Feb 22 2010

Überwältigende Ovation des Luxemburger Publikums an Pierre Brice

Published by at 15:48 under Events & Projects

SOURCE: http://www.journal.lu

Der Winnetou-Abend im „Utopolis“ war vom CNA organisiert worden, und niemand hatte mit diesem Erfolg gerechnet. Seit Tagen war der fast 500 Sitzplätze fassende Saal 10 ausverkauft. Als Pierre Brice den Saal in Begleitung seiner Frau Hella betrat, gab es stehende Ovationen. Das Paar begleiteten der Filmproduzent Christian Mozinger und der Filmrestaurateur Eckhard Sieker. Die Dokumentation „Winnetou darf nicht sterben“ beschrieb in rund 60 Minuten das Phänomen der Karl-May-Verfilmungen in Deutschland. Man erlebte Pierre Brice als Fotomodell, sah Ausschnitte aus seinen ersten Filmen, die Drohbriefe an Wendlandt wurden gezeigt, und Rik Battaglia, der die Rolle des Winnetou-Mörders Rollins im dritten Teil spielte, erinnerte sich, wie sehr ihn die Leute danach auch privat „hassten“.
Anschließend moderierte Joy Hoffmann eine Gesprächsrunde mit Pierre Brice, der sichtlich überwältigt war. Eine Frau aus dem Publikum erzählte, dass sie in ihrer Jugend immer nur Old Shatterhand spielen durfte und ihre Freundin Winnetou, wegen ihren langen Haare. Ein Zuschauer erinnerte sich an ein Foto, auf dem Pierre Brice einen verbundenen Finger hatte, doch der Schauspieler versicherte, dass er seine Stunts selbst ausführte, auch wenn das mal zu Blessuren führte. Brice sprach über seinen Freund Lex Barker und darüber, wie unbeliebt dagegen Stewart Granger als Old Surehand war. Auf der Heimreise von Kroatien über Italien wurde dieser vom Zoll angehalten und kontrolliert. Und siehe da: in seinem Koffer befand sich „ge-klautes“ Besteck aus dem Hotel. Das Hotelpersonal hatte es heimlich im Koffer versteckt und den Zoll angerufen, um sich so wegen seiner arroganten Art an ihm zu rächen.

Die folgende Autogrammstunde war unglaublich. Schätzungsweise 120 bis 140 Zuschauer standen Schlange, um ein Autogramm ihres Lieblingsschauspielers zu ergattern. Der Filmstart von „Der Schatz im Silbersee“ verzögerte sich um fast zwei Stunden. Aber alle nahmen es gelassen und nutzten die Gelegenheit, Fotos von ihrem Idol zu machen oder es einfach nur aus der Nähe zu betrachten. Pierre Brice taten sicher die Hände weh vom vielen Schreiben, aber er tat es mit Freude und genoss den noch immer andauernden Ruhm. Danke, Winnetou!

Wer kennt sie nicht: Winnetou sowie seinen Blutsbruder Old Shatterhand, seine Schwester Nscho-tschi, seine Freunde Sam Hawkens, Old Wabble und die vertrottelten Lord Castlepool oder Jefferson Tuff Tuff. Pierre Brice erlangte mit der Rolle von Winnetou, dem Häuptling der Apachen, unsterblichen Ruhm, zumindest in den deutschsprachigen Ländern, in denen die Karl-May-Verfilmungen in den 1960er Jahren erfolgreich im Kino liefen. Am vergangenen 6. Februar feierte der in Brest geborene Schauspieler seinen 81. Geburtstag, und am 11. Februar besuchte er das „Utopolis“, wo der Dokumentarfilm „Winnetou darf nicht sterben“ (2007) von Oliver Schwehm und der legendäre „Der Schatz im Silbersee“ (1962) von Harald Reinl gezeigt wurden.

