Feb 02 2014

Odyssee zweier Soldaten

Published by at 07:05 under Feierblumm

SOURCE: http://www.journal.lu

Filmkritik: „Heemwéi“, die erste Großproduktion der Feierblumm Productions a.s.b.l. – CHRISTIAN SPIELMANN

Vor fünf Jahren begannen die Dreharbeiten zu dem ambitionierten Projekt „Heemwéi“. Das Drehbuch schrieben Steve Hoegener, der selbst die Rolle des Soldaten Jos spielt, und Sacha Bachim, der Regie führt. Der Film wurde nun in der Kategorie „Bester luxemburgische Film“ für den sechsten „Lëtzebuerger Filmpräis“ nominiert. Ab heute läuft er im Kino.

Kriegsmüde

Herbst 1944. Die Amerikaner haben sich in Frankreich bis in die Gegend von Metz vorgekämpft. Die deutschen Truppen versuchen mit allen Mitteln die Amerikaner aufzuhalten. Unter den deutschen Soldaten sind auch Luxemburger, wie Jos oder Frenz (Luc Lamesch). Nach einem hautnah erlebten Massaker der Amerikaner an den Deutschen entscheiden sich beide, den Heimweg anzutreten, unerlaubt und stets im Bewusstsein, dass man sie als Deserteure hinrichten kann, falls sie entdeckt werden. Auf ihrer irren Reise nach Hause erleben sie die unterschiedlichsten Abenteuer, u. a. mit einem verrückt gewordenen Offizier (Michel Tereba), einem französischen Scharfschützen (Georges Neuen) oder einer französische Familie, Suzette (Janine Horsburgh), Jean (Pierre-Henri Plais) und Claire (Carole Nourry), die den beiden helfen, aber für ihre Nächstenliebe schlecht belohnt werden.

Starke schauspielerische Leistungen

Obwohl fast alle beteiligten Schauspieler „nur“ Amateure sind, bzw. zur Zeit des Drehs waren, muss man ihre Leistung loben. Speziell Hoegener und Lamesch leisten Überraschendes. Hoegener als Jos ist der ernstere und abgeklärteste der beiden, stets in Erinnerungen an seine große Liebe, Marie (Laurence Streitz), vertieft. Frenz ist ein naiver Kerl, der für ein paar humorvolle Einlagen sorgt. Aber er kann auch anders, wie ein ungewolltes Treffen mit deutschen Soldaten beweist! Die beiden überzeugen vollends! Michel Tereba hat zwar nur einen kurzen Auftritt, der dem Zuschauer allerdings in Erinnerung bleiben wird. Er beeindruckt in der Rolle eines durchgeknallten Psychopathen.

Visuell überzeugend

Auch die Arbeit des Kamerachefs Olivier Koos beeindruckt auf diesem Niveau, das ja eigentlich als nicht-professionell bezeichnet werden muss. Seine Kamerafahrt durch einen Bunker erinnert an die Travellings durch Wolfgang Petersens „Das Boot“. Stets auf der Höhe des Geschehens und unterstützt durch den gelungenen Schnitt von Marc Recchia, Steve Flammang und Yasin Özen würde diese Kameraarbeit auch im professionellen Bereich auf Beachtung stoßen.

Beachtlich ist auch der Aufwand an historischen Uniformen, Waffen und Fahrzeugen, die im Film benutzt werden, und alle von Museen oder privaten Sammlern zur Verfügung gestellt wurden.

Regisseur Bachim hat seine Akteure im Griff und auch fast immer ein Auge für Spannung und Dramatik. Speziell eine Szene wirkt dennoch deplatziert, als Jos in einem extrem traurigen Augenblick an seinen ersten sexuellen Kontakt mit Marie denkt. Hie und da hat man auch Probleme, die Handlungsweisen der beiden Deserteure zu verstehen, da sie keinen Nutzen aus ihren deutschen Uniformen ziehen. Daniel Balthasar komponierte die Musik, und Nilton Martins, der selbst die Rolle des Vittorio spielt, war für das Coaching der Schauspieltruppe verantwortlich. Somit hat das nicht-professionelle Team der Feierblumm Productions mit „Heemwéi“ einen beeindruckenden Film realisiert. „Armahat off“!

