Dec 03 2010

Jetzt im Kino: die luxemburgische Koproduktion „Quartier Lointain“

Published by at 01:23 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu/index.php?id=8&tx_m65xml2db_pi1[uid]=13086&cHash=f154e87ccd – CH.S.

Am Dienstagabend fand im „Utopolis“ die luxemburgische Erstaufführung von „Quartier lointain“ (D-B-F-L) von Sam Garbarski statt – nach „Le tango des Rashevski“ und „Irina Palm“ die dritte Koproduktion mit der luxemburgischen Samsa Film und Yani Thiltges als Koproduzent. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Manga von Jirô Taniguchi. Den belgischen Teil produzierte Diana Elbaum („Entre chien et loup“), welche letztes Jahr mit Yani Thiltges den Prix Eurimages von der Europäischen Filmakademie erhielt. Regisseur Garbarski wohnte der Premiere bei. Im Vorprogramm lief der luxemburgische Kurzfilm „Laaf“, der Erstlingsfilm von Loïc Tanson und Thierry Besseling.

„Laaf“ – Erinnerungenan den Krieg
Allerheiligen. Am Abend nach der Gedenkzeremonie für die Toten zerstören vier Jugendliche, u.a. David (Loïc Pavant), mutwillig Blumengebinde und andere Andenken auf dem Friedhof. Währenddessen erinnert sich Jean Thull (Philippe Noesen) an seinen Bruder Gustin (Yann Ketter), der im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpfer von den Deutschen erschossen wurde. David erkennt schließlich, dass er seinen Großvater Jean verletzt hat, und nimmt die Schuld auf sich. Formell ist „Laaf“ der Beweis, dass die beiden Regisseure, die in Paris die Filmhochschule besuchten und sich während eines Drehs bei Samsa Film kennenlernten, ihr Handwerk beherrschen. Eine flotte Kameraführung und ein schneller Schnitt geben dem Film seinen Rhythmus. Einzig die Geschichte bleibt wie bei den meisten Kurzfilmen zu undefiniert, auch wenn hier die Grundidee interessant ist: das Verschmelzen von tragischen Erinnerungen und jugendlichem Leichtsinn, von irrsinnigem Töten und unsinnigem Zerstören. Man darf gespannt sein, was diese beiden Regisseure in Zukunft zu bieten haben.
Kann man die Vergangenheit verändern?
Thomas Verniaz (Pascal Greggory) ist ein Comic-Zeichner, dem die Inspiration fehlt. Durch Unachtsamkeit landet er im falschen Zug und daraufhin in seinem Geburtsort, den er seit dem Tod der Mutter nicht mehr besucht hat. Er trifft einen alten Schulkameraden, Godin (Lionel Abelanski), der ihn nach seinem Vater Bruno (Jonathan Zaccaï) fragt, der am Abend seines eigenen Geburtstages spurlos verschwand. Thomas besucht das Grab der Mutter und wird ohnmächtig. Als er erwacht, ist er wieder 14 Jahre alt (nun: Léo Legrand) und kann sich sowohl an die Vergangenheit wie an die Zukunft erinnern. Es ist Juni des Jahres 1967, kurz nach dem Geburtstag seines Vaters, der komischerweise noch zu Hause ist.
Thomas ist sichtlich irritiert und benimmt sich recht komisch. Seine Mutter Anna (Alexandra Maria Lara) wundert sich schon, stört sich aber nicht sonderlich an seinem Benehmen. Zu seiner Schwester (Laura Moisson) ist Thomas außergewöhnlich nett, wie auch zur Mutter, und in der Schule trifft er seine erste große heimliche Liebe wieder, Sylvie (Laura Martin). Von der Oma erfährt er, dass seine Mutter einst mit Robert verlobt war, dem besten Freund seines Vaters. Als Robert im Krieg erschossen wurde, nahm sich Bruno Annas an, und die beiden heirateten später. Außerdem wurde der Geburtstag des Vaters noch nicht in der Familie gefeiert. Thomas spioniert dem Vater nach, weil er glaubt, dieser hätte eine Affäre mit einer anderen Frau. Kann Thomas den Lauf der Ereignisse beeinflussen und den Vater davon abhalten, die Familie im Stich zu lassen?
Eine nostalgische Atmosphäre
Regisseur Garbarski gelingt es in „Quartier lointain“, eine originelle Geschichte in eine extrem flotte nostalgische Atmosphäre zu betten. Dies liegt speziell am Talent der jungen Schauspieler, allen voran Léo Legrand als junger Thomas, die nur sie selbst sein zu brauchen, und der zeitgemäßen Rekonstruktion der Zeit von 1967, in der es den Lehrern noch „erlaubt“ war, in den Klassensälen zu rauchen. Zwischen Anna und Bruno hängt seit unbestimmter Zeit ein eisiger Vorhang. Ihre Liebe ist gespielt, hat Alibifunktion, unter der Bruno am meisten leidet. Auch diese ganz eigenartige Aura spürt der Zuschauer, dank des verträumten Spiels von Alexandra Maria Lara und Jonathan Zaccaï. Einige humorvolle Einfälle lockern die Tragik etwas auf, wie die Unbeholfenheit, mit der sich Thomas an Sylvie heranmacht, oder wie Thomas Zeitereignisse voraussagt, zum Erstaunen seines Vaters. Zusätzlich untermalt die Musik von Air ganz dezent und passend das Geschehen. Diese luxemburgische Co-Produktion sollte man sich nicht entgehen lassen.
Gedreht wurde in Esch/Sauer (Friedhof-Szene) und in Esch/Alzette. Der Kurzfilm „Laaf“ läuft zusammen mit dem Spielfilm im Kino „Utopia“.

