Sep 09 2012

Zelluloid-Feuertaufe

Published by at 01:58 under Feierblumm

SOURCE: http://www.journal.lu

An der Pförtnerloge des Lyçée Ermesinde in Mersch kommt einem eine Raumpflegerin entgegen, mit Putzmittelchen und Stofflappen bis unter die Fingernägel bewaffnet. Die einzige Seele scheinbar, die sich Ende August in einem Gymnasium herumtreibt.
elena
Wobei dies nicht ganz der Wahrheit entspricht: In dem Gebäude nahe des Merscher Bahnhofs tummelten sich in den vergangenen Tagen verdächtig viele Jugendliche während der Sommerferien, der schönsten Zeit des Jahres. Sie alle waren auf irgendeine Weise am Dreh des Spielfilms „Beste Freundinnen“ beteiligt, den die junge, 15-jährige Schülerin Elena Krumlowski während des Monats August realisiert.

Die Jung-Filmemacherin hat für ihren ersten Spielfilm einen „Beste Freundinnen“-Roman der britischen Erfolgsautorin Cathy Hopkins in eine Drehbuchfassung umgeschrieben. Und hat so ganz nebenbei einen Finanzierungsplan für ihr Filmprojekt ausgearbeitet. Da soll noch jemand behaupten, Jugendliche würden während ihrer Freizeit nur am Facebook-Tropf hängen.

Dass die Schülerin des Lyçée des Garçons in Esch/Alzette im nagelneuen „Ermesinde“ ihr Drehteam um sich versammelt und nicht in ihrem Gymnasium im Süden Luxemburgs, hat wohl damit zu tun, dass Krumlowski der Schulleitung in Esch ihr Projekt-Dossier per Mail geschickt hat, sie bis heute allerdings noch keine Antwort auf die gesendete Nachricht bekommen hat.

Durch eine Mitarbeiterin des Jugendhauses Kayl/Tétange kam der Kontakt zum Service National de la Jeunesse (SNJ) zustande; der SNJ trägt, gemeinsam mit der Gemeinde Kayl, die Kosten – um die 6.500 Euro – des Projektes. Der SNJ seinerseits trat an die Film-Asbl „Feierblumm“ heran, die kreative Filmschaffende wie Elena Krumlowski gerne unter die Ärme greift.

Bei „Beste Freundinnen“ half die Vereinigung bei der Beschaffung von Filmkostümen; des Weiteren stellten sie dem jungen Team eine professionelle Maskenbildnerin zur Verfügung. Laut Mehmed Özen, Attaché à la Direction des „Ermesinde“-Gymnasiums und „Feierblumm“-Mitglied, arbeiten die Schule und die Film-Asbl eng zusammen. Es lag somit auf der Hand, dass die Schulszenen im „Ermesinde“ gedreht wurden. Weitere Drehorte waren die Alzettestraße und der Gaalgebierg in Esch, das Tierasyl in Düdelingen sowie die Privatwohnungen einiger Darsteller.

Kurzfilm statt Referat

Krumlowski hat sich bewusst für die Verfilmung des „Beste Freundinnen“-Bandes entschieden, da dieser, so Krumlowski am Filmset uns gegenüber, „einfach zu realisieren“ ist. Die Anzahl der Figuren ist übersichtlich, gleiches gilt für die Anzahl der Handlungs-Schauplätze.

Ihre Filmografie umfasst bisher einen dreiminütigen Kurzfilm. Im Religionsunterricht sollte die Schülerin einst ein Referat halten zum Thema „Propheten“; gemeinsam mit einigen Mitschülerinnen packte sie kurzerhand den Inhalt ihres Referates in einen Kurzfilm.

Für den ersten Spielfilm griff sie dann auf eine literarische Vorlage zurück, da der eigene Stoff immer nur für einen Kurzfilm reicht. Als Krumlowski grünes Licht von der Autorin für die Verfilmung des Jugendbuchs bekam, war eine wichtige Hürde genommen. Allerdings, so die junge Filmemacherin, darf der fertiggestellte Film nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. „Wir zeigen den Film einmal in einem Kino auf großer Leinwand für all jene, die am Projekt beteiligt waren.“ Vermutlich wird der Streifen anschließend noch in dem einen oder anderen Gymnasium projiziert.

Internationales Casting

Die Darsteller fand die junge Regisseurin über ein Casting Mitte Februar: Im „Ermesinde“ mussten die Interessenten Rollentexte vorsprechen; Mimen aus Köln und Nürnberg wurden im Internet auf das Projekt aufmerksam und reisten für den Dreh eigens nach Luxemburg. Kurz vor Abschluss der Dreharbeiten hat die junge Schülerin ein gutes Gefühl, was das fertige Werk anbelangt; nach Drehende geht die Reise der Videobänder nach Eisenborn ins Ferienzentrum des SNJ, wo das Material auf Spielfilmlänge zurechtgeschnitten wird.

Elena Krumlowski sieht momentan ihre berufliche Zukunft nicht im Filmgeschäft: „Es ist schwer, im Filmgeschäft Fuß zu fassen“. Man müsse schon den richtigen Durchbruch schaffen, um Geld zu verdienen, so die Meinung der LC Esch-Schülerin. Wohin der Studienweg sie führt, ist derzeit noch unklar. Ein Studium der Pathologie wäre beispielsweise eine Option.

