Mar 23 2012

Belle Epoque: Eine nette Idee

Published by at 01:53 under Articles,Deutsch,PTD

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Halb Fiktion, halb Dokumentation. Doch zwei halbe Sachen machen noch längst kein Ganzes. Die Reaktionen des Publikums anlässlich der Vor-Premiere des neuen Films von Andy Bausch, „Belle époque“, waren eher verhalten. Und das zu Recht.

Die Idee an und für sich ist nett: Wir schreiben 1914 und ein Mädchen aus besserem Haus, (Isa)Belle (Vicky Krieps), soll verreisen und packt den Koffer. Der ist zu klein und so begibt sich Belle mit ihrem Dienstmädchen auf den Speicher. Dort findet sie den alten, großen Schiffskoffer ihres Vaters. Als sie ihn öffnet, fallen Hunderte von Postkarten heraus, die alle eine eigene Geschichte zu erzählen haben. Geschichten aus der Zeit der „Belle époque“ im Großherzogtum.

Vicky Krieps im neuen Bausch-Film. (Bild: Tageblatt)

Weniger wäre mehr

So weit, so gut. Allerdings hapert es mit der Umsetzung der netten Idee. Das beginnt schon bei dem jungen Mädchen, das zwar aussieht wie eine junge Dame des frühen 20. Jahrhunderts, aber so redet wie eine aus dem Jahr 2012. Auch bietet die Rolle der Belle der jungen Vicky Krieps, die heute vor einer Woche den „Lëtzebuerger Filmpräis“ als bestes Nachwuchstalent erhielt, kaum Möglichkeiten, ihr schauspielerisches Talent, an dem wir nicht zweifeln, unter Beweis zu stellen. Zu kurz sind die Ausschnitte, in denen man sie erlebt, zu flach die Dialoge.

Aber schlussendlich ging es Andy Bausch ja auch nicht darum. Vielmehr wollte der Regisseur, von dem auch die Idee zum Film stammt, dem Zuschauer die Zeit des Jugendstils in Luxemburg näherbringen. Das gelingt ihm jedoch nur teilweise. Denn leider ist es so, dass der Film eine viel zu große Menge an Informationen aus den verschiedensten gesellschaftlichen, politischen, sportlichen – et j’en passe – Bereichen zu vermitteln versucht. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen. Bedauerlich ist auch, dass Bausch es versäumte, (indirekte) Zeitzeugen für seinen Film zu befragen, also Menschen, die heute 80, 85 Jahre oder mehr haben und noch aus den Erzählungen ihrer Eltern um die Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert wissen. Solche Elemente hätten dem Streifen, der eigentlich nur von – zugegeben interessanten – Postkarten und ähnlichen Dokumenten lebt, gutgetan.

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Halb Fiktion, halb Dokumentation. Doch zwei halbe Sachen machen noch längst kein Ganzes. Die Reaktionen des Publikums anlässlich der Vor-Premiere des neuen Films von Andy Bausch, „Belle époque“, waren eher verhalten. Und das zu Recht.

Die Idee an und für sich ist nett: Wir schreiben 1914 und ein Mädchen aus besserem Haus, (Isa)Belle (Vicky Krieps), soll verreisen und packt den Koffer. Der ist zu klein und so begibt sich Belle mit ihrem Dienstmädchen auf den Speicher. Dort findet sie den alten, großen Schiffskoffer ihres Vaters. Als sie ihn öffnet, fallen Hunderte von Postkarten heraus, die alle eine eigene Geschichte zu erzählen haben. Geschichten aus der Zeit der „Belle époque“ im Großherzogtum.

Vicky Krieps im neuen Bausch-Film. (Bild: Tageblatt)

Weniger wäre mehr

So weit, so gut. Allerdings hapert es mit der Umsetzung der netten Idee. Das beginnt schon bei dem jungen Mädchen, das zwar aussieht wie eine junge Dame des frühen 20. Jahrhunderts, aber so redet wie eine aus dem Jahr 2012. Auch bietet die Rolle der Belle der jungen Vicky Krieps, die heute vor einer Woche den „Lëtzebuerger Filmpräis“ als bestes Nachwuchstalent erhielt, kaum Möglichkeiten, ihr schauspielerisches Talent, an dem wir nicht zweifeln, unter Beweis zu stellen. Zu kurz sind die Ausschnitte, in denen man sie erlebt, zu flach die Dialoge.

Aber schlussendlich ging es Andy Bausch ja auch nicht darum. Vielmehr wollte der Regisseur, von dem auch die Idee zum Film stammt, dem Zuschauer die Zeit des Jugendstils in Luxemburg näherbringen. Das gelingt ihm jedoch nur teilweise. Denn leider ist es so, dass der Film eine viel zu große Menge an Informationen aus den verschiedensten gesellschaftlichen, politischen, sportlichen – et j’en passe – Bereichen zu vermitteln versucht. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen. Bedauerlich ist auch, dass Bausch es versäumte, (indirekte) Zeitzeugen für seinen Film zu befragen, also Menschen, die heute 80, 85 Jahre oder mehr haben und noch aus den Erzählungen ihrer Eltern um die Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert wissen. Solche Elemente hätten dem Streifen, der eigentlich nur von – zugegeben interessanten – Postkarten und ähnlichen Dokumenten lebt, gutgetan.

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