Jan 15 2011

Geheimcode zum Glück

Published by at 13:22 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.tageblatt.lu/kultur/story/Geheimcode-zum-Glueck-19833700

Schon 2009 fertiggestellt, kam die schweizerisch-luxemburgisch-deutsche Koproduktion „Der Fürsorger“ zunächst in der Eidgenossenschaft in die Kinos. Eine Erfolgsstory.

Dort wurde der Streifen, der auf einer wahren Geschichte beruht, zu einem Erfolg. Ab Freitag läuft der letzte Kinofilm mit Thierry van Werveke in einer größeren Nebenrolle auch in den Luxemburger Sälen an. Am Dienstag konnte man die Geschichte um das große Geld, die große Liebe und den großen Lügner Hans-Peter Stalder im Utopolis als Vorpremiere erleben.

Keine Angst vor Schwyzerdütsch! Immerhin sprechen es in Lutz Konermanns Film gleich mehrere Luxemburger … Und wenn gar nichts mehr geht, gibt’s da auch noch französische Untertitel!
„Der Fürsorger“, eine Gemeinschaftsproduktion der Schweizer FAMA-Film, der luxemburgischen Paul Thiltges Distributions und der deutschen Elsani-Film, ist eine gefällige Komödie, die mit viel Witz und noch mehr Gefühl eine wahre Geschichte aufgreift.

Es geht dabei um die Machenschaften des Millionenbetrügers Hans-Peter Streit, der in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Schweizer Provinz sein Unwesen treibt. Mit selbst gemalten Wertpapieren einer frei erfundenen Gesellschaft und Gewinnversprechungen von 50 Prozent und mehr gelingt es dem Sozialarbeiter immer wieder, mehr oder weniger wohlhabende, mehr oder weniger geldgierige Zeitgenossen um Zigtausende Fränkli zu erleichtern.
Doch Streit, verheiratet und Vater einer Tochter, ist nicht nur ein begnadeter Schwindler, was seine Geldbeschaffungsmaschinerie anbelangt, er ist auch ein hervorragender Schauspieler, der problemlos von einer Rolle in die andere schlüpfen kann, wenn es darum geht, seine Haut zu retten.

“Streits wirdes ewig geben”

Und Streit ist ein – wenn auch ganz und gar untypischer – Frauenheld. Doch irgendwann wird ihm eine Kleinigkeit zum Verhängnis: Mit dem Geheimcode zum Glück ist es schließlich vorbei und Streit wandert hinter Gitter.

Regisseur und Autor Lutz Konermann faszinierte an der Person Streit vor allem dessen komplexer, widersprüchlicher Charakter, seine Zerrissenheit zwischen tiefer Reue und dem Bedürfnis, Verständnis für sich und sein Tun zu wecken.
Lutz Konermann schreibt über sein Werk: „Dass der Film durch die jüngste Generation von Hasardeuren und Finanzjongleuren an thematischer Aktualität gewonnen hat, scheint auf den ersten Blick zwar überraschend, ist aber nicht weiter verwunderlich: Die Madoffs, Ponzis, Behrings, Streits und wie sie auch alle heißen mögen – es gab sie schon immer und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben, zumindest so lange, wie sich naive und gierige Anleger finden lassen. Mit anderen Worten: ewig.“
An dem Stoff habe ihn vor allem die Authentizität begeistert und die Tatsache, dass es sich bei „Der Fürsorger“ um eine Realsatire handelt, eine „Posse aus der Schweizer Provinz über die Blindheit der Menschen im Angesicht des großen Geldes, über Obrigkeitsgläubigkeit und den Zorn der Kleinen auf die Großen.“

Paraderolle für Roeland Wiesnekker

Im Film wird aus Hans-Peter Streit Hans-Peter Stalder, hervorragend interpretiert von dem Schweizer Schauspieler mit niederländischen Wurzeln, Roeland Wiesnekker.

