Mar 08 2011

Familiendrama in den Pyrenäen

Published by at 14:53 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu

Luxemburgische Koproduktion kommt in die Kinos
Binnen weniger Tage präsentiert die luxemburgische Produktionsfirma Iris Productions ihre zweite Koproduktion nach „La petite chambre“ von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond: „Avant l’aube“ (Frankreich – Luxemburg). In Produktion befinden sich noch weitere Iris-Projekte wie u.a. „J’enrage de son absence“ unter der Regie von Sandrine Bonnaire, mit William Hurt, oder „De force“ von Frank Henry, mit Isabelle Adjani und Eric Cantona.

Am Donnerstag wurde nun „Avant l’aube“ von Raphaël Jacoulot am Morgen der Presse vorgestellt und am Abend dem Publikum, in Anwesenheit des Regisseurs, des Hauptdarstellers Vincent Rottiers und des Luxemburger Koproduzenten Nicolas Steil.

Ein unglücklicher Unfall

Jacques Couvreur (Jean-Pierre Bacri) betreibt ein vier-Sterne-Hotel in den Pyrenäen. Eines Abends fährt sein Sohn Arnaud (Xavier Robic) einen Mann tödlich an. Um sein eigenes Fleisch und Blut zu schützen, setzt Jacques alles daran, den Zwischenfall zu vertuschen. Leider wird der Hotellehrling Frédéric (Vincent Rottiers) unfreiwillig Zeuge, wie die beiden das Unfallfahrzeug in einem Schuppen des Hotels verstecken.

Bald mischt sich die Polizei ein, da der Überfahrene als vermisst gemeldet und zuletzt im Hotel von Jacques gesehen wurde. Die kauzige Kommissarin Sylvie (Sylvie Testud) leitet die Ermittlungen. Aus Angst, Frédéric könnte die Affäre auffliegen lassen, versucht Jacques ihn durch einen festen Arbeitskontrakt an sich zu binden, um ihn so besser beobachten zu können. Was zunächst den Anschein hat, als würde Jacques dem elternlosen jungen Mann ein Vaterersatz werden, erweist sich als ein skrupelloser Plan, die Schuld auf einen anderen zu schieben.

Ein Familiendrama als Krimi

Den luxemburgischen Koproduzenten Nicolas Steil interessierte diese Geschichte von der reichen Familie Couvreur, die den aus einer unteren Schicht stammenden Frédéric nur ausnutzt.

Regisseur Jacoulot schrieb das Drehbuch zusammen mit Lise Machebœuf ebenfalls in der Ideologie, das Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener sozialer Schichten zu studieren. Er lässt viel Symbolik in diese Analyse einfließen. So heißt das Hotel z.B. „Les Aiglons“, was symbolisch den Sitz der Familie Couvreur in einen Adlerhorst verlegt, in dem sie hoch über allen anderen thront. Frédéric muss jeden Tag eine kurvenreiche, steil ansteigende Strecke bis zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen – mit dem Resultat, dass er trotzdem nicht akzeptiert wird, obwohl Jacques in ihm den Ersatz für seinen eigenen Sohn sieht, der es ablehnt, den Hotelbetrieb weiter zu führen, und so in den Augen des Vaters in Misskredit geraten ist.

Ob der Zuschauer diese Symbolik allerdings erkennen wird und auszulegen weiß, ist nicht unbedingt klar. Mit 104 Minuten Laufzeit ist der Streifen aber sicher zu lang ausgefallen. Schnell sind die einzelnen Figuren definiert und der Plot auf den Schienen. Ohne allzu viele Dialoge nähert sich der Film seinem Ende, das offen bleibt, obschon die Polizistin Sylvie berechtigte Zweifel an der Schuld von Frédéric hegt. Sicher, Blicke sagen hier mehr aus als tausend Worte, aber die Geschichte tritt zu sehr auf der Stelle, Szenen wiederholen sich und verlangen viel Geduld vom Zuschauer.

Erfahrene Schauspielergarde

Vincent Rottiers hat Talent, was er bereits in etlichen Filmen unter Beweis stellen konnte, wie u. a. in den in Luxemburg gezeigten Filmen „A l’origine“ und „Je suis heureux que ma mère soit vivante“. Am Anfang des Streifens kann er mit seinem Minenspiel noch als junger Straftäter, dem eine Chance gebührt, überzeugen. Doch in der Folgezeit ändert sich an seiner Mimik nicht viel, ob er froh oder wütend ist.

Sein Partner Jean-Pierre Bacri hat genug Erfahrung und braucht sich nicht sonderlich anzustrengen, um als egozentrischer Hotelbesitzer zu überzeugen. Für einen lustigen Touch sorgt Sylvie Testud als leicht tollpatschige Polizistin, für deren Aussehen ein gewisser Inspektor Columbo Pate stand – Regisseur Jacoulot verneinte diese Ähnlichkeit auch nicht und erzählte, dass Sylvie während der Dreharbeiten „Colombette“ gerufen wurde. In weiteren Rollen spielen Ludmila Mikaël (Jacques’ Frau Michèle), Céline Sallette (Arnauds Frau Julie) und François Perrot (Jacques’ Vater).

Gedreht wurde in den Pyrenäen und in Luxemburg, u.a. in Luxemburg-Stadt, Wiltz und Rosport. Der luxemburgische Schauspieler Patrick Hastert spielt eine kleine Nebenrolle. Im technischen Bereich haben dagegen mehr Luxemburger mitgearbeitet: u.a. Carlo Thoss, Pia Dumont (Ton) und Carlo Thiel (Kamera). Der Film läuft im „Utopia“ (täglich um 14:00 Uhr, Freitag bis Sonntag um 19:00 Uhr, Montag bis Donnerstag um 18:30 Uhr).