So liebt man Pierre Brice auch noch heute: als Apachenhäuptling Winnetou

Pierre Brice wird Winnetou
Pierre Brice, der mit richtigen Namen Baron Pierre Louis Le Bris heißt, meldete sich mit 19 Jahren freiwillig in den Indochinakrieg. Im Algerienkrieg war er später Fallschirmjäger. Danach jobbte er als Fotomodell und Tänzer und begann eine Karriere als Schauspieler. Seine erste Filmrolle spielte er 1955 in „Ça va barder“ von John Berry an der Seite von Eddie Constantine. Da in Frankreich zu der Zeit kein Mangel an Nachwuchsdarstellern bestand und Pierre zudem das „Pech“ hatte, einem gewissen Alain Delon nicht unähnlich zu sein, war sein „Typ“ schon besetzt und es zog ihn nach Rom, wo er in den Cinecittà-Studios zahlreiche Sandalen-, Mantel- und Degenfilmen drehte. In Paris blieb die Auftragslage für ihn weiterhin dürftig, zumal sein häufiges Erscheinen als Werbegesicht in Frauenzeitschriften für eine Filmkarriere nicht gerade förderlich war. Dennoch kam er auf genau diesem Weg bzw. Umweg an die Rolle, die ihn später berühmt machte. Bei seinem Besuch im „Utopolis“ bekannte Brice mit einem Augenzwinkern, die große Michelle Morgan habe eine Annonce mit seinem Gesicht entdeckt, als sie beim Frisör in Zeitschriften blätterte. Auf ihre Bemerkung, das sei doch ein ganz netter Junge, entgegenete die Frisörin, sie kenne ihn und er wolle eigentlich Schauspieler werden. Daraufhin ließ die Actrice dem jungen Kollegen bestellen, er möge sich bei ihrer Agentin Olga Horstig melden, was Brice natürlich umgehend tat.
1962 besuchte er die Berliner Filmfestspiele, wo Horst Wendlandt bei der Abschluss-Soirée an einem Nebentisch saß und so auf ihn aufmerksam wurde. Kaum in Paris zurück, rief Olga Horstig Pierre Brice an und berichtete, Wendlandt hätte sie kontaktiert, um ihm eine Rolle „in einem Western“ anzubieten – die des Apachenhäuptlings Winnetou in seiner Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee.“ Doch Brice kannte Karl May nicht und war dem Indianerbild, das er darstellen sollte, gegenüber skeptisch. Dennoch konnte ihn Olga Horstig überreden. Lex Barker (1919 – 1973), der als einziger Erfahrungen mit Western hatte, brachte Brice das Reiten bei. Bis zur Premiere war Brice überzeugt, dass der Film ein Flop würde, da von seiner Rolle zu wenig Potenzial ausging. Das Publikum allerdings war begeistert, gerade wegen der Zurückhaltung im Spiel des Franzosen, von dem eine gewisse Sinnlichkeit ausging. Er wurde übrigens von Herbert Stass synchronisiert, später noch von Thomas Eckelmann und Christian Wolff.
Pierre Brices Paraderolle: Winnetou
Von 1962 bis 1968 spielte Brice die Rolle des Winnetou in elf Karl-May-Filmen, sieben davon an der Seite des Amerikaners Lex Barker in der Rolle von Old Shatterhand und drei mit Stewart Granger als Old Surehand. Die Teenager-Zeitung „Bravo“ war erheblich am Erfolg der Karl-May-Verfilmungen beteiligt. Zu jedem Film erschienen Berichterstattungen über die Dreharbeiten in Jugoslawien. Pierre Brice wurde zum Idol einer ganzen Generation, ein Status, an dem sich bis heute nicht viel geändert hat.
Der Tod von Winnetou in „Winnetou 3“ (1965; Regie: Harald Reinl) löste eine einmalige Protestwelle aus. Produzent Wendlandt erhielt Hunderte von Drohbriefen, weil des Publikums liebster Indianer nun tot war. Dem beunruhigten Produzenten blieb kein anderer Ausweg, als Winnetou im Kino wieder auferstehen zu lassen. Es folgten u.a. „Old Surehand 1. Teil“ (1965; R: Alfred Vohrer) und „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ (1966; R: Harald Philipp).
Die Jahre nach Winnetou
Nach dem Riesenerfolg der Karl-May-Filme spielte Pierre Brice noch in etlichen Filmen, von denen der bekannteste „La pupa del gangster“ (1974) von Giorgio Capitani ist, mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren. Er spielte ebenfalls Theater und war eher selten im Fernsehen zu sehen. Mitte der 1970er Jahre bekam er ein Angebot, seine Filmrolle bei den Karl-May-Festspielen in Elspe zu spielen. Auf der Freilichtbühne im Sauerland verkörperte er von 1976 bis 1980 sowie von 1982 bis 1986 den Häuptling der Apachen.
Den erneuten Boom um die Figur des indianischen Helden nutzte der Fernsehsender WDR und produzierte die Fernsehserie „Mein Freund Winnetou“, die aber beim deutschen Publikum nicht ankam, weil sie im Gegensatz zu den Kinofilmen authentisch realisiert war und einen zu reellen Winnetou zeigte.
