Mar 29 2010

Thorunn meets Desirée Nosbusch

Published by at 16:08 under Deutsch

„Was ich mir stets bewahrt habe, ist ein gutes Bauchgefühl“

dnosbusch

Ein Interview von Thorunn mit Desirée Nosbusch.

Désirée Nosbusch ist eine dankbare Interviewpartnerin. Obwohl sie seit Kindesalter bewundert und umschwärmt wird, ist sie bescheiden und hilfsbereit. Ihre Augen sind von einer Gutmütigkeit, der man selten begegnet. Doch dahinter funken die Synapsen einer komplexen, zielstrebigen Frau. Désirée weiß, wie man Menschen zum Zuhören bringt. Das Spiel der medialen Verführung beherrscht sie wie vielleicht keine Luxemburgerin vor ihr. Umso stärker wirkt die Ehrlichkeit, die ihr in diesem Gespräch am Herzen liegt.

Frau Nosbusch, Sie haben mit Ihrem Charme und Ihren Sprachkenntnissen die halbe Welt erobert. Nun leben Sie seit über 20 Jahren im Ausland, pendeln zurzeit zwischen Los Angeles und Berlin. Wie oft kommen Sie nach Luxemburg?

Desirée Nosbusch: Ich nutze jede Gelegenheit, um nach Luxemburg zu kommen. Leider musste ich mein Land sehr früh verlassen. Als ich in diesem Beruf anfing, gab es sehr wenige Möglichkeiten, ihn in Luxemburg auszuüben. Ich war ein junges Mädchen und mein Herz schlug für die Schauspielerei. Meine Mutter sagte mir immer: „Um Schauspielerin zu werden, muss man in Amerika geboren sein. Spiel lieber Klavier. Das kann man auch in Luxemburg lernen.“
Sie selbst musste ihr Heimatland Italien im Alter von zwölf Jahren verlassen, um in der Schweiz und in Luxemburg zu arbeiten. Genau das wollte sie natürlich ihren Kindern ersparen. Also schaute ich mich in Luxemburg um und dachte, vielleicht wäre „Radio Luxemburg“ ein Weg für mich. Ich habe meine Großmutter gefragt, ob der Sender denn auch wirklich in Luxemburg sei. Wir schauten im Telefonbuch nach und fuhren hin. Das erste Mal landeten wir vor dem „Rot-Kreuz“-Gebäude. Die „Villa Louvigny“ fanden wir erst nach dem dritten Anlauf, und hätte ich meine Karriere in Luxemburg fortführen können, wäre ich sicherlich geblieben.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten Sie im zarten Alter von zwölf Jahren bei „Radio Luxemburg“. Dann ging plötzlich alles ganz schnell: Sie waren Kindermoderatorin bei der ARD, bekamen Rollen in großen Filmproduktionen – war das nicht ein enormer psychischer Druck für ein blutjunges Mädchen?

Nosbusch: Man weiß erst im Nachhinein, ob man zu dem Zeitpunkt glücklich war oder nicht. Im Moment selbst kann man das oft sehr schwer beurteilen. Das Schulsystem war damals nicht darauf eingestellt, ein Kind wie mich mit auf seinem Weg zu unterstützen. Ich wurde also langsam zum logistischen Problem. Mir wurde klar gemacht, dass ich nicht mehr ins System passte. Ich musste mich entscheiden und habe die Schule schweren Herzens abgebrochen. Mit 17 zog ich dann nach New York, weil ich nach dem beurteilt werden wollte, was ich wirklich konnte, und nicht nach dem, was die Bild-Zeitung gerade über mich schrieb. Was ich mir im Leben immer bewahrt habe, ist ein gutes Bauchgefühl, eine gute Intuition, einen guten Instinkt. Ich merke, wann man mir zu nahe rückt.

