Mar 07 2013

Made in Luxembourg

Published by at 05:36 under Discovery Zone

SOURCE: http://www.journal.lu

Luxemburgische Produktionen waren die Publikumsmagneten am ersten Discovery Zone-Wochenende

Das dritte Discovery Zone-Filmfestival kannte am ersten Wochenende einen riesigen Erfolg, der eigentlich alle Erwartungen übertraf. Das gesamte Team hatten alle Hände voll zu tun, um allen Wünschen nachzukommen. Die meisten Zuschauer wollten allerdings die luxemburgischen Beiträge im „Utopia“ sehen.

Kurzweilig

Myriam Muller präsentierte mit „Le chagrin des ogresses“ ihren zweiten Kurzfilm, ein traurig stimmender Film über ein Mädchen, Céline (Elise Bonillo), das unheilbar an einem Hirntumor erkrankt ist.
Als ihre lange Zeit verschwundene Mutter Marion (Sabine Timoteo) unerwartet auftaucht, ist ihr Vater (Jules Werner) nicht begeistert, wird dann sogar wütend, als sie mit Céline verschwindet. Marion will ihrer Tochter noch ein paar schöne Stunden bieten.
Mit einem beklemmenden Schluss endet dieses handwerklich gut inszenierte Werk. Timoteo und Bonillo können durch ihre Darstellung gefallen. „Errances“ von Marylène Andrin erzählt, wie die junge Emilie (Eugènie Anselin) immer tiefer in die Drogen-Abhängigkeit rutscht. Sie zieht den seit kurzem sauberen Andrea (Luc Schiltz) wieder mit hinein in diesen Teufelskreis. Auch dieser erste Kurzfilm ist gut in Szene gesetzt und profitiert von dem außergewöhnlichen Talent der zwei jungen Schauspielern. „Le faux départ“ von Thierry Besseling und Loïc Tanson spielt in Burkina Faso. Rakiswendé Zongo will die Nächstenliebe in die Tat umsetzen, macht sich dabei aber nicht wirklich beliebt. Das Regieteam hätte dieser Idee mehr Impulse geben können, sie weiter ausbauen können. Der schwache moralisierenden Schluss, dass die kleine Rakiswendé noch Zeit hat, sich für andere Menschen einzusetzen, enttäuscht.

Tod unter dem Feigenbaum

Es ist eine Seltenheit, dass eine fast 99-Jährige eine „nur“ 95 Jahre alte Frau spielt, die bald sterben wird. Gisèle Casadesus spielt diese Dame, Selma, in Anne-Marie Etiennes „Sous le figuier“, eine Tarantula-Co-Produktion. Zusammen mit drei Menschen, die ihre Probleme mit der Liebe haben, Nathalie (Anne Consigny), Christophe (Jonathan Zaccaï) und Joelle (Marie Kremer), verbringt sie die letzten Tage ihres Lebens in einem Ferienhaus. Sie versucht ihren drei Freunden die Angst zu nehmen, im Leben und in der Liebe zu versagen, indem sie ihnen wieder Freude und neue Energie verleiht. „Sous le figuier“ bietet einfache, sympathische und positive Unterhaltung, mit einer energiegeladenen Frau, die am 14. Juni 99 Jahre alt wird.

Maskenspiel

Das neue Werk von Pol Cruchten „Never Die Young“ wird die einen zum Staunen bringen, andere wiederum zweifeln lassen, ob diese neue Annäherung an das Genre des Dokumentarfilms angebracht ist. Robinson Stevenin erzählt voice-over die Geschichte von Guido, der 1959 in Petingen auf die Welt kam. Sein Leben besteht nur aus Drogen, selbst dann, als er gelähmt in einem Rollstuhl landet. Immer wieder findet er Menschen, die ihn in seiner Sucht unterstützen. Die Bilder von Cruchtens Stammkamerachef Jerzy Palacz sind keine historischen Aufnahmen. Nein, die Bilder wurden heute gefilmt, in den Straßen von Petingen, im Bahnhof oder in den anderen Orten, wo sich Guidos Leben abspielte. Verschiedene Szenen sind von Schauspielern nachgestellt, die stets Masken tragen. 66 Minuten Laufzeit vergehen im Nu und hinterlassen einen ungewöhnlichen Eindruck.
Die Lebensgeschichte von Guido (er starb 2011) ist eine Mischung aus starren Kameraaufnahmen und Fiktion. Sie fasziniert und erschreckt zugleich. Cruchten hat dem Genre des Dokumentarfilms jedenfalls neue interessante Impulse verliehen.

