Aug 19 2010

Deutsch-österreichisch-luxemburgische Koproduktion

Published by at 01:00 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.wort.lu/wort/web/freizeit/artikel/2010/08/108879/fuer-immer-und-ewig.php – Pit Thommes

Für immer und ewig
Drehort ist neben Wien auch Luxemburg

Müssen sich Biographie-Filme eigentlich sklavisch an der Realität orientieren? Christoph Stark, Regisseur von „Für immer und ewig“, verneint, schließlich sei „jede Darstellung der Realität eine Interpretation“. Und als solche zeichnet sich der Kinofilm über die angebliche Liebesbeziehung zwischen dem österreichischen Lyriker Georg Trakl und seiner Schwester Grete auch ab.

Es benötigte einer Drei-Länder-Kooperation, um das seit über zehn Jahren herumgeisternde Drehbuch von Ursula Mauder endlich umzusetzen. Denn das vielgelobte Skript sollte bereits mehrmals verfilmt werden. Gescheitert ist es bislang vor allem am kontroversen Inhalt. Immerhin gibt es keine wirklichen Hinweise auf das inzestuöse Verhältnis zwischen Georg und Grete Trakl. Doch ausgehend von einigen Zeilen des Expressionisten und einer Handvoll Gerüchten schafft „Für immer und ewig“ Tatsachen.

Drehort ist neben Wien auch Luxemburg. Und so wurde am vergangenen Freitag im kleinen Wintringer Schlossgarten das Österreich nach der Jahrhundertwende wiederbelebt.

Vielversprechende Besetzung

Nicht zuletzt wegen seines radikalen Ansatzes haben sich die Produzenten für Christoph Stark, Regisseur einiger Folgen „Tatort“ und „Polizeiruf 110“, entschieden. So zeige man sich davon überzeugt, dass Stark dank seiner „Überzeugung, Selbstsicherheit und Leidenschaft intuitiv ans Drehbuch herangehen“ könne. Nicht zuletzt wäre seine männliche Perspektive die ideale Ergänzung zur weiblichen Sicht des Drehbuchs – entscheidend wenn die expliziten Liebesszenen umgesetzt werden sollen.

Auch die Besetzung wurde nicht dem Zufall überlassen. Hat man doch mit Lars Eidinger als Georg Trakl einen der renommiertesten deutschen Schauspieler des vorherigen Jahres engagiert. Seine überragende Hamlet-Interpretation an der Berliner Schaubühne und die Hauptrolle im Film „Alle anderen“ machten ihn zum Liebling der deutschen Kritiker. Und jetzt hat er sichtlich Gefallen gefunden an Trakl, „diesem Freak des vorherigen Jahrhunderts.“ Wichtigste Inspirationsquelle ist für Eidinger dabei, „mehr als alle Biografien“, Trakls eindringliche Lyrik.

Jules Werner als Kokoschka

Ebenso zeigt sich Peri Baumeister – sie übernimmt die Rolle der Schwester Grete – sowohl von Trakls Lyrik als auch vom Drehbuch begeistert. Wobei die Produzenten mit Baumeister auf den Reiz der unbekannten Schönen setzen. Denn bislang konnte man die junge Absolventin der Theaterakademie in München noch nicht auf der großen Leinwand bewundern.

Auch die luxemburgische Besetzung braucht sich nicht zu verstecken. So übernimmt Jules Werner die Rolle Oskar Kokoschkas, des exzentrischen, expressionistischen Malers. Er sieht seine Herausforderung vor allem darin „einen Charakter zu spielen, der wirklich existierte.“ Gleiches muss auch Victoire Metzler leisten, die Alma Mahler, Kokoschkas Gefährtin, mimt.

Letztlich jedoch wird vor allem die Qualität des Drehbuchs über den Erfolg von „Für immer und ewig“ entscheiden. Denn die Darstellung dieser inzestuösen Liebe zwischen Georg und Grete Trakl bleibt eine Fiktion. Glaubhaft gespielt und gut inszeniert wird der Film dennoch sein Publikum zu überzeugen haben.

Ein Umstand, den Nicolas Steil, Geschäftsführer der luxemburgischen Produktionsfirma Iris Productions unumwoben eingesteht. „Wir erwarten uns drei Reaktionen; Zuschauer, die den Film ablehnen werden, die, welche daran interessiert sind und schließlich jene, die es zu schätzen wissen, wie im Film ein tragisches, kontroverses Thema untersucht wird.“ Georg und Grete Trakl sind demnach nur der Aufmacher, die wahre Intention des Films ist die Schilderung einer unmöglichen Liebe. Ob dies gelungen ist – daüber kann der Zuschauer voraussichtlich 2011 selbst urteilen.