1981 wurde die Idee, eine Winnetou-Bühnenshow in einem Riesenzelt europaweit aufzuführen, wegen Geldmangels abgebrochen. Da Brice das Projekt mitfinanziert hatte, traf ihn diese Absage finanziell recht schwer. Er kehrte wieder nach Elspe zurück. Als die Veranstalter seine Forderungen ablehnten, die Stücke nach seinen Ideen aufzuführen, trennten sie sich 1986. Diese Gelegenheit nutzten die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) und engagierten Brice. Dort bekam er von 1988 bis 1991 die Möglichkeit, seine Ideen auf der Bühne umzusetzen. Er spielte u.a. neben Ralf Wolter, bis er als 62-Jähriger sein Indianerkostüm ablegte. 1999 führte er in Bad Segeberg noch einmal Regie.
In den 1990er Jahren spielte er in verschiedenen deutschen TV-Serien, u.a. „Ein Schloss am Wörthersee“ und „Das Traumschiff“. 1997 ließ das ZDF Winnetou noch einmal für den Fernsehfilm „Winnetous Rückkehr“ aufleben. Mit seiner aus dem bayerischen Amberg stammenden Frau Hella Krekel lebt er auf einem Landsitz in der Nähe von Paris. Hella Brice schrieb übrigens 2005 die Biographie „Pierre. Wie ich dich sehe“.
Weitere Tätigkeiten
Pierre Brice setzte sich als UNICEF-Botschafter immer wieder für gute Zwecke ein. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2007 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Diese Auszeichnung erhielt er für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft und das europäische Kino. 2004 schrieb er seine Biografie „Winnetou und Ich“. In den 1960ern nahm er eine Reihe von Schallplatten auf, auf denen er zu den von Martin Böttcher komponierten Filmmelodien sang, die unsterblich mit dem Mythos Winnetou verbunden sind, u.a. die Single mit den Titeln „Ich steh’ allein / Ribanna“ oder „Winnetou, Du warst mein Freund / Meine roten Brüder“.
Bleibt noch zu sagen, dass die Romane des deutschen Schriftstellers Karl May (1842 – 1912) bei der Verfilmung stark verfremdet wurden, z.B. war im Buch „Der Schatz im Silbersee“ der eigentliche Held Old Firehand, im Film war es Old Shatterhand. Die Filme „Old Shatterhand“ (1964; R: Hugo Fregonese) und „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ (1966; R: Alfred Vohrer) basieren nicht auf Werken von Karl May, die Handlung wurde integral erfunden.
Pierre Brice im „Utopolis“
Der Winnetou-Abend im „Utopolis“ war vom CNA organisiert worden, und niemand hatte mit diesem Erfolg gerechnet. Seit Tagen war der fast 500 Sitzplätze fassende Saal 10 ausverkauft. Als Pierre Brice den Saal in Begleitung seiner Frau Hella betrat, gab es stehende Ovationen. Das Paar begleiteten der Filmproduzent Christian Mozinger und der Filmrestaurateur Eckhard Sieker. Die Dokumentation „Winnetou darf nicht sterben“ beschrieb in rund 60 Minuten das Phänomen der Karl-May-Verfilmungen in Deutschland. Man erlebte Pierre Brice als Fotomodell, sah Ausschnitte aus seinen ersten Filmen, die Drohbriefe an Wendlandt wurden gezeigt, und Rik Battaglia, der die Rolle des Winnetou-Mörders Rollins im dritten Teil spielte, erinnerte sich, wie sehr ihn die Leute danach auch privat „hassten“.
Anschließend moderierte Joy Hoffmann eine Gesprächsrunde mit Pierre Brice, der sichtlich überwältigt war. Eine Frau aus dem Publikum erzählte, dass sie in ihrer Jugend immer nur Old Shatterhand spielen durfte und ihre Freundin Winnetou, wegen ihren langen Haare. Ein Zuschauer erinnerte sich an ein Foto, auf dem Pierre Brice einen verbundenen Finger hatte, doch der Schauspieler versicherte, dass er seine Stunts selbst ausführte, auch wenn das mal zu Blessuren führte. Brice sprach über seinen Freund Lex Barker und darüber, wie unbeliebt dagegen Stewart Granger als Old Surehand war. Auf der Heimreise von Kroatien über Italien wurde dieser vom Zoll angehalten und kontrolliert. Und siehe da: in seinem Koffer befand sich „ge-klautes“ Besteck aus dem Hotel. Das Hotelpersonal hatte es heimlich im Koffer versteckt und den Zoll angerufen, um sich so wegen seiner arroganten Art an ihm zu rächen.
Die folgende Autogrammstunde war unglaublich. Schätzungsweise 120 bis 140 Zuschauer standen Schlange, um ein Autogramm ihres Lieblingsschauspielers zu ergattern. Der Filmstart von „Der Schatz im Silbersee“ verzögerte sich um fast zwei Stunden. Aber alle nahmen es gelassen und nutzten die Gelegenheit, Fotos von ihrem Idol zu machen oder es einfach nur aus der Nähe zu betrachten. Pierre Brice taten sicher die Hände weh vom vielen Schreiben, aber er tat es mit Freude und genoss den noch immer andauernden Ruhm. Danke, Winnetou!

