Jan 29 2013

Frei von Geniestreichen

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Der Film-Jahres-Rückblick des „Journal“

Im Jahr 2012 liefen so viele neue Langfilme wie nie zuvor: 484, ausgeschlossen sind wie immer die Filme der Cinémathèque, außer jene natürlich, die im Rahmen des Discovery Zone – Luxembourg City Filmfestival 2012 und CinEast gezeigt wurden sowie Kurzfilme oder Filme, welche in nicht öffentlichen Vorstellungen projiziert wurden.

Auf dem Programm standen 53 Dokumentarfilme plus sechs Kurzdokumentarfilme, 29 Animationsfilme und 37 Filme im 3D-Verfahren, inklusive „Titanic 3D“ und „Star Wars Episode One 3D“, die in Reprise liefen. Im Vergleich: 2011 waren es 464, 2010 439, 2009 432 und 2008 378 Filme, die in unseren Kinos starteten. Fest steht aber, dass die Quantität vor der Qualität kam.

Europäische Produktionen dominieren

Die Filme aus Europa dominierten das Geschehen mit 301 Filmen (62,2%). Aus Asien fanden 20 (4,1%) Filme ihren Weg in unsere Kinos, wie auch 7 (1,5%) afrikanische Filme, 10 (2%) Filme aus Südamerika, 4 (0,8%) aus Australien und 140 (29%) Streifen aus Nordamerika. Frankreich führt wie seit Jahren die europäische Rangliste an. Dass viele Filme aus Osteuropa den Weg nach Luxemburg gefunden haben, ist dem 5. CinEast Festival zu verdanken.

Aus Luxemburg kamen acht Langfilme und zwei Kurzfilme, „Ons Educatioun – De séchere Wee“ und „Charges Communes“, und ein Ferienfilm, „Abenteuer Island“ von Jerôme Konen, der im Rahmen des Ciné-Club im „Ariston“ lief. Die abendfüllenden Filme hießen: „The Cuddly Toy“ von Romain Gierenz, „D’Symmetrie vum Päiperlek“ von Paul Scheuer und Maisy Hausemer, „D’Belle Epoque“ von Andy Bausch, „Les fameux gars“ von Adolf El Assal, „T(w)o Friends“ von Michel Clement, „Doudege Wénkel“ von Christophe Wagner, „Terra Mia Terra Nostra“ von Donato Rotunno und „Die Schatzritter“ von Laura Schroeder (deutsche Co-Produktion). Zusätzlich waren Luxemburger Produzenten an 13 Co-Produktionen beteiligt. Nachfolgend die wichtigsten : „A perdre la raison“ von Joaquim Lafosse (Samsa Film), „La vie d’une autre“ von Sylvie Testud (PTD), „J’enrage de son absence“ von Sandrine Bonnaire (Iris Productions), „Tango Libre“ von Frédéric Fonteyne (Samsa Film), „Ernest et Célestine“ von Benjamin Renner, Stéphane Aubier und Vincent Patar (Mélusine Productions) und „Tabu – Es ist die Seele … Ein Fremdes auf Erden“ von Christoph Stark (Iris Productions)
Meisterwerke? Fehlalarm!

Der „Lëtzebuerger Journal“-Filmkritiker sah „nur“ 237 Filme im Kino, was einen Rückschritt von 12% auf 2011 ist. Ein Meisterwerk suchte man unter all diesen Filmen vergebens. Der beste war „Diaz“ von Daniele Vicari, der während des Festivals des italienischen Films in Villerupt lief; hier lief auch der schlechteste Film des Jahres „Vacuum“ von Giorgio Cugno. Christophe Wagners erster Spielfilm landet auf Platz fünf, gleich hinter dem letzten James-Bond „Skyfall“. 11% der gesehenen Filme waren absolut sehenswert, 28% sehenswert, 43% knapper Durchschnitt und gar 19% einfach schlecht. Somit war 2012 qualitativ kein bemerkenswertes Jahr!