Ohne Wiesnekker wäre die Komödie wohl nicht einmal halb so gut. Er trägt sozusagen den Film, der, trotz einiger Längen, mehr als nur gute Unterhaltung bietet. Die Rolle des Fürsorgers ist dem bereits mehrfach preisgekrönten Schauspieler wie auf den Leib geschrieben.
Auch die deutsche Schauspielerin Katharina Wackernagel brilliert als Orsina Rocchi, die Frau, die sich schließlich als die wahre Liebe Stalders entpuppt.

Ein Überzeugender van Werveke

Thierry van Werveke überzeugt als Aschwanden, zunächst ein Sozialfall und später der Einzige, der neben Stalder selbst an der Geldvermehrungs-Strategie Stalders verdient und sich schließlich als Taxifahrer selbstständig machen kann. Seine fortgeschrittene Erkrankung merkt man dem am 11. Januar 2009 verstorbenen Schauspieler zu keinem Moment an.
Eine Glanzleistung legt auch die Escherin Claude de Demo an den Tag, die als Beatrice eine der Geliebten Stalders spielt. Öfter wünscht man sich in Zukunft ebenfalls Marie Jung auf der Leinwand, die die erwachsene Tochter des einsitzenden Hochstaplers mit großer Perfektion gibt!

Die Familie Jung ist in dem Streifen übrigens gleich doppelt vertreten, denn Maries Vater André spielt als Sporthändler Van Dook einen der von Stalder geprellten Eidgenossen.
Weitere Luxemburger, die viel zum Gelingen des Konermann-Werkes beigetragen haben, sind Thierry Faber, der für den Bildschnitt verantwortlich zeichnet, und Anselme Pau, dessen Musik perfekt zur Geschichte und den verschiedenen Szenen passt.

Der Film „Der Fürsorger“ läuft ab morgen sowohl im hauptstädtischen Utopolis als auch in den Kinos der Caramba-Gruppe (CinéBelval, CinéKursaal und CinéKinosch), wobei hervorzuheben ist, dass von jedem Ticket, das in einem der drei letztgenannten Kinos verkauft wird, je ein Euro in die Thierry-van-Werveke-Stiftung fließt.

www.fuersorger.ch www.ptd.lu

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu/kultur/story/Geheimcode-zum-Glueck-19833700

Schon 2009 fertiggestellt, kam die schweizerisch-luxemburgisch-deutsche Koproduktion „Der Fürsorger“ zunächst in der Eidgenossenschaft in die Kinos. Eine Erfolgsstory.

Dort wurde der Streifen, der auf einer wahren Geschichte beruht, zu einem Erfolg. Ab Freitag läuft der letzte Kinofilm mit Thierry van Werveke in einer größeren Nebenrolle auch in den Luxemburger Sälen an. Am Dienstag konnte man die Geschichte um das große Geld, die große Liebe und den großen Lügner Hans-Peter Stalder im Utopolis als Vorpremiere erleben.

Keine Angst vor Schwyzerdütsch! Immerhin sprechen es in Lutz Konermanns Film gleich mehrere Luxemburger … Und wenn gar nichts mehr geht, gibt’s da auch noch französische Untertitel!
„Der Fürsorger“, eine Gemeinschaftsproduktion der Schweizer FAMA-Film, der luxemburgischen Paul Thiltges Distributions und der deutschen Elsani-Film, ist eine gefällige Komödie, die mit viel Witz und noch mehr Gefühl eine wahre Geschichte aufgreift.

Es geht dabei um die Machenschaften des Millionenbetrügers Hans-Peter Streit, der in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Schweizer Provinz sein Unwesen treibt. Mit selbst gemalten Wertpapieren einer frei erfundenen Gesellschaft und Gewinnversprechungen von 50 Prozent und mehr gelingt es dem Sozialarbeiter immer wieder, mehr oder weniger wohlhabende, mehr oder weniger geldgierige Zeitgenossen um Zigtausende Fränkli zu erleichtern.
Doch Streit, verheiratet und Vater einer Tochter, ist nicht nur ein begnadeter Schwindler, was seine Geldbeschaffungsmaschinerie anbelangt, er ist auch ein hervorragender Schauspieler, der problemlos von einer Rolle in die andere schlüpfen kann, wenn es darum geht, seine Haut zu retten.

