Nov 02 2014

„Der absolute Jackpot für mich“

Published by at 01:40 under Misc. Luxembourg

SOURCE: http://www.wort.lu

Ken Barthelmey und seine Monster für den Film „The Maze Runner“

INTERVIEW: SOPHIE KIEFFER

Ken Barthelmey, 25, ist freiberuflicher Illustrator und Concept-
Designer. Der Luxemburger hat die Griever-Monster für „The Maze Runner“, das im Kino zu sehen ist, gestaltet. Momentan arbeitet er schon an der Fortsetzung des Films. Das trifft voll seine Leidenschaft, interessante und glaubwürdige Designs zu entwerfen, die von der 
Science-Fiction- und der Fantasywelt inspiriert sind.

Wieso haben Sie sich entschieden, gerade solche Kreaturen zu entwerfen?

Ich habe gemalt, noch bevor ich mit dem Sprechen begann. Film-kreaturen und Monster haben mich seit meiner Kindheit begeistert. Filme wie „Jurassic Park“, „Star Wars“ oder „Aliens“ haben mich extrem beeinflusst. Nachdem ich einen Film angeschaut habe, habe ich die Sachen aufgezeichnet, die mich interessiert haben. Später fing ich an, meine eigenen Kreationen zu malen. Manchmal kommt es mir vor wie ein Traum, da ich jetzt mein Geld damit verdiene.

Haben Sie Kunst studiert?

Ich habe meinen Schulabschluss im „Arts et Métiers“ gemacht, jedoch wusste ich von Anfang an, dass ich nicht weiterstudieren wollte. Mein Traum und Ziel war von Kindheit an, Designs für große Filmproduktionen zu entwerfen. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich als freiberuflicher Künstler arbeiten und mich weiterentwickeln. Nach meinem Abschluss habe ich jeden Tag intensiv an meinen Mal-Techniken und dem Stil gearbeitet.

Das meiste habe ich mir selbst beigebracht. Wenn man die Basis des Malens und des Designs beherrscht, ist es nur noch Übung. Als ich dann einigermaßen zufrieden mit meinen Bildern war, setzte ich sie online ins Internet. Daraufhin bekam ich meine ersten Aufträge. Mein Hobby ist jetzt mein Beruf.

Was inspiriert Sie?

Filme und Bücher inspirieren mich sehr. Ich bin ein großer Fan von Fantasy- und Science-Fiction-Künstlern. Ralph McQuarrie ist einer meiner Lieblingskünstler. Die Illustrationen und Designs, die er für die „Star Wars“-Filme gemacht hat, sind einfach fantastisch. James Cameron ist eines meiner größten Vorbilder. Nicht nur wegen seines Stils, sondern wegen seiner Art, Geschichten zu erzählen.

Als Kreatur-Designer und Fantasy-Illustrator sind echte Tiere und Landschaften als 
Inspiration nicht wegzudenken. Referenzen von echten Dingen sind extrem hilfreich, wenn man etwas Realistisches und Glaubwürdiges designen will. Manchmal vermische ich zeichnerisch einige Tierarten, um auf eine Idee für ein neues Kreatur-Design zu kommen.

Wie arbeiten Sie?

Das Entwerfen einer Kreatur kann sehr komplex sein. Ich folge mehreren Stufen: das Designen der Form (der schwierigste und wichtigste Teil), dann des Kopfes (der Blickfang), dann die Details und die Farben. Neben der Kreativität ist es auch sehr wichtig, einen guten Sinn für Realismus und Imagination zu haben. Wenn das Design zu realistisch aussieht, wirkt es langweilig und nicht anspruchsvoll. Wenn man ein Design zu sehr fantasievoll und abstrakt entwirft, wirkt es unglaubwürdig und albern.

Ich arbeite hauptsächlich digital. Ich beginne jedoch immer mit Bleistiftzeichnungen, die ich anschließend in den Computer scanne und mit einem Wacom Tablet im Photoshop färbe. Ich habe angefangen, mit 3D-Programmen zu arbeiten. 
Somit kann ich das fer
tige Design fotorealistisch und dreidimensional präsentieren. Zudem kann dieses digitale 3D-Modell weiter in der 
jeweiligen Produktion verwen-
det werden. Bei einem Film 
kann ich so das Modell der jeweiligen Visual effects-Firma senden, damit das Team es dann für die Animationen verwenden kann. Auf diesem Weg spart man dann viel Zeit.

