Apr 13 2010

Vorpremiere des Films “Emil”

Published by at 15:54 under Articles,Deutsch

SOURCE: http://www.wort.lu/

Marc Thoma und Pol Tousch greifen das Thema der „Réfractaires“ auf

65 Jahre ist es nun her, dass das schmerzliche Geschichtskapitel des Zweiten Weltkriegs zu Ende ging. Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten, um noch Berichten aus erster Hand über diese düstere Zeit zu lauschen. Nach Nicolas Steils „Réfractaire“, nimmt sich mit Pol Tousch und Marc Thomas „Emil“ erneut ein Film der Geschichte jener jungen Männer an, die, um sich einem Kriegseinsatz in der verhassten Wehrmacht zu entziehen, in den Untergrund gingen.

Ob es wohl Zufall ist, dass die Handlung des Films am 14. April 1943 beginnt? Wahrscheinlich nicht, denn das ausdrückliche Ziel des Drehbuchautors Pol Tousch und Regisseurs Marc Thoma war, ihrem Film die größtmögliche Authentizität zu geben. Nicht von ungefähr wurden historische und gar militärische Experten zu Rate gezogen, damit auch das kleinste Detail der damaligen Realität entspricht.

Tagebuch als Grundlage

Dass ein- und dasselbe Thema jedoch durchaus unterschiedliche Verarbeitungen finden kann, verdeutlichen bereits die ersten Minuten des Films: „Emil“ ist keine Fiktion, sondern basiert auf dem Tagebuch von Emil Schwirtz, der seine Erinnerungen „Réfractaire“ in den zwei Bänden „Tagebuch eines Bunkerjungen“ und „Leiden und Sterben der Luxemburger Jugend“ veröffentlichte. So jongliert auch der Film zwischen Zeitdokumenten, nachgestellten Szenen und Interviews.

In der Hauptrolle des Emil liefert der junge Yves Reuland eine durchaus überzeugende Darbietung, die es vor allem einem jüngeren Publikum sicherlich erleichtert, Zugang zum Film und seinem Geschehen zu finden. Ihm zur Seite stehen u. a. der routinierte Pol Greisch, aber auch Félix Eischen, der hier durchaus schlüssig agiert.

Dass somit nicht die „üblichen Verdächtigen“ der Filmbranche mitspielen, ist demnach durchaus gewollt: „Mit einem unbekannten und ,unverbrauchten‘ Gesicht kann man sich einfacher identifizieren“, so Autor Pol Tousch. „,Emil‘ ist ein Film von Luxemburgern für Luxemburger, auf Luxemburgisch“, erklärt derweil der Produzent Xavier Thillen von Télésparks, der etwas nüchtern feststellt, dass keine staatlichen Hilfen für das Projekt aufzutreiben waren. Folglich musste das 400 000 Euro-Budget aus eigener Tasche, beziehungsweise durch Sponsoren finanziert werden.

Erhalt der Erinnerung

Was den besonderen Reiz des Films ausmacht, ist nicht nur, dass er einem historischen Kapitel der Landesgeschichte ein menschliches Gesicht verleiht, sondern vor allem, dass neben den nachgespielten Szenen ebenfalls der „richtige“ Emil Schwirtz zu Wort kommt. Als wahres Bindeglied zwischen den Nachinszenierungen und historischem Material fungiert ein lehrreicher Kommentar, der von Nico Graf eingängig vorgetragen wird.

Bei dem stetigen Streben nach Authentizität – was, wie die ergriffene und zugleich begeisterte Reaktion der bei der Vorführung anwesenden Zeitzeugen, wie u.a. Guy de Muyser durchaus geglückt scheint – dürfte man „Emil“ die vorhandenen technischen Mängel, sowie inszenatorischen und darstellerischen Schwächen etwas leichter verzeihen.

Denn seine Mission, eine Zeit, in der alltägliches Leben eigentlich ein prekäres Überleben bedeutete, ein ganzes Menschenschicksal in einen Koffer oder Rucksack passte und am seidenen Faden der wohlwollenden Helfer und Zufälle hing, so wahrheitsgetreu wie nur irgend möglich der heutigen Zuschauerschaft näherzubringen, erfüllt er durchaus.

Arbeitsmappe und Arbeitsheft für Schüler

Eine von André Hohengarten für das „Centre de Documentation et de Recherche sur l’Enrôlement Forcé“ ausgearbeitete Arbeitsmappe sowie ein Arbeitsheft liefern das notwendige pädagogische Material, um über den Film hinaus, Lehrern zu ermöglichen das Thema in ihren Klassen zu vertiefen. Erstere Publikation dürfte jedoch nicht nur für Schüler interessantes Hintergrundwissen liefern und erweist sich als aufschlussreiche Lektüre.

„Et gëtt keen richtegen, keen gudden Auswee!“, meint ein Schüler der 2e aus dem „Lycée des Garçons“ im Film nachdenklich, und fasst so nicht nur die Wichtigkeit des Erhalts der Erinnerung, sondern auch die Aufarbeitung dieses Kapitel der nationalen Geschichte zusammen.

Film läuft ab Freitag im regulären Programm

Für die Vorpremiere am Donnerstag, dem 15. April, um 19 Uhr im Utopolis und die Premiere am Freitag, dem 16. April, um 19.30 Uhr im CinéBelval – beide in Anwesenheit der Crew – sind Tickets in den beiden Kinos erhältlich. Der Film läuft ab Freitag, dem 16. April, ebenfalls im regulären Programm.

