Mar 04 2014

Schon zu Lebzeiten eine Legende

Published by at 15:06 under Deal Production,Discovery Zone

SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Man kennt „de Foxe Fern“ aus den Kabaretteinlagen des ehemaligen „Hei elei, kuck elei“ oder aus den Werbespots der „Luxembourgeoise“. Désirée Nosbusch zeichnet in einem Film das Porträt des facettenreichen Schauspielers.

Eigentlich hatte Désirée Nosbusch die gleichen Klischees im Kopf wie die meisten von uns. Die Beteiligung von Fernand Fox an einer Sendung, in einem Stück oder in einer Show war auch in ihren Augen ein Garant für Stimmung und Humor. Als Schauspielerin kann sie jedoch nachvollziehen, wie viel harte Arbeit hinter den lockeren Sprüchen und komischen Sprüngen steckt, die die Figur eines Schauspielers ausmachen. Deshalb gelingt es ihr auf recht einfühlsame Art und Weise, den Zuschauer durch die Dokumentation zu führen, die sie zusammengestellt hat, um Fernand Fox durch 80 Jahre Leben, davon mehr als 60 auf der Bühne, zu begleiten.

Die Chronologie beginnt am 26. Januar 1934 in seinem Geburtsort, dem luxemburgischen Teil von Bollendorf-Pont. Die Interviews mit den Jugendfreunden und Schulkameraden zeichnen bereits die Umrisse des Menschen auf, den wir während der anderthalb Stunden des Films immer besser kennenlernen. Auch als Kind war „de Fern“ bereits ein Stimmungsmacher, der andere unterhalten konnte.

So war der Schritt auf die Bretter, die die Welt bedeuten, irgendwann selbstverständlich. Doch er kam nicht aus heiterem Himmel, sondern wurde begleitet von einer soliden Ausbildung und einem strengen Meister. Der Begründer der „Compagnons de la scène“ und des „Lëtzebuerger Theater“, Eugène Heinen, war ein strenger Lehrmeister.

Vielleicht zu streng, was bewirkte, dass Fernand Fox, wie viele andere, irgendwann aus der Autorität des Meisters ausbrechen und mit eigenen Flügeln weiterfliegen wollte. Henri Losch, Alice Deutsch, Frank Feitler, Luc Feit, Conny Scheel, André Jung, Andy Bausch und Marc Olinger sind nur einige der Erzähler, die den Zuschauer durch die Welt des Schauspielers führen, immer wieder neue Etappen und Aspekte aufzeichnen. Drei Generationen Schauspieler hat er in seiner langen Karriere begleitet. 2011 setzte er einen Schlussstrich unter das Theaterspiel.

Bretter, die die Welt bedeuten

Dazwischen kommt Fernand Fox selbst zu Wort, denn selbst im Ruhezustand lässt er doch das Heft nicht ganz aus der Hand „well de Foxe Fern spillt natierlech och mat“, wie das immer der Fall war.

Mit dem für Fox so typischen Humor, mit der gleichen professionellen Ernsthaftigkeit erzählt Désirée Nosbusch ihren Zuschauern die Geschichte von Fernand Fox. Sie erklärt, warum der talentierte Schauspieler sein Leben lang einen Brotberuf ausgeübt hat. „Mäi Liewen ass mëttes um fënnef Auer ugaangen“, sagt er in einem Nebensatz. Sie schält heraus, warum Fox nicht ins Ausland ging, wo seine Ängste und Vorbehalte gegenüber einer internationalen Karriere lagen. Sie skizziert seine Abhängigkeit von der Zigarette, deren Loblied er sang, als das noch erlaubt war. Und sie schneidet auf eine sehr elegante, einfühlsame Art seine Homosexualität und seine langjährige Partnerschaft mit Carlo Fetler an, der ihn seit 54 Jahren durchs Leben begleitet.

So entstand ein Film unter Gleichgesinnten, der die Geschichte einer Freundschaft und einer Leidenschaft, aber auch der Luxemburger Theatergeschichte erzählt und der damit auch jene gewinnen kann, die, wie die Autorin dieser Zeilen, eigentlich dem Genre des Dokumentarfilms nicht so sehr anhängen.

Die Frage, ob die jüngeren Generationen für die Erinnerungen zu begeistern sind, die die älteren zurzeit akribisch – und talentiert – aufarbeiten, kann „Succès Fo(u)x“ zwar nicht beantworten, die überwiegend große Zahl an grau- oder weißhaarigen Interviewpartnern gibt jedoch schon einen Teil der Antworten. Alle anderen werden auf jeden Fall die Geschichte einer mit Herz und Seele ausgelebten Leidenschaft entdecken und einen Menschen kennenlernen, den sie bis dahin so nicht gekannt haben.

Im Gegensatz zum Premierenpublikum, das am Sonntagabend den „Tatort“ zugunsten vom „Foxe Fern“ im Stich gelassen hatte, werden sie allerdings nicht das Privileg haben, die Kommentare vom Hauptdarsteller live zu hören. Aber wie es Désirée wollte, ist er trotz allem während genau 76 Minuten dabei.