Sie sind glücklich verlobt mit dem sieben Jahre jüngeren Schauspieler Mehmet Kurtulus, den Sie bei den Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „Eine Liebe in Saigon“ kennen gelernt haben. Man munkelt, schon bald treten Sie vor den Traualtar? Wenn das stimmt, wo wird geheiratet? In einer Moschee oder in einer Kirche?

Nosbusch: (lacht) Es steht keine Heirat an. Wirklich nicht. Wenn es stattfinden sollte, dann erst, wenn keiner mehr danach fragt. Mehmet kommt aus einer offenen und liberalen muslimischen Familie. Ich hingegen bin Katholikin, meine Mutter ist Italienerin. Das sagt alles. Es gibt keine Religion, die uns etwas vorschreibt. Wir sind seit Jahren ein Paar. Wir sind sozusagen das beste Beispiel dafür, dass zwei unterschiedliche Kulturen gut miteinander harmonieren können.

Gemeinsam standen Sie jetzt für Dreharbeiten von „Tatort“ vor der Kamera. Ist es einfacher, mit jemandem zusammen zu leben, der aus demselben Arbeitsmilieu kommt?

Nosbusch: Zum Glück haben Mehmet und ich eine sehr ähnliche Auffassung, wie wir unseren Beruf ausüben möchten. In unserer Arbeit geben wir gerne alles, aber wenn es ums Private geht, sind wir sehr sparsam in der Öffentlichkeit. Unser Beruf hat sehr viel mit Geheimnis und Fantasie zu tun und je mehr der Zuschauer glaubt, von mir zu wissen, umso uninteressanter macht es mich doch für ihn. Wir haben uns mit einer neuen Zusammenarbeit Zeit gelassen. Der nächste gemeinsame Film sollte etwas ganz Besonderes sein. Eine spannende Herausforderung.

Sie haben an der University of Southern California Filmproduktion und Regie studiert. Das Gelernte haben Sie in „Ice Cream Sundae“ umgesetzt. War das eine einmalige Sache oder werden Sie in Zukunft öfter als Regisseurin, Produzentin und Autorin mitwirken?

Nosbusch: Ja, ich stecke in der Tat voll in den Vorbereitungen zu meiner ersten Spielfilmregie. Alle meine theoretischen und praktischen Erfahrungen dürfen nun zum Einsatz kommen. Und Humor darf natürlich auch nicht fehlen. Ich habe sechs Jahre lang ein Drehbuch mitentwickelt, das den Titel „Ticket to Lagos“ trägt. Es ist eine „Coming of Age“-Geschichte und erzählt von Liebe, Hoffnung, Verzweiflung und Erlösung. Kurz gesagt, von all den schmerzvollen Schritten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Wolfgang Petersen hat mir vor kurzem in L.A erzählt, er habe zehn Jahre gebraucht, bis sein Film endlich auf der Leinwand zu sehen war. So gesehen liege ich mit meinen sechs Jahren im Mittelfeld.

Für die Tierschutzorganisation „Peta“ haben Sie Ihre Hüllen fallen lassen. Vor Ihrem nackten Oberkörper hielten Sie einen schmucken Fuchs. „Nur so trägt man Pelz“ lautete das Motto der Kampagne. Wie sieht es bei Ihnen zu Hause eigentlich mit Tieren aus?

Nosbusch: Wir haben zwei Ratten. Unser Hase Charlie ist leider verstorben. Meine Kinder wünschen sich seit Jahren einen Hund. Der Grund, warum wir noch keinen haben, ist der Tierschutz, der bei mir ganz oben steht. Ich finde es verantwortungslos, ein Tier zu haben, um das man sich nicht artgerecht kümmern kann. Durch meinen Beruf muss ich einfach zu viel reisen. Ich bin keine Heilige, aber ich unterstütze den Tierschutz mit meinen Möglichkeiten, so gut ich kann.

Info: Das Interview wurde für wort.lu gekürzt. Die vollständige Textversion finden Sie im Luxemburger Wort vom 22. März.

