Nov 13 2011

Verdienen Regionalkinos keine digitalen Projektoren?

Published by at 01:23 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu/2011/11/05/verdienen-regionalkinos-keine-digitalen-projektoren/

1978 wurde der „Ciné-Club Le Paris“ in Bettemburg gegründet. Seitdem hat der Klub, der das gleichnamige Kino in Bettemburg betreibt, so ziemlich alle Höhen und Tiefen eines Kinobetriebs mitgemacht. In einer ersten Phase leitete der Klub das Kino von 1978 bis 1984. Mit dem unerwarteten Tod des Besitzers des Kinos, dem Architekten Paul Retter im Jahre 1980, begann eine ungewisse Zukunft. Der Besitzer des Kinos, eine Bank, ließ das Gebäude umbauen. Der Ciné-Club durfte das Kino jedoch nicht mehr weiter betreiben. Ein neuer Betreiber wurde zwar gefunden; dieser wirtschaftete das Kino jedoch binnen kurzer Zeit komplett herunter.


Rettung durch Finanzspritze

1989 erfolgte die Neueröffnung unter dem Impuls des Kulturministeriums und in Zusammenarbeit mit dem CDAC (Centre de Diffusion et d’Animation Cinématographique), dem Dachverband der Luxemburger Ciné-Clubs. Es wurde viel Geld ins Kino investiert, um es wieder spielfähig zu machen, da der vorherige Pächter es in einem desolaten Zustand hinterlassen hatte. Es war auch der damals neue Bettemburger Bürgermeister Lucien Lux, der sich für die Kinofreunde einsetzte und ihnen finanziell unter die Arme griff. Ohne diese wichtige Unterstützung, die bis heute andauert, wäre das Kino schon längst geschlossen worden.

Der Ciné-Club war noch bis 2007 Mitglied des CDAC. Dann entschied man sich zur Caramba s.à.r.l. zu wechseln, welche die Kinos „CineBelval“, „Ariston“, „Kinosch“ und „Kursaal“ betreibt. Doch der Klub verzeichnet in den letzten Jahren nur noch Zuschauerrückgänge. Eine der Ursachen für diesen Rückgang ist der Umstand, dass die Filmverleiher viele Filme nur noch im digitalen Format anbieten, und somit ein Teil wichtiger, Geld einbringender Blockbuster nicht mehr gezeigt werden können. Bereits 2009 erwähnte man im Klubvorstand den Kauf eines digitalen Filmprojektors, doch scheiterte das Unterfangen am Kaufpreis von rund 60.000 Euro.

Dieses Problem haben alle kleineren Kinos im Land, sprich jene die dem CDAC angehören wie das „Cinémaacher“ in Grevenmacher, das „Orion“ in Ulflingen, das „Prabbeli“ in Wiltz, das „Ciné Sura“ in Echternach und das „Scala“ in Diekirch, aber auch die Kinos „Ariston“ und „Kinosch“ in Esch und das älteste Kino des Landes, das „Kursaal“ in Rümelingen, die zur Caramba-Gruppe gehören.

Die Davids gegen Goliath

Das Kulturministerium musste wieder einmal einschreiten, damit die sogenannten Provinzkinos nicht bald Geschichte werden. Joy Hoffmann, der Mittelsmann zwischen den CDAC-Kinos und Kulturministerium, äußerte angeblich die Bemerkung, dass diese regionalen Kinos keine digitalen Projektoren bräuchten. Ob hier der Filmkenner Hoffmann in seiner Funktion als Aktionär der Utopia-Gruppe sprach? Jedenfalls war die Freude bei den Kinobetreibern alles andere als groß. Hoffmanns Aufgabe innerhalb des CDAC ist es, den Kinos zu helfen.

Das Ministerium möchte jedoch die kleinen Kinos weiter unter die Arme greifen und erließ dennoch einen Beschluss, in dem es den CDAC-Kinos einen Zuschuss von 25.000 Euro gewährte, um die neuen überlebensnotwendigen Projektoren anzuschaffen.

Der Aufstand des „Le Paris“

Dieser lobenswerte Beschluss klammerte den Bettemburger Ciné-Club aus, da er dem CDAC nicht angehört. Der Vorstand des Clubs verstand die Welt nicht mehr, hatte doch das Ministerium 1989 das „Le Paris“ wie einen Phönix aus der Asche gehoben.