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Der Winnetou-Abend im „Utopolis“ war vom CNA organisiert worden, und niemand hatte mit diesem Erfolg gerechnet. Seit Tagen war der fast 500 Sitzplätze fassende Saal 10 ausverkauft. Als Pierre Brice den Saal in Begleitung seiner Frau Hella betrat, gab es stehende Ovationen. Das Paar begleiteten der Filmproduzent Christian Mozinger und der Filmrestaurateur Eckhard Sieker. Die Dokumentation „Winnetou darf nicht sterben“ beschrieb in rund 60 Minuten das Phänomen der Karl-May-Verfilmungen in Deutschland. Man erlebte Pierre Brice als Fotomodell, sah Ausschnitte aus seinen ersten Filmen, die Drohbriefe an Wendlandt wurden gezeigt, und Rik Battaglia, der die Rolle des Winnetou-Mörders Rollins im dritten Teil spielte, erinnerte sich, wie sehr ihn die Leute danach auch privat „hassten“.
Anschließend moderierte Joy Hoffmann eine Gesprächsrunde mit Pierre Brice, der sichtlich überwältigt war. Eine Frau aus dem Publikum erzählte, dass sie in ihrer Jugend immer nur Old Shatterhand spielen durfte und ihre Freundin Winnetou, wegen ihren langen Haare. Ein Zuschauer erinnerte sich an ein Foto, auf dem Pierre Brice einen verbundenen Finger hatte, doch der Schauspieler versicherte, dass er seine Stunts selbst ausführte, auch wenn das mal zu Blessuren führte. Brice sprach über seinen Freund Lex Barker und darüber, wie unbeliebt dagegen Stewart Granger als Old Surehand war. Auf der Heimreise von Kroatien über Italien wurde dieser vom Zoll angehalten und kontrolliert. Und siehe da: in seinem Koffer befand sich „ge-klautes“ Besteck aus dem Hotel. Das Hotelpersonal hatte es heimlich im Koffer versteckt und den Zoll angerufen, um sich so wegen seiner arroganten Art an ihm zu rächen.

