jahren die kanadische Produzentin Lyse Lafontaine (Les Productions Equinoxe) in Paris kennen, die ihm später Kanadas erfolgreichste Regisseurin, die in der Schweiz geborene Léa Pool, vorstellte. Letztes Jahr beschlossen beide einen kanadisch-luxemburgischen Film zu realisieren, „La dernière fugue“, nach dem Roman „La belle mort“ von Gil Courtemanche. Der Film feierte am Mittwochabend seine luxemburgische Premiere im „Utopolis“ und läuft jetzt im „Utopia“.

Ein schwieriges Vater-Sohn-Verhältnis
Das Familienoberhaupt der Lévesques, Vater Anatole (Jacques Godin), leidet an Parkinson. Die Mutter (Andrée Lachapelle) pflegt ihren Mann so gut es geht, nur will Anatole nicht von seinen alten Gewohnheiten, gutem Essen und Trinken, ablassen, selbst wenn er damit seine Gesundheit stark gefährdet. Zu Weihnachten ist die ganze Familie rund um den gut gefüllten Abendtisch versammelt, u. a. der älteste Sohn André (Yves Jacques), seine Frau Isabelle (Nicole Max), die Töchter Julie (Martine Francke) et Mireille (Isabelle Miquelon). André hat seit einem Fischereiunfall in seiner Jugend kein gutes Verhältnis mehr zum Vater. Doch er respektiert ihn als Mensch und bedauert seine schlechte Gesundheit. Schnell wird an diesem Abend klar, dass der Vater intensive und professionelle Pflege braucht. Allerdings räumt Andrés Neffe Sam (Aliocha Schneider) später seinem Onkel im Geheimen ein, dass der Großvater seiner Meinung nach besser tot wäre, einen Standpunkt, den André beim näheren Betrachten gar nicht so abwegig findet. Nur die Mutter ist nicht begeistert bei dem Gedanken, ihren Mann zu verlieren. Als der Vater ein wenig später selbst das Wort „sterben“ erwähnt, einigen sie sich darauf, ihm keine seiner alten Freuden zu verwehren und ihn somit würdig als Mensch (schneller) sterben zu lassen.
Eine ganz andere Sterbehilfe
Auch wenn im Zusammenhang mit diesem Film das Wort Euthanasie im Raum steht, kann man nicht wirklich von einer aktiven Sterbehilfe in der Geschichte sprechen – und der Schluss des Films entbehrt eh dieses Gedankens. Hier geht es darum, einen Menschen bis zum letzten Atemzug leben zu lassen, ihm all seine Freuden und Laster zu lassen, auch wenn dies einen schnelleren Tod bedeutet.
Für André ist Anatole nicht der ideale Vater, doch seine Mutter liebt ihn trotz vieler ehelicher Schwierigkeiten – anhand von Rückblenden werden einige dieser Situationen verdeutlicht. Der des Lebens müde gewordene Anatole selbst will sterben. Sein Wille soll jetzt respektiert werden, ohne dass jemand Hand anlegen muss.
Die Mutter ihrerseits möchte erst dann sterben, wenn sie allen ihren geliebten Menschen auf Wiedersehen gesagt hat. Andererseits wäre sie bereit, zusammen mit ihrem Mann zu sterben. Ein letztes Mal fahren André, seine Eltern und Sam an den See, wo sie oft ihre Ferien verbracht haben.
Die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema des Sterbens macht den Reiz dieser überdurchschnittlichen Co-Produktion aus, auch wenn nicht alle Aspekte angeschnitten werden. Sehr abgeklärt erzählt die Regisseurin ihre Geschichte und präsentiert ihr Hauptargument, den alten kranken Mann. In dieser Erzählstruktur fehlen leider die passenden Emotionen, auch wenn das Spiel der Darsteller überzeugend wirkt. Etwas Nähe zu den drei Hauptfiguren hätte sicher die nötige Warmherzigkeit in den Film einfließen lassen. Primär sollte man sich jedoch die Co-Produktion wegen des interessanten Themas ansehen.
Gedreht wurden die Außenaufnahmen in Québec – daher auch einige Dialogfetzen in Québec-Französisch – und die Innenaufnahmen in den Filmstudios in Contern. Viele Techniker aus Luxemburg haben am Film mitgewirkt, u. a. Philippe Kohn (Ton), François Dickes (Dekors) und Katja Reinert (Make-up). Patrick Hastert spielt die Rolle von Jean-Maurice.

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