Aug 11 2011

Luxemburgs mörderische Seiten

Published by at 01:41 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.wort.lu/wort/web/freizeit/artikel/2011/08/158303/luxemburgs-moerderische-seiten.php

André Jung und Jules Werner ermitteln im ersten Luxemburger Krimi

Eine mondlose Nacht, stillgelegte Gleise, scheinbar ist alles ruhig. Doch plötzlich bricht sich flackerndes Blaulicht im feinen Nieselregen und wenig später untersuchen drei Männer in Weiß einen blutverschmierten Geländewagen. Eine Tatortszene wie aus dem Bilderbuch, und Ausgangspunkt für „Doudegen Wénkel“, den ersten luxemburgischen Kriminalfilm, dessen Dreharbeiten gerade im Bahnhofsviertel begonnen haben.

Foto: Samsa Film
Tricks wie künstlicher Regen garantieren die düstere Atmosphäre von „Doudegen Wénkel“.

Ein ambitioniertes Projekt, das sich Christophe Wagner, junger luxemburgischer Regisseur, und die Produktionsfirma „Samsa Film“ da vorgenommen haben. Denn der Krimi wird auf Luxemburgisch gedreht, spielt in Luxemburg und trägt der hiesigen Realität Rechnung. Zugleich ist „Doudegen Wénkel“, im Gegensatz zu den bisherigen Bestrebungen, ein klassischer Kriminalfilm, ein „film noir“ ohne Kompromisse.

Das Vorhaben scheint Anklang zu finden. Dafür mitverantwortlich ist sicherlich das spannende Drehbuch von Christophe Wagner und Frédéric Zeimet.

So wird ein Polizist unter mysteriösen Umständen erschossen aufgefunden. Inspektor Haster, gespielt vom international bekannten Schauspieler André Jung, nimmt die Ermittlungen auf. Und wird dabei vom jungen, temperamentvollen Polizisten Olivier, Bruder des Ermordeten, unterstützt. Angetrieben von Rachegelüsten, findet sich Olivier schnell in einem Sumpf aus Korruption und Täuschung wieder.

Außergewöhnliche Drehorte

Jules Werner, der Olivier mimt, meint zum Drehbuch jedenfalls: „Als Schauspieler trifft man nur auf wenige Drehbücher, die man in einem Zug verschlingt – und dies ist eines davon.“

Foto: Samsa Film
Der Film kommt nächstes Jahr in die Kinos.

 Eine weitere Stärke des Films sind vor allem aber seine Drehorte. Bewusst hat sich Christophe Wagner nämlich für die entlegenen Winkel der Stadt Luxemburg entschieden. Beispielsweise das Bahnhofsgelände hinter Paul Wurth im Bahnhofsviertel oder aber die dunklen Ecken der Altstadt. Den Kontrast zum hochmodernen Kirchberg bildend, entsteht so in „Doudegen Wénkel“ ein Gesamteindruck der luxemburgischen Hauptstadt.

Die Kulissen sind jedoch deutlich mehr als nur atmosphärisches Lokalkolorit. Sie sind vielmehr Teil der ernsthaften Bestrebung, hierzulande einen realistischen, glaubhaften Kriminalfilm zu drehen. Für Produzent Claude Waringo ist dann genau dies das Risiko des Films: „Natürlich besteht die Möglichkeit, das Publikum zu befremden. Denn diese düsteren Seiten Luxemburgs haben sie so noch nicht gesehen.“

Solche Sorgen mögen unbegründet sein. Denn die provinzialen Seiten Luxemburgs haben durchaus ihren Reiz, gerade auch für die Geschichte. Wenn etwa der Pathologe einfach nicht aus dem Ausland herbeikommt. Oder aber wenn die Ermittler tagelang auf die Resultate ausländischer Labors warten müssen.

Spannender Krimi

Zwar fungierte die Polizei als Ratgeber, doch bevorzugt der Film niemals die Realität gegenüber dem Anspruch, einen spannenden Krimi drehen zu wollen. Am Drehort im Bahnhofsviertel ließ sich etwa seitens schmunzelnder Polizisten vernehmen, dass man eine Spurensicherung am Wagen wohl kaum im strömenden Regen vornähme. Mag dies auch sein – die Fiktion liefert hier einfach zu gute Bilder.

„Doudegen Wénkel“ schickt sich also an, ein spannender Krimi zu werden. Positiv festzuhalten ist des Weiteren, dass Luxemburg sich als Filmstandort definitiv professionalisiert hat. Produzent Waringo führt dies einerseits auf kulturelle Gründe zurück, wie der Professionalisierung der Luxemburger Kunstszene insgesamt, andererseits aber auch auf produktionstechnische Gründe.

Dank öffentlicher Hilfen und privater Investoren stammen rund 80 Prozent der Finanzierung von „Doudegen Wénkel“ aus luxemburgischer Hand, der Rest aus belgischer. Dies erlaubt es, Filme nun auch vorrangig auf ein luxemburgisches Publikum auszurichten.

Als Krimi hat „Doudegen Wénkel“ jedenfalls Potenzial. Die Professionalität und die Begeisterung, welche hinter dem ersten Kriminalfall in luxemburgischer Sprache stecken, versprechen vieles. Ob man diese Versprechen letztlich halten kann, davon darf sich das Kinopublikum ab Herbst 2012 selbst ein Bild machen.