Die folgende Autogrammstunde war unglaublich. Schätzungsweise 120 bis 140 Zuschauer standen Schlange, um ein Autogramm ihres Lieblingsschauspielers zu ergattern. Der Filmstart von „Der Schatz im Silbersee“ verzögerte sich um fast zwei Stunden. Aber alle nahmen es gelassen und nutzten die Gelegenheit, Fotos von ihrem Idol zu machen oder es einfach nur aus der Nähe zu betrachten. Pierre Brice taten sicher die Hände weh vom vielen Schreiben, aber er tat es mit Freude und genoss den noch immer andauernden Ruhm. Danke, Winnetou!

Wer kennt sie nicht: Winnetou sowie seinen Blutsbruder Old Shatterhand, seine Schwester Nscho-tschi, seine Freunde Sam Hawkens, Old Wabble und die vertrottelten Lord Castlepool oder Jefferson Tuff Tuff. Pierre Brice erlangte mit der Rolle von Winnetou, dem Häuptling der Apachen, unsterblichen Ruhm, zumindest in den deutschsprachigen Ländern, in denen die Karl-May-Verfilmungen in den 1960er Jahren erfolgreich im Kino liefen. Am vergangenen 6. Februar feierte der in Brest geborene Schauspieler seinen 81. Geburtstag, und am 11. Februar besuchte er das „Utopolis“, wo der Dokumentarfilm „Winnetou darf nicht sterben“ (2007) von Oliver Schwehm und der legendäre „Der Schatz im Silbersee“ (1962) von Harald Reinl gezeigt wurden.

