Jan 30 2013

Das Böse kann so banal sein

Published by at 00:27 under Articles

SOURCE: http://www.journal.lu

Hannah Arendt läuft ab heute in den luxemburgischen Kinos

Gedreht wurde der neue Film „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta 2011 zum Teil in Bascharage. Die Produktionsfirma Amour Fou Luxembourg , ehemals Minotaurus Films der Produzentin Bady Minck, finanzierte die deutsch-französisch-luxemburgische Koproduktion mit.

Hannah Arendt war eine deutsche Jüdin, der 1937 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wurde. Nach einer kurzen Internierung 1940 im südfranzösischen Lager von Gurs gelang ihr die Flucht und schließlich die Ausreise nach Amerika über Lissabon mit ihrem Ehemann in zweiter Ehe, Heinrich Blücher. In den USA war sie als Journalistin, Schriftstellerin und Professorin tätig. Von Trottas Film behandelt Hannah Arendts Teilnahme als Reporterin am Prozess gegen den Kriegsverbrecher Adolf Eichmann im Jahr 1961.

Opportunistisches Handeln Eichmanns

Hannah Arendt (Barbara Sukowa) reist nach Jerusalem, um für die renommierte Zeitung „The New Yorker“ über den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann zu berichten, der für die Deportation der Juden in die Konzentrationslager zuständig war.

In der israelischen Hauptstadt trifft sie ihren alten Freund Kurt (Michael Degen) wieder. Zurück in New York, ackert sie sich durch die über 2.000 Seiten Prozessakten. Stets rauchend und mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) diskutierend, wie auch mit ihren Freunden und Bekannten, wie Mary (Janet McTeer), Hans (Ulrich Noethen) und seiner Frau Lore (Sascha Ley), dem Zeitungsverleger Shawn (Nicholas Woodeson) oder ihrer Assistentin Lotte (Julia Jentsch). Sie kommt zur Schlussfolgerung, dass Eichmann nicht denken konnte. Er folgte blind allen Befehlen, um das eigene Leben nicht in Bedrängnis zu bringen. Sie spricht in diesem Zusammenhang von der „Banalität des Bösen“, das Böse, das ohne nachzudenken getan wurde und Millionen Juden das Leben kostetet.

Was sie noch mehr in Bedrängnis bringt, ist ihre Behauptung, dass die jüdische Obrigkeit mit den Nazis zusammengearbeitet hat. Sie verliert viele Freunde und erhält hunderte von Drohbriefen.

Dialoge über Dialoge

Barbara Sukowa spielte bereits unter von Trottas Regie Hildegard von Bingen und Rosa Luxemburg, zwei andere starke Frauen. Sie kommt in ihrer Kleidung mit bräunlichen Tönen – eigentlich eine sonderbare Wahl – als arrogant angesehene Kettenraucherin gut rüber.

Ob ihr deutscher Akzent im Englischen nach all den Jahren in Amerika wirklich so schlecht war, ist nicht bekannt. Um ihre Überlegungen zu verstehen, muss sich der Zuschauer hundertprozentig konzentrieren. Die 113 Minuten Laufzeit sind vollgestopft mit Dialogen, wohl sehr interessanten und intelligenten Überlegungen, die das filmische Element aber komplett verdrängen. Der Prozess wird mit Originalaufnahmen dokumentiert, und Hannahs Relation zum Philosophen Martin Heidegger (Klaus Pohl) in kurzen Rückblenden. Insbesondere aber die Anklage gegen die jüdischen Führer
hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, wie auch die Position der Beteiligten zur Situation der Juden und zum Staate Israel.

Somit konzentriert sich die Thematik auf das Böse und warum ein Mensch im Stande ist, abscheuliche Untaten zu begehen oder nichts dagegen zu unternehmen. Die Premiere des Films war am Dienstagabend im Beisein der Regisseurin. Er startet heute Mittwoch in unseren Kinos.

