Mar 17 2014

Abenteuer Leben

Published by at 00:22 under Misc. Luxembourg

SOURCE: http://www.journal.lu

LUXEMBURG/BERLIN – SIMONE MOLITOR

Die Luxemburgerin Rebecca Kunsch geht seit neun Jahren (Medien-)Wege in Berlin

Ziellos in Berlin, könnte man titeln. Das würde es aber nicht wirklich treffen, denn die Luxemburgerin Rebecca Kunsch geht sehr wohl in Deutschlands Hauptstadt ihren Weg, auch wenn sie kein bestimmtes Ziel vor Augen hat. Das ist aber auch nicht das Wichtigste. „Der Weg ist das Ziel“, sagt sie. Seit rund neun Jahren lebt die heute 28-Jährige in Berlin, neun Jahre, in denen sie viel erlebt und erreicht hat.
Etwas planlos hatte das Abenteuer trotzdem begonnen. Nach bestandener „Première“ (Sektion E) im Jahr 2005 wusste sie nur, dass es berufstechnisch „irgendetwas mit Film“ sein sollte. Auf den Geschmack war sie bereits als 2e-Schülerin gekommen. „Wir haben damals mit unserem Deutschlehrer einen kleinen Film gemacht. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, etwas gefunden zu haben, was mir liegt“, erinnert sich Rebecca. Eine Richtung war gefunden, aber noch kein konkreter Berufswunsch. Was führte sie also ein Jahr später nach Berlin? „Die Liebe“, sagt die junge Frau, „ich hatte damals eine Fernbeziehung, und wir haben uns sozusagen in der Mitte getroffen. Berlin hat mich aber immer schon gereizt. Ich habe dann ein Jahr lang die unterschiedlichsten Jobs angenommen, Kunsttischlerei, Kindermädchen, Kellnerin… Natürlich sollte es nicht ewig so bleiben, also habe ich ein Filmstudium in Angriff genommen und teilweise auch schon in dieser Branche gearbeitet“, erklärt die Wahl-Berlinerin. Während dieser Zeit hat sie übrigens auch bei einigen luxemburgischen Produktionen mitgewirkt, u.a. „Inthierryview“.

Zwei komplett verschiedene Studiengänge

„Das hat alles Spaß gemacht, mich aber irgendwie nicht komplett erfüllt. Ich wusste aber auch nicht genau, was mir fehlt“, lacht die 28-Jährige. Nach dem abgeschlossenen Filmstudium im Jahr 2009, wechselte sie kurzerhand die Studienrichtung: „Geschichte und Kultur des Vorderen Orients“ mit einem Fokus auf Islamwissenschaft. „Die islamische Kultur in Berlin hat mich schon immer fasziniert. Die arabische Sprache zu lernen, hat mir sehr gefallen. Beruflich habe ich aber keine konkreten Perspektiven gesehen, zumindest nicht, was den wissenschaftlichen Bereich anbelangt“, sagt die Luxemburgerin, die sich anschließend „weitertreiben“ ließ.
Der Zufall – und natürlich ihr „Filmwissen“ – brachte Rebecca zur Theatergruppe „JugendtheaterBüro Berlin“ (JTB), wo sie Leiterin des Filmbereichs wurde. „Das JTB organisiert jedes Jahr das Festival ‚Festiwalla‘ im Haus der Kulturen der Welt. Die meisten involvierten Jugendlichen sind Araber bzw. Türken, die sich so auf der Bühne beweisen können“, erklärt die junge Frau. Wieder war es anschließend der Zufall, der die gebürtige Luxemburgerin zu ihrer nächsten Etappe brachte. Während des „Festiwalla“ war sie in Kontakt mit „ALEX – Offener Kanal Berlin“ gekommen, wo sie 2012 einstieg und den Beruf des „Live-Regisseurs“ kennen lernte.
An diesem Job fand sie schnell Gefallen: „Es ist eine Arbeit, die mit viel Verantwortung verbunden ist, die mir aber auch sehr liegt: Schnell mit Kameraleuten kommunizieren, Bilder suchen und sich für das passende Live-Bild entscheiden. Da ist Konzentration gefragt“.