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Luxemburgische Koproduktion kommt in die Kinos
Binnen weniger Tage präsentiert die luxemburgische Produktionsfirma Iris Productions ihre zweite Koproduktion nach „La petite chambre“ von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond: „Avant l’aube“ (Frankreich – Luxemburg). In Produktion befinden sich noch weitere Iris-Projekte wie u.a. „J’enrage de son absence“ unter der Regie von Sandrine Bonnaire, mit William Hurt, oder „De force“ von Frank Henry, mit Isabelle Adjani und Eric Cantona.

Am Donnerstag wurde nun „Avant l’aube“ von Raphaël Jacoulot am Morgen der Presse vorgestellt und am Abend dem Publikum, in Anwesenheit des Regisseurs, des Hauptdarstellers Vincent Rottiers und des Luxemburger Koproduzenten Nicolas Steil.

Ein unglücklicher Unfall

Jacques Couvreur (Jean-Pierre Bacri) betreibt ein vier-Sterne-Hotel in den Pyrenäen. Eines Abends fährt sein Sohn Arnaud (Xavier Robic) einen Mann tödlich an. Um sein eigenes Fleisch und Blut zu schützen, setzt Jacques alles daran, den Zwischenfall zu vertuschen. Leider wird der Hotellehrling Frédéric (Vincent Rottiers) unfreiwillig Zeuge, wie die beiden das Unfallfahrzeug in einem Schuppen des Hotels verstecken.

Bald mischt sich die Polizei ein, da der Überfahrene als vermisst gemeldet und zuletzt im Hotel von Jacques gesehen wurde. Die kauzige Kommissarin Sylvie (Sylvie Testud) leitet die Ermittlungen. Aus Angst, Frédéric könnte die Affäre auffliegen lassen, versucht Jacques ihn durch einen festen Arbeitskontrakt an sich zu binden, um ihn so besser beobachten zu können. Was zunächst den Anschein hat, als würde Jacques dem elternlosen jungen Mann ein Vaterersatz werden, erweist sich als ein skrupelloser Plan, die Schuld auf einen anderen zu schieben.

Ein Familiendrama als Krimi

Den luxemburgischen Koproduzenten Nicolas Steil interessierte diese Geschichte von der reichen Familie Couvreur, die den aus einer unteren Schicht stammenden Frédéric nur ausnutzt.

Regisseur Jacoulot schrieb das Drehbuch zusammen mit Lise Machebœuf ebenfalls in der Ideologie, das Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener sozialer Schichten zu studieren. Er lässt viel Symbolik in diese Analyse einfließen. So heißt das Hotel z.B. „Les Aiglons“, was symbolisch den Sitz der Familie Couvreur in einen Adlerhorst verlegt, in dem sie hoch über allen anderen thront. Frédéric muss jeden Tag eine kurvenreiche, steil ansteigende Strecke bis zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen – mit dem Resultat, dass er trotzdem nicht akzeptiert wird, obwohl Jacques in ihm den Ersatz für seinen eigenen Sohn sieht, der es ablehnt, den Hotelbetrieb weiter zu führen, und so in den Augen des Vaters in Misskredit geraten ist.

Ob der Zuschauer diese Symbolik allerdings erkennen wird und auszulegen weiß, ist nicht unbedingt klar. Mit 104 Minuten Laufzeit ist der Streifen aber sicher zu lang ausgefallen. Schnell sind die einzelnen Figuren definiert und der Plot auf den Schienen. Ohne allzu viele Dialoge nähert sich der Film seinem Ende, das offen bleibt, obschon die Polizistin Sylvie berechtigte Zweifel an der Schuld von Frédéric hegt. Sicher, Blicke sagen hier mehr aus als tausend Worte, aber die Geschichte tritt zu sehr auf der Stelle, Szenen wiederholen sich und verlangen viel Geduld vom Zuschauer.

Erfahrene Schauspielergarde

Vincent Rottiers hat Talent, was er bereits in etlichen Filmen unter Beweis stellen konnte, wie u. a. in den in Luxemburg gezeigten Filmen „A l’origine“ und „Je suis heureux que ma mère soit vivante“. Am Anfang des Streifens kann er mit seinem Minenspiel noch als junger Straftäter, dem eine Chance gebührt, überzeugen. Doch in der Folgezeit ändert sich an seiner Mimik nicht viel, ob er froh oder wütend ist.

Sein Partner Jean-Pierre Bacri hat genug Erfahrung und braucht sich nicht sonderlich anzustrengen, um als egozentrischer Hotelbesitzer zu überzeugen. Für einen lustigen Touch sorgt Sylvie Testud als leicht tollpatschige Polizistin, für deren Aussehen ein gewisser Inspektor Columbo Pate stand – Regisseur Jacoulot verneinte diese Ähnlichkeit auch nicht und erzählte, dass Sylvie während der Dreharbeiten „Colombette“ gerufen wurde. In weiteren Rollen spielen Ludmila Mikaël (Jacques’ Frau Michèle), Céline Sallette (Arnauds Frau Julie) und François Perrot (Jacques’ Vater).

Gedreht wurde in den Pyrenäen und in Luxemburg, u.a. in Luxemburg-Stadt, Wiltz und Rosport. Der luxemburgische Schauspieler Patrick Hastert spielt eine kleine Nebenrolle. Im technischen Bereich haben dagegen mehr Luxemburger mitgearbeitet: u.a. Carlo Thoss, Pia Dumont (Ton) und Carlo Thiel (Kamera). Der Film läuft im „Utopia“ (täglich um 14:00 Uhr, Freitag bis Sonntag um 19:00 Uhr, Montag bis Donnerstag um 18:30 Uhr).

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