Mar 25 2010

Thorunn meets Til Schweiger

Published by at 01:08 under Deutsch

SOURCE: www.wort.lu

“Erfolg schafft Neid”

Ein Interview von Thorunn mit Til Schweiger.

schweiger

Herr Schweiger, Sie haben auf der Berlinale den Film „Inthierryview“ vorgestellt. Was, denken Sie, hätte Thierry zu diesem Film gesagt?

Ehrlich gesagt habe ich den Film noch gar nicht gesehen, weil ich es bis jetzt immer vermieden habe. Ich kenne nur den Trailer, aber da hat Thierry ja noch gelebt. Ich habe gehört, der Film soll schön sein – allerdings auch sehr traurig.

Welche Erinnerungen kommen in Ihnen hoch?

Als ich damals den Trailer gesehen habe, dachten alle, Thierry sei über den Berg. Wir haben ein Plakat vom Film im Büro hängen, und ich habe ein Bild von Thierry zu Hause.

Wie kam es eigentlich zu Ihrer Freundschaft mit Thierry?

Durch „Knockin’ on Heaven’s Door“. Er war der Einzige, den wir nicht casten mussten. Wir wussten, dass er perfekt war für diese Rolle. Den Partner zu Thierry haben wir dann hinzugecastet. Thierry war bei allen Castings dabei, bis wir endlich Moritz Bleibtreu gefunden haben. In unseren Augen hatten die beiden die beste Energie zusammen. Mit Thierry zu arbeiten war immer eine Freude. Er war einer der liebsten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe.

Thierry war kein geschulter Schauspieler. Wie er auch im Film erzählt, rutschte er in das Metier hinein. Was konnte Thierry, was sich andere erst mühsam an der Schauspielschule erarbeiten müssen?

Die Schauspielerei kann man nicht wirklich erlernen. Man kann immer an sich weiter arbeiten und sich im Idealfall verbessern. Doch die Grundlage zum Schauspielern ist das Talent. Da kann man noch so lange auf die Schauspielschule gehen: Wo nichts ist, da ist nichts. Thierry war ein geborenes Talent. Er hat ehrlich und absolut naturalistisch gespielt. Außerdem hatte er eine wahnsinnige Kamerapräsenz. Als er jung war, hatte er dieselbe Kraft wie der junge Mickey Rourke. Das kann man nirgendwo lernen.

Wie war das bei Ihnen auf der Schauspielschule? Was waren Ihre Schwächen, was Ihre Stärken?

Meine Schwächen waren, dass ich mich nie auf diese „Method Acting“-Übungen einlassen konnte. Verstanden habe ich das nie, und deswegen dachte ich immer, ich sei furchtbar schlecht. Doch ich habe eine ganz andere Art und Weise zu arbeiten. Ich nütze meine Fantasie und meine Vorstellungskraft. Sicherlich helfen diese komischen Improvisationübungen manchen Leuten; mir jedoch haben sie fast die Lust an der Schauspielerei genommen. Meine Stärke waren meine Naivität und meine Spielfreude.

Wovon träumten Sie damals? Vom großen Geld oder von künstlerischer Anerkennung?

Ich bin immer Realist gewesen. Vom großen Geld habe ich deswegen nie geträumt. Wenn überhaupt, dann von der künstlerischen Anerkennung. Ich bin ein optimistischer Mensch, doch irgendwo auch ein Zweckpessimist. Damals hatte ich nicht den blassesten Schimmer, ob ich jemals von meinem Beruf leben kann. Die Frage, die sich damals in meinem Kopf stellte, war: Werde ich das schaffen?

Heute haben Sie beides. Trotzdem werden Sie für Ihre populären Filme von vielen Kritikern mit Geringschätzung bedacht.