Von der Bundestagswahl zur Berlinale

Mittlerweile ist Rebecca häufig als Freelance in diesem Bereich unterwegs, im vergangenen Jahr zum Beispiel im Auftrag der SPD während der Bundestagswahl, häufig auch bei Veranstaltungen der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Dem „ALEX“ ist sie bis heute treu geblieben und hat zuletzt eine Assistenzstelle im Medienkompetenzbereich übernommen. Schülern zwischen 11 und 18 Jahren zeigen, wie eine Studioproduktion abläuft, ist dabei eine ihrer Aufgaben. Eine wichtige Produktion ist „Volltreffer – Jugendliche fragen nach“, eine Talksendung, die einmal im Monat ausgestrahlt wird. „Zu bestimmten Themen werden Gäste eingeladen. Die Schüler werden in zwei Teams eingeteilt: Das eine Team kümmert sich um Szenebild und Technik, das andere sitzt in der Redaktion und setzt sich inhaltlich mit den Gästen sowie dem Thema auseinander. Ich bleibe dabei bewusst im Hintergrund. Auch die anderen Posten werden während der Produktion von den Kindern und Jugendlichen besetzt, also Moderation, Kamera, Ton, Beleuchtung, Bildschnitt, Aufnahmeleitung, Betreuung der Gäste, Öffentlichkeitsarbeit usw. Ich sorge dafür, dass das Ganze läuft. Das tut es aber meist von ganz allein“, erzählt Rebecca.
Als Freelance war sie zuletzt auch als Leiterin eines Workshops während der Berlinale im Einsatz. Den Jugendlichen brachte sie u.a. den Umgang mit der Technik bei und führte sie in die Kunst der Moderation sowie Interviewführung ein. Aus diesem Material entstanden drei Sendungen für „ALEX“.

„Wenn man eingeengt wird, kann man nicht wachsen“

Unterbeschäftigt ist die Luxemburgerin gewiss nicht, doch wie sieht sie eigentlich ihre Zukunft? „Darüber mache ich mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken. Ich lasse vieles einfach auf mich zukommen. Natürlich laufe ich nicht durch die Welt, ohne zumindest einen kleinen Plan zu haben. Wie gesagt, der Weg ist das Ziel und nicht umgekehrt. Ich habe viele kleine Ziele. Auf dem Weg dorthin können mir tausend andere Dinge passieren, die meine Route wieder ändern. Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, wenn das nicht mein Lebensmotto wäre. ‚Wenn man eingeengt wird, kann man nicht wachsen‘, sagte Robert Scheinfeld. Es ist mir wichtig, in meinem Tun frei zu sein“, unterstreicht Rebecca. So ist sie auch vor kurzem in ein Projekt mit einer gehörlosen Rapperin „hineingeraten“. Eine neue Herausforderung: „Ich gebe ihr meine Stimme. Im Herbst ist ein großer Auftritt geplant. Die Kommunikation ist schwierig, weil ich die Gebärdensprache nicht beherrsche, keine Ahnung vom Singen habe und auch eigentlich nicht gerne auf der Bühne stehe“, lacht die 28-Jährige, „mit diesem Projekt versuche ich, mich einer Angst zu stellen. Es wäre schade, wenn es nicht funktionieren würde, aber ich würde es auch bereuen, wenn ich es nicht zumindest versucht hätte. Solange ich mein Bestes gebe, bin ich zufrieden“.

Verbundenheit mit Luxemburg – Dokumentation geplant

Auch wenn sie sich in Berlin mittlerweile sehr gut eingelebt hat, bleibt sie doch immer mit ihrem Heimatland verbunden: „Das Land, die Kultur und vor allem die Sprache sind mir sehr wichtig. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich irgendwann zurückkehre. Es kann aber auch sein, dass es mich aus irgendeinem Grund ganz woanders hin verschlägt. Ich will mich nicht festlegen“, sagt die Wahl-Berlinerin. Ende März stattet Rebecca ihrer alten Heimat aber wieder einmal einen Besuch ab, und zwar aus gutem Grund: Ein neues Projekt wird in Angriff genommen. „Schon lange verspüre ich den Wunsch, eine Dokumentation über ehemalige Bosnien-Flüchtlinge, die in Luxemburg leben, zu machen. Die Recherchen laufen auf Hochtouren, die ersten Kontakte sind geknüpft. Trotzdem nehme ich mir Zeit. Wenn ich mir etwas vornehme, will ich, dass etwas Ordentliches dabei rauskommt.“, sagt die ehrgeizige Luxemburgerin abschließend.

