Nov 04 2013

Der Schatzwächter

Published by at 01:47 under CNA

SOURCE: http://www.journal.lu

DÜDELINGEN – PATRICK VERSALL

Jean Back leitet seit 1989 das Centre National de l’Audiovisuel (CNA)

Einen Tag der Offenen Tür“, flüstert CNA-Direktor langsam vor sich hin, „ich glaube den organisieren wir im kommenden Jahr“. Das Centre National de l’Audiovisuel in Düdelingen feiert Anfang 2014 seinen 25. Geburtstag, es bietet sich also eine exzellente Gelegenheit, das Publikum hinter die Kulissen blicken zu lassen. Beim Begriff CNA denken die meisten auch heute nur an das Kino Starlight, die display-Galerien und den Wasserturm mit Edward Steichens „The Bitter Years“-Kollektion. Dass mehrere Spezialisten-Teams unter der Leitung ihres Direktors Jean Back ausgezeichnete Konservierungs- und Restaurierungsarbeit leisten, dessen ist sich die breite Öffentlichkeit kaum bewusst.

Filme aus dem 19. Jahrhundert

Das CNA ist in erster Linie das audiovisuelle Gedächtnis Luxemburgs, ein Gedächtnis, das seit seiner Gründung im Jahr 1989 alle Ton- und Bilddokumente aus luxemburgischer Produktion akribisch zusammengetragen hat. Die Grundidee des CNA ist heute noch so aktuell wie eh und je: „Wir bewahren das audiovisuelle Erbe auf“, so Jean Back und zaubert ein einseitiges Dokument hervor: „Der Gründungsakt des CNA“, lacht er. Es handelt sich um eine Kopie eines vom ehemaligen luxemburgischen Kulturminister Robert Krieps handschriftlich verfassten Dokuments, auf dem dieser die wichtigsten Missionen zusammenfasste, die das CNA erfüllen sollte. „Die Filme, Fotos und Tonaufnahmen sind Zeugen der Vergangenheit, zugleich aber auch Zeugen der Entwicklung der luxemburgischen Gesellschaft“, erklärt Jean Back. Die ältesten Filme, die zurzeit in Düdelingen gelagert sind, stammen aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, die frühesten Tondokumente im Besitz des CNA aus den1940er – „Die Radio-Ansprachen von Großherzogin Charlotte aus dem Zweiten Weltkrieg“.

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Das CNA trägt nun seit einem Viertel-Jahrhundert alle luxemburgischen Ton- und Filmdokumente per „Dépot légal“ zusammen. „Um die 1.000 Ton- und 300 Filmdokumente kommen pro Jahr hinzu“, bemerkt Back. Vor der Gründung des CNA waren die audiovisuellen Erbstücke über das ganze Großherzogtum verstreut. Man wusste natürlich von der Existenz von privaten Archiven; dem Kulturministerium war auch bekannt, dass die CLT und die hauptstädtische Cinémathèque über wertvolle Archive verfügten. Weitere Filme schlummerten im Staatsarchiv. Nachdem per Gesetz die Entstehung des CNA besiegelt worden war, galt es, aus all diesen Quellen ein audiovisuelles Kollektiverbe zusammenzustellen. „Selbstverständlich mussten wir in der Zeit sehr konkrete Gedanken über die Konservierung des Materials anstellen“, erinnert sich Back. Und die Allgemeinheit für das Thema „Audiovisuelles Erbe“ sensibilisieren. Kurz nach der Gründung des CNA wurden erste kritische Stimmen laut, man fürchtet auf einmal, der Staat würde sich privates Ton- und Filmmaterial unter den Nagel reißen. „Um Gottes Willen, das ist nie der Fall gewesen „, schießt es aus Back heraus.

Die Ton- Bild- und Fotoarchive werden in den kommenden Jahren anwachsen, anders als manche Bibliothek wird das CNA keine Lagerengpässe haben. „Wir sparen immer mehr Platz, da in Zukunft die Dokumente vermehrt in digitaler Form reinkommen und wir nahezu bereits alles besitzen, was auf Filmrolle veröffentlicht wurde“, blickt Jean Back optimistisch in die Zukunft.

Ehe das Material in Düdelingen gelagert wird, machen sich die CNA-Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen ein Bild vom aktuellen Zustand der Filme, Fotos und Tondokumenten: In manchen Fällen genügt eine Reinigung, viele kaputte Dokumente können vor Ort restauriert werden. Andere – Filme z.B. – werden für ihre Restaurierung ins Ausland geschickt. Und in Düdelingen digitalisiert.

Spezialarchive

Gelagert werden die Dokumente in speziell temperierten Archiven. „Wir können nicht im Minusbereich arbeiten, das wäre zu aufwendig und zu kostspielig. Wir haben uns deshalb auf zwei Konservierungsmethoden festgelegt: Bei sechs Grad lagern wir z.B. Filme und Fotos auf Glasplatten; bei 16 Grad Magnetbänder, Abzüge oder Videos.“

Für jedes der drei Medien – Film, Ton, und Foto – verfügt das CNA über Spezialabteilungen, die sich durch ihre jeweils sehr unterschiedlichen Arbeitsvorgehensweisen voneinander unterscheiden.

Die audiovisuelle Schatztruhe des CNA wird regelmäßig geöffnet, um den Inhalt in der einen oder anderen Form dem Publikum zu zeigen: Sei es in Buchform -wie der Bestseller d’Stater Kinoen oder als Ausstellung – die „Bitter Years“. „Die Schätze zu zeigen ist wichtig“, betont Jean Back.

