Nov 01 2009

Premiere von „Contact High“

Published by at 01:13 under Articles

SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

CONTACT HIGH: IRIS PRODUCTION

Psychedelische Träume im Drogenrausch

Michael Glawogger realisierte solch wunderbare Dokumentarfilme wie „Megacities“ (1998) oder „Working-man‘s Death“ (2005). Mit Spielfilmen hat er auch seine Erfahrungen gesammelt, aber weder „Ameisenstraße“ (1995), „Nacktschnecken“ (2003), noch die für den offiziellen Wettbewerb in Berlin selektierten „Slumming“ (2006) und „Das Vaterspiel“ (2009) waren bis dato in unseren Kinos zu sehen. Im „Utopia“ fand am Mittwoch die Premiere seines vorletzten Spielfilms „Contact High“ statt, eine verrückte Komödie mit Hindernissen, die von der luxemburgischen Iris Productions mitfinanziert wurde.

Hans Wurst und Max Durst
Max „Durst“ (Michael Ostrowski) und Johann „Hans Wurst“ (Raimund Wallisch) betreiben eine Imbissbude, die aber nicht viele Kunden anzieht. Der schwule Harry (Detlev Buck) wird von Carlos (Jeremy Strong) beauftragt, im polnischen Krakau eine Tasche abzuholen. Er beauftragt den exzentrischen Junkie Schorsch (Georg Friedrich), nach Krakau zu fahren. Da sein bester Mann keinen Führerschein mehr besitzt, entführt dieser kurzerhand einen unschuldigen Autofahrer (Helmut Köpping) samt Auto, um den Auftrag zu erfüllen. Als der Fahrer die Flucht ergreifen kann, bleibt Schorsch auf seinem Plan sitzen. Mao (Pia Hierzegger) könnte ihm helfen. Sie schickt ihre beiden Würstchenverkäufer Max und Johann mit dem Zug nach Polen. Weil Harry Maos Gesellen nicht traut, fahren er und Schorsch den beiden mit dem Auto hinterher, eine Reise gepflastert mit vielen Hindernissen.
Aller Anfang ist gut
Der Filmtitel kommt daher, weil Max der Meinung ist, dass andere Menschen in Kontakt mit ihm stehen, speziell wenn er auf einem Drogentrip ist. Der einzige, der wirklich auf Max abfährt, ist sein Freund Johann. Glawoggers Protagonisten scheinen alle nicht mit viel Intelligenz gesegnet zu sein, und diese Abgefahrenheit macht den Reiz des Films während der ersten Hälfte aus, und es kann gelacht werden, über den selten dämlichen Schorsch oder den stets schwebenden Max. Dann aber dominieren die Drogenexzesse von Max, sicher mit wunderschönen Trickaufnahmen illustriert, welche der Geschichte absolut nicht dienlich sind, in dem Sinne, sie interessanter oder lustiger zu gestalten. Man wird den Eindruck nicht los, dass dem Regisseur die Ideen ausgingen, und er nichts Besseres zu drehen wusste, als diese endlosen psychedelischen Träume und Wahnvorstellungen im Drogenrausch. Einzig die Idee mit dem geschrumpften Hotelzimmer wird noch gefallen. Der österreichische Regisseur hätte besser daran getan, seine Geschichte im anfänglichen Stil zu Ende zu erzählen, und man hätte einige Drogenexzesse noch akzeptiert. So bleibt außer einer guten Ausgangsidee nicht viel von einem annehmbaren Film übrig.
Zu den komplett verrückten Charakteren gehören noch die junge Nervensäge Sissi (Alina Pölzl), der blinde Mann (Victor Varnado) und Gretchen (Hilde Dalik). Auch die Fähigkeit des Blinden, gleichzeitig an mehreren Orten zu sein, wird kaum jemanden amüsieren, genau wie das Papageienartige Nachplappern der kleinen Sissi. Der Film wurde in Österreich, Polen und Mexiko gedreht, und lediglich ein Teil der Postproduktion wurde in Luxemburg getätigt. Erst im November wird „Contact High“ in Luxemburg im Kino starten. › CH.S.

www.woxx.lu
Luc Caregari
Mit seinem Film “Contact High” entfernt sich der Österreicher Glawogger von seinen sozial engagierten Semi-Dokumentarfilmen um in einer Roadmovie-Komödie den Feinheiten des Drogenrauschs nachzuspüren.

