Jan 22 2011

Eileen Byrne: Ich will gar nicht nach Hollywood

Published by at 01:12 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.lessentiel.lu/de/ausgehen/story/–Ich-will-gar-nicht-nach-Hollywood—25225170

LUXEMBURG/SAARBRÜCKEN – Eyleen Byrne feiert auf dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken mit ihrem neuen Kurzfilm Premiere. Die 26-jährige Regiestudentin erklärt, wie ihr Film in München spielen und doch sehr luxemburgisch sein kann.

Eyleen Byrnes Film
«Légal.Illégal» läuft am Freitagabend um 22.30 Uhr und am Sonntag im Kurzfilmprogramm des Festivals in Saarbrücken. Er erzählt von Kicki, in ihrer Jugend noch engagierte Aktivistin, die beim Wiedersehen mit Ex-Freund Elias mit ihren Grenzen konfrontiert wird. Sie bietet ihm eine Schlafgelegenheit an. Als sie aber am nächsten Morgen aufwacht, liegt ein illegaler kurdischer Flüchtling in ihrer Küche. Elias macht sich aus dem Staub und lässt sie mit dem Fremden alleine zurück.

Ihr dritter Kurzfilm «Légal.Illégal» feiert Premiere beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken. Was bedeutet das für eine junge Filmemacherin?
Eyleen Byrne: Ich habe den Film im Rohschnitt eingereicht und nie gedacht, dass er für das Kurzfilmprogramm angenommen würde. Aber es hat geklappt und ich freue mich riesig! Schließlich gehört Max-Ophüls zu den drei großen Filmfestivals für Kurzfilme neben dem in Hof und der Berlinale.

Wie erleben Sie die Festivalwelt?
Ich habe das Gefühl, die ganze Stadt ist im Filmfieber und feiert mit! Jedes Geschäft hat ein Plakat im Schaufenster und es ist großartig, dabei zu sein und den ganzen Tag gute Filme anzuschauen.

Unter welchen Bedingungen haben Sie den Kurzfilm gedreht?
Im Rahmen meines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Wir hatten 2000 Euro Budget für 25 Minuten – das ist nichts! Also haben wir das Projekt bei karitativen Organisationen in Luxemburg vorgestellt und 1000 Euro dazubekommen. Der Rest war mehr als chaotisch. Im April habe ich das Drehbuch angefangen, im August haben wir sieben Tage lang gedreht. Geschnitten habe ich bis vergangenen Freitag in Nachtschichten – ein bisschen wie ein Kamikaze.

Ihren Film haben Sie mit der luxemburgischen Schauspielerin Vicky Krieps gedreht. Ist er ein Produkt der jungen Luxemburger Filmszene?
Ja und nein. Auch wenn der Film nicht in Luxemburg spielt, hat er viel mit dem Land zu tun. Luxemburg ist meine Heimat und ein großer Teil von mir. Dass ich mit Vicky gedreht habe, hat den einfachen Grund, dass wir seit der Schule beste Freundinnen sind. Ich habe die Rolle der Kicki für sie geschrieben.

Inwiefern spiegelt sich die luxemburgische Identität denn im Film wieder?
Irgendwie ständig. Mein großes Thema ist Identitätssuche und das Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Ich habe selbst vier Nationalitäten und denke, dass Luxemburg die Frage nach Globalisierung und Europa gut verkörpert.

Ihr Film handelt aber von einem Flüchtling, der bei Ihrer Hauptdarstellerin in der Küche landet…
Das hat mit einer sehr luxemburgischen Erfahrung aus meinem Freundeskreis zu tun: Viele meiner Freunde waren mit 16, 17 Jahren politisch aktiv und haben nun, zehn Jahre später, ihren Idealismus und den Glauben an das Gute an den Nagel gehängt. Sie denken an sich selbst, ihre Karriere oder ihr Haus. Das war meine Ausgangssituation für den Film und ich habe mich gefragt: Was ist das Schlimmste, was dann passieren kann? Deshalb habe ich meiner Hauptdarstellerin einen Flüchtling in die Küche gelegt.

Sie studieren an derselben Hochschule wie der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmark, der mit «Das Leben der Anderen» einen Riesenerfolg landete, und nun in Hollywood mit Angelina Jolie und Johnny Depp dreht. Ist das auch Ihr Ziel?
Nein, ich will gar nicht nach Hollywood. Bei «The Tourist» merkt man deutlich, dass dort unter großem Druck gearbeitet wird, der Regisseur kaum Freiheiten hat und dann von Kritikern verrissen wird. Ich möchte lieber einen mehrsprachigen Spielfilm in Europa drehen, mit verschiedenen Erzählsträngen aus der Perspektive verschiedener Länder. Das würde mir besser entsprechen. Und Arbeiten möchte ich gern in Luxemburg. Junge Filmemacher haben hier gute Möglichkeiten.

