Mar 10 2013

Gewürzte Kürze

Published by at 01:38 under Discovery Zone

SOURCE: http://www.journal.lu

Kurzfilm- und Animationsfilmabend des Discovery Zone-Festivals
LUXEMBURG, CHRISTIAN SPIELMANN

Am Mittwochabend fand die zweite Luxemburger Kurzfilm-Gala des Discovery Zone Filmfestivals im „Utopolis“ statt. Fünf Animations- und zwei Kurzfilme standen auf dem Programm. Françoise Lentz vom Film Fund und Joy Hoffmann vom CNA präsentierten die Filme.

„Géi du scho mol vir“

… von Govinda Van Maele wurde mit Spannung erwartet, da er letztes Jahr mit „En Dag am Fräien“ den „Lëtzebuerger Filmpräis“ gewann. Camille (François Kox) und Alex (Sven Breden) sind Freunde. Während eines Einbruchs finden sie eine Waffe, die sie verkaufen wollen, um Drogen in Holland zu erstehen. Sie stehlen kurzerhand ein Auto. Bei einem Überfall auf eine Tankstelle kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Wieder hat der junge Regisseur mit Amateuren gedreht, die in ihren Rollen voll überzeugen, und erneut ein ansprechendes Werk realisiert, das speziell durch seine Bilder und die Tonkulisse besticht. Der offene Schluss wurde nach der Premiere in allen möglichen Varianten durchdiskutiert. „22h22“ ist ein 19-minütiger, fantastischer Film von Julien Becker. Der Angestellte Franck (Hervé Song) ist auf seinem Arbeitsplatz eingenickt. Als er wach wird, stellt er schnell fest, dass er in der Zeit gefangen ist. Alle Uhren stehen auf 22.22. Egal was er macht, er entkommt dem Teufelskreis nicht, der sich allerdings zeitlich in die Zukunft verschiebt. Eine außergewöhnliche Tonarbeit, irritierende Kameraeinstellungen, die an „Vertico“ erinnern, und ein wirkungsvoller Schnitt machen aus Beckers erstem, von „Skull Lab“ produzierten Film ein interessantes Werk, dessen Schluss ebenfalls für angeregte Diskussionen sorgte.

Animation in Hülle und Fülle

„Émilie“ ist der zweite Animationsfilm von Olivier Pechs („Le Gardine du NiCd“). Die kleine Emilie lebt mit ihrem erfinderischen Vater auf einem Schrottplatz. Eines Tages entdeckt sie drei Affen in einem Baum. Sie helfen ihr, die neue Erfindung ihres Vaters zum Laufen zu bringen. Nun können aus Schrott Samenkerne für Metallbäume hergestellt werden. Lustig, originell und mit vielen Details versehen, ist „Emilie“ ein äußerst gelungenes Filmchen.
„La chute de la maison Usher“ von Raul Garcia, der in den Walt Disney Studios gearbeitet hat und jetzt bei Kandor Graphics sein Geld verdient , basiert auf einem Edgar Allen Poe Roman. Christopher Lee erzählt die Geschichte von Roderick Usher und seinem Freund Frederick. Diese beiden Hauptfiguren bestechen besonders durch ihre hölzernen Gesichtsausdrücke, was den Film von den konventionellen Zeichentrickfilmen abhebt.
In „M. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares nimmt die Hauptfigur einen kleinen Hund bei sich auf. Der metallene Vierbeiner wächst und wächst, sodass sich sein Herrchen etwas einfallen lassen muss. Die beiden Regisseure sind sehr detailverliebt, mit einem Hang zum Surrealen. Witzig und originell kann auch dieser Kurzfilm gefallen.
„The Night Light Monster“ von Nicola Coppak war sicher der konventionell bravste Animationsfilm, der sich durch seine Geschichte eher an ein junges Publikum richtet. Ein kleines Mädchen wird in seinem Schlaf von einem Monster gejagt und landet in einer anderen Welt, wo es sich mit einer Art Dinosaurier anfreundet, das es gegen das schwarze Untier verteidigt.
Die Arie „Una Furtiva Lagrima“ aus „L’elisir d’amore“ von Gaetano Donizetti, gesungen von Enrico Caruso, nahm Regisseur Carlo Vogele zum Anlass, einen Fisch singen zu lassen. Er hat den dreiminütigen Film „Una Furtiva Lagrima“ in seiner Küche in San Francisco gedreht, wo er als Zeichner bei Pixar arbeitet. Obwohl man die Fäden sieht, an denen die toten Fische bewegt wurden, ist dieser Kurzfilm sicher das originellste Werk des Abends gewesen.