Joy Hoffmann war damals eine wichtige Person beim Wiederaufbau. Auch Caramba-Direktor Raymond Massard war über diese Entscheidung aufgebracht und legte Einspruch ein.

Im Ministerium horchte man auf und sprach dem Bettemburger Kinoklub die gesamte Unterstützung zu. In der aktuellen Nummer 28 der „Caramba Movie News“ kann man Massards Protest nachlesen. Er hofft des Weiteren, dass auch die Kinos „Kursaal“, „Kinosch“ und „Ariston“ von dieser substanziellen finanziellen Hilfe profitieren können oder wenigstens von einem Teil.

Im Gegensatz zum „Le Paris“ und den CDAC-Kinos werden diese drei Säle kommerziell betrieben, was sicher die Meinung des Ministeriums beeinflusst. Eine Belohnung hätte Raymond Massard für das konsequente Festhalten an diesen Kinos jedoch verdient. Ohne ihn und seinen starken Willen wären diese Kinosäle längst geschlossen, und ein Stück Kultur würde der Vergangenheit angehören.

Der Vorstand des Ciné-Club hatte aber bereits zuvor einen Leasing-Kontrakt mit einer Firma namens Ymagis abgeschlossen. Ein digitaler Projektor der Marke Christie, mit der Möglichkeit, 3D-Filme zu zeigen, wurde im August installiert. Am 30. September wurde er feierlich eingeweiht, im Beisein des Bürgermeisters und etlicher Persönlichkeiten der Gemeinde.

Die Freude über die finanzielle Hilfe vom Ministerium war dieser Tage groß im „Le Paris“, und nun hofft jeder, dass die neuen Filme jetzt früher in Bettemburg gezeigt werden. Momentan ist das noch nicht der Fall, aber dies wird sich hoffentlich bald ändern, denn sonst nützt auch der beste digitale Projektor nichts. Nur neue Filme ziehen Zuschauer an, und die werden dringend gebraucht, um die restlichen Schulden abzustottern.

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SOURCE: http://www.journal.lu/2011/11/05/verdienen-regionalkinos-keine-digitalen-projektoren/

1978 wurde der „Ciné-Club Le Paris“ in Bettemburg gegründet. Seitdem hat der Klub, der das gleichnamige Kino in Bettemburg betreibt, so ziemlich alle Höhen und Tiefen eines Kinobetriebs mitgemacht. In einer ersten Phase leitete der Klub das Kino von 1978 bis 1984. Mit dem unerwarteten Tod des Besitzers des Kinos, dem Architekten Paul Retter im Jahre 1980, begann eine ungewisse Zukunft. Der Besitzer des Kinos, eine Bank, ließ das Gebäude umbauen. Der Ciné-Club durfte das Kino jedoch nicht mehr weiter betreiben. Ein neuer Betreiber wurde zwar gefunden; dieser wirtschaftete das Kino jedoch binnen kurzer Zeit komplett herunter.


Rettung durch Finanzspritze

1989 erfolgte die Neueröffnung unter dem Impuls des Kulturministeriums und in Zusammenarbeit mit dem CDAC (Centre de Diffusion et d’Animation Cinématographique), dem Dachverband der Luxemburger Ciné-Clubs. Es wurde viel Geld ins Kino investiert, um es wieder spielfähig zu machen, da der vorherige Pächter es in einem desolaten Zustand hinterlassen hatte. Es war auch der damals neue Bettemburger Bürgermeister Lucien Lux, der sich für die Kinofreunde einsetzte und ihnen finanziell unter die Arme griff. Ohne diese wichtige Unterstützung, die bis heute andauert, wäre das Kino schon längst geschlossen worden.

Der Ciné-Club war noch bis 2007 Mitglied des CDAC. Dann entschied man sich zur Caramba s.à.r.l. zu wechseln, welche die Kinos „CineBelval“, „Ariston“, „Kinosch“ und „Kursaal“ betreibt. Doch der Klub verzeichnet in den letzten Jahren nur noch Zuschauerrückgänge. Eine der Ursachen für diesen Rückgang ist der Umstand, dass die Filmverleiher viele Filme nur noch im digitalen Format anbieten, und somit ein Teil wichtiger, Geld einbringender Blockbuster nicht mehr gezeigt werden können. Bereits 2009 erwähnte man im Klubvorstand den Kauf eines digitalen Filmprojektors, doch scheiterte das Unterfangen am Kaufpreis von rund 60.000 Euro.