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Am Dienstagabend fand im „Utopolis“ die luxemburgische Erstaufführung von „Quartier lointain“ (D-B-F-L) von Sam Garbarski statt – nach „Le tango des Rashevski“ und „Irina Palm“ die dritte Koproduktion mit der luxemburgischen Samsa Film und Yani Thiltges als Koproduzent. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Manga von Jirô Taniguchi. Den belgischen Teil produzierte Diana Elbaum („Entre chien et loup“), welche letztes Jahr mit Yani Thiltges den Prix Eurimages von der Europäischen Filmakademie erhielt. Regisseur Garbarski wohnte der Premiere bei. Im Vorprogramm lief der luxemburgische Kurzfilm „Laaf“, der Erstlingsfilm von Loïc Tanson und Thierry Besseling.

„Laaf“ – Erinnerungenan den Krieg
Allerheiligen. Am Abend nach der Gedenkzeremonie für die Toten zerstören vier Jugendliche, u.a. David (Loïc Pavant), mutwillig Blumengebinde und andere Andenken auf dem Friedhof. Währenddessen erinnert sich Jean Thull (Philippe Noesen) an seinen Bruder Gustin (Yann Ketter), der im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpfer von den Deutschen erschossen wurde. David erkennt schließlich, dass er seinen Großvater Jean verletzt hat, und nimmt die Schuld auf sich. Formell ist „Laaf“ der Beweis, dass die beiden Regisseure, die in Paris die Filmhochschule besuchten und sich während eines Drehs bei Samsa Film kennenlernten, ihr Handwerk beherrschen. Eine flotte Kameraführung und ein schneller Schnitt geben dem Film seinen Rhythmus. Einzig die Geschichte bleibt wie bei den meisten Kurzfilmen zu undefiniert, auch wenn hier die Grundidee interessant ist: das Verschmelzen von tragischen Erinnerungen und jugendlichem Leichtsinn, von irrsinnigem Töten und unsinnigem Zerstören. Man darf gespannt sein, was diese beiden Regisseure in Zukunft zu bieten haben.
Kann man die Vergangenheit verändern?
Thomas Verniaz (Pascal Greggory) ist ein Comic-Zeichner, dem die Inspiration fehlt. Durch Unachtsamkeit landet er im falschen Zug und daraufhin in seinem Geburtsort, den er seit dem Tod der Mutter nicht mehr besucht hat. Er trifft einen alten Schulkameraden, Godin (Lionel Abelanski), der ihn nach seinem Vater Bruno (Jonathan Zaccaï) fragt, der am Abend seines eigenen Geburtstages spurlos verschwand. Thomas besucht das Grab der Mutter und wird ohnmächtig. Als er erwacht, ist er wieder 14 Jahre alt (nun: Léo Legrand) und kann sich sowohl an die Vergangenheit wie an die Zukunft erinnern. Es ist Juni des Jahres 1967, kurz nach dem Geburtstag seines Vaters, der komischerweise noch zu Hause ist.
Thomas ist sichtlich irritiert und benimmt sich recht komisch. Seine Mutter Anna (Alexandra Maria Lara) wundert sich schon, stört sich aber nicht sonderlich an seinem Benehmen. Zu seiner Schwester (Laura Moisson) ist Thomas außergewöhnlich nett, wie auch zur Mutter, und in der Schule trifft er seine erste große heimliche Liebe wieder, Sylvie (Laura Martin). Von der Oma erfährt er, dass seine Mutter einst mit Robert verlobt war, dem besten Freund seines Vaters. Als Robert im Krieg erschossen wurde, nahm sich Bruno Annas an, und die beiden heirateten später. Außerdem wurde der Geburtstag des Vaters noch nicht in der Familie gefeiert. Thomas spioniert dem Vater nach, weil er glaubt, dieser hätte eine Affäre mit einer anderen Frau. Kann Thomas den Lauf der Ereignisse beeinflussen und den Vater davon abhalten, die Familie im Stich zu lassen?
Eine nostalgische Atmosphäre
Regisseur Garbarski gelingt es in „Quartier lointain“, eine originelle Geschichte in eine extrem flotte nostalgische Atmosphäre zu betten. Dies liegt speziell am Talent der jungen Schauspieler, allen voran Léo Legrand als junger Thomas, die nur sie selbst sein zu brauchen, und der zeitgemäßen Rekonstruktion der Zeit von 1967, in der es den Lehrern noch „erlaubt“ war, in den Klassensälen zu rauchen. Zwischen Anna und Bruno hängt seit unbestimmter Zeit ein eisiger Vorhang. Ihre Liebe ist gespielt, hat Alibifunktion, unter der Bruno am meisten leidet. Auch diese ganz eigenartige Aura spürt der Zuschauer, dank des verträumten Spiels von Alexandra Maria Lara und Jonathan Zaccaï. Einige humorvolle Einfälle lockern die Tragik etwas auf, wie die Unbeholfenheit, mit der sich Thomas an Sylvie heranmacht, oder wie Thomas Zeitereignisse voraussagt, zum Erstaunen seines Vaters. Zusätzlich untermalt die Musik von Air ganz dezent und passend das Geschehen. Diese luxemburgische Co-Produktion sollte man sich nicht entgehen lassen.
Gedreht wurde in Esch/Sauer (Friedhof-Szene) und in Esch/Alzette. Der Kurzfilm „Laaf“ läuft zusammen mit dem Spielfilm im Kino „Utopia“.

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