Nov 06 2009

Fehlende Anerkennung

Published by at 15:34 under Articles

SOURCE: www.revue.lu

Der neue Film «Tour of Duty – Lëtzebuerger am Koreakrich» nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei beleuchtet Regisseur Fränk Grotz vor allem das persönliche Schicksal von vier Luxemburger Kriegsveteranen.

Revue: Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Luxemburger Soldaten im Koreakrieg (1950-1953) zu machen?
Fränk Grotz: Patrick Marmann ist Lehrer und ein begeisterter Hobbyhistoriker. Er schreibt gerade ein Buch über die 85 damaligen Luxemburger Soldaten im Koreakrieg und hat dafür alle 19 noch lebenden Veteranen interviewt. Der Luxemburger Produzent Bernard Michaux von Lucifilm wusste davon. Er hat mich gefragt, ob ich das Thema verfilmen möchte. Der Koreakrieg, der sich im Zeichen des Kalten Krieges zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West ausweitete, hat die gesamte Kinolandschaft beeinflusst. Zudem bin ich geschichtsinteressiert. Warum dieses Kapitel hierzulande bisher kaum Beachtung fand, hat mit der geringen Medienberichterstattung von damals und der marginalen Auswirkung des Krieges für Luxemburg zu tun.

Ungewöhnlich ist Ihre Herangehensweise. Warum haben Sie die Form des Roadmovie gewählt?
Ich habe mich bewusst gegen einen historischen Dokumentarfilm entschieden. Ich wollte die Thematik Koreakrieg lebendig aufbereiten – mit einem Spannungsbogen und einer gewissen Dramatik. Deshalb habe ich mir aus den Interviews von Patrick Marmann die vier interessantesten Persönlichkeiten herausgesucht. Anhand dieser Porträts will ich zeigen, wie diese selbst ihren Kriegseinsatz erlebten. So lasse ich sie vor der Kamera zu bestimmten Aspekten des Krieges und ihrer Biographie frei sprechen. Ihre Ansichten teile ich nicht immer – im Gegenteil! Ich wollte mit den vier Hauptakteuren auch bewusst nicht zu den alten Kriegsschauplätzen nach Korea reisen. Das bringt für den Zuschauer keinen Mehrwert.

Sie haben lieber Joseph Wagener, den Kommandanten des ersten Koreakontingents, auf seiner Reise nach Toronto, New York, Vancouver Island begleitet…
Ja. Der ehemalige Oberst Joseph Wagener ist für mich die geeignete Persönlichkeit, weil er über viel Hintergrundwissen verfügt. Er ist heute 85 Jahre alt, ein offener Typ, der sich auch vor der Kamera gut ausdrücken kann. Mein Film begleitet ihn auf der Reise zu drei alten Kriegskameraden, die nach ihrem Einsatz nach Kanada und in die USA ausgewandert sind. Das Gegengewicht zu Joseph Wagener ist Norbert Edert. Der pensionierte Oberst, der heute in New York lebt, ist alleinstehend und hat in der US-Armee später Karriere gemacht. Er ist viel weniger kritisch. Durch seinen Job als ehemaliger Berufssoldat und dem späteren Vietnam-Einsatz fehlt es ihm auch an einer gewissen Distanz.

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Der neue Film «Tour of Duty – Lëtzebuerger am Koreakrich» nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei beleuchtet Regisseur Fränk Grotz vor allem das persönliche Schicksal von vier Luxemburger Kriegsveteranen.

Revue: Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Luxemburger Soldaten im Koreakrieg (1950-1953) zu machen?
Fränk Grotz: Patrick Marmann ist Lehrer und ein begeisterter Hobbyhistoriker. Er schreibt gerade ein Buch über die 85 damaligen Luxemburger Soldaten im Koreakrieg und hat dafür alle 19 noch lebenden Veteranen interviewt. Der Luxemburger Produzent Bernard Michaux von Lucifilm wusste davon. Er hat mich gefragt, ob ich das Thema verfilmen möchte. Der Koreakrieg, der sich im Zeichen des Kalten Krieges zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West ausweitete, hat die gesamte Kinolandschaft beeinflusst. Zudem bin ich geschichtsinteressiert. Warum dieses Kapitel hierzulande bisher kaum Beachtung fand, hat mit der geringen Medienberichterstattung von damals und der marginalen Auswirkung des Krieges für Luxemburg zu tun.

Ungewöhnlich ist Ihre Herangehensweise. Warum haben Sie die Form des Roadmovie gewählt?
Ich habe mich bewusst gegen einen historischen Dokumentarfilm entschieden. Ich wollte die Thematik Koreakrieg lebendig aufbereiten – mit einem Spannungsbogen und einer gewissen Dramatik. Deshalb habe ich mir aus den Interviews von Patrick Marmann die vier interessantesten Persönlichkeiten herausgesucht. Anhand dieser Porträts will ich zeigen, wie diese selbst ihren Kriegseinsatz erlebten. So lasse ich sie vor der Kamera zu bestimmten Aspekten des Krieges und ihrer Biographie frei sprechen. Ihre Ansichten teile ich nicht immer – im Gegenteil! Ich wollte mit den vier Hauptakteuren auch bewusst nicht zu den alten Kriegsschauplätzen nach Korea reisen. Das bringt für den Zuschauer keinen Mehrwert.

Sie haben lieber Joseph Wagener, den Kommandanten des ersten Koreakontingents, auf seiner Reise nach Toronto, New York, Vancouver Island begleitet…
Ja. Der ehemalige Oberst Joseph Wagener ist für mich die geeignete Persönlichkeit, weil er über viel Hintergrundwissen verfügt. Er ist heute 85 Jahre alt, ein offener Typ, der sich auch vor der Kamera gut ausdrücken kann. Mein Film begleitet ihn auf der Reise zu drei alten Kriegskameraden, die nach ihrem Einsatz nach Kanada und in die USA ausgewandert sind. Das Gegengewicht zu Joseph Wagener ist Norbert Edert. Der pensionierte Oberst, der heute in New York lebt, ist alleinstehend und hat in der US-Armee später Karriere gemacht. Er ist viel weniger kritisch. Durch seinen Job als ehemaliger Berufssoldat und dem späteren Vietnam-Einsatz fehlt es ihm auch an einer gewissen Distanz.

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