So liebt man Pierre Brice auch noch heute: als Apachenhäuptling Winnetou

Pierre Brice wird Winnetou
Pierre Brice, der mit richtigen Namen Baron Pierre Louis Le Bris heißt, meldete sich mit 19 Jahren freiwillig in den Indochinakrieg. Im Algerienkrieg war er später Fallschirmjäger. Danach jobbte er als Fotomodell und Tänzer und begann eine Karriere als Schauspieler. Seine erste Filmrolle spielte er 1955 in „Ça va barder“ von John Berry an der Seite von Eddie Constantine. Da in Frankreich zu der Zeit kein Mangel an Nachwuchsdarstellern bestand und Pierre zudem das „Pech“ hatte, einem gewissen Alain Delon nicht unähnlich zu sein, war sein „Typ“ schon besetzt und es zog ihn nach Rom, wo er in den Cinecittà-Studios zahlreiche Sandalen-, Mantel- und Degenfilmen drehte. In Paris blieb die Auftragslage für ihn weiterhin dürftig, zumal sein häufiges Erscheinen als Werbegesicht in Frauenzeitschriften für eine Filmkarriere nicht gerade förderlich war. Dennoch kam er auf genau diesem Weg bzw. Umweg an die Rolle, die ihn später berühmt machte. Bei seinem Besuch im „Utopolis“ bekannte Brice mit einem Augenzwinkern, die große Michelle Morgan habe eine Annonce mit seinem Gesicht entdeckt, als sie beim Frisör in Zeitschriften blätterte. Auf ihre Bemerkung, das sei doch ein ganz netter Junge, entgegenete die Frisörin, sie kenne ihn und er wolle eigentlich Schauspieler werden. Daraufhin ließ die Actrice dem jungen Kollegen bestellen, er möge sich bei ihrer Agentin Olga Horstig melden, was Brice natürlich umgehend tat.
1962 besuchte er die Berliner Filmfestspiele, wo Horst Wendlandt bei der Abschluss-Soirée an einem Nebentisch saß und so auf ihn aufmerksam wurde. Kaum in Paris zurück, rief Olga Horstig Pierre Brice an und berichtete, Wendlandt hätte sie kontaktiert, um ihm eine Rolle „in einem Western“ anzubieten – die des Apachenhäuptlings Winnetou in seiner Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee.“ Doch Brice kannte Karl May nicht und war dem Indianerbild, das er darstellen sollte, gegenüber skeptisch. Dennoch konnte ihn Olga Horstig überreden. Lex Barker (1919 – 1973), der als einziger Erfahrungen mit Western hatte, brachte Brice das Reiten bei. Bis zur Premiere war Brice überzeugt, dass der Film ein Flop würde, da von seiner Rolle zu wenig Potenzial ausging. Das Publikum allerdings war begeistert, gerade wegen der Zurückhaltung im Spiel des Franzosen, von dem eine gewisse Sinnlichkeit ausging. Er wurde übrigens von Herbert Stass synchronisiert, später noch von Thomas Eckelmann und Christian Wolff.
Pierre Brices Paraderolle: Winnetou
Von 1962 bis 1968 spielte Brice die Rolle des Winnetou in elf Karl-May-Filmen, sieben davon an der Seite des Amerikaners Lex Barker in der Rolle von Old Shatterhand und drei mit Stewart Granger als Old Surehand. Die Teenager-Zeitung „Bravo“ war erheblich am Erfolg der Karl-May-Verfilmungen beteiligt. Zu jedem Film erschienen Berichterstattungen über die Dreharbeiten in Jugoslawien. Pierre Brice wurde zum Idol einer ganzen Generation, ein Status, an dem sich bis heute nicht viel geändert hat.
Der Tod von Winnetou in „Winnetou 3“ (1965; Regie: Harald Reinl) löste eine einmalige Protestwelle aus. Produzent Wendlandt erhielt Hunderte von Drohbriefen, weil des Publikums liebster Indianer nun tot war. Dem beunruhigten Produzenten blieb kein anderer Ausweg, als Winnetou im Kino wieder auferstehen zu lassen. Es folgten u.a. „Old Surehand 1. Teil“ (1965; R: Alfred Vohrer) und „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ (1966; R: Harald Philipp).
Die Jahre nach Winnetou
Nach dem Riesenerfolg der Karl-May-Filme spielte Pierre Brice noch in etlichen Filmen, von denen der bekannteste „La pupa del gangster“ (1974) von Giorgio Capitani ist, mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren. Er spielte ebenfalls Theater und war eher selten im Fernsehen zu sehen. Mitte der 1970er Jahre bekam er ein Angebot, seine Filmrolle bei den Karl-May-Festspielen in Elspe zu spielen. Auf der Freilichtbühne im Sauerland verkörperte er von 1976 bis 1980 sowie von 1982 bis 1986 den Häuptling der Apachen.
Den erneuten Boom um die Figur des indianischen Helden nutzte der Fernsehsender WDR und produzierte die Fernsehserie „Mein Freund Winnetou“, die aber beim deutschen Publikum nicht ankam, weil sie im Gegensatz zu den Kinofilmen authentisch realisiert war und einen zu reellen Winnetou zeigte.