(Claude Wolf/Tageblatt.lu)

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SOURCE: http://www.tageblatt.lu

Man kennt „de Foxe Fern“ aus den Kabaretteinlagen des ehemaligen „Hei elei, kuck elei“ oder aus den Werbespots der „Luxembourgeoise“. Désirée Nosbusch zeichnet in einem Film das Porträt des facettenreichen Schauspielers.

Eigentlich hatte Désirée Nosbusch die gleichen Klischees im Kopf wie die meisten von uns. Die Beteiligung von Fernand Fox an einer Sendung, in einem Stück oder in einer Show war auch in ihren Augen ein Garant für Stimmung und Humor. Als Schauspielerin kann sie jedoch nachvollziehen, wie viel harte Arbeit hinter den lockeren Sprüchen und komischen Sprüngen steckt, die die Figur eines Schauspielers ausmachen. Deshalb gelingt es ihr auf recht einfühlsame Art und Weise, den Zuschauer durch die Dokumentation zu führen, die sie zusammengestellt hat, um Fernand Fox durch 80 Jahre Leben, davon mehr als 60 auf der Bühne, zu begleiten.

Die Chronologie beginnt am 26. Januar 1934 in seinem Geburtsort, dem luxemburgischen Teil von Bollendorf-Pont. Die Interviews mit den Jugendfreunden und Schulkameraden zeichnen bereits die Umrisse des Menschen auf, den wir während der anderthalb Stunden des Films immer besser kennenlernen. Auch als Kind war „de Fern“ bereits ein Stimmungsmacher, der andere unterhalten konnte.

So war der Schritt auf die Bretter, die die Welt bedeuten, irgendwann selbstverständlich. Doch er kam nicht aus heiterem Himmel, sondern wurde begleitet von einer soliden Ausbildung und einem strengen Meister. Der Begründer der „Compagnons de la scène“ und des „Lëtzebuerger Theater“, Eugène Heinen, war ein strenger Lehrmeister.

Vielleicht zu streng, was bewirkte, dass Fernand Fox, wie viele andere, irgendwann aus der Autorität des Meisters ausbrechen und mit eigenen Flügeln weiterfliegen wollte. Henri Losch, Alice Deutsch, Frank Feitler, Luc Feit, Conny Scheel, André Jung, Andy Bausch und Marc Olinger sind nur einige der Erzähler, die den Zuschauer durch die Welt des Schauspielers führen, immer wieder neue Etappen und Aspekte aufzeichnen. Drei Generationen Schauspieler hat er in seiner langen Karriere begleitet. 2011 setzte er einen Schlussstrich unter das Theaterspiel.

Bretter, die die Welt bedeuten

Dazwischen kommt Fernand Fox selbst zu Wort, denn selbst im Ruhezustand lässt er doch das Heft nicht ganz aus der Hand „well de Foxe Fern spillt natierlech och mat“, wie das immer der Fall war.

Mit dem für Fox so typischen Humor, mit der gleichen professionellen Ernsthaftigkeit erzählt Désirée Nosbusch ihren Zuschauern die Geschichte von Fernand Fox. Sie erklärt, warum der talentierte Schauspieler sein Leben lang einen Brotberuf ausgeübt hat. „Mäi Liewen ass mëttes um fënnef Auer ugaangen“, sagt er in einem Nebensatz. Sie schält heraus, warum Fox nicht ins Ausland ging, wo seine Ängste und Vorbehalte gegenüber einer internationalen Karriere lagen. Sie skizziert seine Abhängigkeit von der Zigarette, deren Loblied er sang, als das noch erlaubt war. Und sie schneidet auf eine sehr elegante, einfühlsame Art seine Homosexualität und seine langjährige Partnerschaft mit Carlo Fetler an, der ihn seit 54 Jahren durchs Leben begleitet.

So entstand ein Film unter Gleichgesinnten, der die Geschichte einer Freundschaft und einer Leidenschaft, aber auch der Luxemburger Theatergeschichte erzählt und der damit auch jene gewinnen kann, die, wie die Autorin dieser Zeilen, eigentlich dem Genre des Dokumentarfilms nicht so sehr anhängen.

Die Frage, ob die jüngeren Generationen für die Erinnerungen zu begeistern sind, die die älteren zurzeit akribisch – und talentiert – aufarbeiten, kann „Succès Fo(u)x“ zwar nicht beantworten, die überwiegend große Zahl an grau- oder weißhaarigen Interviewpartnern gibt jedoch schon einen Teil der Antworten. Alle anderen werden auf jeden Fall die Geschichte einer mit Herz und Seele ausgelebten Leidenschaft entdecken und einen Menschen kennenlernen, den sie bis dahin so nicht gekannt haben.

Im Gegensatz zum Premierenpublikum, das am Sonntagabend den „Tatort“ zugunsten vom „Foxe Fern“ im Stich gelassen hatte, werden sie allerdings nicht das Privileg haben, die Kommentare vom Hauptdarsteller live zu hören. Aber wie es Désirée wollte, ist er trotz allem während genau 76 Minuten dabei.

(Claude Wolf/Tageblatt.lu)

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