Feb 19 2011

Von Edinburgh nach Berlin

Published by at 01:30 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.journal.lu/2011/02/16/von-edinburgh-nach-berlin/#more-33147

Vorgestern luden die luxemburgische Botschaft in Berlin und der „Filmfund“ zum schon fast traditionellen Empfang auf der Berlinale ein. Am selben Abend wurde, wie das „Journal“ in seiner gestrigen Ausgabe meldete, Vicky Leandros mit dem Orden „Commandeur de l’ordre de mérite“ des Großherzogtums ausgezeichnet.

François Biltgen kann angeblich alle Lieder von Vicky Leandros auswendig singen. Das wurde auf jeden Fall am Montagabend auf dem Luxemburger Empfang in der großherzoglichen Botschaft in Berlin getuschelt. Der Minister mochte zwar sein Können nicht zum Besten geben, doch dass er auch persönlich eine enge Beziehung zu Frau Leandros sowie zum „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hat, das ließ er in seiner Laudatio durchscheinen. „Im Alter von neun Jahren saß ich vorm Fernseher und habe mit Vicky Leandros mitgefiebert“, so Biltgen. Damals, im Jahr 1967, vertrat die 15-jährige Sängerin das Großherzogtum das erste Mal, mit dem Lied „L’amour est bleu“, und belegte den vierten Platz. Im Jahr 1972 trat sie in Edinburgh erneut für Luxemburg an und errang mit „Après toi“ den Sieg. Die Ordensverleihung war sehr emotional, und sicherlich bedauerte es der eine oder andere Zuschauer, dass wegen der nun schon so langen Abwesenheit Luxemburgs beim Song Contest das „Luxemburg, twelve Points“ schon so lange nicht mehr zu hören war.

François Biltgen freut sich

Im Laufe des Abends war es dann doch wieder der Film, der im Mittelpunkt stand. Denn eigentlich war das Beisammensein ja der Luxemburger Empfang zur Berlinale, der dieses Jahr nun schon das dritte Mal organisiert wurde. Zu verdanken ist das der ganz eifrigen Botschafterin Martine Schommer und ihrer Mannschaft, die hart arbeiten, um Luxemburg gut in Deutschland zu vertreten.

Von der Resonanz auf die Einladung zum Berlinale-Empfang war auch Minister Biltgen sehr gerührt. „Vor drei Jahren musste man den Leuten noch fast nachlaufen. Jetzt kommen die Leute von selbst. Es sind heute mehr Nicht-Luxemburger als Luxemburger hier. Aus aller Herren Länder kommen jetzt die Filmschaffenden, um mit den Luxemburger Cineasten zu diskutieren und neue Projekte anzustoßen“, so der für den Filmbereich zuständige Minister. Bereits vergangenen Oktober fand in Berlin die „Luxemburger Filmwoche“ statt, ebenfalls eine Initiative der Botschaft. Der Wunsch des Ministers, dass Luxemburg nicht mehr nur als Bankenplatz und Sitz europäischer Institutionen wahrgenommen werden möge, erfüllt sich in Deutschland immer mehr.

Gute Laune unter den Luxemburgern herrschte auch, weil dieses Jahr gleich zwei Filme mit Luxemburger Beteiligung im Programm der Berlinale laufen. Zum einen die französisch-luxemburgische Koproduktion „Dernier étage gauche gauche“, die am Sonntagabend unter großem Applaus in der Sektion Panorama lief. Und am heutigen Mittwoch wird der österreichisch-luxemburgische Film „Mein bester Feind“ im Wettbewerb gezeigt. Claude Waringo von „Samsa Film“ war deshalb auch in Berlin mit dabei. „Samsa Film“ ist Koproduzent des Streifens mit Moritz Bleibtreu. „Es ist ein gutes Jahr für den Luxemburger Film in Berlin. ‚Mein bester Feind‘ ist ein Film über den zweiten Weltkrieg, eine vielleicht gewagte Mischung aus einem sehr seriösen Thema und einer Komödie. Zwar läuft der Film außer Konkurrenz und kommt somit nicht in Frage für einen der Bären, aber wir sind trotzdem sehr froh, vier Jahre nach ‚Irina Palm‘ wieder mit einer unserer Koproduktionen in Berlin dabei zu sein“, so Waringo.

