Mar 05 2012

Krimi 150 Meter über dem Jenaer Eichplatz

Published by at 04:30 under Deutsch

SOURCE: Ostthüringer Zeitung

Leider! Der Tatort kommt auch künftig nicht aus Jena. Aber immerhin probiert Filmemacher Govinda van Maele die Saalestadt schon mal als Drehort für einen Kurzkrimi aus.

Jena. Als spektakuläre Location hat es dem Luxemburger Dokumentar- und Kurzfilmer der Jentower angetan. Laut Drehbuch (das es nur im Kopf und nicht auf Papier gibt) befindet sich im höchsten Gebäude Thüringens die sicherste Bank des Freistaates. Auf die haben es der gerade aus dem Gefängnis entlassene Bankräuber Rüdiger Witt (Gisbert Giering), sein arbeitsloser Sohn Glyf (Christian Dubeck) und Komplizin Carmen Miosga (Carmen Richter) abgesehen.

Die drei Hauptdarsteller sind Komparsen des Theaterhauses Jena. Gisbert Giering hat schon neun Mal beim Sommerspektakel mitgewirkt. Insgesamt sind sieben Laiendarsteller bei dem einwöchigen Dreh dabei, darunter Hans Deubel aus Kahla, der schon in Tatort- und Polizeiruf-Folgen uniformierte Polizisten gab. Wie der Krimi ausgeht, das verrät der 28-jährige Regisseur und Kameramann natürlich noch nicht. Nur so viel: Am Ende sollen es spannungsgeladene 15 Minuten werden, in denen van Maele die Story filmisch erzählt.

gvm

Gestern Vormittag drehte die kleine Filmcrew die Szenen, in denen sich Bankräuber Rüdiger Witt aus 150 Metern Höhe vom Dach des Jentower in die Bank abseilt. Durch ein Fenster dringt er ein, um seinen Komplizen von innen die Tür zu öffnen. Darsteller Gisbert Giering wird zunächst dabei gefilmt, wie er sich mit einer Maske vor dem Gesicht Tragegestell und Seil anlegt. So wie im großen Spielfilm hängt aber nicht der “Star” am Seil, sondern ein Stuntman in der Kleidung des Schauspielers. Industriekletterer Wolfgang Proft schlüpfte in diese Rolle. Sein Kollege Harald Dieminger begleitet zusammen mit Govinda van Maele und seiner Kamera den Abstieg in der Wartungsgondel.

“Wir haben großes Glück, dass heute Windstille herrscht, sonst hätten wir gar nicht drehen können”, sagt Regieassistentin Nele Wlokas. Die Praktikantin des Theaterhauses hält dem Meister den Rücken frei, organisiert alle Termine und verwaltet das Budget von sage und schreibe 200 Euro. “Kost, Logis und Reisekosten für den Regisseur gehen aber extra”, schmunzelt die Studentin der Kommunikationswissenschaften an der Uni Jena. Ihre Kollegin Arlette Stahl filmt den Stunt am Turm unten vom Eichplatz aus mit zwei weiteren Kameras, “damit später beim Schneiden eine richtige Action-Szene daraus wird”, wie sie sagt.

Nach 20 Minuten ist die Szene mit dem Abseilen “im Kasten”, Wolfgang Proft steht wieder unversehrt auf der Aussichtsplattform des Jentower. “Zwei Frauen sind ganz schön erschrocken, als ich auf einmal vor ihrem Bürofenster auftauchte. Als ich mit der Hand eine Pistole machte, haben sie aber verstanden und sich amüsiert”, sagt der Kletterer.

Heute sollen die Dreharbeiten u. a. mit einer wilden Verfolgungsjagd zwischen Gangstern und Polizei beendet werden. Morgen kehrt Govinda van Maele zurück nach Hause, wo der Schnitt erfolgt. In zwei Monaten will er den Jenaer Krimi im Theaterhaus uraufführen. Ob es beim sperrigen Arbeitstitel “Der Überfall auf die Bank im Intershop Turm” bleibt? “Mal sehen”, sagt der Maestro.

