Oct 26 2009

Ein vergessenes Kapitel der Geschichte

Published by at 19:02 under Articles

SOURCE:www.journal.lu – CHS

Am 25. Juni 1950 griff die Demokratische Volksrepublik Korea, also das kommunistische Nordkorea, die Republik Korea im Süden an und löste somit den Koreakrieg aus. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte diese Aggression und rief die Mitgliedsstaaten auf, Südkorea militärische Hilfe zu leisten. Auch Luxemburg beteiligte sich an dieser militärischen Unterstützung und schickte nacheinander zwei Kontingente mit im Ganzen 85 Soldaten nach Korea. Das erste wurde von Joseph „Tunn“ Wagener und das zweite von Rodolphe Lutty kommandiert. Rund 60 Jahre später besucht Oberst Joseph Wagener (85) in Kanada und den USA drei seiner alten Kameraden, für die der Koreakrieg eine entscheidende Rolle in ihrem Leben spielte: Léon Moyen, Norbert Edert und André Ney.

Mit „Tour Of Duty“ dokumentiert Regisseur Fränk Grotz diese Reise durch die Erinnerungen an die Vergangenheit. Mit privaten Fotos und Ausschnitten aus historischen Filmdokumenten, die den Einsatz der Soldaten während des als „vergessener Krieg“ bezeichneten Konflikts zeigen, wird der Film ergänzt. Am Donnerstagabend war die Premiere im „Utopolis“ unter dem Patronat des südkoreanischen Honorarkonsulats und der Luxembourg-Korea Association.
Reise in die Vergangenheit
Joseph Wageners erster Stopp ist Toronto, wo er Léon Moyen besucht. Der Zuschauer erfährt von den Gründen, welche die beiden bewegten, sich auf die gefährliche Mission am anderen Ende der Welt einzulassen, u. a. waren es ein besserer Lohn und die Lust, andere Länder kennen zu lernen. Der damalige Außenminister Joseph Bech hieß den Einsatz der luxemburgischen Soldaten gut. Mit einem Schiff, der Kamina, ging die Reise im Dezember 1950 in Antwerpen los. Nach langen sechs Wochen landeten die Luxemburger zusammen mit ihren belgischen Kollegen in Pusan im Süden des besetzten Landes. Speziell mit der Hilfe der Amerikaner konnten die Hilfstruppen die Besatzer aus dem Norden zurückdrängen. Doch dann mischte sich China in den militärischen Konflikt ein, und die Alliierten mussten sich im Süden umgruppieren. Schließlich wurden die Chinesen besiegt, und am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjeom ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben.
Zusammen mit Léon Moyen besucht der pensionierte Oberst Norbert Edert in New York, ehe sie nach Vancouver Island weiter reisen, wo André Ney wohnt. Edert und Ney hatten sich nach dem Koreakrieg für die Ausreise nach Amerika, respektiv nach Kanada entschieden, wogegen Wagener in Luxemburg blieb.
Mit der Kamera auf Erinnerungssuche
Fränk Grotz wurde 1977 in Luxemburg geboren. Nach Studien der Filmwissenschaften und des Kulturmanagement an der Universität Paul Verlaine in Metz, erwirbt er Erfahrungen bei verschiedenen Filmproduktionen in Luxemburg und beim Centre National de l’Audiovisuel (CNA). 2006 realisiert er seinen ersten Kurzfilm „D’Schueberfouer“. Zurzeit arbeitet er als Kommunikationsassistent und Verantwortlicher für das Kulturzentrum „Kulturhuef“ in Grevenmacher. Für die Zeitung „Lëtzebuerger Land“ schreibt er Filmkritiken. „Tour Of Duty“ ist sein erster abendfüllender Film.