Ein neues Kino in Mondorf
2012 war durch den 5. „Lëtzebuerger Filmpräis“ geprägt, der im Rahmen des zweiten DiscoveryZone Luxembourg City Film Festival am 9. März in Mondorf vergeben wurde. Die Casino- und Thermalstadt bekam im Oktober ein kleines, aber schmuckes Kino, das „Waaserhaus“, gelegen im namensgleichen Gebäude im Park des Thermalbades. Das Kino wird von der Caramba-Gruppe betrieben, die im August Konkurs anmelden musste und sich vom Kinokomplex „CineBelval“ trennte. Im September wurde der Starttag der neuen Filme vom Freitag auf den Mittwoch vorverlegt.

Festivals und nochmals Festivals

In Sachen Festivals, oder sogenannten Festivals, konnte sich niemand beklagen. So gab es neben dem bereits genannten DiscoveryZone die traditionellen beiden britischen Filmfestivals, „Films from the Isles“ in den Caramba-Kinos und die „3e British and Irish Film Season“ im „Utopia“ sowie die Ausläufer des italienischen Filmfestivals von Villerupt im „Kinosch“, „Starlight“ und „Utopia“.

Die fünfte Ausgabe des CinEast bot 67 Filme, die man aber unmöglich alle sehen konnte. Außerdem waren im „Utopolis“ eine „Quinzaine du Cinéma Portugais“ programmiert, ein Brazil Film Festival und etliche „Ladie’s Nights“, eine „Fright Night“ und die „Movie Days“. Neben den üblichen Veranstaltungen im „Utopia“ wie „Cinédit“, dem griechischen Ciné-Club, dem katalanischen Filmzyklus, dem „Cinéma du Sud“, dem „Ecran à part“ und dem Zyklus „Film and Popular Culture“, waren hier im Sommer die „Summer Follies“ angesagt, ein dänischer Filmzyklus und die Lux Film Days. In den Rives de Clausen wurde im Juli vom „Utopolis“ Hollywood gefeiert, und im Dezember im „Wonderland“- Open-Air-Kino gespielt.

In den Caramba-Kinos waren ein Festival mit iranischen Filmen (Kinosch) angesagt, sowie Filme im „Kinosch“ während des Flamenco Festivals in der Escher Kufa. Im Juli nahm das „Ariston“ filmisch am Festival „Gaymat“ teil. Im März wurde der 100. Geburtstag des Rümelinger „Kursaal“ gebührend gefeiert.

Ein neues Kino, viel Knatsch und eine Filmakademie

Am Dienstag, dem 16. Oktober wurde das neu Mondorfer Kino „Waasserhaus“ offiziell eröffnet. Der 54 Zuschauer Platz bietende Saal ist mit allem Komfort in Sachen Kinotechnik ausgestattet. Im August musste die Caramba s.à.r.l. den Konkurs anmelden. Es kam auch zur Trennung mit dem „CineBelval“. Raymond Massard musste hier Jean Villemin als Direktor Platz machen. Doch die Geschäfte von Caramba laufen weiter, im „Kinosch“, „Ariston“, „Kursaal“ und „Waasserhaus“. Bemerkt sei auch, dass auch der Bettemburger Ciné-Club „Le Paris“ sich von Caramba trennte.

Am 12. Dezember wurde die „Filmakademie“ gegründet, ein Verein ohne gewinnbringende Zwecke, der als Aufgabe hat, den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in Zusammenarbeit mit dem Film Fund zu organisieren. Außerdem soll die Vereinigung den luxemburgischen Film promovieren. Während der Gründungsversammlung wurde Claude Waringo als Präsident gewählt, Jules Werner als Sekretär und Thierry Faber als Kassierer.

Das filmische Angebot war 2012 so vielfältig wie nie zuvor. Nur konnte kein normaler Mensch sich alle 484 Filme ansehen. Wenn schon Festivals organisiert werden, so muss der Organisator darauf achten, dass der potenzielle Zuschauer auch alle Filme sehen kann. Und das ist nicht möglich, wenn ein Streifen nur einmal läuft, das zur selben Zeit, wo noch andere Filme ein einziges Mal projiziert werden. Zudem sind erneut zwei Festivals mit britischen Filme nicht wirklich eine gute Idee. Warum nicht ein anständiges Festival mit Filmen von den Inseln organisieren?

Gespannt darf man auf das dritte Discovery sein, das vom 28. Februar bis 8. März über die Leinwand gehen wird. Vielleicht hat das Organisationskomitee sich diese Zeilen bis dahin zu Herz genommen! Auf ein gutes Filmjahr 2013!