1981 wurde die Idee, eine Winnetou-Bühnenshow in einem Riesenzelt europaweit aufzuführen, wegen Geldmangels abgebrochen. Da Brice das Projekt mitfinanziert hatte, traf ihn diese Absage finanziell recht schwer. Er kehrte wieder nach Elspe zurück. Als die Veranstalter seine Forderungen ablehnten, die Stücke nach seinen Ideen aufzuführen, trennten sie sich 1986. Diese Gelegenheit nutzten die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) und engagierten Brice. Dort bekam er von 1988 bis 1991 die Möglichkeit, seine Ideen auf der Bühne umzusetzen. Er spielte u.a. neben Ralf Wolter, bis er als 62-Jähriger sein Indianerkostüm ablegte. 1999 führte er in Bad Segeberg noch einmal Regie.
In den 1990er Jahren spielte er in verschiedenen deutschen TV-Serien, u.a. „Ein Schloss am Wörthersee“ und „Das Traumschiff“. 1997 ließ das ZDF Winnetou noch einmal für den Fernsehfilm „Winnetous Rückkehr“ aufleben. Mit seiner aus dem bayerischen Amberg stammenden Frau Hella Krekel lebt er auf einem Landsitz in der Nähe von Paris. Hella Brice schrieb übrigens 2005 die Biographie „Pierre. Wie ich dich sehe“.
Weitere Tätigkeiten
Pierre Brice setzte sich als UNICEF-Botschafter immer wieder für gute Zwecke ein. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2007 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Diese Auszeichnung erhielt er für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft und das europäische Kino. 2004 schrieb er seine Biografie „Winnetou und Ich“. In den 1960ern nahm er eine Reihe von Schallplatten auf, auf denen er zu den von Martin Böttcher komponierten Filmmelodien sang, die unsterblich mit dem Mythos Winnetou verbunden sind, u.a. die Single mit den Titeln „Ich steh’ allein / Ribanna“ oder „Winnetou, Du warst mein Freund / Meine roten Brüder“.
Bleibt noch zu sagen, dass die Romane des deutschen Schriftstellers Karl May (1842 – 1912) bei der Verfilmung stark verfremdet wurden, z.B. war im Buch „Der Schatz im Silbersee“ der eigentliche Held Old Firehand, im Film war es Old Shatterhand. Die Filme „Old Shatterhand“ (1964; R: Hugo Fregonese) und „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ (1966; R: Alfred Vohrer) basieren nicht auf Werken von Karl May, die Handlung wurde integral erfunden.
Pierre Brice im „Utopolis“
Der Winnetou-Abend im „Utopolis“ war vom CNA organisiert worden, und niemand hatte mit diesem Erfolg gerechnet. Seit Tagen war der fast 500 Sitzplätze fassende Saal 10 ausverkauft. Als Pierre Brice den Saal in Begleitung seiner Frau Hella betrat, gab es stehende Ovationen. Das Paar begleiteten der Filmproduzent Christian Mozinger und der Filmrestaurateur Eckhard Sieker. Die Dokumentation „Winnetou darf nicht sterben“ beschrieb in rund 60 Minuten das Phänomen der Karl-May-Verfilmungen in Deutschland. Man erlebte Pierre Brice als Fotomodell, sah Ausschnitte aus seinen ersten Filmen, die Drohbriefe an Wendlandt wurden gezeigt, und Rik Battaglia, der die Rolle des Winnetou-Mörders Rollins im dritten Teil spielte, erinnerte sich, wie sehr ihn die Leute danach auch privat „hassten“.
Anschließend moderierte Joy Hoffmann eine Gesprächsrunde mit Pierre Brice, der sichtlich überwältigt war. Eine Frau aus dem Publikum erzählte, dass sie in ihrer Jugend immer nur Old Shatterhand spielen durfte und ihre Freundin Winnetou, wegen ihren langen Haare. Ein Zuschauer erinnerte sich an ein Foto, auf dem Pierre Brice einen verbundenen Finger hatte, doch der Schauspieler versicherte, dass er seine Stunts selbst ausführte, auch wenn das mal zu Blessuren führte. Brice sprach über seinen Freund Lex Barker und darüber, wie unbeliebt dagegen Stewart Granger als Old Surehand war. Auf der Heimreise von Kroatien über Italien wurde dieser vom Zoll angehalten und kontrolliert. Und siehe da: in seinem Koffer befand sich „ge-klautes“ Besteck aus dem Hotel. Das Hotelpersonal hatte es heimlich im Koffer versteckt und den Zoll angerufen, um sich so wegen seiner arroganten Art an ihm zu rächen.
Die folgende Autogrammstunde war unglaublich. Schätzungsweise 120 bis 140 Zuschauer standen Schlange, um ein Autogramm ihres Lieblingsschauspielers zu ergattern. Der Filmstart von „Der Schatz im Silbersee“ verzögerte sich um fast zwei Stunden. Aber alle nahmen es gelassen und nutzten die Gelegenheit, Fotos von ihrem Idol zu machen oder es einfach nur aus der Nähe zu betrachten. Pierre Brice taten sicher die Hände weh vom vielen Schreiben, aber er tat es mit Freude und genoss den noch immer andauernden Ruhm. Danke, Winnetou!

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