Jan 16 2009

Charakterkopf

Published by at 14:44 under Misc. Luxembourg

source: http://www.sueddeutsche.de

Der Schauspieler Thierry van Werveke ist gestorben

Ein hartes Gesicht, das doch weiche Züge erahnen ließ und bereits eine Geschichte erzählte, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hatte. So wird man Thierry van Werveke in Erinnerung behalten, aus seiner stetigen Arbeit für den “Tatort” und andere populäre Fernsehformate, aber genauso aus dem Kino, wo “Knockin” on Heaven”s Door” sicher sein größter Erfolg war – als begriffsstutziger Killer gab er da im Jahr 1996 ein unvergessliches Duo mit Moritz Bleibtreu ab. Solchen eigentlich sympathischen bad guys konnte er eine mühelose und oft auch komische Präsenz verleihen. Figuren aus dem Rotlichtmilieu, abgehalfterte Boxer, zwielichtige Spieler glaubte man ihm immer sofort. Zuletzt tauchte er in einer Spelunke in “11/2 Ritter” auf, wo es ihm gelang, den trotteligen Til Schweiger schwer betrunken zu machen.

 

Schweiger, der “Knockin””-Regisseur Thomas Jahn und der luxemburgische Filmemacher Andy Bausch drehten immer wieder mit ihm, man muss sich das als eine Clique von großen Jungs vorstellen, die vor allem vom amerikanischen Genrekino träumten – aber doch entschlossen waren, hierzulande ihren Spaß zu haben. Luxemburg war die Heimat Thierry van Wervekes, dort drehte der in Genf geborene Diplomatensohn mit Bausch seine frühen und wilden Independent-Filme, dorthin kehrte er immer wieder ans Theater zurück, zuletzt ans Théâtre National du Luxembourg. In Luxemburg spielte er auch in der Rockband Nazz Nazz.

Thierry van Werveke bekam mehrfach Preise für seine Rollen – seine letzte Auszeichnung, ein Grimme-Preis im Jahr 2008, zeigte ihn noch einmal in ganz besonderem Licht. In Buket Alakus” “Eine andere Liga” spielte er gegen sein Rollenimage einen besorgten Vater, der mit der Krebserkrankung seiner Tochter Karoline Herfurth nicht zurechtkommt, ihr die größte Freude im Leben, das Fußballspielen, nehmen will. In diesem Part, wie auch in einem kurzen Auftritt in Michael Hanekes “Wolfszeit”, konnte man noch einmal andere Facetten des Künstlers Thierry van Werveke entdecken.

Anfang des vergangenen Jahres war ihm eine Leber transplantiert worden. Jetzt ist er nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 50 Jahren gestorben.

TOBIAS KNIEBE

 

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Der Schauspieler Thierry van Werveke ist gestorben

Ein hartes Gesicht, das doch weiche Züge erahnen ließ und bereits eine Geschichte erzählte, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hatte. So wird man Thierry van Werveke in Erinnerung behalten, aus seiner stetigen Arbeit für den “Tatort” und andere populäre Fernsehformate, aber genauso aus dem Kino, wo “Knockin” on Heaven”s Door” sicher sein größter Erfolg war – als begriffsstutziger Killer gab er da im Jahr 1996 ein unvergessliches Duo mit Moritz Bleibtreu ab. Solchen eigentlich sympathischen bad guys konnte er eine mühelose und oft auch komische Präsenz verleihen. Figuren aus dem Rotlichtmilieu, abgehalfterte Boxer, zwielichtige Spieler glaubte man ihm immer sofort. Zuletzt tauchte er in einer Spelunke in “11/2 Ritter” auf, wo es ihm gelang, den trotteligen Til Schweiger schwer betrunken zu machen.

 

Schweiger, der “Knockin””-Regisseur Thomas Jahn und der luxemburgische Filmemacher Andy Bausch drehten immer wieder mit ihm, man muss sich das als eine Clique von großen Jungs vorstellen, die vor allem vom amerikanischen Genrekino träumten – aber doch entschlossen waren, hierzulande ihren Spaß zu haben. Luxemburg war die Heimat Thierry van Wervekes, dort drehte der in Genf geborene Diplomatensohn mit Bausch seine frühen und wilden Independent-Filme, dorthin kehrte er immer wieder ans Theater zurück, zuletzt ans Théâtre National du Luxembourg. In Luxemburg spielte er auch in der Rockband Nazz Nazz.

Thierry van Werveke bekam mehrfach Preise für seine Rollen – seine letzte Auszeichnung, ein Grimme-Preis im Jahr 2008, zeigte ihn noch einmal in ganz besonderem Licht. In Buket Alakus” “Eine andere Liga” spielte er gegen sein Rollenimage einen besorgten Vater, der mit der Krebserkrankung seiner Tochter Karoline Herfurth nicht zurechtkommt, ihr die größte Freude im Leben, das Fußballspielen, nehmen will. In diesem Part, wie auch in einem kurzen Auftritt in Michael Hanekes “Wolfszeit”, konnte man noch einmal andere Facetten des Künstlers Thierry van Werveke entdecken.

Anfang des vergangenen Jahres war ihm eine Leber transplantiert worden. Jetzt ist er nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 50 Jahren gestorben.

TOBIAS KNIEBE

 

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