Wenn Zimmer schrumpfen, muss wohl was im Drink gewesen sein letzte Nacht …
Zugegeben, Menschen die nicht schon mindestens einmal in Kontakt mit Drogen waren, werden einige Schwierigkeiten mit “Contact High” haben. Und auch notorische Gesetzeshüter sollten den Film meiden – sie könnten den Saal schlechtgelaunt verlassen. Allen anderen Kontaktfreudigen aber ist der letzte Film von Michael Glawogger wärmestens zu empfehlen – sogar als eine Art europäisches Gegenstück zum amerikanischen Klassiker “Fear and Loathing in Las Vegas” – nur wird hier nicht die Wüste Nevadas zum Hintergrund für spektakuläre Acid-Trips, sondern die Strecke zwischen Wien und Lodz.

Auch Drogenfilme brauchen eine Geschichte und diese hier geht so: Ganove Harry (Detlev Buck) soll für einen noch größeren Ganoven eine geheimnisvolle Tasche in Lodz abholen. Da Harry – wohl vom andauernden Drogenrausch – etwas schwerfällig ist, gibt er den Auftrag an seinen Untergebenen und Dealer Schorsch weiter. Der Schorsch aber ist ein ziemlicher Depp und so bittet er wiederum seine Bekannte Mao den Auftrag zu übernehmen. Die hat aber auch keine rechte Lust und backt lieber Spacecakes mit Magic Mushrooms. Schlussendlich müssen die beiden Angestellten ihrer Würstchenbude, Johann und Max dran glauben und nehmen den Zug nach Lodz. Unterwegs testen sie Max’ Theorie des “Contact High”: Max schmeißt die Drogen und Johann spürt sie mit. Dass dies zu hundeköpfigen Bardamen und geschrumpften Hotelzimmern führen kann, stört die beiden Chaoten weniger, als die schlechte Angewohnheit der Tasche immer wieder zu verschwinden. Dabei sind sie nicht die einzigen die darauf aufpassen: Harry und Schorsch überwachen die beiden auf Schritt und Tritt.

Unterwegs werden Vorurteile gegen Polen revisiert, wird vor richtigen Bullenschweinen geflüchtet und das Ganze endet so wie es hätte beginnen sollen: in einem bunten, psychedelischen Reigen der die ganze Welt erfasst.

“Contact High” ist trotz wunderbarer Kameraführung und Effekte, Liebe zum Detail und Humor eine ziemlich halbgare Sache geworden. Zwar kann sich der austrophile Zuschauer freuen ein Wiedersehen mit den Hauptdarstellern aus Glawoggers Film “Nacktschnecken” zu feiern, wo sie übrigens die exakt gleichen Rollen spielen – trotzdem zündet der Kontakt oft nicht. Zu nervig sind manche Dialoge, zumal die mit Schorschi – den man mehrmals während des Films von der Leinwand ohrfeigen möchte. Oder das dauernde Bekifftsein der beiden Hauptdarsteller. Zu Anfang ist es lustig aber irgendwann geht es einem dann wie im realen Leben – es nervt nur noch.

Wirklich schade, denn Michael Glawogger gehört mit Ullrich Seidl (“Hundstage”) zu den besten jungen Filmemachern die zur Zeit aus Österreich kommen.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt und wegen der notorischen Verzögerungen die deutsche und österreichische Filme in hiesigen Filmverleihen oft erleiden, werden wir wohl erst in einigen Monaten in den Genuss von Michael Glawoggers letztem Film “Das Vaterspiel” – der schon bei den Grazer Filmfestspielen 2009 abgeräumt hat – kommen, der Ende dieses Monats jenseits der Mosel starten wird. Hier kann man sich auf gehaltvollere Kost einstellen: Es geht um einen jungen Videospielproduzenten der in seinen Spielen immer wieder seinen Vater umbringen will und schlussendlich in New York einem Altnazi eine neue Kellerwohnung bauen muss … ein richtiger Trip also, ganz ohne LSD.