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LUXEMBURG/BERLIN – SIMONE MOLITOR

Die Luxemburgerin Rebecca Kunsch geht seit neun Jahren (Medien-)Wege in Berlin

Ziellos in Berlin, könnte man titeln. Das würde es aber nicht wirklich treffen, denn die Luxemburgerin Rebecca Kunsch geht sehr wohl in Deutschlands Hauptstadt ihren Weg, auch wenn sie kein bestimmtes Ziel vor Augen hat. Das ist aber auch nicht das Wichtigste. „Der Weg ist das Ziel“, sagt sie. Seit rund neun Jahren lebt die heute 28-Jährige in Berlin, neun Jahre, in denen sie viel erlebt und erreicht hat.
Etwas planlos hatte das Abenteuer trotzdem begonnen. Nach bestandener „Première“ (Sektion E) im Jahr 2005 wusste sie nur, dass es berufstechnisch „irgendetwas mit Film“ sein sollte. Auf den Geschmack war sie bereits als 2e-Schülerin gekommen. „Wir haben damals mit unserem Deutschlehrer einen kleinen Film gemacht. Da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, etwas gefunden zu haben, was mir liegt“, erinnert sich Rebecca. Eine Richtung war gefunden, aber noch kein konkreter Berufswunsch. Was führte sie also ein Jahr später nach Berlin? „Die Liebe“, sagt die junge Frau, „ich hatte damals eine Fernbeziehung, und wir haben uns sozusagen in der Mitte getroffen. Berlin hat mich aber immer schon gereizt. Ich habe dann ein Jahr lang die unterschiedlichsten Jobs angenommen, Kunsttischlerei, Kindermädchen, Kellnerin… Natürlich sollte es nicht ewig so bleiben, also habe ich ein Filmstudium in Angriff genommen und teilweise auch schon in dieser Branche gearbeitet“, erklärt die Wahl-Berlinerin. Während dieser Zeit hat sie übrigens auch bei einigen luxemburgischen Produktionen mitgewirkt, u.a. „Inthierryview“.

Zwei komplett verschiedene Studiengänge

„Das hat alles Spaß gemacht, mich aber irgendwie nicht komplett erfüllt. Ich wusste aber auch nicht genau, was mir fehlt“, lacht die 28-Jährige. Nach dem abgeschlossenen Filmstudium im Jahr 2009, wechselte sie kurzerhand die Studienrichtung: „Geschichte und Kultur des Vorderen Orients“ mit einem Fokus auf Islamwissenschaft. „Die islamische Kultur in Berlin hat mich schon immer fasziniert. Die arabische Sprache zu lernen, hat mir sehr gefallen. Beruflich habe ich aber keine konkreten Perspektiven gesehen, zumindest nicht, was den wissenschaftlichen Bereich anbelangt“, sagt die Luxemburgerin, die sich anschließend „weitertreiben“ ließ.
Der Zufall – und natürlich ihr „Filmwissen“ – brachte Rebecca zur Theatergruppe „JugendtheaterBüro Berlin“ (JTB), wo sie Leiterin des Filmbereichs wurde. „Das JTB organisiert jedes Jahr das Festival ‚Festiwalla‘ im Haus der Kulturen der Welt. Die meisten involvierten Jugendlichen sind Araber bzw. Türken, die sich so auf der Bühne beweisen können“, erklärt die junge Frau. Wieder war es anschließend der Zufall, der die gebürtige Luxemburgerin zu ihrer nächsten Etappe brachte. Während des „Festiwalla“ war sie in Kontakt mit „ALEX – Offener Kanal Berlin“ gekommen, wo sie 2012 einstieg und den Beruf des „Live-Regisseurs“ kennen lernte.
An diesem Job fand sie schnell Gefallen: „Es ist eine Arbeit, die mit viel Verantwortung verbunden ist, die mir aber auch sehr liegt: Schnell mit Kameraleuten kommunizieren, Bilder suchen und sich für das passende Live-Bild entscheiden. Da ist Konzentration gefragt“.