Erfolg schafft Neid. Den Kritikern fällt es leichter, Filme gut zu besprechen, wenn sie von Anfang an das Gefühl haben, dass der Film an der Kinokasse keinen großen Erfolg haben wird. Wenn der Film dann wider Erwarten ein Erfolg wird, dann sagen sie hinterher: „So doll war der Film auch wieder nicht“, oder sie nehmen sich den nächsten Film des jetzt erfolgreichen Regisseurs vor! Natürlich wünschte ich mir, dass die Kritiker die Begeisterung des Publikums teilen würden, aber ich bin zu lange in diesem Geschäft, um mir da noch Hoffnung zu machen.

Ihr Name ist in den Medien unglaublich präsent. Was tun Sie, um die Normalität aufrechtzuerhalten?

Ganz normal ist mein Leben ja nicht. Ich gehe nicht morgens zur Arbeit und komme dann abends wieder nach Hause. Was meine Person anbelangt, so bin ich ein ganz normaler Mensch. Was mir geholfen hat, ist die Tatsache, dass ich relativ spät zur Schauspielerei gefunden habe. Ich habe meinen ersten Kinofilm mit 28 Jahren gemacht. Ich brauchte das alles nicht, um mich selbst zu verwirklichen. Meine Kinder sind genau so. Sie laufen nicht durch die Gegend und protzen damit, dass ihr Vater berühmt ist. Zu Hause bin ich einfach Papa. Rote-Teppich-Events vermeide ich. Natürlich mache ich das nicht bei meinen eigenen Filmen. Da muss ich mich ja den Fotografen stellen. Aber im Großen und Ganzen stehe ich lieber mit meinen Freuden in einer Ecke und habe meine Ruhe.

Herr Schweiger, wann werden Sie nächstes Mal in Luxemburg sein?

Ich war bis jetzt nur einmal in Luxemburg und das war zur Premiere von „Knockin’ on Heaven’s Door“. Das werde ich nie vergessen, denn es war der Tag, an dem der Film in Deutschland gestartet war. In derselben Nacht hatten wir am Telefon erfahren, dass wir ganz klar auf Platz eins gegangen sind und „Jerry Maguire“ und Tom Cruise total „zerstört“ haben. Alle haben sich ins luxemburgische Nachtleben gestürzt und geschrieen: „Who the fuck is Tom Cruise?“

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SOURCE: www.wort.lu

“Erfolg schafft Neid”

Ein Interview von Thorunn mit Til Schweiger.

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Herr Schweiger, Sie haben auf der Berlinale den Film „Inthierryview“ vorgestellt. Was, denken Sie, hätte Thierry zu diesem Film gesagt?

Ehrlich gesagt habe ich den Film noch gar nicht gesehen, weil ich es bis jetzt immer vermieden habe. Ich kenne nur den Trailer, aber da hat Thierry ja noch gelebt. Ich habe gehört, der Film soll schön sein – allerdings auch sehr traurig.

Welche Erinnerungen kommen in Ihnen hoch?

Als ich damals den Trailer gesehen habe, dachten alle, Thierry sei über den Berg. Wir haben ein Plakat vom Film im Büro hängen, und ich habe ein Bild von Thierry zu Hause.

Wie kam es eigentlich zu Ihrer Freundschaft mit Thierry?

Durch „Knockin’ on Heaven’s Door“. Er war der Einzige, den wir nicht casten mussten. Wir wussten, dass er perfekt war für diese Rolle. Den Partner zu Thierry haben wir dann hinzugecastet. Thierry war bei allen Castings dabei, bis wir endlich Moritz Bleibtreu gefunden haben. In unseren Augen hatten die beiden die beste Energie zusammen. Mit Thierry zu arbeiten war immer eine Freude. Er war einer der liebsten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe.

Thierry war kein geschulter Schauspieler. Wie er auch im Film erzählt, rutschte er in das Metier hinein. Was konnte Thierry, was sich andere erst mühsam an der Schauspielschule erarbeiten müssen?

Die Schauspielerei kann man nicht wirklich erlernen. Man kann immer an sich weiter arbeiten und sich im Idealfall verbessern. Doch die Grundlage zum Schauspielern ist das Talent. Da kann man noch so lange auf die Schauspielschule gehen: Wo nichts ist, da ist nichts. Thierry war ein geborenes Talent. Er hat ehrlich und absolut naturalistisch gespielt. Außerdem hatte er eine wahnsinnige Kamerapräsenz. Als er jung war, hatte er dieselbe Kraft wie der junge Mickey Rourke. Das kann man nirgendwo lernen.