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Luxemburgische Produktionen waren die Publikumsmagneten am ersten Discovery Zone-Wochenende

Das dritte Discovery Zone-Filmfestival kannte am ersten Wochenende einen riesigen Erfolg, der eigentlich alle Erwartungen übertraf. Das gesamte Team hatten alle Hände voll zu tun, um allen Wünschen nachzukommen. Die meisten Zuschauer wollten allerdings die luxemburgischen Beiträge im „Utopia“ sehen.

Kurzweilig

Myriam Muller präsentierte mit „Le chagrin des ogresses“ ihren zweiten Kurzfilm, ein traurig stimmender Film über ein Mädchen, Céline (Elise Bonillo), das unheilbar an einem Hirntumor erkrankt ist.
Als ihre lange Zeit verschwundene Mutter Marion (Sabine Timoteo) unerwartet auftaucht, ist ihr Vater (Jules Werner) nicht begeistert, wird dann sogar wütend, als sie mit Céline verschwindet. Marion will ihrer Tochter noch ein paar schöne Stunden bieten.
Mit einem beklemmenden Schluss endet dieses handwerklich gut inszenierte Werk. Timoteo und Bonillo können durch ihre Darstellung gefallen. „Errances“ von Marylène Andrin erzählt, wie die junge Emilie (Eugènie Anselin) immer tiefer in die Drogen-Abhängigkeit rutscht. Sie zieht den seit kurzem sauberen Andrea (Luc Schiltz) wieder mit hinein in diesen Teufelskreis. Auch dieser erste Kurzfilm ist gut in Szene gesetzt und profitiert von dem außergewöhnlichen Talent der zwei jungen Schauspielern. „Le faux départ“ von Thierry Besseling und Loïc Tanson spielt in Burkina Faso. Rakiswendé Zongo will die Nächstenliebe in die Tat umsetzen, macht sich dabei aber nicht wirklich beliebt. Das Regieteam hätte dieser Idee mehr Impulse geben können, sie weiter ausbauen können. Der schwache moralisierenden Schluss, dass die kleine Rakiswendé noch Zeit hat, sich für andere Menschen einzusetzen, enttäuscht.

Tod unter dem Feigenbaum

Es ist eine Seltenheit, dass eine fast 99-Jährige eine „nur“ 95 Jahre alte Frau spielt, die bald sterben wird. Gisèle Casadesus spielt diese Dame, Selma, in Anne-Marie Etiennes „Sous le figuier“, eine Tarantula-Co-Produktion. Zusammen mit drei Menschen, die ihre Probleme mit der Liebe haben, Nathalie (Anne Consigny), Christophe (Jonathan Zaccaï) und Joelle (Marie Kremer), verbringt sie die letzten Tage ihres Lebens in einem Ferienhaus. Sie versucht ihren drei Freunden die Angst zu nehmen, im Leben und in der Liebe zu versagen, indem sie ihnen wieder Freude und neue Energie verleiht. „Sous le figuier“ bietet einfache, sympathische und positive Unterhaltung, mit einer energiegeladenen Frau, die am 14. Juni 99 Jahre alt wird.

Maskenspiel

Das neue Werk von Pol Cruchten „Never Die Young“ wird die einen zum Staunen bringen, andere wiederum zweifeln lassen, ob diese neue Annäherung an das Genre des Dokumentarfilms angebracht ist. Robinson Stevenin erzählt voice-over die Geschichte von Guido, der 1959 in Petingen auf die Welt kam. Sein Leben besteht nur aus Drogen, selbst dann, als er gelähmt in einem Rollstuhl landet. Immer wieder findet er Menschen, die ihn in seiner Sucht unterstützen. Die Bilder von Cruchtens Stammkamerachef Jerzy Palacz sind keine historischen Aufnahmen. Nein, die Bilder wurden heute gefilmt, in den Straßen von Petingen, im Bahnhof oder in den anderen Orten, wo sich Guidos Leben abspielte. Verschiedene Szenen sind von Schauspielern nachgestellt, die stets Masken tragen. 66 Minuten Laufzeit vergehen im Nu und hinterlassen einen ungewöhnlichen Eindruck.
Die Lebensgeschichte von Guido (er starb 2011) ist eine Mischung aus starren Kameraaufnahmen und Fiktion. Sie fasziniert und erschreckt zugleich. Cruchten hat dem Genre des Dokumentarfilms jedenfalls neue interessante Impulse verliehen.

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