Guy Daleiden sieht „Durchbruch“

Da für den Nachschub an Fingerfood und Luxemburger Crémant gesorgt war, zog sich der Abend in der Botschaft lange hin. Guy Daleiden war auf jeden Fall froh, sich zum Interview in die Räume der Botschaft im ersten Stock des Gebäudes zurückziehen zu können, um sich kurz vom Trubel auszuruhen. Als Direktor des „Filmfund“ war er natürlich ein besonders gefragter Mann. Kurz nachdem die Filmförderung ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert hat, kann man nun auch auf wichtigen Festivals die Früchte der kontinuierlichen und professionellen Arbeit ernten.

„Dieses Jahr sind nicht nur mehr Leute hier, sondern vor allem auch mehr Leute aus der Filmindustrie. Die vergangenen Jahre war es noch etwas schwierig, die Leute zu bewegen, auf einen Berlinale-Empfang in eine Botschaft zu kommen. Jetzt haben wir den Durchbruch erreicht. Leute aus dem Cineasten-Milieu kommen hierhin, um Luxemburgern zu begegnen und möglich Kooperationen mit ihnen zu erörtern“, so Daleiden.

Unter diesen Umständen kann selbst das traditionell trübe Februar-Wetter in Berlin den Luxemburgern auf der 61. Berlinale nicht die Laune verderben. In Cannes mag das Klima besser sein, aber ob Luxemburg beim dortigen Festival in drei Monaten ähnlich präsent sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Es gibt die eine oder andere Einsendung von Luxemburger Produzenten, aber in Cannes wird das Programm immer erst kurz vor Festivalbeginn bekannt gegeben. „Wir werden sehen“, so Guy Daleiden, der sich aber gestern vor allem über den gelungenen Berlinale-Empfang in der Botschaft freute. Er habe zwar noch keinen Koffer in Berlin, wie das Minister Biltgen von sich behauptete, aber, so Daleiden, „das kommt ja vielleicht noch“.

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Vorgestern luden die luxemburgische Botschaft in Berlin und der „Filmfund“ zum schon fast traditionellen Empfang auf der Berlinale ein. Am selben Abend wurde, wie das „Journal“ in seiner gestrigen Ausgabe meldete, Vicky Leandros mit dem Orden „Commandeur de l’ordre de mérite“ des Großherzogtums ausgezeichnet.

François Biltgen kann angeblich alle Lieder von Vicky Leandros auswendig singen. Das wurde auf jeden Fall am Montagabend auf dem Luxemburger Empfang in der großherzoglichen Botschaft in Berlin getuschelt. Der Minister mochte zwar sein Können nicht zum Besten geben, doch dass er auch persönlich eine enge Beziehung zu Frau Leandros sowie zum „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hat, das ließ er in seiner Laudatio durchscheinen. „Im Alter von neun Jahren saß ich vorm Fernseher und habe mit Vicky Leandros mitgefiebert“, so Biltgen. Damals, im Jahr 1967, vertrat die 15-jährige Sängerin das Großherzogtum das erste Mal, mit dem Lied „L’amour est bleu“, und belegte den vierten Platz. Im Jahr 1972 trat sie in Edinburgh erneut für Luxemburg an und errang mit „Après toi“ den Sieg. Die Ordensverleihung war sehr emotional, und sicherlich bedauerte es der eine oder andere Zuschauer, dass wegen der nun schon so langen Abwesenheit Luxemburgs beim Song Contest das „Luxemburg, twelve Points“ schon so lange nicht mehr zu hören war.

François Biltgen freut sich

Im Laufe des Abends war es dann doch wieder der Film, der im Mittelpunkt stand. Denn eigentlich war das Beisammensein ja der Luxemburger Empfang zur Berlinale, der dieses Jahr nun schon das dritte Mal organisiert wurde. Zu verdanken ist das der ganz eifrigen Botschafterin Martine Schommer und ihrer Mannschaft, die hart arbeiten, um Luxemburg gut in Deutschland zu vertreten.

Von der Resonanz auf die Einladung zum Berlinale-Empfang war auch Minister Biltgen sehr gerührt. „Vor drei Jahren musste man den Leuten noch fast nachlaufen. Jetzt kommen die Leute von selbst. Es sind heute mehr Nicht-Luxemburger als Luxemburger hier. Aus aller Herren Länder kommen jetzt die Filmschaffenden, um mit den Luxemburger Cineasten zu diskutieren und neue Projekte anzustoßen“, so der für den Filmbereich zuständige Minister. Bereits vergangenen Oktober fand in Berlin die „Luxemburger Filmwoche“ statt, ebenfalls eine Initiative der Botschaft. Der Wunsch des Ministers, dass Luxemburg nicht mehr nur als Bankenplatz und Sitz europäischer Institutionen wahrgenommen werden möge, erfüllt sich in Deutschland immer mehr.

Gute Laune unter den Luxemburgern herrschte auch, weil dieses Jahr gleich zwei Filme mit Luxemburger Beteiligung im Programm der Berlinale laufen. Zum einen die französisch-luxemburgische Koproduktion „Dernier étage gauche gauche“, die am Sonntagabend unter großem Applaus in der Sektion Panorama lief. Und am heutigen Mittwoch wird der österreichisch-luxemburgische Film „Mein bester Feind“ im Wettbewerb gezeigt. Claude Waringo von „Samsa Film“ war deshalb auch in Berlin mit dabei. „Samsa Film“ ist Koproduzent des Streifens mit Moritz Bleibtreu. „Es ist ein gutes Jahr für den Luxemburger Film in Berlin. ‚Mein bester Feind‘ ist ein Film über den zweiten Weltkrieg, eine vielleicht gewagte Mischung aus einem sehr seriösen Thema und einer Komödie. Zwar läuft der Film außer Konkurrenz und kommt somit nicht in Frage für einen der Bären, aber wir sind trotzdem sehr froh, vier Jahre nach ‚Irina Palm‘ wieder mit einer unserer Koproduktionen in Berlin dabei zu sein“, so Waringo.

Guy Daleiden sieht „Durchbruch“

Da für den Nachschub an Fingerfood und Luxemburger Crémant gesorgt war, zog sich der Abend in der Botschaft lange hin. Guy Daleiden war auf jeden Fall froh, sich zum Interview in die Räume der Botschaft im ersten Stock des Gebäudes zurückziehen zu können, um sich kurz vom Trubel auszuruhen. Als Direktor des „Filmfund“ war er natürlich ein besonders gefragter Mann. Kurz nachdem die Filmförderung ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert hat, kann man nun auch auf wichtigen Festivals die Früchte der kontinuierlichen und professionellen Arbeit ernten.

„Dieses Jahr sind nicht nur mehr Leute hier, sondern vor allem auch mehr Leute aus der Filmindustrie. Die vergangenen Jahre war es noch etwas schwierig, die Leute zu bewegen, auf einen Berlinale-Empfang in eine Botschaft zu kommen. Jetzt haben wir den Durchbruch erreicht. Leute aus dem Cineasten-Milieu kommen hierhin, um Luxemburgern zu begegnen und möglich Kooperationen mit ihnen zu erörtern“, so Daleiden.

Unter diesen Umständen kann selbst das traditionell trübe Februar-Wetter in Berlin den Luxemburgern auf der 61. Berlinale nicht die Laune verderben. In Cannes mag das Klima besser sein, aber ob Luxemburg beim dortigen Festival in drei Monaten ähnlich präsent sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Es gibt die eine oder andere Einsendung von Luxemburger Produzenten, aber in Cannes wird das Programm immer erst kurz vor Festivalbeginn bekannt gegeben. „Wir werden sehen“, so Guy Daleiden, der sich aber gestern vor allem über den gelungenen Berlinale-Empfang in der Botschaft freute. Er habe zwar noch keinen Koffer in Berlin, wie das Minister Biltgen von sich behauptete, aber, so Daleiden, „das kommt ja vielleicht noch“.

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