Feb 23 2011

Luxemburg auf der 61. Berlinale, Interview mit Film-Fund-Chef Guy Daleiden

Published by at 01:23 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu/2011/02/22/„eng-box-an-en-hiem-zu-berlin“/

„Eng Box an en Hiem zu Berlin“

Auch dieses Jahr waren viele Luxemburger Filmschaffende in die deutsche Hauptstadt gereist, um auf der Berlinale dabei zu sein. Schon zum dritten Mal fand in der Botschaft unseres Landes ein Berlinale-Empfang statt. Das „Journal“ unterhielt sich dort mit dem Präsidenten der luxemburgischen Filmförderung, Guy Daleiden.

Journal: Jedes Jahr sind mehr Leute hier. Ist das auch Dein Eindruck?

Guy Daleiden: Es sind vor allem auch immer mehr Leute aus der Filmindustrie hier. Beim ersten Luxemburger Berlinale-Empfang vor zwei Jahren war es noch schwieriger, die Leute zu mobilisieren. Eine Botschaft ist ein nicht alltäglicher Ort für einen Berlinale-Empfang. Aber jetzt haben wir den Durchbruch erreicht. Es sind heute Abend viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern hier, um mögliche Kooperationen mit Luxemburger Filmemachern zu erörtern. Es gibt ein großes Interesse am Luxemburger Film.

Journal: Die seit 20 Jahren bestehende Filmförderung trägt also auch international ihre Früchte?

G.D.: Ein großes Filmfestival wie die Berlinale ist ein gutes Stimmungsbarometer. Wir sind dieses Jahr mit zwei luxemburgischen Koproduktionen im Programm vertreten. Man sieht also auf auf der Leinwand, was in Luxemburg cineastisch geleistet wird. Ein Festival wie die Berlinale ist eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass es in Luxemburg eine professionelle Filmszene gibt, die hohe Qualität herstellt.

Koproduktionen auch mit kleinen Ländern von Interesse

Journal: Du hast es angesprochen: Zur großen Freude der Luxemburger sind gleich zwei Filme mit Luxemburger Beteiligung im Programm der diesjährigen Berlinale.

G.D.: Das zeigt die Diversität des Luxemburger Kinos. Luxemburger Produktionsgesellschaften finden nicht genug Geld in Luxemburg, um einen Film alleine drehen zu können. Deshalb brauchen sie Partner im Ausland. Wir haben den Vorteil, dass wir nicht auf ein Land beschränkt sind, sondern wir koproduzieren mit verschiedenen Ländern, hauptsächlich Frankreich und Belgien. Für uns sind aber auch kleine Länder sehr interessant, weil die Strukturen ähnlich sind. Außerdem besteht eher ein Verständnis für einen Partner aus einem anderen kleinen Land. Deshalb sind Irland, Schweiz oder Österreich ganz interessante Partner für Koproduktionen. Wir beschränken uns auch nicht auf eine Sprache oder ein Filmgenre. Wir sind mit zwei ganz verschiedenen Filmen auf der diesjähringen Berlinale vertreten („Dernier étage, gauche, gauche“, von „Iris Productions“ koproduziert, sowie „Mein bester Feind“, eine Koproduktion von „Samsa Film“).

Journal: Es heißt, dass das Festival in Cannes immer noch wichtiger ist als die Berlinale. Wie siehst Du den Unterschied Berlin – Cannes?

G.D.: Bevor Dieter Kosslick die Leitung der Berlinale 2001 übernommen hatte, galt das Festival als eher weniger wichtig. Berlin ist aber vor allem für den deutschsprachigen Markt wichtiger geworden. Cannes ist im Kinobereich aber einfach „sexy“. Als Produzent oder Regisseur träumt man davon, mit seinem Film nach Cannes eingeladen zu werden, da Cannes als das wichtigste Festival überhaupt gilt. Für mich ist es aber eine Geschmacksfrage. Für ein großes Festival selektioniert zu sein – egal ob Cannes oder Berlin – ist für jeden Regisseur und Produzenten ein großer Erfolg.