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Der Film-Jahres-Rückblick des „Journal“

Im Jahr 2012 liefen so viele neue Langfilme wie nie zuvor: 484, ausgeschlossen sind wie immer die Filme der Cinémathèque, außer jene natürlich, die im Rahmen des Discovery Zone – Luxembourg City Filmfestival 2012 und CinEast gezeigt wurden sowie Kurzfilme oder Filme, welche in nicht öffentlichen Vorstellungen projiziert wurden.

Auf dem Programm standen 53 Dokumentarfilme plus sechs Kurzdokumentarfilme, 29 Animationsfilme und 37 Filme im 3D-Verfahren, inklusive „Titanic 3D“ und „Star Wars Episode One 3D“, die in Reprise liefen. Im Vergleich: 2011 waren es 464, 2010 439, 2009 432 und 2008 378 Filme, die in unseren Kinos starteten. Fest steht aber, dass die Quantität vor der Qualität kam.

Europäische Produktionen dominieren

Die Filme aus Europa dominierten das Geschehen mit 301 Filmen (62,2%). Aus Asien fanden 20 (4,1%) Filme ihren Weg in unsere Kinos, wie auch 7 (1,5%) afrikanische Filme, 10 (2%) Filme aus Südamerika, 4 (0,8%) aus Australien und 140 (29%) Streifen aus Nordamerika. Frankreich führt wie seit Jahren die europäische Rangliste an. Dass viele Filme aus Osteuropa den Weg nach Luxemburg gefunden haben, ist dem 5. CinEast Festival zu verdanken.

Aus Luxemburg kamen acht Langfilme und zwei Kurzfilme, „Ons Educatioun – De séchere Wee“ und „Charges Communes“, und ein Ferienfilm, „Abenteuer Island“ von Jerôme Konen, der im Rahmen des Ciné-Club im „Ariston“ lief. Die abendfüllenden Filme hießen: „The Cuddly Toy“ von Romain Gierenz, „D’Symmetrie vum Päiperlek“ von Paul Scheuer und Maisy Hausemer, „D’Belle Epoque“ von Andy Bausch, „Les fameux gars“ von Adolf El Assal, „T(w)o Friends“ von Michel Clement, „Doudege Wénkel“ von Christophe Wagner, „Terra Mia Terra Nostra“ von Donato Rotunno und „Die Schatzritter“ von Laura Schroeder (deutsche Co-Produktion). Zusätzlich waren Luxemburger Produzenten an 13 Co-Produktionen beteiligt. Nachfolgend die wichtigsten : „A perdre la raison“ von Joaquim Lafosse (Samsa Film), „La vie d’une autre“ von Sylvie Testud (PTD), „J’enrage de son absence“ von Sandrine Bonnaire (Iris Productions), „Tango Libre“ von Frédéric Fonteyne (Samsa Film), „Ernest et Célestine“ von Benjamin Renner, Stéphane Aubier und Vincent Patar (Mélusine Productions) und „Tabu – Es ist die Seele … Ein Fremdes auf Erden“ von Christoph Stark (Iris Productions)
Meisterwerke? Fehlalarm!

Der „Lëtzebuerger Journal“-Filmkritiker sah „nur“ 237 Filme im Kino, was einen Rückschritt von 12% auf 2011 ist. Ein Meisterwerk suchte man unter all diesen Filmen vergebens. Der beste war „Diaz“ von Daniele Vicari, der während des Festivals des italienischen Films in Villerupt lief; hier lief auch der schlechteste Film des Jahres „Vacuum“ von Giorgio Cugno. Christophe Wagners erster Spielfilm landet auf Platz fünf, gleich hinter dem letzten James-Bond „Skyfall“. 11% der gesehenen Filme waren absolut sehenswert, 28% sehenswert, 43% knapper Durchschnitt und gar 19% einfach schlecht. Somit war 2012 qualitativ kein bemerkenswertes Jahr!

Ein neues Kino in Mondorf
2012 war durch den 5. „Lëtzebuerger Filmpräis“ geprägt, der im Rahmen des zweiten DiscoveryZone Luxembourg City Film Festival am 9. März in Mondorf vergeben wurde. Die Casino- und Thermalstadt bekam im Oktober ein kleines, aber schmuckes Kino, das „Waaserhaus“, gelegen im namensgleichen Gebäude im Park des Thermalbades. Das Kino wird von der Caramba-Gruppe betrieben, die im August Konkurs anmelden musste und sich vom Kinokomplex „CineBelval“ trennte. Im September wurde der Starttag der neuen Filme vom Freitag auf den Mittwoch vorverlegt.

