Dec 18 2014

Der lange Weg zum eigenen Film

Published by at 13:21 under Feierblumm

SOURCE: http://www.saarbruecker-zeitung.de

Luxemburger Produzenten berichten im Kino Achteinhalb über ihre Arbeit
Von Nicole Burkhardt

„Heemwei“ von Sacha Bachim feierte gerade im Kino Achteinhalb seine Deutschlandpremiere. In Luxemburg haben den Film, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt, schon 10 000 Zuschauer gesehen.

Der Zweite Weltkrieg aus Sicht der Deutschen, der Franzosen oder aus Sicht der Juden? Kein neues Filmthema. Was ist mit den Luxmburgern? Am Montag zeigte das Kino Achteinhalb zum ersten Mal in Deutschland den Film „Heemwei“ von Sacha Bachim, anschließend gab es eine Diskussion mit drei an der Produktion Beteiligten.

Der Film entstand mit Hilfe der Plattform „Feierblumm Productions“, einem Kollektiv professioneller Filmemacher und Laien aus Luxemburg. Sie unterstützen junge und ambitionierte Regisseure dabei, ihre Projekte umzusetzen. So entstehen im Jahr fünf bis zehn Filme. „Heemwei“ ist die zweite Produktion in Spielfilmlänge. In Luxemburg hat der Film bereits 10 000 Zuschauer ins Kino gelockt.

Zum Inhalt: Die zwei luxemburgischen Zwangsrekrutierten Jos und Frenz beschließen, sich im Sommer 1944 auf den Weg zurück in ihre Heimat zu machen. Identitätsprobleme der Luxemburger werden im Lauf des Films deutlich. Des öfteren macht Frenz rassistische Bemerkungen, spricht beispielsweise von „Negermusik“ und davon, dass nicht alles von den Deutschen schlecht sei. Andererseits hegen beide einen Hass gegen die Nazis. Als sie in einem Dorf Hilfe von einer französischen Familie bekommen, müssen sie danach tatenlos beobachten, wie die misstrauisch gewordenen Nazis den Vater erschießen. Steve Hoegener, Drehbuchautor und Schauspieler, spricht in der anschließenden Diskussion von einem „verinnerlichten Rassismus“ mancher Luxemburger im Zweiten Weltkrieg. Der Mittzwanziger hat Geschichte studiert und das Drehbuch quasi in seinen Semesterferien geschrieben. Es sei der erste Film, der sich mit dieser Thematik beschäftige. „Vor zwanzig Jahren hätte man euch wegen dieses Films aus dem Kino geprügelt“, habe seine Großmutter gesagt, berichtet Hoegener. Erst seit ein paar Jahren rede man in der Öffentlichkeit über dieses Thema. Die wenigsten Luxemburger trauten sich damals, Widerstand zu leisten. Manche kollaborierten mit beiden Seiten, um sich die Optionen offen zu halten.

An dem Film haben über 200 Freiwillige mitgewirkt und mit 25 000 Euro konnten sie ihre Idee realisieren. Ohne diese Unterstützung hätten sie es nie geschafft, bedankt sich Hoegener. Auch Produzent und Regieassistent Yasin Özen ist an diesem Abend anwesend. Er hatte unter anderem ein biografisches Interesse an dem Film. Sein Großvater habe im Zweiten Weltkrieg einen Bauchdurchschuss erlitten, erzählt er. Auch Özen verbrachte seine gesamten Semesterferien am Set. Nach zwei Monaten Dreharbeiten im Jahr 2008 begann der Schnitt. Yasin Özen und Sacha Bachim benötigten insgesamt fünf Jahre. „Viele Spezialeffekte, die wir eingebaut haben, waren 2008 noch gar nicht möglich“, erklärt er nach der Vorstellung. Auf die Musik ist er besonders stolz. Mit einfachsten Mitteln hat der Komponist Daniel Balthasar sie aufgenommen, und tatsächlich wirkt sie perfekt mit den einzelnen Szenen zusammen.

„Es hat viel Durchhaltevermögen gebraucht, aber es hat sich gelohnt“, bestätigt Özen am Ende. Das Saarbrücker Publikum ist seiner Meinung.

