Dec 18 2011

Margarethe von Trotta dreht zur Zeit einen Film über die Publizistin Hannah Arendt in Luxemburg

Published by at 01:23 under Articles,Deutsch,Minotaurus

SOURCE: http://www.journal.lu/2011/12/09/mit-entschlossenheitgegen-den-strom-geschwommen/
Mit Entschlossenheit gegen den Strom geschwommen

Margarethe von Trotta arbeitet erst einmal in einem Büro, ehe sie 1960 das Abitur nachholt und in Düsseldorf und München Kunst studiert. Sie führt ihr Studium nicht zu Ende, sondern schreibt sich in einer Schauspielschule ein. Nach einem ersten Erfolg am Theater in Dinkelsbühl folgen Rollen in Stuttgart und Frankfurt. Sie spielt auch in vier Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Nach einer ersten Ehe von 1964 bis 69 mit dem Verlagslektor Jürgen Moeller, heiratet sie 1971 Volker Schlöndorff – 1991 wird die Ehe geschieden. 1977 führt sie ein erstes Mal allein Regie für „Das zweite Erwachen der Christa Klages“. Ihr neuester Film, „Hannah Arendt“, führt sie nach Luxemburg, wo u. a. in Bascharage gedreht wird. In der ehemaligen TDK-Halle wurde ein Filmstudio eingerichtet, in dem das New Yorker Apartment Hannah Arendts rekonstruiert wurde. Am gestrigen Donnerstag hatte die Produktionsfirma die Presse eingeladen, damit diese sich einen Eindruck von den Dreharbeiten machen konnte. Unter den neugierigen Gästen weilten auch Karin Schockweiler (Media Desk Luxembourg) und Françoise Lentz (Film Fund Luxembourg).

Die Geschichte einer jüdischen Philosophin

Der Film ist eine Koproduktion der Heimatfilm aus Köln, der luxemburgischen Minotaurus Film (Produzenten: Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu) und der französischen Produktionsfirma MACT Films in Zusammenarbeit mit Metro Communications aus Israel. Erzählt wird die wahre Geschichte der jüdischen Philosophin Hannah Arendt, die 1961 vom Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Nazi Adolf Eichmann in der New Yorker Zeitung „The New Yorker“ berichtet. Sie löst eine Welle der Empörung aus, als sie behauptet, dass Eichmann kein Monster sei, sondern ein Schreibtischtäter, der nur Befehle ausführte. Eichmann als „Banalität des Bösen“ zu bezeichnen, kostet sie ihren guten Ruf. Sie wird geächtet, verliert ihre Freunde, und ihre Karriere ist gefährdet. Sie bleibt aber bei ihrer Meinung und beeinflusst so das Denken der 1960er Jahre.

Renommierte Schauspieler

Die Rolle der Hannah Arendt spielt Barbara Sukova, die u. a. 1986 in Cannes als beste Schauspielerin in „Rosa Luxemburg“ ausgezeichnet wurde. Axel Milberg übernimmt die Rolle ihres Mannes, Heinrich Blücher. Er wurde u. a. als Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannt. Julia Jentsch ist in der Rolle von Lotte Köhler, der Sekretärin von Hannah Arendt, zu sehen. Zusammen mit der Regisseurin sowie der Luxemburgerin Sascha Ley (in der Rolle der Lore Jonas), der Produzentinnen Bettina Brokemper (Heimatfilm) und Cornelia Ackers (Bayrischer Rundfunk) präsentierten sie sich der Presse.

Weitere Rollen wurden mit Janet McTeer, Ulrich Noethen, Klaus Pohl und Michael Degen besetzt. Auf Luxemburger Seite sind Patrick Hastert, Tom Leick, Germain Wagner, Leila Schaus, Marie Jung, Pitt Simon und Nilton Martins in kleineren Rollen zu sehen.

Caroline Champetier ist die Kamerachefin. Sie war 2010 für die Fotografie von „Des hommes et des dieux“ für den Europäischen Filmpreis nominiert. Ihr zur Seite steht der Luxemburger Kameramann Carlo Thiel; André Mergenthaler komponiert die Filmmusik.

Eine gemeinsame Meinung

Nach ihrem Film über Rosa Luxemburg war Margarethe von Trotta überzeugt, dass dies die wichtigste Frau und Denkerin des letzten Jahrhunderts war. Als sie sich genauer mit Hannah Arendt auseinander setzte, wurde ihr klar, dass Hannah noch wichtiger war. Sowohl Milberg, wie Jentsch und Sukova waren sichb darüber einig, dass Hannah die zeitlose Qualität einer freien Denkerin anhaftet.

Julia Jentsch war erst einmal begeistert, um mit von Trotta drehen zu dürfen. Sie kannte die Figur der Hannah, aber erst mit dem Lesen des Drehbuchs begann sie sich mit den weitreichenden Konflikten zu beschäftigen, welche Hannahs Aussage auslösten. Bewundernswert ist für sie Hannahs Entschluss, gegen den Strom zu schwimmen. Für Barbara Sukova war der bereits abgeschlossenen Dreh in Israel äußerst spannend, da ja dort der Eichmann-Prozess stattgefunden hat. Der Mut Hannahs, frei zu denken, soll auch im Zeitalter der Medien ein Vorbild sein.

Als Axel Milberg das Drehbuch von Margarethe von Trotta erhielt, glaubte er, den Philosophen Martin Heidegger zu spielen. Er war dennoch zufrieden mit seiner Rolle als Ehemann von Hannah.