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Filmkritik: „Heemwéi“, die erste Großproduktion der Feierblumm Productions a.s.b.l. – CHRISTIAN SPIELMANN

Vor fünf Jahren begannen die Dreharbeiten zu dem ambitionierten Projekt „Heemwéi“. Das Drehbuch schrieben Steve Hoegener, der selbst die Rolle des Soldaten Jos spielt, und Sacha Bachim, der Regie führt. Der Film wurde nun in der Kategorie „Bester luxemburgische Film“ für den sechsten „Lëtzebuerger Filmpräis“ nominiert. Ab heute läuft er im Kino.

Kriegsmüde

Herbst 1944. Die Amerikaner haben sich in Frankreich bis in die Gegend von Metz vorgekämpft. Die deutschen Truppen versuchen mit allen Mitteln die Amerikaner aufzuhalten. Unter den deutschen Soldaten sind auch Luxemburger, wie Jos oder Frenz (Luc Lamesch). Nach einem hautnah erlebten Massaker der Amerikaner an den Deutschen entscheiden sich beide, den Heimweg anzutreten, unerlaubt und stets im Bewusstsein, dass man sie als Deserteure hinrichten kann, falls sie entdeckt werden. Auf ihrer irren Reise nach Hause erleben sie die unterschiedlichsten Abenteuer, u. a. mit einem verrückt gewordenen Offizier (Michel Tereba), einem französischen Scharfschützen (Georges Neuen) oder einer französische Familie, Suzette (Janine Horsburgh), Jean (Pierre-Henri Plais) und Claire (Carole Nourry), die den beiden helfen, aber für ihre Nächstenliebe schlecht belohnt werden.

Starke schauspielerische Leistungen

Obwohl fast alle beteiligten Schauspieler „nur“ Amateure sind, bzw. zur Zeit des Drehs waren, muss man ihre Leistung loben. Speziell Hoegener und Lamesch leisten Überraschendes. Hoegener als Jos ist der ernstere und abgeklärteste der beiden, stets in Erinnerungen an seine große Liebe, Marie (Laurence Streitz), vertieft. Frenz ist ein naiver Kerl, der für ein paar humorvolle Einlagen sorgt. Aber er kann auch anders, wie ein ungewolltes Treffen mit deutschen Soldaten beweist! Die beiden überzeugen vollends! Michel Tereba hat zwar nur einen kurzen Auftritt, der dem Zuschauer allerdings in Erinnerung bleiben wird. Er beeindruckt in der Rolle eines durchgeknallten Psychopathen.

Visuell überzeugend

Auch die Arbeit des Kamerachefs Olivier Koos beeindruckt auf diesem Niveau, das ja eigentlich als nicht-professionell bezeichnet werden muss. Seine Kamerafahrt durch einen Bunker erinnert an die Travellings durch Wolfgang Petersens „Das Boot“. Stets auf der Höhe des Geschehens und unterstützt durch den gelungenen Schnitt von Marc Recchia, Steve Flammang und Yasin Özen würde diese Kameraarbeit auch im professionellen Bereich auf Beachtung stoßen.

Beachtlich ist auch der Aufwand an historischen Uniformen, Waffen und Fahrzeugen, die im Film benutzt werden, und alle von Museen oder privaten Sammlern zur Verfügung gestellt wurden.

Regisseur Bachim hat seine Akteure im Griff und auch fast immer ein Auge für Spannung und Dramatik. Speziell eine Szene wirkt dennoch deplatziert, als Jos in einem extrem traurigen Augenblick an seinen ersten sexuellen Kontakt mit Marie denkt. Hie und da hat man auch Probleme, die Handlungsweisen der beiden Deserteure zu verstehen, da sie keinen Nutzen aus ihren deutschen Uniformen ziehen. Daniel Balthasar komponierte die Musik, und Nilton Martins, der selbst die Rolle des Vittorio spielt, war für das Coaching der Schauspieltruppe verantwortlich. Somit hat das nicht-professionelle Team der Feierblumm Productions mit „Heemwéi“ einen beeindruckenden Film realisiert. „Armahat off“!

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