“Contact High”, im Utopia.

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SOURCE: www.journal.lu – CH.S.

CONTACT HIGH: IRIS PRODUCTION

Psychedelische Träume im Drogenrausch

Michael Glawogger realisierte solch wunderbare Dokumentarfilme wie „Megacities“ (1998) oder „Working-man‘s Death“ (2005). Mit Spielfilmen hat er auch seine Erfahrungen gesammelt, aber weder „Ameisenstraße“ (1995), „Nacktschnecken“ (2003), noch die für den offiziellen Wettbewerb in Berlin selektierten „Slumming“ (2006) und „Das Vaterspiel“ (2009) waren bis dato in unseren Kinos zu sehen. Im „Utopia“ fand am Mittwoch die Premiere seines vorletzten Spielfilms „Contact High“ statt, eine verrückte Komödie mit Hindernissen, die von der luxemburgischen Iris Productions mitfinanziert wurde.

Hans Wurst und Max Durst
Max „Durst“ (Michael Ostrowski) und Johann „Hans Wurst“ (Raimund Wallisch) betreiben eine Imbissbude, die aber nicht viele Kunden anzieht. Der schwule Harry (Detlev Buck) wird von Carlos (Jeremy Strong) beauftragt, im polnischen Krakau eine Tasche abzuholen. Er beauftragt den exzentrischen Junkie Schorsch (Georg Friedrich), nach Krakau zu fahren. Da sein bester Mann keinen Führerschein mehr besitzt, entführt dieser kurzerhand einen unschuldigen Autofahrer (Helmut Köpping) samt Auto, um den Auftrag zu erfüllen. Als der Fahrer die Flucht ergreifen kann, bleibt Schorsch auf seinem Plan sitzen. Mao (Pia Hierzegger) könnte ihm helfen. Sie schickt ihre beiden Würstchenverkäufer Max und Johann mit dem Zug nach Polen. Weil Harry Maos Gesellen nicht traut, fahren er und Schorsch den beiden mit dem Auto hinterher, eine Reise gepflastert mit vielen Hindernissen.
Aller Anfang ist gut
Der Filmtitel kommt daher, weil Max der Meinung ist, dass andere Menschen in Kontakt mit ihm stehen, speziell wenn er auf einem Drogentrip ist. Der einzige, der wirklich auf Max abfährt, ist sein Freund Johann. Glawoggers Protagonisten scheinen alle nicht mit viel Intelligenz gesegnet zu sein, und diese Abgefahrenheit macht den Reiz des Films während der ersten Hälfte aus, und es kann gelacht werden, über den selten dämlichen Schorsch oder den stets schwebenden Max. Dann aber dominieren die Drogenexzesse von Max, sicher mit wunderschönen Trickaufnahmen illustriert, welche der Geschichte absolut nicht dienlich sind, in dem Sinne, sie interessanter oder lustiger zu gestalten. Man wird den Eindruck nicht los, dass dem Regisseur die Ideen ausgingen, und er nichts Besseres zu drehen wusste, als diese endlosen psychedelischen Träume und Wahnvorstellungen im Drogenrausch. Einzig die Idee mit dem geschrumpften Hotelzimmer wird noch gefallen. Der österreichische Regisseur hätte besser daran getan, seine Geschichte im anfänglichen Stil zu Ende zu erzählen, und man hätte einige Drogenexzesse noch akzeptiert. So bleibt außer einer guten Ausgangsidee nicht viel von einem annehmbaren Film übrig.
Zu den komplett verrückten Charakteren gehören noch die junge Nervensäge Sissi (Alina Pölzl), der blinde Mann (Victor Varnado) und Gretchen (Hilde Dalik). Auch die Fähigkeit des Blinden, gleichzeitig an mehreren Orten zu sein, wird kaum jemanden amüsieren, genau wie das Papageienartige Nachplappern der kleinen Sissi. Der Film wurde in Österreich, Polen und Mexiko gedreht, und lediglich ein Teil der Postproduktion wurde in Luxemburg getätigt. Erst im November wird „Contact High“ in Luxemburg im Kino starten. › CH.S.

www.woxx.lu
Luc Caregari
Mit seinem Film “Contact High” entfernt sich der Österreicher Glawogger von seinen sozial engagierten Semi-Dokumentarfilmen um in einer Roadmovie-Komödie den Feinheiten des Drogenrauschs nachzuspüren.