Festivals und nochmals Festivals

In Sachen Festivals, oder sogenannten Festivals, konnte sich niemand beklagen. So gab es neben dem bereits genannten DiscoveryZone die traditionellen beiden britischen Filmfestivals, „Films from the Isles“ in den Caramba-Kinos und die „3e British and Irish Film Season“ im „Utopia“ sowie die Ausläufer des italienischen Filmfestivals von Villerupt im „Kinosch“, „Starlight“ und „Utopia“.

Die fünfte Ausgabe des CinEast bot 67 Filme, die man aber unmöglich alle sehen konnte. Außerdem waren im „Utopolis“ eine „Quinzaine du Cinéma Portugais“ programmiert, ein Brazil Film Festival und etliche „Ladie’s Nights“, eine „Fright Night“ und die „Movie Days“. Neben den üblichen Veranstaltungen im „Utopia“ wie „Cinédit“, dem griechischen Ciné-Club, dem katalanischen Filmzyklus, dem „Cinéma du Sud“, dem „Ecran à part“ und dem Zyklus „Film and Popular Culture“, waren hier im Sommer die „Summer Follies“ angesagt, ein dänischer Filmzyklus und die Lux Film Days. In den Rives de Clausen wurde im Juli vom „Utopolis“ Hollywood gefeiert, und im Dezember im „Wonderland“- Open-Air-Kino gespielt.

In den Caramba-Kinos waren ein Festival mit iranischen Filmen (Kinosch) angesagt, sowie Filme im „Kinosch“ während des Flamenco Festivals in der Escher Kufa. Im Juli nahm das „Ariston“ filmisch am Festival „Gaymat“ teil. Im März wurde der 100. Geburtstag des Rümelinger „Kursaal“ gebührend gefeiert.

Ein neues Kino, viel Knatsch und eine Filmakademie

Am Dienstag, dem 16. Oktober wurde das neu Mondorfer Kino „Waasserhaus“ offiziell eröffnet. Der 54 Zuschauer Platz bietende Saal ist mit allem Komfort in Sachen Kinotechnik ausgestattet. Im August musste die Caramba s.à.r.l. den Konkurs anmelden. Es kam auch zur Trennung mit dem „CineBelval“. Raymond Massard musste hier Jean Villemin als Direktor Platz machen. Doch die Geschäfte von Caramba laufen weiter, im „Kinosch“, „Ariston“, „Kursaal“ und „Waasserhaus“. Bemerkt sei auch, dass auch der Bettemburger Ciné-Club „Le Paris“ sich von Caramba trennte.

Am 12. Dezember wurde die „Filmakademie“ gegründet, ein Verein ohne gewinnbringende Zwecke, der als Aufgabe hat, den „Lëtzebuerger Filmpräis“ in Zusammenarbeit mit dem Film Fund zu organisieren. Außerdem soll die Vereinigung den luxemburgischen Film promovieren. Während der Gründungsversammlung wurde Claude Waringo als Präsident gewählt, Jules Werner als Sekretär und Thierry Faber als Kassierer.

Das filmische Angebot war 2012 so vielfältig wie nie zuvor. Nur konnte kein normaler Mensch sich alle 484 Filme ansehen. Wenn schon Festivals organisiert werden, so muss der Organisator darauf achten, dass der potenzielle Zuschauer auch alle Filme sehen kann. Und das ist nicht möglich, wenn ein Streifen nur einmal läuft, das zur selben Zeit, wo noch andere Filme ein einziges Mal projiziert werden. Zudem sind erneut zwei Festivals mit britischen Filme nicht wirklich eine gute Idee. Warum nicht ein anständiges Festival mit Filmen von den Inseln organisieren?

Gespannt darf man auf das dritte Discovery sein, das vom 28. Februar bis 8. März über die Leinwand gehen wird. Vielleicht hat das Organisationskomitee sich diese Zeilen bis dahin zu Herz genommen! Auf ein gutes Filmjahr 2013!

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