Comments

comments

SOURCE: http://www.journal.lu

Kurzfilm- und Animationsfilmabend des Discovery Zone-Festivals
LUXEMBURG, CHRISTIAN SPIELMANN

Am Mittwochabend fand die zweite Luxemburger Kurzfilm-Gala des Discovery Zone Filmfestivals im „Utopolis“ statt. Fünf Animations- und zwei Kurzfilme standen auf dem Programm. Françoise Lentz vom Film Fund und Joy Hoffmann vom CNA präsentierten die Filme.

„Géi du scho mol vir“

… von Govinda Van Maele wurde mit Spannung erwartet, da er letztes Jahr mit „En Dag am Fräien“ den „Lëtzebuerger Filmpräis“ gewann. Camille (François Kox) und Alex (Sven Breden) sind Freunde. Während eines Einbruchs finden sie eine Waffe, die sie verkaufen wollen, um Drogen in Holland zu erstehen. Sie stehlen kurzerhand ein Auto. Bei einem Überfall auf eine Tankstelle kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Wieder hat der junge Regisseur mit Amateuren gedreht, die in ihren Rollen voll überzeugen, und erneut ein ansprechendes Werk realisiert, das speziell durch seine Bilder und die Tonkulisse besticht. Der offene Schluss wurde nach der Premiere in allen möglichen Varianten durchdiskutiert. „22h22“ ist ein 19-minütiger, fantastischer Film von Julien Becker. Der Angestellte Franck (Hervé Song) ist auf seinem Arbeitsplatz eingenickt. Als er wach wird, stellt er schnell fest, dass er in der Zeit gefangen ist. Alle Uhren stehen auf 22.22. Egal was er macht, er entkommt dem Teufelskreis nicht, der sich allerdings zeitlich in die Zukunft verschiebt. Eine außergewöhnliche Tonarbeit, irritierende Kameraeinstellungen, die an „Vertico“ erinnern, und ein wirkungsvoller Schnitt machen aus Beckers erstem, von „Skull Lab“ produzierten Film ein interessantes Werk, dessen Schluss ebenfalls für angeregte Diskussionen sorgte.

Animation in Hülle und Fülle

„Émilie“ ist der zweite Animationsfilm von Olivier Pechs („Le Gardine du NiCd“). Die kleine Emilie lebt mit ihrem erfinderischen Vater auf einem Schrottplatz. Eines Tages entdeckt sie drei Affen in einem Baum. Sie helfen ihr, die neue Erfindung ihres Vaters zum Laufen zu bringen. Nun können aus Schrott Samenkerne für Metallbäume hergestellt werden. Lustig, originell und mit vielen Details versehen, ist „Emilie“ ein äußerst gelungenes Filmchen.
„La chute de la maison Usher“ von Raul Garcia, der in den Walt Disney Studios gearbeitet hat und jetzt bei Kandor Graphics sein Geld verdient , basiert auf einem Edgar Allen Poe Roman. Christopher Lee erzählt die Geschichte von Roderick Usher und seinem Freund Frederick. Diese beiden Hauptfiguren bestechen besonders durch ihre hölzernen Gesichtsausdrücke, was den Film von den konventionellen Zeichentrickfilmen abhebt.
In „M. Hublot“ von Laurent Witz und Alexandre Espigares nimmt die Hauptfigur einen kleinen Hund bei sich auf. Der metallene Vierbeiner wächst und wächst, sodass sich sein Herrchen etwas einfallen lassen muss. Die beiden Regisseure sind sehr detailverliebt, mit einem Hang zum Surrealen. Witzig und originell kann auch dieser Kurzfilm gefallen.
„The Night Light Monster“ von Nicola Coppak war sicher der konventionell bravste Animationsfilm, der sich durch seine Geschichte eher an ein junges Publikum richtet. Ein kleines Mädchen wird in seinem Schlaf von einem Monster gejagt und landet in einer anderen Welt, wo es sich mit einer Art Dinosaurier anfreundet, das es gegen das schwarze Untier verteidigt.
Die Arie „Una Furtiva Lagrima“ aus „L’elisir d’amore“ von Gaetano Donizetti, gesungen von Enrico Caruso, nahm Regisseur Carlo Vogele zum Anlass, einen Fisch singen zu lassen. Er hat den dreiminütigen Film „Una Furtiva Lagrima“ in seiner Küche in San Francisco gedreht, wo er als Zeichner bei Pixar arbeitet. Obwohl man die Fäden sieht, an denen die toten Fische bewegt wurden, ist dieser Kurzfilm sicher das originellste Werk des Abends gewesen.

Comments

comments

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply