Sep 01 2014

„Deng Maria ass fort!“

Published by at 01:36 under Feierblumm

SOURCE: http://www.wort.lu

Von Pit Thommes

Western und Luxemburg passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Jungregisseur Cédric Kieffer setzt in den kommenden Tagen mit dem Kurzfilm „Roude Léiw“ jedoch alles daran, diese Gegensätze zu vereinbaren. In der Hauptrolle ist Serge Tonnar als Gemeindearbeiter Ed zu sehen.

Zwölf Uhr mittags, ein luxemburgisches Kaff in der Gegenwart. Die Idylle des 800-Seelen-Dorfes wird empfindlich gestört, als kurz vor einer Prozession die Marienstatue verschwindet. Der Gemeindearbeiter Ed (Serge Tonnar) hat die Dorfjugend im Verdacht. Er regelt die Angelegenheit außerpolizeilich – sein eigener Sohn könnte 
unter den Tätern sein.

Regisseur Cédric Kieffer versteht seinen 20- bis 30-minütigen Kurzfilm, der gleichzeitig auch die Abschlussarbeit für sein Studium an der Fachhochschule Mainz ist, aber keineswegs als klassischen Krimi. Stattdessen versucht er, den Spaghettiwestern nach Luxemburg zu transplantieren.

Sozialkritisch rückt er den Identitätsproblemen der Luxemburger auf den Leib, entlarvt die Gut- und Kleinbürgerlichkeit der Dorfbewohner und spielt mit den Stereotypen. Regisseur und Drehbuchautor Kieffer resümiert seine Motivation: „Ich komme selber aus einem ähnlichen Kaff und wollte diesen luxemburgischen Mikrokosmos auf Zelluloid bannen.“

Freiwilligenarbeit

Unterstützt wird Kieffer vom Verein ohne Gewinnzweck „Feierblumm“, der in Kooperation mit dem Kulturministerium sowie dem „Service National de la Jeunesse“ Jungregisseuren bei ihren ersten Projekten unter die Arme greift. „Feierblumm“ koordiniert Drehorte, organisiert Castings und stellt Filmmaterial zur Verfügung.

Alle Beteiligten arbeiten unentgeltlich am Projekt, das am ersten Drehtag im Echternacher Lyzeum gefilmt wurde. Das Schulsekretariat ist die Kulisse für das Gemeindeamt, wo Will Aust gerade Ed beiläufig mitteilt: „Deng Maria ass fort!“

Am Set vom  Kurzfilm "Roude Léiw".
Foto: Ann Sophie Lindström

Tonnar und Aust haben sichtlich Spaß, dem jungen Regisseur auszuhelfen. Aust schätzt die Qualität des Drehbuchs: „Ich stamme auch aus einem kleinen Dorf und es ist ein klein wenig so, wie es dort abläuft.“

Serge Tonnar kann der Hauptrolle Ed einiges abgewinnen: „Ed wohnt alleinerziehend auf dem Dorf, seine Frau ist ihm weggelaufen, er ist ein typischer Gemeindearbeiter, ein kleiner Langweiler, der als Hobby Marienstatuen schnitzt.“ Die Zusammenarbeit summiert Tonnar lakonisch: „Ich hatte Zeit und Lust, beim Casting vorbeizuschauen. Sie bedauern wohl bereits jetzt mich gefragt zu haben, aber dafür ist es zu spät.“ Regisseur Kieffer ergänzt professionell: „Ich bin sehr zufrieden und ich glaube, wir haben beide ähnliche Vorstellungen von Ed, das macht den Dreh sehr einfach.“

Italowestern auf Wald und Flur

Kinematografisch greift Kieffer die Kameraeinstellungen, Kulissen und Beleuchtungen des Spaghettiwestern auf; „vor allem die Trilogie von Sergio Leone hat mich inspiriert“, präzisiert der Jungregisseur. Aufnahmen werden im anamorphotischen Verfahren gemacht, d. h. im sehr breiten Seitenverhältnis von 2,40:1.

Der Gemeindearbeiter Ed spielt gleichzeitig den Sheriff der Geschichte und ist ganz in der Tradition des Italowestern eher ein Antiheld. Zum Genre passt auch, dass Kieffer auf die vermeintliche Dorfidylle abzielt. Beobachtet man Kieffer bei der Arbeit, scheint die Idee, den Western auf Wald und Flur in Luxemburg umzulegen, nicht mehr so abwegig.

Am „Roude Léiw“ soll eine Woche lang gedreht werden, die Fertigstellung ist für Anfang 2015 geplant. „Persönlich könnte ich mir eine Premiere im Kino schon vorstellen“, wünscht sich Cédric Kieffer zum Gesprächsende.