Man darf gespannt sein, wie von Trotta diese Figur der Hannah Arendt auf die Leinwand bringen wird. Das technische und schauspielerische Umfeld stimmt ja. „Hannah Arendt“ wird voraussichtlich im Herbst 2012 in die Kinos kommen.

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Mit Entschlossenheit gegen den Strom geschwommen

Margarethe von Trotta arbeitet erst einmal in einem Büro, ehe sie 1960 das Abitur nachholt und in Düsseldorf und München Kunst studiert. Sie führt ihr Studium nicht zu Ende, sondern schreibt sich in einer Schauspielschule ein. Nach einem ersten Erfolg am Theater in Dinkelsbühl folgen Rollen in Stuttgart und Frankfurt. Sie spielt auch in vier Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Nach einer ersten Ehe von 1964 bis 69 mit dem Verlagslektor Jürgen Moeller, heiratet sie 1971 Volker Schlöndorff – 1991 wird die Ehe geschieden. 1977 führt sie ein erstes Mal allein Regie für „Das zweite Erwachen der Christa Klages“. Ihr neuester Film, „Hannah Arendt“, führt sie nach Luxemburg, wo u. a. in Bascharage gedreht wird. In der ehemaligen TDK-Halle wurde ein Filmstudio eingerichtet, in dem das New Yorker Apartment Hannah Arendts rekonstruiert wurde. Am gestrigen Donnerstag hatte die Produktionsfirma die Presse eingeladen, damit diese sich einen Eindruck von den Dreharbeiten machen konnte. Unter den neugierigen Gästen weilten auch Karin Schockweiler (Media Desk Luxembourg) und Françoise Lentz (Film Fund Luxembourg).

Die Geschichte einer jüdischen Philosophin

Der Film ist eine Koproduktion der Heimatfilm aus Köln, der luxemburgischen Minotaurus Film (Produzenten: Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu) und der französischen Produktionsfirma MACT Films in Zusammenarbeit mit Metro Communications aus Israel. Erzählt wird die wahre Geschichte der jüdischen Philosophin Hannah Arendt, die 1961 vom Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Nazi Adolf Eichmann in der New Yorker Zeitung „The New Yorker“ berichtet. Sie löst eine Welle der Empörung aus, als sie behauptet, dass Eichmann kein Monster sei, sondern ein Schreibtischtäter, der nur Befehle ausführte. Eichmann als „Banalität des Bösen“ zu bezeichnen, kostet sie ihren guten Ruf. Sie wird geächtet, verliert ihre Freunde, und ihre Karriere ist gefährdet. Sie bleibt aber bei ihrer Meinung und beeinflusst so das Denken der 1960er Jahre.

Renommierte Schauspieler

Die Rolle der Hannah Arendt spielt Barbara Sukova, die u. a. 1986 in Cannes als beste Schauspielerin in „Rosa Luxemburg“ ausgezeichnet wurde. Axel Milberg übernimmt die Rolle ihres Mannes, Heinrich Blücher. Er wurde u. a. als Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannt. Julia Jentsch ist in der Rolle von Lotte Köhler, der Sekretärin von Hannah Arendt, zu sehen. Zusammen mit der Regisseurin sowie der Luxemburgerin Sascha Ley (in der Rolle der Lore Jonas), der Produzentinnen Bettina Brokemper (Heimatfilm) und Cornelia Ackers (Bayrischer Rundfunk) präsentierten sie sich der Presse.

Weitere Rollen wurden mit Janet McTeer, Ulrich Noethen, Klaus Pohl und Michael Degen besetzt. Auf Luxemburger Seite sind Patrick Hastert, Tom Leick, Germain Wagner, Leila Schaus, Marie Jung, Pitt Simon und Nilton Martins in kleineren Rollen zu sehen.

Caroline Champetier ist die Kamerachefin. Sie war 2010 für die Fotografie von „Des hommes et des dieux“ für den Europäischen Filmpreis nominiert. Ihr zur Seite steht der Luxemburger Kameramann Carlo Thiel; André Mergenthaler komponiert die Filmmusik.

Eine gemeinsame Meinung

Nach ihrem Film über Rosa Luxemburg war Margarethe von Trotta überzeugt, dass dies die wichtigste Frau und Denkerin des letzten Jahrhunderts war. Als sie sich genauer mit Hannah Arendt auseinander setzte, wurde ihr klar, dass Hannah noch wichtiger war. Sowohl Milberg, wie Jentsch und Sukova waren sichb darüber einig, dass Hannah die zeitlose Qualität einer freien Denkerin anhaftet.

Julia Jentsch war erst einmal begeistert, um mit von Trotta drehen zu dürfen. Sie kannte die Figur der Hannah, aber erst mit dem Lesen des Drehbuchs begann sie sich mit den weitreichenden Konflikten zu beschäftigen, welche Hannahs Aussage auslösten. Bewundernswert ist für sie Hannahs Entschluss, gegen den Strom zu schwimmen. Für Barbara Sukova war der bereits abgeschlossenen Dreh in Israel äußerst spannend, da ja dort der Eichmann-Prozess stattgefunden hat. Der Mut Hannahs, frei zu denken, soll auch im Zeitalter der Medien ein Vorbild sein.

Als Axel Milberg das Drehbuch von Margarethe von Trotta erhielt, glaubte er, den Philosophen Martin Heidegger zu spielen. Er war dennoch zufrieden mit seiner Rolle als Ehemann von Hannah.

Man darf gespannt sein, wie von Trotta diese Figur der Hannah Arendt auf die Leinwand bringen wird. Das technische und schauspielerische Umfeld stimmt ja. „Hannah Arendt“ wird voraussichtlich im Herbst 2012 in die Kinos kommen.

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