Der Historiker Patrick Marmann ist dabei, ein Buch über die Luxemburger im Koreakrieg zu schreiben. Er trat an Fränk Grotz heran und unterbreitete ihm die Idee, gleichzeitig das Thema mit den filmischen Mitteln eines Dokumentarfilms zu illustrieren. Der Historiker hatte bereits etliche Veteranen interviewt, und so konnte sich Grotz die interessantesten heraussuchen. Langsam entstand ein Drehbuch, für das Produzent Bernard Michaux (Lucil Film) Interesse zeigte. Als der Luxemburger Filmfund das Projekt unterstützte, konnte die Reise mit der Kamera (Alex Aach) in die Vergangenheit losgehen.
Schwelgen in Nostalgie
Die drei Veteranen zeichnen sich durch einen ganz speziellen Humor aus, speziell verschiedene Aussagen von Léon Moyen regten die Lachmuskeln des Premierenpublikums an. Diesen lustigen Intermezzos ist es zu verdanken, dass die unbekannte Geschichte dieser Koreaveteranen das Publikum anspricht. Insgesamt hätte man sich mehr Informationen zum bewaffneten Konflikt gewünscht. Somit muss sich der Zuschauer selbst ein Bild des Koreakriegs aus den Erinnerungen und dem wenigen Bildmaterial zusammensetzen.
Nur spärlich streift der Film auch die Folgen auf die Psyche der betroffenen Soldaten. Léon Moyen wurde angeschossen, aber es scheint als hätte ihn diese Wunde noch mehr in den Krieg involviert. Allgemein scheinen die drei Veteranen in Nostalgie zu schwelgen, wenn die sich an den vergessenen Krieg erinnern. Wagener und Moyen haben stets ihre Veteranenkappen auf, während Ney mit seinem braunen Militärbarett herumspaziert. Doch sie haben auch töten müssen. Lediglich Norbert Edert erzählt von einer Schiesserei, bei der ein Nordkoreaner getötet wurde. Edert versteht noch heute nicht, warum sich dieser Soldat auf einem Baum verschanzte, gerade dort, wo er keine Deckung hatte, auch wenn er eine bessere Sicht hatte und auf ihn schießen konnte. Wie sie das Töten wirklich verkraftet haben, wird nicht geklärt.
Bei der Besichtigung von Kriegsmonumenten in Amerika wird des Weiteren klar, dass diese Soldaten, sowohl die luxemburgischen wie die amerikanischen, durch ihren Einsatz im Krieg untereinander verbunden sind. Allgemeine Kritik an militärischen Konflikten dringt komischerweise nicht durch.
Für diese drei Luxemburger war dieser Einsatz etwas ganz Besonderes – Edert kam zudem noch im Vietnamkrieg mit den Amerikanern zum Einsatz -, und sie stehen ohne Scham und Reue dazu. Regisseur Grotz lässt ihre Ideologie ebenso im Raum stehen. Das wirkliche Nachvollziehen ihrer Denkweise ist schwierig. „Tour Of Duty“ reiht sich in eine Serie interessanter luxemburgischer Dokumentarfilme ein, welche die Vergangenheit des Landes dokumentieren, ohne aber dieselbe Kraft zu haben, wie z. B. „Heim ins Reich“ von Claude Lahr. Der Film läuft im „Utopia“.