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Von Pit Thommes

Western und Luxemburg passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Jungregisseur Cédric Kieffer setzt in den kommenden Tagen mit dem Kurzfilm „Roude Léiw“ jedoch alles daran, diese Gegensätze zu vereinbaren. In der Hauptrolle ist Serge Tonnar als Gemeindearbeiter Ed zu sehen.

Zwölf Uhr mittags, ein luxemburgisches Kaff in der Gegenwart. Die Idylle des 800-Seelen-Dorfes wird empfindlich gestört, als kurz vor einer Prozession die Marienstatue verschwindet. Der Gemeindearbeiter Ed (Serge Tonnar) hat die Dorfjugend im Verdacht. Er regelt die Angelegenheit außerpolizeilich – sein eigener Sohn könnte 
unter den Tätern sein.

Regisseur Cédric Kieffer versteht seinen 20- bis 30-minütigen Kurzfilm, der gleichzeitig auch die Abschlussarbeit für sein Studium an der Fachhochschule Mainz ist, aber keineswegs als klassischen Krimi. Stattdessen versucht er, den Spaghettiwestern nach Luxemburg zu transplantieren.

Sozialkritisch rückt er den Identitätsproblemen der Luxemburger auf den Leib, entlarvt die Gut- und Kleinbürgerlichkeit der Dorfbewohner und spielt mit den Stereotypen. Regisseur und Drehbuchautor Kieffer resümiert seine Motivation: „Ich komme selber aus einem ähnlichen Kaff und wollte diesen luxemburgischen Mikrokosmos auf Zelluloid bannen.“

Freiwilligenarbeit

Unterstützt wird Kieffer vom Verein ohne Gewinnzweck „Feierblumm“, der in Kooperation mit dem Kulturministerium sowie dem „Service National de la Jeunesse“ Jungregisseuren bei ihren ersten Projekten unter die Arme greift. „Feierblumm“ koordiniert Drehorte, organisiert Castings und stellt Filmmaterial zur Verfügung.

Alle Beteiligten arbeiten unentgeltlich am Projekt, das am ersten Drehtag im Echternacher Lyzeum gefilmt wurde. Das Schulsekretariat ist die Kulisse für das Gemeindeamt, wo Will Aust gerade Ed beiläufig mitteilt: „Deng Maria ass fort!“

Am Set vom  Kurzfilm "Roude Léiw".
Foto: Ann Sophie Lindström

Tonnar und Aust haben sichtlich Spaß, dem jungen Regisseur auszuhelfen. Aust schätzt die Qualität des Drehbuchs: „Ich stamme auch aus einem kleinen Dorf und es ist ein klein wenig so, wie es dort abläuft.“

Serge Tonnar kann der Hauptrolle Ed einiges abgewinnen: „Ed wohnt alleinerziehend auf dem Dorf, seine Frau ist ihm weggelaufen, er ist ein typischer Gemeindearbeiter, ein kleiner Langweiler, der als Hobby Marienstatuen schnitzt.“ Die Zusammenarbeit summiert Tonnar lakonisch: „Ich hatte Zeit und Lust, beim Casting vorbeizuschauen. Sie bedauern wohl bereits jetzt mich gefragt zu haben, aber dafür ist es zu spät.“ Regisseur Kieffer ergänzt professionell: „Ich bin sehr zufrieden und ich glaube, wir haben beide ähnliche Vorstellungen von Ed, das macht den Dreh sehr einfach.“

Italowestern auf Wald und Flur

Kinematografisch greift Kieffer die Kameraeinstellungen, Kulissen und Beleuchtungen des Spaghettiwestern auf; „vor allem die Trilogie von Sergio Leone hat mich inspiriert“, präzisiert der Jungregisseur. Aufnahmen werden im anamorphotischen Verfahren gemacht, d. h. im sehr breiten Seitenverhältnis von 2,40:1.

Der Gemeindearbeiter Ed spielt gleichzeitig den Sheriff der Geschichte und ist ganz in der Tradition des Italowestern eher ein Antiheld. Zum Genre passt auch, dass Kieffer auf die vermeintliche Dorfidylle abzielt. Beobachtet man Kieffer bei der Arbeit, scheint die Idee, den Western auf Wald und Flur in Luxemburg umzulegen, nicht mehr so abwegig.

Am „Roude Léiw“ soll eine Woche lang gedreht werden, die Fertigstellung ist für Anfang 2015 geplant. „Persönlich könnte ich mir eine Premiere im Kino schon vorstellen“, wünscht sich Cédric Kieffer zum Gesprächsende.

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