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Hannah Arendt läuft ab heute in den luxemburgischen Kinos

Gedreht wurde der neue Film „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta 2011 zum Teil in Bascharage. Die Produktionsfirma Amour Fou Luxembourg , ehemals Minotaurus Films der Produzentin Bady Minck, finanzierte die deutsch-französisch-luxemburgische Koproduktion mit.

Hannah Arendt war eine deutsche Jüdin, der 1937 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt wurde. Nach einer kurzen Internierung 1940 im südfranzösischen Lager von Gurs gelang ihr die Flucht und schließlich die Ausreise nach Amerika über Lissabon mit ihrem Ehemann in zweiter Ehe, Heinrich Blücher. In den USA war sie als Journalistin, Schriftstellerin und Professorin tätig. Von Trottas Film behandelt Hannah Arendts Teilnahme als Reporterin am Prozess gegen den Kriegsverbrecher Adolf Eichmann im Jahr 1961.

Opportunistisches Handeln Eichmanns

Hannah Arendt (Barbara Sukowa) reist nach Jerusalem, um für die renommierte Zeitung „The New Yorker“ über den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann zu berichten, der für die Deportation der Juden in die Konzentrationslager zuständig war.

In der israelischen Hauptstadt trifft sie ihren alten Freund Kurt (Michael Degen) wieder. Zurück in New York, ackert sie sich durch die über 2.000 Seiten Prozessakten. Stets rauchend und mit ihrem Mann Heinrich (Axel Milberg) diskutierend, wie auch mit ihren Freunden und Bekannten, wie Mary (Janet McTeer), Hans (Ulrich Noethen) und seiner Frau Lore (Sascha Ley), dem Zeitungsverleger Shawn (Nicholas Woodeson) oder ihrer Assistentin Lotte (Julia Jentsch). Sie kommt zur Schlussfolgerung, dass Eichmann nicht denken konnte. Er folgte blind allen Befehlen, um das eigene Leben nicht in Bedrängnis zu bringen. Sie spricht in diesem Zusammenhang von der „Banalität des Bösen“, das Böse, das ohne nachzudenken getan wurde und Millionen Juden das Leben kostetet.

Was sie noch mehr in Bedrängnis bringt, ist ihre Behauptung, dass die jüdische Obrigkeit mit den Nazis zusammengearbeitet hat. Sie verliert viele Freunde und erhält hunderte von Drohbriefen.

Dialoge über Dialoge

Barbara Sukowa spielte bereits unter von Trottas Regie Hildegard von Bingen und Rosa Luxemburg, zwei andere starke Frauen. Sie kommt in ihrer Kleidung mit bräunlichen Tönen – eigentlich eine sonderbare Wahl – als arrogant angesehene Kettenraucherin gut rüber.

Ob ihr deutscher Akzent im Englischen nach all den Jahren in Amerika wirklich so schlecht war, ist nicht bekannt. Um ihre Überlegungen zu verstehen, muss sich der Zuschauer hundertprozentig konzentrieren. Die 113 Minuten Laufzeit sind vollgestopft mit Dialogen, wohl sehr interessanten und intelligenten Überlegungen, die das filmische Element aber komplett verdrängen. Der Prozess wird mit Originalaufnahmen dokumentiert, und Hannahs Relation zum Philosophen Martin Heidegger (Klaus Pohl) in kurzen Rückblenden. Insbesondere aber die Anklage gegen die jüdischen Führer
hätte mehr Aufmerksamkeit verdient, wie auch die Position der Beteiligten zur Situation der Juden und zum Staate Israel.

Somit konzentriert sich die Thematik auf das Böse und warum ein Mensch im Stande ist, abscheuliche Untaten zu begehen oder nichts dagegen zu unternehmen. Die Premiere des Films war am Dienstagabend im Beisein der Regisseurin. Er startet heute Mittwoch in unseren Kinos.

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