Feb 12 2014

Filmepos “Heemwéi”: Mit Mini-Budget am Rande des Größenwahns

Published by at 01:40 under Feierblumm

SOURCE: http://www.wort.lu

Es begann als Jugendprojekt, herausgekommen ist ein nahezu professioneller Spielfilm: Die jungen Filmenthusiasten von „Feierblumm“ bringen nach fünfjähriger Arbeit das Kriegsdrama „Heemwéi“ auf die Leinwand.

Von Martine Hemmer

Luc Lamesch muss in seiner Erinnerung kramen, um sich in die Rolle zurückzuversetzen, die er vor gut fünf Jahren spielte. Damals war der Rotschopf, den mittlerweile viele als jüngsten Sprössling der Familie Wampach aus der RTL-Sitcom „Weemseesdet“ kennen, noch ein blutiger Anfänger. Beim Vorsprechen für die Independent-Produktion „Heemwéi“ gelang es ihm, die Produzenten zu überzeugen: Luc sollte in dem Drama den zwangsrekrutierten Soldaten Fränz verkörpern, der sich im Chaos der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seinem Landsmann Jos von der Wehrmachtstruppe in Frankreich absetzt und versucht, sich entlang der Front bis nach Luxemburg zu schlagen.

Sein Filmpartner, Steve Hoegener, schrieb zusammen mit Regisseur Sacha Bachim das Drehbuch. Die beiden waren selbst keine professionellen Filmemacher – und sind es bis heute nicht – sondern äußerst ambitionierte Amateurfilmer und leidenschaftliche Cineasten, die es als Herausforderung sehen, selbst aus bescheidenen Mitteln das Beste herausholen.

Erstaunliches Ergebnis trotz Mini-Budget

Sie sind Mitglieder der „Feierblumm a.s.b.l.“, einem Netzwerk von jungen Kreativen. Am Anfang standen fünf Freunde, die zusammen einen Film drehen wollten. Um ein gemeinsames Bankkonto zu eröffnen, gründeten sie einen Verein. 2005 entstand die Gangsterkomödie „Who’s Quentin“, die es sogar bis in die Kinos schaffte. Für den abendfüllenden Spielfilm standen lächerliche 5000 Euro zur Verfügung. Der Literatur- und Geschichtsstudent Steve Hoegener, der darin bereits die Hauptrolle spielte, hatte die Idee, einen Kurzfilm über Luxemburger Zwangsrekrutierte zu drehen. „Weil eigentlich noch kein Luxemburger Film zu diesem konkreten Thema existierte“, erklärt er. „Déi zwee vum Bierg“ hätten es nur gestreift, „Schoko Klak“ basiere auf den Kindheitserinnerungen von Roger Manderscheid und das jüngste Werk über die deutsche Besatzung Luxemburgs „Réfractaire“ handle vom Schicksal der Kriegsdienstverweigerer.

Dass aus „Heemwéi“ ein wahres Epos werden sollte, das nun sogar beim Wettbewerb um den „Lëtzebuerger Filmpräis“ ins Rennen geht, das hat Steve Hoegener, als er die Geschichte niederschrieb, noch nicht geahnt. „Im Kopf hatte ich zwei Jungs, die sich durch den Wald schlagen“, fasst er lapidar zusammen. Da die Ausstattung eines historischen Films die Kosten schnell ins Unermessliche treibt, schwebte ihm zunächst ein eher schmuckloses Setting vor. Ohnehin habe ihn mehr die psychologische Dimension interessiert. Die Protagonisten wollte er nicht als Helden verklären, sondern als ganz normale Jugendliche, die im Krieg zu überleben versuchen. Die Inspiration habe er in den Erzählungen der eigenen Großeltern gefunden: „In jeder Familie hierzulande gibt es ähnliche Überlieferungen.“

