Apr 01 2010

Ein Amateur hat sein Publikum – Woody Allen in der Philarmonie

Published by at 01:33 under Deutsch

SOURCE: http://www.volksfreund.de

Ein Amateur hat sein Publikum

New Orleans Jazz steht auf dem Programm, wenn Woody Allen in Luxemburg Station macht. Karten für diesen Abend gab es schon lange nicht mehr. Die Zuschauer erlebten einen gutgelaunten Amateur-Musiker – der sich auch selbst nicht sonderlich ernst nimmt.

woody

Luxemburg. (gkl) Hoher Besuch in der Luxemburger Philharmonie. Zu Gast war Woody Allen, der Schauspieler, Regisseur, Autor und Komiker. Er brachte dem Musentempel am Place de l’Europe ein ausverkauftes Haus. Allen war aber nicht gekommen, um einen Film zu drehen oder Regie zu führen. Nein, er war in Luxemburg, um Musik zu machen. Angekündigt hatte man “Woody Allen und seine New Orleans Jazz Band”. Strenggenommen war das eine klare Falschaussage, denn das Ensemble mit Simon Wettenhall (Trompete), Jerry Zigmont (Posaune), Conal Fowkes (Klavier und Kontrabass) und John Gill am Schlagzeug agiert unter der Leitung des Banjospielers Eddy Davis, der Allen als Bandmitglied in die Reihe geholt hat. Aber natürlich ist Allen der Frontmann. Er ist die Person, die das Publikum anzieht.

Allen ist ehrlich zu seinem Publikum und macht ihm nichts vor. Allen über Allen: “Ich bin bloß ein Amateur-Klarinettist. Wenn ich nicht berühmt wäre, kämen die Leute nicht zu meinen Konzerten. Sie kommen mehr, um mich zu sehen, als um mich zu hören.” Und in der Tat mochte man sich musikalisch fragen, ob die 75 Euro in der besten Kategorie für den Abend wohl gerechtfertigt waren. Obwohl der 75-Jährige seit 60 Jahren Klarinette spielt, ist er doch über den Amateurstatus nicht hinaus gekommen. Was er seinem Instrument entlockte, klang manchmal eher nach einer quakenden Ente, es holperte und es trötete.

Allen, der nie Notenlesen gelernt hat, war stolz darauf, in Luxemburg spielen zu können und meinte zur Philharmonie: “In diesem wunderbaren Raum klingen wir besser, als wir sind.” Richtig überzeugen konnte die gesamte Band aber nicht. Bestes Mitglied war Conal Fowkes am Flügel und auch Jerry Zigmont konnte sich in der Riege der nicht mehr ganz jungen Herren sehen lassen.

Neben den instrumentalen Schwächen waren es insbesondere die vokalen Einlagen von Eddy Davis und John Gill, deren Qualität zu wünschen übrigließen. Aber auch hier musste man Allen beim Wort nehmen, der zu Anfang des Abends gesagt hatte: “Lehnen sie sich zurück. Wir tun unser Bestes.” Dies wurde am Ende mit begeistertem Applaus gefeiert.

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Ein Amateur hat sein Publikum

New Orleans Jazz steht auf dem Programm, wenn Woody Allen in Luxemburg Station macht. Karten für diesen Abend gab es schon lange nicht mehr. Die Zuschauer erlebten einen gutgelaunten Amateur-Musiker – der sich auch selbst nicht sonderlich ernst nimmt.

woody

Luxemburg. (gkl) Hoher Besuch in der Luxemburger Philharmonie. Zu Gast war Woody Allen, der Schauspieler, Regisseur, Autor und Komiker. Er brachte dem Musentempel am Place de l’Europe ein ausverkauftes Haus. Allen war aber nicht gekommen, um einen Film zu drehen oder Regie zu führen. Nein, er war in Luxemburg, um Musik zu machen. Angekündigt hatte man “Woody Allen und seine New Orleans Jazz Band”. Strenggenommen war das eine klare Falschaussage, denn das Ensemble mit Simon Wettenhall (Trompete), Jerry Zigmont (Posaune), Conal Fowkes (Klavier und Kontrabass) und John Gill am Schlagzeug agiert unter der Leitung des Banjospielers Eddy Davis, der Allen als Bandmitglied in die Reihe geholt hat. Aber natürlich ist Allen der Frontmann. Er ist die Person, die das Publikum anzieht.

Allen ist ehrlich zu seinem Publikum und macht ihm nichts vor. Allen über Allen: “Ich bin bloß ein Amateur-Klarinettist. Wenn ich nicht berühmt wäre, kämen die Leute nicht zu meinen Konzerten. Sie kommen mehr, um mich zu sehen, als um mich zu hören.” Und in der Tat mochte man sich musikalisch fragen, ob die 75 Euro in der besten Kategorie für den Abend wohl gerechtfertigt waren. Obwohl der 75-Jährige seit 60 Jahren Klarinette spielt, ist er doch über den Amateurstatus nicht hinaus gekommen. Was er seinem Instrument entlockte, klang manchmal eher nach einer quakenden Ente, es holperte und es trötete.

Allen, der nie Notenlesen gelernt hat, war stolz darauf, in Luxemburg spielen zu können und meinte zur Philharmonie: “In diesem wunderbaren Raum klingen wir besser, als wir sind.” Richtig überzeugen konnte die gesamte Band aber nicht. Bestes Mitglied war Conal Fowkes am Flügel und auch Jerry Zigmont konnte sich in der Riege der nicht mehr ganz jungen Herren sehen lassen.

Neben den instrumentalen Schwächen waren es insbesondere die vokalen Einlagen von Eddy Davis und John Gill, deren Qualität zu wünschen übrigließen. Aber auch hier musste man Allen beim Wort nehmen, der zu Anfang des Abends gesagt hatte: “Lehnen sie sich zurück. Wir tun unser Bestes.” Dies wurde am Ende mit begeistertem Applaus gefeiert.

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