Von der Bundestagswahl zur Berlinale

Mittlerweile ist Rebecca häufig als Freelance in diesem Bereich unterwegs, im vergangenen Jahr zum Beispiel im Auftrag der SPD während der Bundestagswahl, häufig auch bei Veranstaltungen der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Dem „ALEX“ ist sie bis heute treu geblieben und hat zuletzt eine Assistenzstelle im Medienkompetenzbereich übernommen. Schülern zwischen 11 und 18 Jahren zeigen, wie eine Studioproduktion abläuft, ist dabei eine ihrer Aufgaben. Eine wichtige Produktion ist „Volltreffer – Jugendliche fragen nach“, eine Talksendung, die einmal im Monat ausgestrahlt wird. „Zu bestimmten Themen werden Gäste eingeladen. Die Schüler werden in zwei Teams eingeteilt: Das eine Team kümmert sich um Szenebild und Technik, das andere sitzt in der Redaktion und setzt sich inhaltlich mit den Gästen sowie dem Thema auseinander. Ich bleibe dabei bewusst im Hintergrund. Auch die anderen Posten werden während der Produktion von den Kindern und Jugendlichen besetzt, also Moderation, Kamera, Ton, Beleuchtung, Bildschnitt, Aufnahmeleitung, Betreuung der Gäste, Öffentlichkeitsarbeit usw. Ich sorge dafür, dass das Ganze läuft. Das tut es aber meist von ganz allein“, erzählt Rebecca.
Als Freelance war sie zuletzt auch als Leiterin eines Workshops während der Berlinale im Einsatz. Den Jugendlichen brachte sie u.a. den Umgang mit der Technik bei und führte sie in die Kunst der Moderation sowie Interviewführung ein. Aus diesem Material entstanden drei Sendungen für „ALEX“.

„Wenn man eingeengt wird, kann man nicht wachsen“

Unterbeschäftigt ist die Luxemburgerin gewiss nicht, doch wie sieht sie eigentlich ihre Zukunft? „Darüber mache ich mir ehrlich gesagt nicht viele Gedanken. Ich lasse vieles einfach auf mich zukommen. Natürlich laufe ich nicht durch die Welt, ohne zumindest einen kleinen Plan zu haben. Wie gesagt, der Weg ist das Ziel und nicht umgekehrt. Ich habe viele kleine Ziele. Auf dem Weg dorthin können mir tausend andere Dinge passieren, die meine Route wieder ändern. Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, wenn das nicht mein Lebensmotto wäre. ‚Wenn man eingeengt wird, kann man nicht wachsen‘, sagte Robert Scheinfeld. Es ist mir wichtig, in meinem Tun frei zu sein“, unterstreicht Rebecca. So ist sie auch vor kurzem in ein Projekt mit einer gehörlosen Rapperin „hineingeraten“. Eine neue Herausforderung: „Ich gebe ihr meine Stimme. Im Herbst ist ein großer Auftritt geplant. Die Kommunikation ist schwierig, weil ich die Gebärdensprache nicht beherrsche, keine Ahnung vom Singen habe und auch eigentlich nicht gerne auf der Bühne stehe“, lacht die 28-Jährige, „mit diesem Projekt versuche ich, mich einer Angst zu stellen. Es wäre schade, wenn es nicht funktionieren würde, aber ich würde es auch bereuen, wenn ich es nicht zumindest versucht hätte. Solange ich mein Bestes gebe, bin ich zufrieden“.

Verbundenheit mit Luxemburg – Dokumentation geplant

Auch wenn sie sich in Berlin mittlerweile sehr gut eingelebt hat, bleibt sie doch immer mit ihrem Heimatland verbunden: „Das Land, die Kultur und vor allem die Sprache sind mir sehr wichtig. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich irgendwann zurückkehre. Es kann aber auch sein, dass es mich aus irgendeinem Grund ganz woanders hin verschlägt. Ich will mich nicht festlegen“, sagt die Wahl-Berlinerin. Ende März stattet Rebecca ihrer alten Heimat aber wieder einmal einen Besuch ab, und zwar aus gutem Grund: Ein neues Projekt wird in Angriff genommen. „Schon lange verspüre ich den Wunsch, eine Dokumentation über ehemalige Bosnien-Flüchtlinge, die in Luxemburg leben, zu machen. Die Recherchen laufen auf Hochtouren, die ersten Kontakte sind geknüpft. Trotzdem nehme ich mir Zeit. Wenn ich mir etwas vornehme, will ich, dass etwas Ordentliches dabei rauskommt.“, sagt die ehrgeizige Luxemburgerin abschließend.

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