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LUXEMBURG/SAARBRÜCKEN – Eyleen Byrne feiert auf dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken mit ihrem neuen Kurzfilm Premiere. Die 26-jährige Regiestudentin erklärt, wie ihr Film in München spielen und doch sehr luxemburgisch sein kann.

Eyleen Byrnes Film
«Légal.Illégal» läuft am Freitagabend um 22.30 Uhr und am Sonntag im Kurzfilmprogramm des Festivals in Saarbrücken. Er erzählt von Kicki, in ihrer Jugend noch engagierte Aktivistin, die beim Wiedersehen mit Ex-Freund Elias mit ihren Grenzen konfrontiert wird. Sie bietet ihm eine Schlafgelegenheit an. Als sie aber am nächsten Morgen aufwacht, liegt ein illegaler kurdischer Flüchtling in ihrer Küche. Elias macht sich aus dem Staub und lässt sie mit dem Fremden alleine zurück.

Ihr dritter Kurzfilm «Légal.Illégal» feiert Premiere beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken. Was bedeutet das für eine junge Filmemacherin?
Eyleen Byrne: Ich habe den Film im Rohschnitt eingereicht und nie gedacht, dass er für das Kurzfilmprogramm angenommen würde. Aber es hat geklappt und ich freue mich riesig! Schließlich gehört Max-Ophüls zu den drei großen Filmfestivals für Kurzfilme neben dem in Hof und der Berlinale.

Wie erleben Sie die Festivalwelt?
Ich habe das Gefühl, die ganze Stadt ist im Filmfieber und feiert mit! Jedes Geschäft hat ein Plakat im Schaufenster und es ist großartig, dabei zu sein und den ganzen Tag gute Filme anzuschauen.

Unter welchen Bedingungen haben Sie den Kurzfilm gedreht?
Im Rahmen meines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Wir hatten 2000 Euro Budget für 25 Minuten – das ist nichts! Also haben wir das Projekt bei karitativen Organisationen in Luxemburg vorgestellt und 1000 Euro dazubekommen. Der Rest war mehr als chaotisch. Im April habe ich das Drehbuch angefangen, im August haben wir sieben Tage lang gedreht. Geschnitten habe ich bis vergangenen Freitag in Nachtschichten – ein bisschen wie ein Kamikaze.

Ihren Film haben Sie mit der luxemburgischen Schauspielerin Vicky Krieps gedreht. Ist er ein Produkt der jungen Luxemburger Filmszene?
Ja und nein. Auch wenn der Film nicht in Luxemburg spielt, hat er viel mit dem Land zu tun. Luxemburg ist meine Heimat und ein großer Teil von mir. Dass ich mit Vicky gedreht habe, hat den einfachen Grund, dass wir seit der Schule beste Freundinnen sind. Ich habe die Rolle der Kicki für sie geschrieben.

Inwiefern spiegelt sich die luxemburgische Identität denn im Film wieder?
Irgendwie ständig. Mein großes Thema ist Identitätssuche und das Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Ich habe selbst vier Nationalitäten und denke, dass Luxemburg die Frage nach Globalisierung und Europa gut verkörpert.

Ihr Film handelt aber von einem Flüchtling, der bei Ihrer Hauptdarstellerin in der Küche landet…
Das hat mit einer sehr luxemburgischen Erfahrung aus meinem Freundeskreis zu tun: Viele meiner Freunde waren mit 16, 17 Jahren politisch aktiv und haben nun, zehn Jahre später, ihren Idealismus und den Glauben an das Gute an den Nagel gehängt. Sie denken an sich selbst, ihre Karriere oder ihr Haus. Das war meine Ausgangssituation für den Film und ich habe mich gefragt: Was ist das Schlimmste, was dann passieren kann? Deshalb habe ich meiner Hauptdarstellerin einen Flüchtling in die Küche gelegt.

Sie studieren an derselben Hochschule wie der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmark, der mit «Das Leben der Anderen» einen Riesenerfolg landete, und nun in Hollywood mit Angelina Jolie und Johnny Depp dreht. Ist das auch Ihr Ziel?
Nein, ich will gar nicht nach Hollywood. Bei «The Tourist» merkt man deutlich, dass dort unter großem Druck gearbeitet wird, der Regisseur kaum Freiheiten hat und dann von Kritikern verrissen wird. Ich möchte lieber einen mehrsprachigen Spielfilm in Europa drehen, mit verschiedenen Erzählsträngen aus der Perspektive verschiedener Länder. Das würde mir besser entsprechen. Und Arbeiten möchte ich gern in Luxemburg. Junge Filmemacher haben hier gute Möglichkeiten.

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