180 ehrenamtliche Mitarbeiter

Der „Service National de la Jeunesse“ und das Förderprogramm „Youth on the Move“ haben das Projekt finanziell unterstützt. So ist ein Budget von 25 000 Euro zusammengekommen, das aber nie gereicht hätte, um einen Kriegsfilm mit aufwändiger Requisite und Spezialeffekten zu drehen. Doch durch den Einsatz von mehr als 180 Freiwilligen, darunter auch einige professionelle Filmschaffende wie Olivier Koos, der die Kamera führte, Nilton Martins, der sich um das Casting kümmerte und selbst eine Nebenrolle übernahm, und der Architekt François Biver, der für Set-Design und Ausstattung zuständig war, entstand ein 99-minütiges Drama, das es durchaus mit kommerziellen Werken aufnehmen kann. Alle haben sie unentgeltlich mitgewirkt. Die Filmmusik hat Komponist und Sänger Daniel Balthasar beigesteuert. Gedreht wurde in rund 20 verschiedenen Gemeinden in Luxemburg, Deutschland, Frankreich und Belgien, oft an historischen Schauplätzen wie am Schumannseck und an der Maginot-Linie.

„Ein bisschen größenwahnsinnig war unser Vorhaben schon, aber wir sind heute nach fünf Jahren Produktionszeit selbst überrascht, was wir letztlich erreicht haben“, sagt Yasin Özen, der als Production Manager, den Gesamtablauf der Arbeiten koordinierte. Wenn er sich die Drehpläne von damals anschaue, stelle er fest, dass die Crew intuitiv vieles richtig gemacht habe. Ausschlaggebend seien aber die Begeisterungsfähigkeit, der Zusammenhalt und die Verlässlichkeit der Beteiligten gewesen. „Wir waren von Anfang an ein eingespieltes Team, so als würden wir uns alle schon lange kennen“, erinnert sich Sacha Bachim und fügt hinzu: „Doch das Resultat hat meine Erwartungen trotzdem weit übertroffen.“

“Heemwéi” läuft derzeit in folgenden Kinos: Utopolis Kirchberg, Scala Diekirch, Utopolis Belval, Kinosch Esch.
Dies ist die gekürzte Version der Reportage “Wie die ganz Großen”, die im Télécran 05/2014 (25. bis 31. Januar) erschienen ist.

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Es begann als Jugendprojekt, herausgekommen ist ein nahezu professioneller Spielfilm: Die jungen Filmenthusiasten von „Feierblumm“ bringen nach fünfjähriger Arbeit das Kriegsdrama „Heemwéi“ auf die Leinwand.

Von Martine Hemmer

Luc Lamesch muss in seiner Erinnerung kramen, um sich in die Rolle zurückzuversetzen, die er vor gut fünf Jahren spielte. Damals war der Rotschopf, den mittlerweile viele als jüngsten Sprössling der Familie Wampach aus der RTL-Sitcom „Weemseesdet“ kennen, noch ein blutiger Anfänger. Beim Vorsprechen für die Independent-Produktion „Heemwéi“ gelang es ihm, die Produzenten zu überzeugen: Luc sollte in dem Drama den zwangsrekrutierten Soldaten Fränz verkörpern, der sich im Chaos der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seinem Landsmann Jos von der Wehrmachtstruppe in Frankreich absetzt und versucht, sich entlang der Front bis nach Luxemburg zu schlagen.

Sein Filmpartner, Steve Hoegener, schrieb zusammen mit Regisseur Sacha Bachim das Drehbuch. Die beiden waren selbst keine professionellen Filmemacher – und sind es bis heute nicht – sondern äußerst ambitionierte Amateurfilmer und leidenschaftliche Cineasten, die es als Herausforderung sehen, selbst aus bescheidenen Mitteln das Beste herausholen.

