Oct 07 2009

Drei Frauen und ihre Männer in Neuseeland

Published by at 01:00 under Articles

source: http://www.journal.lu – CHS

Am Mittwochabend hatte Samsa Film zusammen mit der niederländischen Botschaft zu der luxemburgischen Erstaufführung von „Bride Flight“ von Ben Sombogaart und dem ersten Kurzfilm der japanischen Regisseurin Saesa Kyiokawa, „Routine“, eingeladen. Für den holländischen Regisseur ist es bereits die zweite Zusammenarbeit mit Samsa Film, nach „De Tweeling“ (2002). Saesa Kyiokawa hat in Los Angeles das Fach Film studiert und fand bei Samsa Film eine interessierte Produktionsfirma für ihre erste Schritte in die Welt des Films.

„Routine“

Mark Kleimer (Jules Werner) fährt bei Nacht die Buslinie 140. Kurz vor seinem letzten Halt sieht er ein rot gekleidetes Mädchen (Danica Torrens) am Straßenrand. Er bleibt stehen und nimmt sie mit in die nächste Ortschaft. Als er sie aussteigen lassen will, ist sie auf mysteriöse Weise verschwunden. Am nächsten Abend passiert ihm genau das Gleiche. Sein Kollege Jack (Steve Preston) fährt schon seit einer kleinen Ewigkeit die Linie 145, genau wie Mark die Linie 140. Sie entschließen sich kurzerhand die Fahrten zu tauschen. Alsdann geschieht ein Unglück. Der Schluss soll hier nicht verraten werden, nur dass diese junge Frau ein Gespür für die Bildsprache hat, die durch einen effektvollen Schnitt für Spannung sorgt. Die Geschichte bietet sicherlich nichts Weltbewegendes, und doch wird das Ende überraschen.

Unbekannte Seite in der Geschichte der Niederlande

Am 31. Januar 1953 brach ein Orkan in Holland etliche Deiche. Das Flutschutzsystem konnte fast 2.000 Menschen und mehr als 200.000 Tiere nicht vor dem Ertrinken retten. Daraufhin verließen viele junge Menschen ihr Heimatland und suchten eine neue Zukunft in der Fremde, u. a. in Neuseeland. In „Bride Flight“ erzählt Ben Sombogaart die Geschichte von vier jungen Menschen, Ada (Karine Smulders), Esther (Anna Drijver), Marjorie (Elise Schaap) und Frank (Waldemar Torenstra), die sich auf einem Flug nach Neuseeland kennen lernen. Frank verliebt sich auf den ersten Blick in Ada „von Holland“, die aber schwanger ist und bereits mit Derk (Micha Hulshof) liiert ist. Auf Esther wartet Leon (Walter Bart), doch sie lässt ihn bald sitzen und zieht die Unabhängigkeit vor. Außerdem beginnt sie ihr Talent als Modeschöpferin in bares Geld umzusetzen. Marjorie heiratet Hans (Mattijn Hartemink), wird schwanger, verliert aber das Kind sowie ihre Fruchtbarkeit. Unterdessen erwartet auch Esther ein Kind. Mit Marjorie und Hans geht sie eine stille Abmachung ein. Sie wird Marjorie ihr Baby übergeben, unter der Bedingung, dass dieses nie die Wahrheit über seine Eltern erfährt. Esther hält ebenfalls die Identität des Vaters geheim. Kurz darauf kommt ihr Sohn Bobby (als Teenager: Mykola Allen) auf die Welt. Auch Frank taucht wieder auf und wird der Rugby-Trainer von Bobby. Adas Mann ist ein fanatischer Gläubiger, was der Frau nie viel Freude brachte, außer drei Kindern. Heimlich hat sie all die Jahre mit Frank korrespondiert, und als ihr Mann die Briefe findet, reist sie kurzerhand zu Frank, der ein Weinanbaugebiet betreibt und auf die erste Flaschenfüllung wartet.

Zwischen Pathos und Kitsch

Bereits bei den ersten Bildern, die eine Weinberglandschaft zeigen, in denen der alte Frank (Rutger Hauer) verunglückt, zeigen, dass der Macher dieses Filmes genau weiß, was er will: Eine bildgewaltige Geschichte mit den klassischen Mitteln des Kinos erzählen. Schnell erkennt man, dass die Liebe in vielen Abweichungen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Doch die Grenze zwischen Pathos und Kitsch in einer Lovestory ist sehr schmal. Regisseur Sombogaart gelingt es mehr oder weniger problemlos, diese Grenze nicht zu übertreten, weder auf die eine, noch auf die andere Seite. Seiner Geschichte fehlen zwar hie und da die wirklich großen Gefühle, jene Momente, die dem Zuschauer das Herz zuschnüren und die Augen nass werden. Eine Ursache ist das stete Hin und Her zwischen den beiden Ebenen auf denen die Geschichte spielt, die 1950er Jahre und die Gegenwart, in der sich Ada (Pleuni Touw), Marjorie (Petra Laseur) und Esther (Willeke van Ammelrooy) auf dem Begräbnis von Frank wiedertreffen. Somit kann sich der Zuschauer nur für Momente an die einzelnen Protagonisten binden und muss sie wieder loslassen, um die anderen Schicksale weiter zu ergründen. Dennoch fasziniert diese Relation zwischen den drei Frauen, ihren Männern und dem Liebhaber von wenigstens zwei von ihnen. Die 130 Minuten Laufzeit langweilen keine Sekunde, und deshalb sollte man sich „Bride Flight“ ab heute im „Utopia“ ansehen (täglich um 21.00 Uhr). Der Kurzfilm „Routine“ läuft im Vorprogramm.

