Apr 18 2011

Jenseits von Hollywood

Published by at 01:01 under Articles

SOURCE: http://revue.editpress.lu – Gabrielle Seil

Das „DirActor’s“-Festival ist tot. Lang lebe „Discovery Zone“! Dafür dass das im Kulturjahr 2007 geborene Filmfestival nur drei Auflagen überlebt hat, gibt es mehrere Gründe. Es sei zu „frankophil“ gewesen, meint die ehemalige Kulturschöffin der Stadt Luxemburg, Colette Flesch. Vielleicht auch zu speziell. Weshalb der Publikumserfolg – trotz der Anwesenheit einiger weiblicher Stars wie Jane Birkin, Sophie Marceau und Carole Bouquet – ausblieb. Nach einer einjährigen Denkpause liegt nun ein zweites Festival in den Wehen: „Discovery Zone“. Der Trailer ist äußerst viel versprechend. Genau wie die Namensliste derjenigen, die für die Zeugung und das Programm verantwortlich sind: Nico Simon, Joy Hoffmann, Claude Waringo, Pol Cruchten, Françoise Lentz … Leute, die das Terrain seit Jahrzehnten gut kennen und eigentlich wissen müssten, dass Luxemburg ein Land ausgeprägter Angsthasen und Langweiler ist.

discovery zone

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Kein anderes Sprichwort trifft passender auf das Großherzogtum zu. Trotzdem setzt das Konzept des neuen Festivals auf (noch) unbekannte Regisseure, nicht kommerzielle Filme sowie die leider nicht vorhandene Neugierde des Publikums. Es sind keine Hollywooddiven eingeladen, es gibt keinen Glamour, keinen Mainstream. Stattdessen spricht Claude Bertemes, Direktor der Cinémathèque, von einer vitaminreichen Kur und davon, dass man die Entdeckungslust der Zuschauer anstacheln will. Schön wär’s. Wie zurückhaltend man hierzulande in Sachen Neulanderoberung ist, beweist sich nämlich nicht nur in der siebten Kunst. Kommt der Punkrocker Nigel Kennedy in die Philharmonie, ist das Konzert in Windeseile ausverkauft. Tritt der amerikanische Jazzsänger Kurt Elling im hauptstädtischen Musikkonservatorium auf, sind sogar die ersten Reihen spärlich besetzt. Im Theater spielen sich ähnliche Szenarien ab. Isabelle Huppert will jeder sehen, ganz gleich in welchem Stück. In Monologe von Samuel Beckett trauen sich hingegen nur wenige.

Dass sich „Discovery Zone“ nun der Herausforderung stellt, ein Umdenken zu bewirken, ist höchst lobenswert. Obwohl das Box-Office eine andere Sprache spricht. Die Zuschauer wollen in erster Linie unterhalten werden. Mit schwierigen Themen setzt sich lediglich eine Minderheit freiwillig auseinander. Ausnahmen sind derzeit die preisgekrönten Filme „The King’s Speech“ und „Black Swan“, die Anspruch und Entertainment miteinander vereinen, aber Fakt bleibt, dass so genannte kleine Streifen aus mehr oder weniger „exotischen“ Ländern wie Schweden oder dem Iran kaum beachtet werden. Weshalb sie meist nach zwei Wochen aus dem Programm verschwinden. Dennoch behauptet Octavie Modert: „Inhalte sind wichtiger als Bling Bling.“ Damit hat sie natürlich Recht, doch braucht ein Festival nicht auch eine gewisse Publicity? Des Weiteren lobt die Kulturministerin die Initiative, Schulklassen intensiv ins Rahmenprogramm von „Discovery Zone“ einzubinden. Wer würde nicht lieber ins Kino gehen als Mathematik büffeln? Kurzum: Es besteht die Gefahr, dass das Festival kaum für Schlagzeilen sorgen wird – und es gibt gleichzeitig die Hoffnung, dass das Gegenteil eintrifft.