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Luxemburger Produzenten berichten im Kino Achteinhalb über ihre Arbeit
Von Nicole Burkhardt

„Heemwei“ von Sacha Bachim feierte gerade im Kino Achteinhalb seine Deutschlandpremiere. In Luxemburg haben den Film, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt, schon 10 000 Zuschauer gesehen.

Der Zweite Weltkrieg aus Sicht der Deutschen, der Franzosen oder aus Sicht der Juden? Kein neues Filmthema. Was ist mit den Luxmburgern? Am Montag zeigte das Kino Achteinhalb zum ersten Mal in Deutschland den Film „Heemwei“ von Sacha Bachim, anschließend gab es eine Diskussion mit drei an der Produktion Beteiligten.

Der Film entstand mit Hilfe der Plattform „Feierblumm Productions“, einem Kollektiv professioneller Filmemacher und Laien aus Luxemburg. Sie unterstützen junge und ambitionierte Regisseure dabei, ihre Projekte umzusetzen. So entstehen im Jahr fünf bis zehn Filme. „Heemwei“ ist die zweite Produktion in Spielfilmlänge. In Luxemburg hat der Film bereits 10 000 Zuschauer ins Kino gelockt.

Zum Inhalt: Die zwei luxemburgischen Zwangsrekrutierten Jos und Frenz beschließen, sich im Sommer 1944 auf den Weg zurück in ihre Heimat zu machen. Identitätsprobleme der Luxemburger werden im Lauf des Films deutlich. Des öfteren macht Frenz rassistische Bemerkungen, spricht beispielsweise von „Negermusik“ und davon, dass nicht alles von den Deutschen schlecht sei. Andererseits hegen beide einen Hass gegen die Nazis. Als sie in einem Dorf Hilfe von einer französischen Familie bekommen, müssen sie danach tatenlos beobachten, wie die misstrauisch gewordenen Nazis den Vater erschießen. Steve Hoegener, Drehbuchautor und Schauspieler, spricht in der anschließenden Diskussion von einem „verinnerlichten Rassismus“ mancher Luxemburger im Zweiten Weltkrieg. Der Mittzwanziger hat Geschichte studiert und das Drehbuch quasi in seinen Semesterferien geschrieben. Es sei der erste Film, der sich mit dieser Thematik beschäftige. „Vor zwanzig Jahren hätte man euch wegen dieses Films aus dem Kino geprügelt“, habe seine Großmutter gesagt, berichtet Hoegener. Erst seit ein paar Jahren rede man in der Öffentlichkeit über dieses Thema. Die wenigsten Luxemburger trauten sich damals, Widerstand zu leisten. Manche kollaborierten mit beiden Seiten, um sich die Optionen offen zu halten.

An dem Film haben über 200 Freiwillige mitgewirkt und mit 25 000 Euro konnten sie ihre Idee realisieren. Ohne diese Unterstützung hätten sie es nie geschafft, bedankt sich Hoegener. Auch Produzent und Regieassistent Yasin Özen ist an diesem Abend anwesend. Er hatte unter anderem ein biografisches Interesse an dem Film. Sein Großvater habe im Zweiten Weltkrieg einen Bauchdurchschuss erlitten, erzählt er. Auch Özen verbrachte seine gesamten Semesterferien am Set. Nach zwei Monaten Dreharbeiten im Jahr 2008 begann der Schnitt. Yasin Özen und Sacha Bachim benötigten insgesamt fünf Jahre. „Viele Spezialeffekte, die wir eingebaut haben, waren 2008 noch gar nicht möglich“, erklärt er nach der Vorstellung. Auf die Musik ist er besonders stolz. Mit einfachsten Mitteln hat der Komponist Daniel Balthasar sie aufgenommen, und tatsächlich wirkt sie perfekt mit den einzelnen Szenen zusammen.

„Es hat viel Durchhaltevermögen gebraucht, aber es hat sich gelohnt“, bestätigt Özen am Ende. Das Saarbrücker Publikum ist seiner Meinung.

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