Lutz Prager / 01.03.12 / OTZ

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SOURCE: Ostthüringer Zeitung

Leider! Der Tatort kommt auch künftig nicht aus Jena. Aber immerhin probiert Filmemacher Govinda van Maele die Saalestadt schon mal als Drehort für einen Kurzkrimi aus.

Jena. Als spektakuläre Location hat es dem Luxemburger Dokumentar- und Kurzfilmer der Jentower angetan. Laut Drehbuch (das es nur im Kopf und nicht auf Papier gibt) befindet sich im höchsten Gebäude Thüringens die sicherste Bank des Freistaates. Auf die haben es der gerade aus dem Gefängnis entlassene Bankräuber Rüdiger Witt (Gisbert Giering), sein arbeitsloser Sohn Glyf (Christian Dubeck) und Komplizin Carmen Miosga (Carmen Richter) abgesehen.

Die drei Hauptdarsteller sind Komparsen des Theaterhauses Jena. Gisbert Giering hat schon neun Mal beim Sommerspektakel mitgewirkt. Insgesamt sind sieben Laiendarsteller bei dem einwöchigen Dreh dabei, darunter Hans Deubel aus Kahla, der schon in Tatort- und Polizeiruf-Folgen uniformierte Polizisten gab. Wie der Krimi ausgeht, das verrät der 28-jährige Regisseur und Kameramann natürlich noch nicht. Nur so viel: Am Ende sollen es spannungsgeladene 15 Minuten werden, in denen van Maele die Story filmisch erzählt.

gvm

Gestern Vormittag drehte die kleine Filmcrew die Szenen, in denen sich Bankräuber Rüdiger Witt aus 150 Metern Höhe vom Dach des Jentower in die Bank abseilt. Durch ein Fenster dringt er ein, um seinen Komplizen von innen die Tür zu öffnen. Darsteller Gisbert Giering wird zunächst dabei gefilmt, wie er sich mit einer Maske vor dem Gesicht Tragegestell und Seil anlegt. So wie im großen Spielfilm hängt aber nicht der “Star” am Seil, sondern ein Stuntman in der Kleidung des Schauspielers. Industriekletterer Wolfgang Proft schlüpfte in diese Rolle. Sein Kollege Harald Dieminger begleitet zusammen mit Govinda van Maele und seiner Kamera den Abstieg in der Wartungsgondel.

“Wir haben großes Glück, dass heute Windstille herrscht, sonst hätten wir gar nicht drehen können”, sagt Regieassistentin Nele Wlokas. Die Praktikantin des Theaterhauses hält dem Meister den Rücken frei, organisiert alle Termine und verwaltet das Budget von sage und schreibe 200 Euro. “Kost, Logis und Reisekosten für den Regisseur gehen aber extra”, schmunzelt die Studentin der Kommunikationswissenschaften an der Uni Jena. Ihre Kollegin Arlette Stahl filmt den Stunt am Turm unten vom Eichplatz aus mit zwei weiteren Kameras, “damit später beim Schneiden eine richtige Action-Szene daraus wird”, wie sie sagt.

Nach 20 Minuten ist die Szene mit dem Abseilen “im Kasten”, Wolfgang Proft steht wieder unversehrt auf der Aussichtsplattform des Jentower. “Zwei Frauen sind ganz schön erschrocken, als ich auf einmal vor ihrem Bürofenster auftauchte. Als ich mit der Hand eine Pistole machte, haben sie aber verstanden und sich amüsiert”, sagt der Kletterer.

Heute sollen die Dreharbeiten u. a. mit einer wilden Verfolgungsjagd zwischen Gangstern und Polizei beendet werden. Morgen kehrt Govinda van Maele zurück nach Hause, wo der Schnitt erfolgt. In zwei Monaten will er den Jenaer Krimi im Theaterhaus uraufführen. Ob es beim sperrigen Arbeitstitel “Der Überfall auf die Bank im Intershop Turm” bleibt? “Mal sehen”, sagt der Maestro.

Lutz Prager / 01.03.12 / OTZ

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