Unterstützung durch die Botschaft „ist Gold wert“

Journal: Im Vergleich zu Cannes ist es aber für Luxemburg bestimmt von Vorteil, dass wir hier eine Botschaft haben, die den Luxemburger Film sehr unterstützt.

G.D.: Ohne die Botschafterin, Martine Schommer, sowie ihrer Mitarbeiterin Ann Muller, könnten wir die Arbeit hier in Berlin nicht so machen, wie wir sie derzeit machen. In Cannes haben wir einen großen Stand im Umfeld des „Palais des Festivals“. Wenn wir hier nicht die Botschaft hätten, müssten wir uns hier eine ähnliche Präsenz ausdenken, was natürlich mehr Geld kosten würde. Es hilft uns sehr, dass wir die Infrastrukturen hier nutzen können. Heute morgen war hier beispielsweise ein Treffen mit Filmschaffenden aus frankophonen Ländern, mit denen wir uns regelmäßig austauschen und gemeinsame Projekte ausarbeiten. Der Empfang jetzt hier ist ein anderes Beispiel. Vergangenes Jahr war ja bereits die Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ hier in Berlin, die ohne die Botschaft auch nicht zustande gekommen wäre. Eine Woche lang konnten sich Luxemburger Filmschaffende dem Publikum vorstellen. Solch eine Unterstützung, wie wir sie von der Luxemburger Botschaft in Berlin erhalten, ist Gold wert.

Journal: Der für den Filmbereich zuständige Minister François Biltgen sagte, dass er schon einen Koffer in Berlin hat. Ist das bei Dir auch so?

G.D.: Bislang noch nicht. Wenn wir nächstes Jahr aber wieder so gut auf der Berlinale vertreten sind wie dieses Jahr, dann überlege ich mir, ob ich nicht doch eine Hose und ein Hemd in Berlin deponiere. Dann bräuchte ich weniger Gepäck, wenn ich das nächste Mal anreise.

› Die Fragen stellte Claude Kohnen

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SOURCE: http://www.journal.lu/2011/02/22/„eng-box-an-en-hiem-zu-berlin“/

„Eng Box an en Hiem zu Berlin“

Auch dieses Jahr waren viele Luxemburger Filmschaffende in die deutsche Hauptstadt gereist, um auf der Berlinale dabei zu sein. Schon zum dritten Mal fand in der Botschaft unseres Landes ein Berlinale-Empfang statt. Das „Journal“ unterhielt sich dort mit dem Präsidenten der luxemburgischen Filmförderung, Guy Daleiden.

Journal: Jedes Jahr sind mehr Leute hier. Ist das auch Dein Eindruck?

Guy Daleiden: Es sind vor allem auch immer mehr Leute aus der Filmindustrie hier. Beim ersten Luxemburger Berlinale-Empfang vor zwei Jahren war es noch schwieriger, die Leute zu mobilisieren. Eine Botschaft ist ein nicht alltäglicher Ort für einen Berlinale-Empfang. Aber jetzt haben wir den Durchbruch erreicht. Es sind heute Abend viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern hier, um mögliche Kooperationen mit Luxemburger Filmemachern zu erörtern. Es gibt ein großes Interesse am Luxemburger Film.

Journal: Die seit 20 Jahren bestehende Filmförderung trägt also auch international ihre Früchte?

G.D.: Ein großes Filmfestival wie die Berlinale ist ein gutes Stimmungsbarometer. Wir sind dieses Jahr mit zwei luxemburgischen Koproduktionen im Programm vertreten. Man sieht also auf auf der Leinwand, was in Luxemburg cineastisch geleistet wird. Ein Festival wie die Berlinale ist eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass es in Luxemburg eine professionelle Filmszene gibt, die hohe Qualität herstellt.

Koproduktionen auch mit kleinen Ländern von Interesse

Journal: Du hast es angesprochen: Zur großen Freude der Luxemburger sind gleich zwei Filme mit Luxemburger Beteiligung im Programm der diesjährigen Berlinale.