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An der Pförtnerloge des Lyçée Ermesinde in Mersch kommt einem eine Raumpflegerin entgegen, mit Putzmittelchen und Stofflappen bis unter die Fingernägel bewaffnet. Die einzige Seele scheinbar, die sich Ende August in einem Gymnasium herumtreibt.
elena
Wobei dies nicht ganz der Wahrheit entspricht: In dem Gebäude nahe des Merscher Bahnhofs tummelten sich in den vergangenen Tagen verdächtig viele Jugendliche während der Sommerferien, der schönsten Zeit des Jahres. Sie alle waren auf irgendeine Weise am Dreh des Spielfilms „Beste Freundinnen“ beteiligt, den die junge, 15-jährige Schülerin Elena Krumlowski während des Monats August realisiert.

Die Jung-Filmemacherin hat für ihren ersten Spielfilm einen „Beste Freundinnen“-Roman der britischen Erfolgsautorin Cathy Hopkins in eine Drehbuchfassung umgeschrieben. Und hat so ganz nebenbei einen Finanzierungsplan für ihr Filmprojekt ausgearbeitet. Da soll noch jemand behaupten, Jugendliche würden während ihrer Freizeit nur am Facebook-Tropf hängen.

Dass die Schülerin des Lyçée des Garçons in Esch/Alzette im nagelneuen „Ermesinde“ ihr Drehteam um sich versammelt und nicht in ihrem Gymnasium im Süden Luxemburgs, hat wohl damit zu tun, dass Krumlowski der Schulleitung in Esch ihr Projekt-Dossier per Mail geschickt hat, sie bis heute allerdings noch keine Antwort auf die gesendete Nachricht bekommen hat.

Durch eine Mitarbeiterin des Jugendhauses Kayl/Tétange kam der Kontakt zum Service National de la Jeunesse (SNJ) zustande; der SNJ trägt, gemeinsam mit der Gemeinde Kayl, die Kosten – um die 6.500 Euro – des Projektes. Der SNJ seinerseits trat an die Film-Asbl „Feierblumm“ heran, die kreative Filmschaffende wie Elena Krumlowski gerne unter die Ärme greift.

Bei „Beste Freundinnen“ half die Vereinigung bei der Beschaffung von Filmkostümen; des Weiteren stellten sie dem jungen Team eine professionelle Maskenbildnerin zur Verfügung. Laut Mehmed Özen, Attaché à la Direction des „Ermesinde“-Gymnasiums und „Feierblumm“-Mitglied, arbeiten die Schule und die Film-Asbl eng zusammen. Es lag somit auf der Hand, dass die Schulszenen im „Ermesinde“ gedreht wurden. Weitere Drehorte waren die Alzettestraße und der Gaalgebierg in Esch, das Tierasyl in Düdelingen sowie die Privatwohnungen einiger Darsteller.

Kurzfilm statt Referat

Krumlowski hat sich bewusst für die Verfilmung des „Beste Freundinnen“-Bandes entschieden, da dieser, so Krumlowski am Filmset uns gegenüber, „einfach zu realisieren“ ist. Die Anzahl der Figuren ist übersichtlich, gleiches gilt für die Anzahl der Handlungs-Schauplätze.

Ihre Filmografie umfasst bisher einen dreiminütigen Kurzfilm. Im Religionsunterricht sollte die Schülerin einst ein Referat halten zum Thema „Propheten“; gemeinsam mit einigen Mitschülerinnen packte sie kurzerhand den Inhalt ihres Referates in einen Kurzfilm.

Für den ersten Spielfilm griff sie dann auf eine literarische Vorlage zurück, da der eigene Stoff immer nur für einen Kurzfilm reicht. Als Krumlowski grünes Licht von der Autorin für die Verfilmung des Jugendbuchs bekam, war eine wichtige Hürde genommen. Allerdings, so die junge Filmemacherin, darf der fertiggestellte Film nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. „Wir zeigen den Film einmal in einem Kino auf großer Leinwand für all jene, die am Projekt beteiligt waren.“ Vermutlich wird der Streifen anschließend noch in dem einen oder anderen Gymnasium projiziert.

Internationales Casting

Die Darsteller fand die junge Regisseurin über ein Casting Mitte Februar: Im „Ermesinde“ mussten die Interessenten Rollentexte vorsprechen; Mimen aus Köln und Nürnberg wurden im Internet auf das Projekt aufmerksam und reisten für den Dreh eigens nach Luxemburg. Kurz vor Abschluss der Dreharbeiten hat die junge Schülerin ein gutes Gefühl, was das fertige Werk anbelangt; nach Drehende geht die Reise der Videobänder nach Eisenborn ins Ferienzentrum des SNJ, wo das Material auf Spielfilmlänge zurechtgeschnitten wird.

Elena Krumlowski sieht momentan ihre berufliche Zukunft nicht im Filmgeschäft: „Es ist schwer, im Filmgeschäft Fuß zu fassen“. Man müsse schon den richtigen Durchbruch schaffen, um Geld zu verdienen, so die Meinung der LC Esch-Schülerin. Wohin der Studienweg sie führt, ist derzeit noch unklar. Ein Studium der Pathologie wäre beispielsweise eine Option.

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