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André Jung und Jules Werner ermitteln im ersten Luxemburger Krimi

Eine mondlose Nacht, stillgelegte Gleise, scheinbar ist alles ruhig. Doch plötzlich bricht sich flackerndes Blaulicht im feinen Nieselregen und wenig später untersuchen drei Männer in Weiß einen blutverschmierten Geländewagen. Eine Tatortszene wie aus dem Bilderbuch, und Ausgangspunkt für „Doudegen Wénkel“, den ersten luxemburgischen Kriminalfilm, dessen Dreharbeiten gerade im Bahnhofsviertel begonnen haben.

Foto: Samsa Film
Tricks wie künstlicher Regen garantieren die düstere Atmosphäre von „Doudegen Wénkel“.

Ein ambitioniertes Projekt, das sich Christophe Wagner, junger luxemburgischer Regisseur, und die Produktionsfirma „Samsa Film“ da vorgenommen haben. Denn der Krimi wird auf Luxemburgisch gedreht, spielt in Luxemburg und trägt der hiesigen Realität Rechnung. Zugleich ist „Doudegen Wénkel“, im Gegensatz zu den bisherigen Bestrebungen, ein klassischer Kriminalfilm, ein „film noir“ ohne Kompromisse.

Das Vorhaben scheint Anklang zu finden. Dafür mitverantwortlich ist sicherlich das spannende Drehbuch von Christophe Wagner und Frédéric Zeimet.

So wird ein Polizist unter mysteriösen Umständen erschossen aufgefunden. Inspektor Haster, gespielt vom international bekannten Schauspieler André Jung, nimmt die Ermittlungen auf. Und wird dabei vom jungen, temperamentvollen Polizisten Olivier, Bruder des Ermordeten, unterstützt. Angetrieben von Rachegelüsten, findet sich Olivier schnell in einem Sumpf aus Korruption und Täuschung wieder.

Außergewöhnliche Drehorte

Jules Werner, der Olivier mimt, meint zum Drehbuch jedenfalls: „Als Schauspieler trifft man nur auf wenige Drehbücher, die man in einem Zug verschlingt – und dies ist eines davon.“

Foto: Samsa Film
Der Film kommt nächstes Jahr in die Kinos.

 Eine weitere Stärke des Films sind vor allem aber seine Drehorte. Bewusst hat sich Christophe Wagner nämlich für die entlegenen Winkel der Stadt Luxemburg entschieden. Beispielsweise das Bahnhofsgelände hinter Paul Wurth im Bahnhofsviertel oder aber die dunklen Ecken der Altstadt. Den Kontrast zum hochmodernen Kirchberg bildend, entsteht so in „Doudegen Wénkel“ ein Gesamteindruck der luxemburgischen Hauptstadt.

Die Kulissen sind jedoch deutlich mehr als nur atmosphärisches Lokalkolorit. Sie sind vielmehr Teil der ernsthaften Bestrebung, hierzulande einen realistischen, glaubhaften Kriminalfilm zu drehen. Für Produzent Claude Waringo ist dann genau dies das Risiko des Films: „Natürlich besteht die Möglichkeit, das Publikum zu befremden. Denn diese düsteren Seiten Luxemburgs haben sie so noch nicht gesehen.“

Solche Sorgen mögen unbegründet sein. Denn die provinzialen Seiten Luxemburgs haben durchaus ihren Reiz, gerade auch für die Geschichte. Wenn etwa der Pathologe einfach nicht aus dem Ausland herbeikommt. Oder aber wenn die Ermittler tagelang auf die Resultate ausländischer Labors warten müssen.

Spannender Krimi

Zwar fungierte die Polizei als Ratgeber, doch bevorzugt der Film niemals die Realität gegenüber dem Anspruch, einen spannenden Krimi drehen zu wollen. Am Drehort im Bahnhofsviertel ließ sich etwa seitens schmunzelnder Polizisten vernehmen, dass man eine Spurensicherung am Wagen wohl kaum im strömenden Regen vornähme. Mag dies auch sein – die Fiktion liefert hier einfach zu gute Bilder.

„Doudegen Wénkel“ schickt sich also an, ein spannender Krimi zu werden. Positiv festzuhalten ist des Weiteren, dass Luxemburg sich als Filmstandort definitiv professionalisiert hat. Produzent Waringo führt dies einerseits auf kulturelle Gründe zurück, wie der Professionalisierung der Luxemburger Kunstszene insgesamt, andererseits aber auch auf produktionstechnische Gründe.

Dank öffentlicher Hilfen und privater Investoren stammen rund 80 Prozent der Finanzierung von „Doudegen Wénkel“ aus luxemburgischer Hand, der Rest aus belgischer. Dies erlaubt es, Filme nun auch vorrangig auf ein luxemburgisches Publikum auszurichten.

Als Krimi hat „Doudegen Wénkel“ jedenfalls Potenzial. Die Professionalität und die Begeisterung, welche hinter dem ersten Kriminalfall in luxemburgischer Sprache stecken, versprechen vieles. Ob man diese Versprechen letztlich halten kann, davon darf sich das Kinopublikum ab Herbst 2012 selbst ein Bild machen.

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