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Am 25. Juni 1950 griff die Demokratische Volksrepublik Korea, also das kommunistische Nordkorea, die Republik Korea im Süden an und löste somit den Koreakrieg aus. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte diese Aggression und rief die Mitgliedsstaaten auf, Südkorea militärische Hilfe zu leisten. Auch Luxemburg beteiligte sich an dieser militärischen Unterstützung und schickte nacheinander zwei Kontingente mit im Ganzen 85 Soldaten nach Korea. Das erste wurde von Joseph „Tunn“ Wagener und das zweite von Rodolphe Lutty kommandiert. Rund 60 Jahre später besucht Oberst Joseph Wagener (85) in Kanada und den USA drei seiner alten Kameraden, für die der Koreakrieg eine entscheidende Rolle in ihrem Leben spielte: Léon Moyen, Norbert Edert und André Ney.

Mit „Tour Of Duty“ dokumentiert Regisseur Fränk Grotz diese Reise durch die Erinnerungen an die Vergangenheit. Mit privaten Fotos und Ausschnitten aus historischen Filmdokumenten, die den Einsatz der Soldaten während des als „vergessener Krieg“ bezeichneten Konflikts zeigen, wird der Film ergänzt. Am Donnerstagabend war die Premiere im „Utopolis“ unter dem Patronat des südkoreanischen Honorarkonsulats und der Luxembourg-Korea Association.
Reise in die Vergangenheit
Joseph Wageners erster Stopp ist Toronto, wo er Léon Moyen besucht. Der Zuschauer erfährt von den Gründen, welche die beiden bewegten, sich auf die gefährliche Mission am anderen Ende der Welt einzulassen, u. a. waren es ein besserer Lohn und die Lust, andere Länder kennen zu lernen. Der damalige Außenminister Joseph Bech hieß den Einsatz der luxemburgischen Soldaten gut. Mit einem Schiff, der Kamina, ging die Reise im Dezember 1950 in Antwerpen los. Nach langen sechs Wochen landeten die Luxemburger zusammen mit ihren belgischen Kollegen in Pusan im Süden des besetzten Landes. Speziell mit der Hilfe der Amerikaner konnten die Hilfstruppen die Besatzer aus dem Norden zurückdrängen. Doch dann mischte sich China in den militärischen Konflikt ein, und die Alliierten mussten sich im Süden umgruppieren. Schließlich wurden die Chinesen besiegt, und am 27. Juli 1953 wurde in Panmunjeom ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben.
Zusammen mit Léon Moyen besucht der pensionierte Oberst Norbert Edert in New York, ehe sie nach Vancouver Island weiter reisen, wo André Ney wohnt. Edert und Ney hatten sich nach dem Koreakrieg für die Ausreise nach Amerika, respektiv nach Kanada entschieden, wogegen Wagener in Luxemburg blieb.
Mit der Kamera auf Erinnerungssuche
Fränk Grotz wurde 1977 in Luxemburg geboren. Nach Studien der Filmwissenschaften und des Kulturmanagement an der Universität Paul Verlaine in Metz, erwirbt er Erfahrungen bei verschiedenen Filmproduktionen in Luxemburg und beim Centre National de l’Audiovisuel (CNA). 2006 realisiert er seinen ersten Kurzfilm „D’Schueberfouer“. Zurzeit arbeitet er als Kommunikationsassistent und Verantwortlicher für das Kulturzentrum „Kulturhuef“ in Grevenmacher. Für die Zeitung „Lëtzebuerger Land“ schreibt er Filmkritiken. „Tour Of Duty“ ist sein erster abendfüllender Film.
Der Historiker Patrick Marmann ist dabei, ein Buch über die Luxemburger im Koreakrieg zu schreiben. Er trat an Fränk Grotz heran und unterbreitete ihm die Idee, gleichzeitig das Thema mit den filmischen Mitteln eines Dokumentarfilms zu illustrieren. Der Historiker hatte bereits etliche Veteranen interviewt, und so konnte sich Grotz die interessantesten heraussuchen. Langsam entstand ein Drehbuch, für das Produzent Bernard Michaux (Lucil Film) Interesse zeigte. Als der Luxemburger Filmfund das Projekt unterstützte, konnte die Reise mit der Kamera (Alex Aach) in die Vergangenheit losgehen.
Schwelgen in Nostalgie
Die drei Veteranen zeichnen sich durch einen ganz speziellen Humor aus, speziell verschiedene Aussagen von Léon Moyen regten die Lachmuskeln des Premierenpublikums an. Diesen lustigen Intermezzos ist es zu verdanken, dass die unbekannte Geschichte dieser Koreaveteranen das Publikum anspricht. Insgesamt hätte man sich mehr Informationen zum bewaffneten Konflikt gewünscht. Somit muss sich der Zuschauer selbst ein Bild des Koreakriegs aus den Erinnerungen und dem wenigen Bildmaterial zusammensetzen.
Nur spärlich streift der Film auch die Folgen auf die Psyche der betroffenen Soldaten. Léon Moyen wurde angeschossen, aber es scheint als hätte ihn diese Wunde noch mehr in den Krieg involviert. Allgemein scheinen die drei Veteranen in Nostalgie zu schwelgen, wenn die sich an den vergessenen Krieg erinnern. Wagener und Moyen haben stets ihre Veteranenkappen auf, während Ney mit seinem braunen Militärbarett herumspaziert. Doch sie haben auch töten müssen. Lediglich Norbert Edert erzählt von einer Schiesserei, bei der ein Nordkoreaner getötet wurde. Edert versteht noch heute nicht, warum sich dieser Soldat auf einem Baum verschanzte, gerade dort, wo er keine Deckung hatte, auch wenn er eine bessere Sicht hatte und auf ihn schießen konnte. Wie sie das Töten wirklich verkraftet haben, wird nicht geklärt.
Bei der Besichtigung von Kriegsmonumenten in Amerika wird des Weiteren klar, dass diese Soldaten, sowohl die luxemburgischen wie die amerikanischen, durch ihren Einsatz im Krieg untereinander verbunden sind. Allgemeine Kritik an militärischen Konflikten dringt komischerweise nicht durch.
Für diese drei Luxemburger war dieser Einsatz etwas ganz Besonderes – Edert kam zudem noch im Vietnamkrieg mit den Amerikanern zum Einsatz -, und sie stehen ohne Scham und Reue dazu. Regisseur Grotz lässt ihre Ideologie ebenso im Raum stehen. Das wirkliche Nachvollziehen ihrer Denkweise ist schwierig. „Tour Of Duty“ reiht sich in eine Serie interessanter luxemburgischer Dokumentarfilme ein, welche die Vergangenheit des Landes dokumentieren, ohne aber dieselbe Kraft zu haben, wie z. B. „Heim ins Reich“ von Claude Lahr. Der Film läuft im „Utopia“.

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