G.D.: Das zeigt die Diversität des Luxemburger Kinos. Luxemburger Produktionsgesellschaften finden nicht genug Geld in Luxemburg, um einen Film alleine drehen zu können. Deshalb brauchen sie Partner im Ausland. Wir haben den Vorteil, dass wir nicht auf ein Land beschränkt sind, sondern wir koproduzieren mit verschiedenen Ländern, hauptsächlich Frankreich und Belgien. Für uns sind aber auch kleine Länder sehr interessant, weil die Strukturen ähnlich sind. Außerdem besteht eher ein Verständnis für einen Partner aus einem anderen kleinen Land. Deshalb sind Irland, Schweiz oder Österreich ganz interessante Partner für Koproduktionen. Wir beschränken uns auch nicht auf eine Sprache oder ein Filmgenre. Wir sind mit zwei ganz verschiedenen Filmen auf der diesjähringen Berlinale vertreten („Dernier étage, gauche, gauche“, von „Iris Productions“ koproduziert, sowie „Mein bester Feind“, eine Koproduktion von „Samsa Film“).

Journal: Es heißt, dass das Festival in Cannes immer noch wichtiger ist als die Berlinale. Wie siehst Du den Unterschied Berlin – Cannes?

G.D.: Bevor Dieter Kosslick die Leitung der Berlinale 2001 übernommen hatte, galt das Festival als eher weniger wichtig. Berlin ist aber vor allem für den deutschsprachigen Markt wichtiger geworden. Cannes ist im Kinobereich aber einfach „sexy“. Als Produzent oder Regisseur träumt man davon, mit seinem Film nach Cannes eingeladen zu werden, da Cannes als das wichtigste Festival überhaupt gilt. Für mich ist es aber eine Geschmacksfrage. Für ein großes Festival selektioniert zu sein – egal ob Cannes oder Berlin – ist für jeden Regisseur und Produzenten ein großer Erfolg.

Unterstützung durch die Botschaft „ist Gold wert“

Journal: Im Vergleich zu Cannes ist es aber für Luxemburg bestimmt von Vorteil, dass wir hier eine Botschaft haben, die den Luxemburger Film sehr unterstützt.

G.D.: Ohne die Botschafterin, Martine Schommer, sowie ihrer Mitarbeiterin Ann Muller, könnten wir die Arbeit hier in Berlin nicht so machen, wie wir sie derzeit machen. In Cannes haben wir einen großen Stand im Umfeld des „Palais des Festivals“. Wenn wir hier nicht die Botschaft hätten, müssten wir uns hier eine ähnliche Präsenz ausdenken, was natürlich mehr Geld kosten würde. Es hilft uns sehr, dass wir die Infrastrukturen hier nutzen können. Heute morgen war hier beispielsweise ein Treffen mit Filmschaffenden aus frankophonen Ländern, mit denen wir uns regelmäßig austauschen und gemeinsame Projekte ausarbeiten. Der Empfang jetzt hier ist ein anderes Beispiel. Vergangenes Jahr war ja bereits die Veranstaltung „Luxemburg ist Film“ hier in Berlin, die ohne die Botschaft auch nicht zustande gekommen wäre. Eine Woche lang konnten sich Luxemburger Filmschaffende dem Publikum vorstellen. Solch eine Unterstützung, wie wir sie von der Luxemburger Botschaft in Berlin erhalten, ist Gold wert.

Journal: Der für den Filmbereich zuständige Minister François Biltgen sagte, dass er schon einen Koffer in Berlin hat. Ist das bei Dir auch so?

G.D.: Bislang noch nicht. Wenn wir nächstes Jahr aber wieder so gut auf der Berlinale vertreten sind wie dieses Jahr, dann überlege ich mir, ob ich nicht doch eine Hose und ein Hemd in Berlin deponiere. Dann bräuchte ich weniger Gepäck, wenn ich das nächste Mal anreise.

› Die Fragen stellte Claude Kohnen

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