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DÜDELINGEN – PATRICK VERSALL

Jean Back leitet seit 1989 das Centre National de l’Audiovisuel (CNA)

Einen Tag der Offenen Tür“, flüstert CNA-Direktor langsam vor sich hin, „ich glaube den organisieren wir im kommenden Jahr“. Das Centre National de l’Audiovisuel in Düdelingen feiert Anfang 2014 seinen 25. Geburtstag, es bietet sich also eine exzellente Gelegenheit, das Publikum hinter die Kulissen blicken zu lassen. Beim Begriff CNA denken die meisten auch heute nur an das Kino Starlight, die display-Galerien und den Wasserturm mit Edward Steichens „The Bitter Years“-Kollektion. Dass mehrere Spezialisten-Teams unter der Leitung ihres Direktors Jean Back ausgezeichnete Konservierungs- und Restaurierungsarbeit leisten, dessen ist sich die breite Öffentlichkeit kaum bewusst.

Filme aus dem 19. Jahrhundert

Das CNA ist in erster Linie das audiovisuelle Gedächtnis Luxemburgs, ein Gedächtnis, das seit seiner Gründung im Jahr 1989 alle Ton- und Bilddokumente aus luxemburgischer Produktion akribisch zusammengetragen hat. Die Grundidee des CNA ist heute noch so aktuell wie eh und je: „Wir bewahren das audiovisuelle Erbe auf“, so Jean Back und zaubert ein einseitiges Dokument hervor: „Der Gründungsakt des CNA“, lacht er. Es handelt sich um eine Kopie eines vom ehemaligen luxemburgischen Kulturminister Robert Krieps handschriftlich verfassten Dokuments, auf dem dieser die wichtigsten Missionen zusammenfasste, die das CNA erfüllen sollte. „Die Filme, Fotos und Tonaufnahmen sind Zeugen der Vergangenheit, zugleich aber auch Zeugen der Entwicklung der luxemburgischen Gesellschaft“, erklärt Jean Back. Die ältesten Filme, die zurzeit in Düdelingen gelagert sind, stammen aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, die frühesten Tondokumente im Besitz des CNA aus den1940er – „Die Radio-Ansprachen von Großherzogin Charlotte aus dem Zweiten Weltkrieg“.

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Das CNA trägt nun seit einem Viertel-Jahrhundert alle luxemburgischen Ton- und Filmdokumente per „Dépot légal“ zusammen. „Um die 1.000 Ton- und 300 Filmdokumente kommen pro Jahr hinzu“, bemerkt Back. Vor der Gründung des CNA waren die audiovisuellen Erbstücke über das ganze Großherzogtum verstreut. Man wusste natürlich von der Existenz von privaten Archiven; dem Kulturministerium war auch bekannt, dass die CLT und die hauptstädtische Cinémathèque über wertvolle Archive verfügten. Weitere Filme schlummerten im Staatsarchiv. Nachdem per Gesetz die Entstehung des CNA besiegelt worden war, galt es, aus all diesen Quellen ein audiovisuelles Kollektiverbe zusammenzustellen. „Selbstverständlich mussten wir in der Zeit sehr konkrete Gedanken über die Konservierung des Materials anstellen“, erinnert sich Back. Und die Allgemeinheit für das Thema „Audiovisuelles Erbe“ sensibilisieren. Kurz nach der Gründung des CNA wurden erste kritische Stimmen laut, man fürchtet auf einmal, der Staat würde sich privates Ton- und Filmmaterial unter den Nagel reißen. „Um Gottes Willen, das ist nie der Fall gewesen „, schießt es aus Back heraus.

Die Ton- Bild- und Fotoarchive werden in den kommenden Jahren anwachsen, anders als manche Bibliothek wird das CNA keine Lagerengpässe haben. „Wir sparen immer mehr Platz, da in Zukunft die Dokumente vermehrt in digitaler Form reinkommen und wir nahezu bereits alles besitzen, was auf Filmrolle veröffentlicht wurde“, blickt Jean Back optimistisch in die Zukunft.

Ehe das Material in Düdelingen gelagert wird, machen sich die CNA-Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen ein Bild vom aktuellen Zustand der Filme, Fotos und Tondokumenten: In manchen Fällen genügt eine Reinigung, viele kaputte Dokumente können vor Ort restauriert werden. Andere – Filme z.B. – werden für ihre Restaurierung ins Ausland geschickt. Und in Düdelingen digitalisiert.

Spezialarchive

Gelagert werden die Dokumente in speziell temperierten Archiven. „Wir können nicht im Minusbereich arbeiten, das wäre zu aufwendig und zu kostspielig. Wir haben uns deshalb auf zwei Konservierungsmethoden festgelegt: Bei sechs Grad lagern wir z.B. Filme und Fotos auf Glasplatten; bei 16 Grad Magnetbänder, Abzüge oder Videos.“

Für jedes der drei Medien – Film, Ton, und Foto – verfügt das CNA über Spezialabteilungen, die sich durch ihre jeweils sehr unterschiedlichen Arbeitsvorgehensweisen voneinander unterscheiden.

Die audiovisuelle Schatztruhe des CNA wird regelmäßig geöffnet, um den Inhalt in der einen oder anderen Form dem Publikum zu zeigen: Sei es in Buchform -wie der Bestseller d’Stater Kinoen oder als Ausstellung – die „Bitter Years“. „Die Schätze zu zeigen ist wichtig“, betont Jean Back.

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