22.03.2010 10:56 Uhr

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„Was ich mir stets bewahrt habe, ist ein gutes Bauchgefühl“

dnosbusch

Ein Interview von Thorunn mit Desirée Nosbusch.

Désirée Nosbusch ist eine dankbare Interviewpartnerin. Obwohl sie seit Kindesalter bewundert und umschwärmt wird, ist sie bescheiden und hilfsbereit. Ihre Augen sind von einer Gutmütigkeit, der man selten begegnet. Doch dahinter funken die Synapsen einer komplexen, zielstrebigen Frau. Désirée weiß, wie man Menschen zum Zuhören bringt. Das Spiel der medialen Verführung beherrscht sie wie vielleicht keine Luxemburgerin vor ihr. Umso stärker wirkt die Ehrlichkeit, die ihr in diesem Gespräch am Herzen liegt.

Frau Nosbusch, Sie haben mit Ihrem Charme und Ihren Sprachkenntnissen die halbe Welt erobert. Nun leben Sie seit über 20 Jahren im Ausland, pendeln zurzeit zwischen Los Angeles und Berlin. Wie oft kommen Sie nach Luxemburg?

Desirée Nosbusch: Ich nutze jede Gelegenheit, um nach Luxemburg zu kommen. Leider musste ich mein Land sehr früh verlassen. Als ich in diesem Beruf anfing, gab es sehr wenige Möglichkeiten, ihn in Luxemburg auszuüben. Ich war ein junges Mädchen und mein Herz schlug für die Schauspielerei. Meine Mutter sagte mir immer: „Um Schauspielerin zu werden, muss man in Amerika geboren sein. Spiel lieber Klavier. Das kann man auch in Luxemburg lernen.“
Sie selbst musste ihr Heimatland Italien im Alter von zwölf Jahren verlassen, um in der Schweiz und in Luxemburg zu arbeiten. Genau das wollte sie natürlich ihren Kindern ersparen. Also schaute ich mich in Luxemburg um und dachte, vielleicht wäre „Radio Luxemburg“ ein Weg für mich. Ich habe meine Großmutter gefragt, ob der Sender denn auch wirklich in Luxemburg sei. Wir schauten im Telefonbuch nach und fuhren hin. Das erste Mal landeten wir vor dem „Rot-Kreuz“-Gebäude. Die „Villa Louvigny“ fanden wir erst nach dem dritten Anlauf, und hätte ich meine Karriere in Luxemburg fortführen können, wäre ich sicherlich geblieben.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten Sie im zarten Alter von zwölf Jahren bei „Radio Luxemburg“. Dann ging plötzlich alles ganz schnell: Sie waren Kindermoderatorin bei der ARD, bekamen Rollen in großen Filmproduktionen – war das nicht ein enormer psychischer Druck für ein blutjunges Mädchen?

Nosbusch: Man weiß erst im Nachhinein, ob man zu dem Zeitpunkt glücklich war oder nicht. Im Moment selbst kann man das oft sehr schwer beurteilen. Das Schulsystem war damals nicht darauf eingestellt, ein Kind wie mich mit auf seinem Weg zu unterstützen. Ich wurde also langsam zum logistischen Problem. Mir wurde klar gemacht, dass ich nicht mehr ins System passte. Ich musste mich entscheiden und habe die Schule schweren Herzens abgebrochen. Mit 17 zog ich dann nach New York, weil ich nach dem beurteilt werden wollte, was ich wirklich konnte, und nicht nach dem, was die Bild-Zeitung gerade über mich schrieb. Was ich mir im Leben immer bewahrt habe, ist ein gutes Bauchgefühl, eine gute Intuition, einen guten Instinkt. Ich merke, wann man mir zu nahe rückt.