“Streits wirdes ewig geben”

Und Streit ist ein – wenn auch ganz und gar untypischer – Frauenheld. Doch irgendwann wird ihm eine Kleinigkeit zum Verhängnis: Mit dem Geheimcode zum Glück ist es schließlich vorbei und Streit wandert hinter Gitter.

Regisseur und Autor Lutz Konermann faszinierte an der Person Streit vor allem dessen komplexer, widersprüchlicher Charakter, seine Zerrissenheit zwischen tiefer Reue und dem Bedürfnis, Verständnis für sich und sein Tun zu wecken.
Lutz Konermann schreibt über sein Werk: „Dass der Film durch die jüngste Generation von Hasardeuren und Finanzjongleuren an thematischer Aktualität gewonnen hat, scheint auf den ersten Blick zwar überraschend, ist aber nicht weiter verwunderlich: Die Madoffs, Ponzis, Behrings, Streits und wie sie auch alle heißen mögen – es gab sie schon immer und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben, zumindest so lange, wie sich naive und gierige Anleger finden lassen. Mit anderen Worten: ewig.“
An dem Stoff habe ihn vor allem die Authentizität begeistert und die Tatsache, dass es sich bei „Der Fürsorger“ um eine Realsatire handelt, eine „Posse aus der Schweizer Provinz über die Blindheit der Menschen im Angesicht des großen Geldes, über Obrigkeitsgläubigkeit und den Zorn der Kleinen auf die Großen.“

Paraderolle für Roeland Wiesnekker

Im Film wird aus Hans-Peter Streit Hans-Peter Stalder, hervorragend interpretiert von dem Schweizer Schauspieler mit niederländischen Wurzeln, Roeland Wiesnekker.

Ohne Wiesnekker wäre die Komödie wohl nicht einmal halb so gut. Er trägt sozusagen den Film, der, trotz einiger Längen, mehr als nur gute Unterhaltung bietet. Die Rolle des Fürsorgers ist dem bereits mehrfach preisgekrönten Schauspieler wie auf den Leib geschrieben.
Auch die deutsche Schauspielerin Katharina Wackernagel brilliert als Orsina Rocchi, die Frau, die sich schließlich als die wahre Liebe Stalders entpuppt.

Ein Überzeugender van Werveke

Thierry van Werveke überzeugt als Aschwanden, zunächst ein Sozialfall und später der Einzige, der neben Stalder selbst an der Geldvermehrungs-Strategie Stalders verdient und sich schließlich als Taxifahrer selbstständig machen kann. Seine fortgeschrittene Erkrankung merkt man dem am 11. Januar 2009 verstorbenen Schauspieler zu keinem Moment an.
Eine Glanzleistung legt auch die Escherin Claude de Demo an den Tag, die als Beatrice eine der Geliebten Stalders spielt. Öfter wünscht man sich in Zukunft ebenfalls Marie Jung auf der Leinwand, die die erwachsene Tochter des einsitzenden Hochstaplers mit großer Perfektion gibt!

Die Familie Jung ist in dem Streifen übrigens gleich doppelt vertreten, denn Maries Vater André spielt als Sporthändler Van Dook einen der von Stalder geprellten Eidgenossen.
Weitere Luxemburger, die viel zum Gelingen des Konermann-Werkes beigetragen haben, sind Thierry Faber, der für den Bildschnitt verantwortlich zeichnet, und Anselme Pau, dessen Musik perfekt zur Geschichte und den verschiedenen Szenen passt.

Der Film „Der Fürsorger“ läuft ab morgen sowohl im hauptstädtischen Utopolis als auch in den Kinos der Caramba-Gruppe (CinéBelval, CinéKursaal und CinéKinosch), wobei hervorzuheben ist, dass von jedem Ticket, das in einem der drei letztgenannten Kinos verkauft wird, je ein Euro in die Thierry-van-Werveke-Stiftung fließt.

www.fuersorger.ch www.ptd.lu

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