Wie war das bei Ihnen auf der Schauspielschule? Was waren Ihre Schwächen, was Ihre Stärken?

Meine Schwächen waren, dass ich mich nie auf diese „Method Acting“-Übungen einlassen konnte. Verstanden habe ich das nie, und deswegen dachte ich immer, ich sei furchtbar schlecht. Doch ich habe eine ganz andere Art und Weise zu arbeiten. Ich nütze meine Fantasie und meine Vorstellungskraft. Sicherlich helfen diese komischen Improvisationübungen manchen Leuten; mir jedoch haben sie fast die Lust an der Schauspielerei genommen. Meine Stärke waren meine Naivität und meine Spielfreude.

Wovon träumten Sie damals? Vom großen Geld oder von künstlerischer Anerkennung?

Ich bin immer Realist gewesen. Vom großen Geld habe ich deswegen nie geträumt. Wenn überhaupt, dann von der künstlerischen Anerkennung. Ich bin ein optimistischer Mensch, doch irgendwo auch ein Zweckpessimist. Damals hatte ich nicht den blassesten Schimmer, ob ich jemals von meinem Beruf leben kann. Die Frage, die sich damals in meinem Kopf stellte, war: Werde ich das schaffen?

Heute haben Sie beides. Trotzdem werden Sie für Ihre populären Filme von vielen Kritikern mit Geringschätzung bedacht.

Erfolg schafft Neid. Den Kritikern fällt es leichter, Filme gut zu besprechen, wenn sie von Anfang an das Gefühl haben, dass der Film an der Kinokasse keinen großen Erfolg haben wird. Wenn der Film dann wider Erwarten ein Erfolg wird, dann sagen sie hinterher: „So doll war der Film auch wieder nicht“, oder sie nehmen sich den nächsten Film des jetzt erfolgreichen Regisseurs vor! Natürlich wünschte ich mir, dass die Kritiker die Begeisterung des Publikums teilen würden, aber ich bin zu lange in diesem Geschäft, um mir da noch Hoffnung zu machen.

Ihr Name ist in den Medien unglaublich präsent. Was tun Sie, um die Normalität aufrechtzuerhalten?

Ganz normal ist mein Leben ja nicht. Ich gehe nicht morgens zur Arbeit und komme dann abends wieder nach Hause. Was meine Person anbelangt, so bin ich ein ganz normaler Mensch. Was mir geholfen hat, ist die Tatsache, dass ich relativ spät zur Schauspielerei gefunden habe. Ich habe meinen ersten Kinofilm mit 28 Jahren gemacht. Ich brauchte das alles nicht, um mich selbst zu verwirklichen. Meine Kinder sind genau so. Sie laufen nicht durch die Gegend und protzen damit, dass ihr Vater berühmt ist. Zu Hause bin ich einfach Papa. Rote-Teppich-Events vermeide ich. Natürlich mache ich das nicht bei meinen eigenen Filmen. Da muss ich mich ja den Fotografen stellen. Aber im Großen und Ganzen stehe ich lieber mit meinen Freuden in einer Ecke und habe meine Ruhe.

Herr Schweiger, wann werden Sie nächstes Mal in Luxemburg sein?

Ich war bis jetzt nur einmal in Luxemburg und das war zur Premiere von „Knockin’ on Heaven’s Door“. Das werde ich nie vergessen, denn es war der Tag, an dem der Film in Deutschland gestartet war. In derselben Nacht hatten wir am Telefon erfahren, dass wir ganz klar auf Platz eins gegangen sind und „Jerry Maguire“ und Tom Cruise total „zerstört“ haben. Alle haben sich ins luxemburgische Nachtleben gestürzt und geschrieen: „Who the fuck is Tom Cruise?“

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