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Am Mittwochabend hatte Samsa Film zusammen mit der niederländischen Botschaft zu der luxemburgischen Erstaufführung von „Bride Flight“ von Ben Sombogaart und dem ersten Kurzfilm der japanischen Regisseurin Saesa Kyiokawa, „Routine“, eingeladen. Für den holländischen Regisseur ist es bereits die zweite Zusammenarbeit mit Samsa Film, nach „De Tweeling“ (2002). Saesa Kyiokawa hat in Los Angeles das Fach Film studiert und fand bei Samsa Film eine interessierte Produktionsfirma für ihre erste Schritte in die Welt des Films.

„Routine“

Mark Kleimer (Jules Werner) fährt bei Nacht die Buslinie 140. Kurz vor seinem letzten Halt sieht er ein rot gekleidetes Mädchen (Danica Torrens) am Straßenrand. Er bleibt stehen und nimmt sie mit in die nächste Ortschaft. Als er sie aussteigen lassen will, ist sie auf mysteriöse Weise verschwunden. Am nächsten Abend passiert ihm genau das Gleiche. Sein Kollege Jack (Steve Preston) fährt schon seit einer kleinen Ewigkeit die Linie 145, genau wie Mark die Linie 140. Sie entschließen sich kurzerhand die Fahrten zu tauschen. Alsdann geschieht ein Unglück. Der Schluss soll hier nicht verraten werden, nur dass diese junge Frau ein Gespür für die Bildsprache hat, die durch einen effektvollen Schnitt für Spannung sorgt. Die Geschichte bietet sicherlich nichts Weltbewegendes, und doch wird das Ende überraschen.

Unbekannte Seite in der Geschichte der Niederlande

Am 31. Januar 1953 brach ein Orkan in Holland etliche Deiche. Das Flutschutzsystem konnte fast 2.000 Menschen und mehr als 200.000 Tiere nicht vor dem Ertrinken retten. Daraufhin verließen viele junge Menschen ihr Heimatland und suchten eine neue Zukunft in der Fremde, u. a. in Neuseeland. In „Bride Flight“ erzählt Ben Sombogaart die Geschichte von vier jungen Menschen, Ada (Karine Smulders), Esther (Anna Drijver), Marjorie (Elise Schaap) und Frank (Waldemar Torenstra), die sich auf einem Flug nach Neuseeland kennen lernen. Frank verliebt sich auf den ersten Blick in Ada „von Holland“, die aber schwanger ist und bereits mit Derk (Micha Hulshof) liiert ist. Auf Esther wartet Leon (Walter Bart), doch sie lässt ihn bald sitzen und zieht die Unabhängigkeit vor. Außerdem beginnt sie ihr Talent als Modeschöpferin in bares Geld umzusetzen. Marjorie heiratet Hans (Mattijn Hartemink), wird schwanger, verliert aber das Kind sowie ihre Fruchtbarkeit. Unterdessen erwartet auch Esther ein Kind. Mit Marjorie und Hans geht sie eine stille Abmachung ein. Sie wird Marjorie ihr Baby übergeben, unter der Bedingung, dass dieses nie die Wahrheit über seine Eltern erfährt. Esther hält ebenfalls die Identität des Vaters geheim. Kurz darauf kommt ihr Sohn Bobby (als Teenager: Mykola Allen) auf die Welt. Auch Frank taucht wieder auf und wird der Rugby-Trainer von Bobby. Adas Mann ist ein fanatischer Gläubiger, was der Frau nie viel Freude brachte, außer drei Kindern. Heimlich hat sie all die Jahre mit Frank korrespondiert, und als ihr Mann die Briefe findet, reist sie kurzerhand zu Frank, der ein Weinanbaugebiet betreibt und auf die erste Flaschenfüllung wartet.

Zwischen Pathos und Kitsch

Bereits bei den ersten Bildern, die eine Weinberglandschaft zeigen, in denen der alte Frank (Rutger Hauer) verunglückt, zeigen, dass der Macher dieses Filmes genau weiß, was er will: Eine bildgewaltige Geschichte mit den klassischen Mitteln des Kinos erzählen. Schnell erkennt man, dass die Liebe in vielen Abweichungen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Doch die Grenze zwischen Pathos und Kitsch in einer Lovestory ist sehr schmal. Regisseur Sombogaart gelingt es mehr oder weniger problemlos, diese Grenze nicht zu übertreten, weder auf die eine, noch auf die andere Seite. Seiner Geschichte fehlen zwar hie und da die wirklich großen Gefühle, jene Momente, die dem Zuschauer das Herz zuschnüren und die Augen nass werden. Eine Ursache ist das stete Hin und Her zwischen den beiden Ebenen auf denen die Geschichte spielt, die 1950er Jahre und die Gegenwart, in der sich Ada (Pleuni Touw), Marjorie (Petra Laseur) und Esther (Willeke van Ammelrooy) auf dem Begräbnis von Frank wiedertreffen. Somit kann sich der Zuschauer nur für Momente an die einzelnen Protagonisten binden und muss sie wieder loslassen, um die anderen Schicksale weiter zu ergründen. Dennoch fasziniert diese Relation zwischen den drei Frauen, ihren Männern und dem Liebhaber von wenigstens zwei von ihnen. Die 130 Minuten Laufzeit langweilen keine Sekunde, und deshalb sollte man sich „Bride Flight“ ab heute im „Utopia“ ansehen (täglich um 21.00 Uhr). Der Kurzfilm „Routine“ läuft im Vorprogramm.

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