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SOURCE: http://revue.editpress.lu – Gabrielle Seil

Das „DirActor’s“-Festival ist tot. Lang lebe „Discovery Zone“! Dafür dass das im Kulturjahr 2007 geborene Filmfestival nur drei Auflagen überlebt hat, gibt es mehrere Gründe. Es sei zu „frankophil“ gewesen, meint die ehemalige Kulturschöffin der Stadt Luxemburg, Colette Flesch. Vielleicht auch zu speziell. Weshalb der Publikumserfolg – trotz der Anwesenheit einiger weiblicher Stars wie Jane Birkin, Sophie Marceau und Carole Bouquet – ausblieb. Nach einer einjährigen Denkpause liegt nun ein zweites Festival in den Wehen: „Discovery Zone“. Der Trailer ist äußerst viel versprechend. Genau wie die Namensliste derjenigen, die für die Zeugung und das Programm verantwortlich sind: Nico Simon, Joy Hoffmann, Claude Waringo, Pol Cruchten, Françoise Lentz … Leute, die das Terrain seit Jahrzehnten gut kennen und eigentlich wissen müssten, dass Luxemburg ein Land ausgeprägter Angsthasen und Langweiler ist.

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„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Kein anderes Sprichwort trifft passender auf das Großherzogtum zu. Trotzdem setzt das Konzept des neuen Festivals auf (noch) unbekannte Regisseure, nicht kommerzielle Filme sowie die leider nicht vorhandene Neugierde des Publikums. Es sind keine Hollywooddiven eingeladen, es gibt keinen Glamour, keinen Mainstream. Stattdessen spricht Claude Bertemes, Direktor der Cinémathèque, von einer vitaminreichen Kur und davon, dass man die Entdeckungslust der Zuschauer anstacheln will. Schön wär’s. Wie zurückhaltend man hierzulande in Sachen Neulanderoberung ist, beweist sich nämlich nicht nur in der siebten Kunst. Kommt der Punkrocker Nigel Kennedy in die Philharmonie, ist das Konzert in Windeseile ausverkauft. Tritt der amerikanische Jazzsänger Kurt Elling im hauptstädtischen Musikkonservatorium auf, sind sogar die ersten Reihen spärlich besetzt. Im Theater spielen sich ähnliche Szenarien ab. Isabelle Huppert will jeder sehen, ganz gleich in welchem Stück. In Monologe von Samuel Beckett trauen sich hingegen nur wenige.

Dass sich „Discovery Zone“ nun der Herausforderung stellt, ein Umdenken zu bewirken, ist höchst lobenswert. Obwohl das Box-Office eine andere Sprache spricht. Die Zuschauer wollen in erster Linie unterhalten werden. Mit schwierigen Themen setzt sich lediglich eine Minderheit freiwillig auseinander. Ausnahmen sind derzeit die preisgekrönten Filme „The King’s Speech“ und „Black Swan“, die Anspruch und Entertainment miteinander vereinen, aber Fakt bleibt, dass so genannte kleine Streifen aus mehr oder weniger „exotischen“ Ländern wie Schweden oder dem Iran kaum beachtet werden. Weshalb sie meist nach zwei Wochen aus dem Programm verschwinden. Dennoch behauptet Octavie Modert: „Inhalte sind wichtiger als Bling Bling.“ Damit hat sie natürlich Recht, doch braucht ein Festival nicht auch eine gewisse Publicity? Des Weiteren lobt die Kulturministerin die Initiative, Schulklassen intensiv ins Rahmenprogramm von „Discovery Zone“ einzubinden. Wer würde nicht lieber ins Kino gehen als Mathematik büffeln? Kurzum: Es besteht die Gefahr, dass das Festival kaum für Schlagzeilen sorgen wird – und es gibt gleichzeitig die Hoffnung, dass das Gegenteil eintrifft.

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