Wenn Zimmer schrumpfen, muss wohl was im Drink gewesen sein letzte Nacht …
Zugegeben, Menschen die nicht schon mindestens einmal in Kontakt mit Drogen waren, werden einige Schwierigkeiten mit “Contact High” haben. Und auch notorische Gesetzeshüter sollten den Film meiden – sie könnten den Saal schlechtgelaunt verlassen. Allen anderen Kontaktfreudigen aber ist der letzte Film von Michael Glawogger wärmestens zu empfehlen – sogar als eine Art europäisches Gegenstück zum amerikanischen Klassiker “Fear and Loathing in Las Vegas” – nur wird hier nicht die Wüste Nevadas zum Hintergrund für spektakuläre Acid-Trips, sondern die Strecke zwischen Wien und Lodz.

Auch Drogenfilme brauchen eine Geschichte und diese hier geht so: Ganove Harry (Detlev Buck) soll für einen noch größeren Ganoven eine geheimnisvolle Tasche in Lodz abholen. Da Harry – wohl vom andauernden Drogenrausch – etwas schwerfällig ist, gibt er den Auftrag an seinen Untergebenen und Dealer Schorsch weiter. Der Schorsch aber ist ein ziemlicher Depp und so bittet er wiederum seine Bekannte Mao den Auftrag zu übernehmen. Die hat aber auch keine rechte Lust und backt lieber Spacecakes mit Magic Mushrooms. Schlussendlich müssen die beiden Angestellten ihrer Würstchenbude, Johann und Max dran glauben und nehmen den Zug nach Lodz. Unterwegs testen sie Max’ Theorie des “Contact High”: Max schmeißt die Drogen und Johann spürt sie mit. Dass dies zu hundeköpfigen Bardamen und geschrumpften Hotelzimmern führen kann, stört die beiden Chaoten weniger, als die schlechte Angewohnheit der Tasche immer wieder zu verschwinden. Dabei sind sie nicht die einzigen die darauf aufpassen: Harry und Schorsch überwachen die beiden auf Schritt und Tritt.

Unterwegs werden Vorurteile gegen Polen revisiert, wird vor richtigen Bullenschweinen geflüchtet und das Ganze endet so wie es hätte beginnen sollen: in einem bunten, psychedelischen Reigen der die ganze Welt erfasst.

“Contact High” ist trotz wunderbarer Kameraführung und Effekte, Liebe zum Detail und Humor eine ziemlich halbgare Sache geworden. Zwar kann sich der austrophile Zuschauer freuen ein Wiedersehen mit den Hauptdarstellern aus Glawoggers Film “Nacktschnecken” zu feiern, wo sie übrigens die exakt gleichen Rollen spielen – trotzdem zündet der Kontakt oft nicht. Zu nervig sind manche Dialoge, zumal die mit Schorschi – den man mehrmals während des Films von der Leinwand ohrfeigen möchte. Oder das dauernde Bekifftsein der beiden Hauptdarsteller. Zu Anfang ist es lustig aber irgendwann geht es einem dann wie im realen Leben – es nervt nur noch.

Wirklich schade, denn Michael Glawogger gehört mit Ullrich Seidl (“Hundstage”) zu den besten jungen Filmemachern die zur Zeit aus Österreich kommen.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt und wegen der notorischen Verzögerungen die deutsche und österreichische Filme in hiesigen Filmverleihen oft erleiden, werden wir wohl erst in einigen Monaten in den Genuss von Michael Glawoggers letztem Film “Das Vaterspiel” – der schon bei den Grazer Filmfestspielen 2009 abgeräumt hat – kommen, der Ende dieses Monats jenseits der Mosel starten wird. Hier kann man sich auf gehaltvollere Kost einstellen: Es geht um einen jungen Videospielproduzenten der in seinen Spielen immer wieder seinen Vater umbringen will und schlussendlich in New York einem Altnazi eine neue Kellerwohnung bauen muss … ein richtiger Trip also, ganz ohne LSD.

“Contact High”, im Utopia.

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