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Marc Thoma und Pol Tousch greifen das Thema der „Réfractaires“ auf

65 Jahre ist es nun her, dass das schmerzliche Geschichtskapitel des Zweiten Weltkriegs zu Ende ging. Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten, um noch Berichten aus erster Hand über diese düstere Zeit zu lauschen. Nach Nicolas Steils „Réfractaire“, nimmt sich mit Pol Tousch und Marc Thomas „Emil“ erneut ein Film der Geschichte jener jungen Männer an, die, um sich einem Kriegseinsatz in der verhassten Wehrmacht zu entziehen, in den Untergrund gingen.

Ob es wohl Zufall ist, dass die Handlung des Films am 14. April 1943 beginnt? Wahrscheinlich nicht, denn das ausdrückliche Ziel des Drehbuchautors Pol Tousch und Regisseurs Marc Thoma war, ihrem Film die größtmögliche Authentizität zu geben. Nicht von ungefähr wurden historische und gar militärische Experten zu Rate gezogen, damit auch das kleinste Detail der damaligen Realität entspricht.

Tagebuch als Grundlage

Dass ein- und dasselbe Thema jedoch durchaus unterschiedliche Verarbeitungen finden kann, verdeutlichen bereits die ersten Minuten des Films: „Emil“ ist keine Fiktion, sondern basiert auf dem Tagebuch von Emil Schwirtz, der seine Erinnerungen „Réfractaire“ in den zwei Bänden „Tagebuch eines Bunkerjungen“ und „Leiden und Sterben der Luxemburger Jugend“ veröffentlichte. So jongliert auch der Film zwischen Zeitdokumenten, nachgestellten Szenen und Interviews.

In der Hauptrolle des Emil liefert der junge Yves Reuland eine durchaus überzeugende Darbietung, die es vor allem einem jüngeren Publikum sicherlich erleichtert, Zugang zum Film und seinem Geschehen zu finden. Ihm zur Seite stehen u. a. der routinierte Pol Greisch, aber auch Félix Eischen, der hier durchaus schlüssig agiert.

Dass somit nicht die „üblichen Verdächtigen“ der Filmbranche mitspielen, ist demnach durchaus gewollt: „Mit einem unbekannten und ,unverbrauchten‘ Gesicht kann man sich einfacher identifizieren“, so Autor Pol Tousch. „,Emil‘ ist ein Film von Luxemburgern für Luxemburger, auf Luxemburgisch“, erklärt derweil der Produzent Xavier Thillen von Télésparks, der etwas nüchtern feststellt, dass keine staatlichen Hilfen für das Projekt aufzutreiben waren. Folglich musste das 400 000 Euro-Budget aus eigener Tasche, beziehungsweise durch Sponsoren finanziert werden.

Erhalt der Erinnerung

Was den besonderen Reiz des Films ausmacht, ist nicht nur, dass er einem historischen Kapitel der Landesgeschichte ein menschliches Gesicht verleiht, sondern vor allem, dass neben den nachgespielten Szenen ebenfalls der „richtige“ Emil Schwirtz zu Wort kommt. Als wahres Bindeglied zwischen den Nachinszenierungen und historischem Material fungiert ein lehrreicher Kommentar, der von Nico Graf eingängig vorgetragen wird.

Bei dem stetigen Streben nach Authentizität – was, wie die ergriffene und zugleich begeisterte Reaktion der bei der Vorführung anwesenden Zeitzeugen, wie u.a. Guy de Muyser durchaus geglückt scheint – dürfte man „Emil“ die vorhandenen technischen Mängel, sowie inszenatorischen und darstellerischen Schwächen etwas leichter verzeihen.

Denn seine Mission, eine Zeit, in der alltägliches Leben eigentlich ein prekäres Überleben bedeutete, ein ganzes Menschenschicksal in einen Koffer oder Rucksack passte und am seidenen Faden der wohlwollenden Helfer und Zufälle hing, so wahrheitsgetreu wie nur irgend möglich der heutigen Zuschauerschaft näherzubringen, erfüllt er durchaus.

Arbeitsmappe und Arbeitsheft für Schüler

Eine von André Hohengarten für das „Centre de Documentation et de Recherche sur l’Enrôlement Forcé“ ausgearbeitete Arbeitsmappe sowie ein Arbeitsheft liefern das notwendige pädagogische Material, um über den Film hinaus, Lehrern zu ermöglichen das Thema in ihren Klassen zu vertiefen. Erstere Publikation dürfte jedoch nicht nur für Schüler interessantes Hintergrundwissen liefern und erweist sich als aufschlussreiche Lektüre.

„Et gëtt keen richtegen, keen gudden Auswee!“, meint ein Schüler der 2e aus dem „Lycée des Garçons“ im Film nachdenklich, und fasst so nicht nur die Wichtigkeit des Erhalts der Erinnerung, sondern auch die Aufarbeitung dieses Kapitel der nationalen Geschichte zusammen.

Film läuft ab Freitag im regulären Programm

Für die Vorpremiere am Donnerstag, dem 15. April, um 19 Uhr im Utopolis und die Premiere am Freitag, dem 16. April, um 19.30 Uhr im CinéBelval – beide in Anwesenheit der Crew – sind Tickets in den beiden Kinos erhältlich. Der Film läuft ab Freitag, dem 16. April, ebenfalls im regulären Programm.

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