Dieses Problem haben alle kleineren Kinos im Land, sprich jene die dem CDAC angehören wie das „Cinémaacher“ in Grevenmacher, das „Orion“ in Ulflingen, das „Prabbeli“ in Wiltz, das „Ciné Sura“ in Echternach und das „Scala“ in Diekirch, aber auch die Kinos „Ariston“ und „Kinosch“ in Esch und das älteste Kino des Landes, das „Kursaal“ in Rümelingen, die zur Caramba-Gruppe gehören.

Die Davids gegen Goliath

Das Kulturministerium musste wieder einmal einschreiten, damit die sogenannten Provinzkinos nicht bald Geschichte werden. Joy Hoffmann, der Mittelsmann zwischen den CDAC-Kinos und Kulturministerium, äußerte angeblich die Bemerkung, dass diese regionalen Kinos keine digitalen Projektoren bräuchten. Ob hier der Filmkenner Hoffmann in seiner Funktion als Aktionär der Utopia-Gruppe sprach? Jedenfalls war die Freude bei den Kinobetreibern alles andere als groß. Hoffmanns Aufgabe innerhalb des CDAC ist es, den Kinos zu helfen.

Das Ministerium möchte jedoch die kleinen Kinos weiter unter die Arme greifen und erließ dennoch einen Beschluss, in dem es den CDAC-Kinos einen Zuschuss von 25.000 Euro gewährte, um die neuen überlebensnotwendigen Projektoren anzuschaffen.

Der Aufstand des „Le Paris“

Dieser lobenswerte Beschluss klammerte den Bettemburger Ciné-Club aus, da er dem CDAC nicht angehört. Der Vorstand des Clubs verstand die Welt nicht mehr, hatte doch das Ministerium 1989 das „Le Paris“ wie einen Phönix aus der Asche gehoben.

Joy Hoffmann war damals eine wichtige Person beim Wiederaufbau. Auch Caramba-Direktor Raymond Massard war über diese Entscheidung aufgebracht und legte Einspruch ein.

Im Ministerium horchte man auf und sprach dem Bettemburger Kinoklub die gesamte Unterstützung zu. In der aktuellen Nummer 28 der „Caramba Movie News“ kann man Massards Protest nachlesen. Er hofft des Weiteren, dass auch die Kinos „Kursaal“, „Kinosch“ und „Ariston“ von dieser substanziellen finanziellen Hilfe profitieren können oder wenigstens von einem Teil.

Im Gegensatz zum „Le Paris“ und den CDAC-Kinos werden diese drei Säle kommerziell betrieben, was sicher die Meinung des Ministeriums beeinflusst. Eine Belohnung hätte Raymond Massard für das konsequente Festhalten an diesen Kinos jedoch verdient. Ohne ihn und seinen starken Willen wären diese Kinosäle längst geschlossen, und ein Stück Kultur würde der Vergangenheit angehören.

Der Vorstand des Ciné-Club hatte aber bereits zuvor einen Leasing-Kontrakt mit einer Firma namens Ymagis abgeschlossen. Ein digitaler Projektor der Marke Christie, mit der Möglichkeit, 3D-Filme zu zeigen, wurde im August installiert. Am 30. September wurde er feierlich eingeweiht, im Beisein des Bürgermeisters und etlicher Persönlichkeiten der Gemeinde.

Die Freude über die finanzielle Hilfe vom Ministerium war dieser Tage groß im „Le Paris“, und nun hofft jeder, dass die neuen Filme jetzt früher in Bettemburg gezeigt werden. Momentan ist das noch nicht der Fall, aber dies wird sich hoffentlich bald ändern, denn sonst nützt auch der beste digitale Projektor nichts. Nur neue Filme ziehen Zuschauer an, und die werden dringend gebraucht, um die restlichen Schulden abzustottern.

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One response so far

One Response to “Verdienen Regionalkinos keine digitalen Projektoren?”

  1. kson 14 Nov 2011 at 12:43

    Dass d’Kinoen et kaum erwarde kennen hier 35mm Projekteren firun d’Dier ze saetzen mecht mech traureg…

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