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SOURCE: http://www.wort.lu/wort/web/freizeit/artikel/2010/08/108879/fuer-immer-und-ewig.php – Pit Thommes

Für immer und ewig
Drehort ist neben Wien auch Luxemburg

Müssen sich Biographie-Filme eigentlich sklavisch an der Realität orientieren? Christoph Stark, Regisseur von „Für immer und ewig“, verneint, schließlich sei „jede Darstellung der Realität eine Interpretation“. Und als solche zeichnet sich der Kinofilm über die angebliche Liebesbeziehung zwischen dem österreichischen Lyriker Georg Trakl und seiner Schwester Grete auch ab.

Es benötigte einer Drei-Länder-Kooperation, um das seit über zehn Jahren herumgeisternde Drehbuch von Ursula Mauder endlich umzusetzen. Denn das vielgelobte Skript sollte bereits mehrmals verfilmt werden. Gescheitert ist es bislang vor allem am kontroversen Inhalt. Immerhin gibt es keine wirklichen Hinweise auf das inzestuöse Verhältnis zwischen Georg und Grete Trakl. Doch ausgehend von einigen Zeilen des Expressionisten und einer Handvoll Gerüchten schafft „Für immer und ewig“ Tatsachen.

Drehort ist neben Wien auch Luxemburg. Und so wurde am vergangenen Freitag im kleinen Wintringer Schlossgarten das Österreich nach der Jahrhundertwende wiederbelebt.

Vielversprechende Besetzung

Nicht zuletzt wegen seines radikalen Ansatzes haben sich die Produzenten für Christoph Stark, Regisseur einiger Folgen „Tatort“ und „Polizeiruf 110“, entschieden. So zeige man sich davon überzeugt, dass Stark dank seiner „Überzeugung, Selbstsicherheit und Leidenschaft intuitiv ans Drehbuch herangehen“ könne. Nicht zuletzt wäre seine männliche Perspektive die ideale Ergänzung zur weiblichen Sicht des Drehbuchs – entscheidend wenn die expliziten Liebesszenen umgesetzt werden sollen.

Auch die Besetzung wurde nicht dem Zufall überlassen. Hat man doch mit Lars Eidinger als Georg Trakl einen der renommiertesten deutschen Schauspieler des vorherigen Jahres engagiert. Seine überragende Hamlet-Interpretation an der Berliner Schaubühne und die Hauptrolle im Film „Alle anderen“ machten ihn zum Liebling der deutschen Kritiker. Und jetzt hat er sichtlich Gefallen gefunden an Trakl, „diesem Freak des vorherigen Jahrhunderts.“ Wichtigste Inspirationsquelle ist für Eidinger dabei, „mehr als alle Biografien“, Trakls eindringliche Lyrik.

Jules Werner als Kokoschka

Ebenso zeigt sich Peri Baumeister – sie übernimmt die Rolle der Schwester Grete – sowohl von Trakls Lyrik als auch vom Drehbuch begeistert. Wobei die Produzenten mit Baumeister auf den Reiz der unbekannten Schönen setzen. Denn bislang konnte man die junge Absolventin der Theaterakademie in München noch nicht auf der großen Leinwand bewundern.

Auch die luxemburgische Besetzung braucht sich nicht zu verstecken. So übernimmt Jules Werner die Rolle Oskar Kokoschkas, des exzentrischen, expressionistischen Malers. Er sieht seine Herausforderung vor allem darin „einen Charakter zu spielen, der wirklich existierte.“ Gleiches muss auch Victoire Metzler leisten, die Alma Mahler, Kokoschkas Gefährtin, mimt.

Letztlich jedoch wird vor allem die Qualität des Drehbuchs über den Erfolg von „Für immer und ewig“ entscheiden. Denn die Darstellung dieser inzestuösen Liebe zwischen Georg und Grete Trakl bleibt eine Fiktion. Glaubhaft gespielt und gut inszeniert wird der Film dennoch sein Publikum zu überzeugen haben.

Ein Umstand, den Nicolas Steil, Geschäftsführer der luxemburgischen Produktionsfirma Iris Productions unumwoben eingesteht. „Wir erwarten uns drei Reaktionen; Zuschauer, die den Film ablehnen werden, die, welche daran interessiert sind und schließlich jene, die es zu schätzen wissen, wie im Film ein tragisches, kontroverses Thema untersucht wird.“ Georg und Grete Trakl sind demnach nur der Aufmacher, die wahre Intention des Films ist die Schilderung einer unmöglichen Liebe. Ob dies gelungen ist – daüber kann der Zuschauer voraussichtlich 2011 selbst urteilen.

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