Feb 01 2014

Filmkritik: Von Amateuren, aber nicht amateurhaft

Published by at 16:10 under Feierblumm

SOURCE: http://www.wort.lu

„Heemwéi“, ein Kriegsdrama der Vereinigung “Feierblumm”, von begeisterten jungen Filmemachern gedreht, wird durchaus professionellen Ansprüchen gerecht.
Von Jean-Louis Scheffen

Einen luxemburgischen Film zu besprechen, war lange wie eine heiße Kartoffel, die man gerne weiterreichte. Sollte man die üblichen Kriterien anwenden, oder das Ganze durch die „Für unser kleines Land ist das gar nicht schlecht“-Brille sehen? Nun ist die Szene hierzulande professioneller, das Problem damit geringer geworden. Doch eine Amateurproduktion, von Laien gedreht? Ein Kriegsfilm, der nur 25 000 Euro kostete? Da rechnet man damit, größtes Wohlwollen an den Tag legen zu müssen.

Die gute Nachricht: „Heemwéi“ hat das gar nicht nötig, und der Filmakademie muss es überhaupt nicht peinlich sein, das Werk in die Auswahl für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ aufgenommen zu haben. Denn die Produktion der Feierblumm a.s.b.l., einem Zusammenschluss film- begeisterter junger Menschen, macht eine gar nicht mal so schlechte Figur neben manch aufwändig inszeniertem Kriegsepos.

Psychologisch glaubwürdig

Dabei hatte bereits das Thema Skepsis geweckt: ein Kriegsdrama, das die Geschichte zweier junger Luxemburger erzählt, die aus der deutschen Wehrmacht desertieren und sich nach Hause durchzuschlagen versuchen. Doch Regisseur Sacha Bachim und Drehbuchautor Steve Hoegener haben versucht, die gängigen „Jongen“-Klischees zu vermeiden und setzen bei der Kriegsdarstellung auf Realismus – nicht nur in der visuellen Umsetzung, sondern auch der psychologischen Glaubwürdigkeit. Dazu gehört, dass Jos (Hoegener) deutsche Wurzeln hat und dies nicht ganz verleugnen kann. Und dass Fränz (Luc Lamesch), ein recht unbedarft wirkender Typ, sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet hatte, um dem Alltagstrott zu entkommen.

Sie sind keine Helden, genauso wie die anderen Menschen, die der Film zeigt. Krieg ist brutal, hässlich und er tötet gnadenlos und ganz besonders junge Menschen, die das Leben eigentlich erst vor sich hatten – das macht „Heemwéi“ deutlich, auf eine visuell recht beeindruckende Weise, die in einem solch „billigen“ Film überrascht.

Der Weg nach Hause, den Fränz und Jos einschlagen, liefert den roten Faden der Handlung. Das läuft manchmal mit dramaturgischen Holprigkeiten ab, insgesamt merkt man aber, dass es sich gelohnt hat, fünf Jahre seit den Dreharbeiten vergehen zu lassen, um durch Schnitt und Montage mit professioneller Hilfe einen Film zu erhalten, der den Zuschauer in das Geschehen einzubeziehen versteht.

Die beiden Hauptdarsteller sind recht überzeugend, und es sind eigentlich die „zivilen“ Szenen, in denen „Heemwéi“ dann doch an luxemburgisches Kino aus einer anderen Zeit zu diesem Kriegsthema erinnert – eben ein bisschen wie Bauerntheater. Den positiven Gesamteindruck, zu dem auch die einfühlsame Musik von Daniel Balthasar beiträgt, können sie nicht schmälern.

Comments

comments

SOURCE: http://www.wort.lu

„Heemwéi“, ein Kriegsdrama der Vereinigung “Feierblumm”, von begeisterten jungen Filmemachern gedreht, wird durchaus professionellen Ansprüchen gerecht.
Von Jean-Louis Scheffen

Einen luxemburgischen Film zu besprechen, war lange wie eine heiße Kartoffel, die man gerne weiterreichte. Sollte man die üblichen Kriterien anwenden, oder das Ganze durch die „Für unser kleines Land ist das gar nicht schlecht“-Brille sehen? Nun ist die Szene hierzulande professioneller, das Problem damit geringer geworden. Doch eine Amateurproduktion, von Laien gedreht? Ein Kriegsfilm, der nur 25 000 Euro kostete? Da rechnet man damit, größtes Wohlwollen an den Tag legen zu müssen.

Die gute Nachricht: „Heemwéi“ hat das gar nicht nötig, und der Filmakademie muss es überhaupt nicht peinlich sein, das Werk in die Auswahl für den „Lëtzebuerger Filmpräis“ aufgenommen zu haben. Denn die Produktion der Feierblumm a.s.b.l., einem Zusammenschluss film- begeisterter junger Menschen, macht eine gar nicht mal so schlechte Figur neben manch aufwändig inszeniertem Kriegsepos.

Psychologisch glaubwürdig

Dabei hatte bereits das Thema Skepsis geweckt: ein Kriegsdrama, das die Geschichte zweier junger Luxemburger erzählt, die aus der deutschen Wehrmacht desertieren und sich nach Hause durchzuschlagen versuchen. Doch Regisseur Sacha Bachim und Drehbuchautor Steve Hoegener haben versucht, die gängigen „Jongen“-Klischees zu vermeiden und setzen bei der Kriegsdarstellung auf Realismus – nicht nur in der visuellen Umsetzung, sondern auch der psychologischen Glaubwürdigkeit. Dazu gehört, dass Jos (Hoegener) deutsche Wurzeln hat und dies nicht ganz verleugnen kann. Und dass Fränz (Luc Lamesch), ein recht unbedarft wirkender Typ, sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet hatte, um dem Alltagstrott zu entkommen.

Sie sind keine Helden, genauso wie die anderen Menschen, die der Film zeigt. Krieg ist brutal, hässlich und er tötet gnadenlos und ganz besonders junge Menschen, die das Leben eigentlich erst vor sich hatten – das macht „Heemwéi“ deutlich, auf eine visuell recht beeindruckende Weise, die in einem solch „billigen“ Film überrascht.

Der Weg nach Hause, den Fränz und Jos einschlagen, liefert den roten Faden der Handlung. Das läuft manchmal mit dramaturgischen Holprigkeiten ab, insgesamt merkt man aber, dass es sich gelohnt hat, fünf Jahre seit den Dreharbeiten vergehen zu lassen, um durch Schnitt und Montage mit professioneller Hilfe einen Film zu erhalten, der den Zuschauer in das Geschehen einzubeziehen versteht.

Die beiden Hauptdarsteller sind recht überzeugend, und es sind eigentlich die „zivilen“ Szenen, in denen „Heemwéi“ dann doch an luxemburgisches Kino aus einer anderen Zeit zu diesem Kriegsthema erinnert – eben ein bisschen wie Bauerntheater. Den positiven Gesamteindruck, zu dem auch die einfühlsame Musik von Daniel Balthasar beiträgt, können sie nicht schmälern.

Comments

comments

No responses yet

Comments are closed at this time.

Trackback URI |