Sie sind glücklich verlobt mit dem sieben Jahre jüngeren Schauspieler Mehmet Kurtulus, den Sie bei den Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „Eine Liebe in Saigon“ kennen gelernt haben. Man munkelt, schon bald treten Sie vor den Traualtar? Wenn das stimmt, wo wird geheiratet? In einer Moschee oder in einer Kirche?

Nosbusch: (lacht) Es steht keine Heirat an. Wirklich nicht. Wenn es stattfinden sollte, dann erst, wenn keiner mehr danach fragt. Mehmet kommt aus einer offenen und liberalen muslimischen Familie. Ich hingegen bin Katholikin, meine Mutter ist Italienerin. Das sagt alles. Es gibt keine Religion, die uns etwas vorschreibt. Wir sind seit Jahren ein Paar. Wir sind sozusagen das beste Beispiel dafür, dass zwei unterschiedliche Kulturen gut miteinander harmonieren können.

Gemeinsam standen Sie jetzt für Dreharbeiten von „Tatort“ vor der Kamera. Ist es einfacher, mit jemandem zusammen zu leben, der aus demselben Arbeitsmilieu kommt?

Nosbusch: Zum Glück haben Mehmet und ich eine sehr ähnliche Auffassung, wie wir unseren Beruf ausüben möchten. In unserer Arbeit geben wir gerne alles, aber wenn es ums Private geht, sind wir sehr sparsam in der Öffentlichkeit. Unser Beruf hat sehr viel mit Geheimnis und Fantasie zu tun und je mehr der Zuschauer glaubt, von mir zu wissen, umso uninteressanter macht es mich doch für ihn. Wir haben uns mit einer neuen Zusammenarbeit Zeit gelassen. Der nächste gemeinsame Film sollte etwas ganz Besonderes sein. Eine spannende Herausforderung.

Sie haben an der University of Southern California Filmproduktion und Regie studiert. Das Gelernte haben Sie in „Ice Cream Sundae“ umgesetzt. War das eine einmalige Sache oder werden Sie in Zukunft öfter als Regisseurin, Produzentin und Autorin mitwirken?

Nosbusch: Ja, ich stecke in der Tat voll in den Vorbereitungen zu meiner ersten Spielfilmregie. Alle meine theoretischen und praktischen Erfahrungen dürfen nun zum Einsatz kommen. Und Humor darf natürlich auch nicht fehlen. Ich habe sechs Jahre lang ein Drehbuch mitentwickelt, das den Titel „Ticket to Lagos“ trägt. Es ist eine „Coming of Age“-Geschichte und erzählt von Liebe, Hoffnung, Verzweiflung und Erlösung. Kurz gesagt, von all den schmerzvollen Schritten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Wolfgang Petersen hat mir vor kurzem in L.A erzählt, er habe zehn Jahre gebraucht, bis sein Film endlich auf der Leinwand zu sehen war. So gesehen liege ich mit meinen sechs Jahren im Mittelfeld.

Für die Tierschutzorganisation „Peta“ haben Sie Ihre Hüllen fallen lassen. Vor Ihrem nackten Oberkörper hielten Sie einen schmucken Fuchs. „Nur so trägt man Pelz“ lautete das Motto der Kampagne. Wie sieht es bei Ihnen zu Hause eigentlich mit Tieren aus?

Nosbusch: Wir haben zwei Ratten. Unser Hase Charlie ist leider verstorben. Meine Kinder wünschen sich seit Jahren einen Hund. Der Grund, warum wir noch keinen haben, ist der Tierschutz, der bei mir ganz oben steht. Ich finde es verantwortungslos, ein Tier zu haben, um das man sich nicht artgerecht kümmern kann. Durch meinen Beruf muss ich einfach zu viel reisen. Ich bin keine Heilige, aber ich unterstütze den Tierschutz mit meinen Möglichkeiten, so gut ich kann.

Info: Das Interview wurde für wort.lu gekürzt. Die vollständige Textversion finden Sie im Luxemburger Wort vom 22. März.

22.03.2010 10:56 Uhr

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