Erstaunliches Ergebnis trotz Mini-Budget

Sie sind Mitglieder der „Feierblumm a.s.b.l.“, einem Netzwerk von jungen Kreativen. Am Anfang standen fünf Freunde, die zusammen einen Film drehen wollten. Um ein gemeinsames Bankkonto zu eröffnen, gründeten sie einen Verein. 2005 entstand die Gangsterkomödie „Who’s Quentin“, die es sogar bis in die Kinos schaffte. Für den abendfüllenden Spielfilm standen lächerliche 5000 Euro zur Verfügung. Der Literatur- und Geschichtsstudent Steve Hoegener, der darin bereits die Hauptrolle spielte, hatte die Idee, einen Kurzfilm über Luxemburger Zwangsrekrutierte zu drehen. „Weil eigentlich noch kein Luxemburger Film zu diesem konkreten Thema existierte“, erklärt er. „Déi zwee vum Bierg“ hätten es nur gestreift, „Schoko Klak“ basiere auf den Kindheitserinnerungen von Roger Manderscheid und das jüngste Werk über die deutsche Besatzung Luxemburgs „Réfractaire“ handle vom Schicksal der Kriegsdienstverweigerer.

Dass aus „Heemwéi“ ein wahres Epos werden sollte, das nun sogar beim Wettbewerb um den „Lëtzebuerger Filmpräis“ ins Rennen geht, das hat Steve Hoegener, als er die Geschichte niederschrieb, noch nicht geahnt. „Im Kopf hatte ich zwei Jungs, die sich durch den Wald schlagen“, fasst er lapidar zusammen. Da die Ausstattung eines historischen Films die Kosten schnell ins Unermessliche treibt, schwebte ihm zunächst ein eher schmuckloses Setting vor. Ohnehin habe ihn mehr die psychologische Dimension interessiert. Die Protagonisten wollte er nicht als Helden verklären, sondern als ganz normale Jugendliche, die im Krieg zu überleben versuchen. Die Inspiration habe er in den Erzählungen der eigenen Großeltern gefunden: „In jeder Familie hierzulande gibt es ähnliche Überlieferungen.“

180 ehrenamtliche Mitarbeiter

Der „Service National de la Jeunesse“ und das Förderprogramm „Youth on the Move“ haben das Projekt finanziell unterstützt. So ist ein Budget von 25 000 Euro zusammengekommen, das aber nie gereicht hätte, um einen Kriegsfilm mit aufwändiger Requisite und Spezialeffekten zu drehen. Doch durch den Einsatz von mehr als 180 Freiwilligen, darunter auch einige professionelle Filmschaffende wie Olivier Koos, der die Kamera führte, Nilton Martins, der sich um das Casting kümmerte und selbst eine Nebenrolle übernahm, und der Architekt François Biver, der für Set-Design und Ausstattung zuständig war, entstand ein 99-minütiges Drama, das es durchaus mit kommerziellen Werken aufnehmen kann. Alle haben sie unentgeltlich mitgewirkt. Die Filmmusik hat Komponist und Sänger Daniel Balthasar beigesteuert. Gedreht wurde in rund 20 verschiedenen Gemeinden in Luxemburg, Deutschland, Frankreich und Belgien, oft an historischen Schauplätzen wie am Schumannseck und an der Maginot-Linie.

„Ein bisschen größenwahnsinnig war unser Vorhaben schon, aber wir sind heute nach fünf Jahren Produktionszeit selbst überrascht, was wir letztlich erreicht haben“, sagt Yasin Özen, der als Production Manager, den Gesamtablauf der Arbeiten koordinierte. Wenn er sich die Drehpläne von damals anschaue, stelle er fest, dass die Crew intuitiv vieles richtig gemacht habe. Ausschlaggebend seien aber die Begeisterungsfähigkeit, der Zusammenhalt und die Verlässlichkeit der Beteiligten gewesen. „Wir waren von Anfang an ein eingespieltes Team, so als würden wir uns alle schon lange kennen“, erinnert sich Sacha Bachim und fügt hinzu: „Doch das Resultat hat meine Erwartungen trotzdem weit übertroffen.“

“Heemwéi” läuft derzeit in folgenden Kinos: Utopolis Kirchberg, Scala Diekirch, Utopolis Belval, Kinosch Esch.
Dies ist die gekürzte Version der Reportage “Wie die ganz Großen”, die im Télécran 05/2014 (25. bis 31. Januar) erschienen ist.

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