Sie haben die Griever-Monster von „The Maze Runner“ entwickelt. Wie sind Sie dazu gekommen?

„The Maze Runner“ ist der erste Teil einer Buch-Trilogie. Die Griever wollte ich so nah wie möglich an der Buchvorlage entwerfen. Sie werden im Buch als riesige schneckenartige Monster mit maschinellen Beinen beschrieben. Aber wie designt man eine Nacktschnecke, die gruselig und gefährlich aussieht? Das war die größte Herausforderung. Schnecken und Kokosnusskrabben waren dann eine große Inspirationsquelle.

Nachdem ich das Griever-Design fertig hatte, fragte mich der Regisseur Wes Ball, ob ich Lust hätte, noch bei anderen Projekten dabei zu sein. Von da an arbeitete ich außerdem an einigen wichtigen Teilen des Labyrinths, Requisiten, usw. Ich habe fast an allem ein wenig gearbeitet, acht Monate lang. Ich hatte einen kleinen Chat mit dem Autor James Dashner. Er liebte das Griever-Design und sagte, es sei die perfekte Übertragung von dem Buch auf die große Kinoleinwand. Das hat mir sehr viel bedeutet.

Sind Sie nach Amerika gereist?

Ich habe hauptsächlich über 
E-Mail und Skype mit dem Regisseur Wes Ball gearbeitet. So konnte ich in meinem Studio arbeiten und wir waren ständig in Kontakt.

Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Regisseur Wes Ball hatte einige meiner Arbeiten im Internet gesehen. Er hat mich kontaktiert und gefragt, ob ich daran interessiert sei, die Monster für seinen Film zu designen. Das war der absolute Jackpot für mich. „A dream came true.“ Ich habe sofort zugesagt.

War das Ihr erstes Projekt in diesem Maßstab?

Ich hatte bereits an mehreren kleineren Projekten gearbeitet. Aber das ist meine erste Hollywoodproduktion. Ich habe schon Anfragen für einen weiteren Film dieser Größe, darüber darf ich aber leider noch nichts verraten. Momentan arbeite ich am zweiten Teil von „The Maze Runner“, der „The Scorch Trials“ heißen wird. Dieser Film kommt schon in einem Jahr ins Kino. Das Budget ist dieses mal viel größer; deswegen haben wir jetzt mehr Möglichkeiten. In der Fortsetzung gibt es eine offene Welt, die komplett designed werden muss.

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SOURCE: http://www.wort.lu

Ken Barthelmey und seine Monster für den Film „The Maze Runner“

INTERVIEW: SOPHIE KIEFFER

Ken Barthelmey, 25, ist freiberuflicher Illustrator und Concept-
Designer. Der Luxemburger hat die Griever-Monster für „The Maze Runner“, das im Kino zu sehen ist, gestaltet. Momentan arbeitet er schon an der Fortsetzung des Films. Das trifft voll seine Leidenschaft, interessante und glaubwürdige Designs zu entwerfen, die von der 
Science-Fiction- und der Fantasywelt inspiriert sind.

Wieso haben Sie sich entschieden, gerade solche Kreaturen zu entwerfen?

Ich habe gemalt, noch bevor ich mit dem Sprechen begann. Film-kreaturen und Monster haben mich seit meiner Kindheit begeistert. Filme wie „Jurassic Park“, „Star Wars“ oder „Aliens“ haben mich extrem beeinflusst. Nachdem ich einen Film angeschaut habe, habe ich die Sachen aufgezeichnet, die mich interessiert haben. Später fing ich an, meine eigenen Kreationen zu malen. Manchmal kommt es mir vor wie ein Traum, da ich jetzt mein Geld damit verdiene.

Haben Sie Kunst studiert?

Ich habe meinen Schulabschluss im „Arts et Métiers“ gemacht, jedoch wusste ich von Anfang an, dass ich nicht weiterstudieren wollte. Mein Traum und Ziel war von Kindheit an, Designs für große Filmproduktionen zu entwerfen. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich als freiberuflicher Künstler arbeiten und mich weiterentwickeln. Nach meinem Abschluss habe ich jeden Tag intensiv an meinen Mal-Techniken und dem Stil gearbeitet.

Das meiste habe ich mir selbst beigebracht. Wenn man die Basis des Malens und des Designs beherrscht, ist es nur noch Übung. Als ich dann einigermaßen zufrieden mit meinen Bildern war, setzte ich sie online ins Internet. Daraufhin bekam ich meine ersten Aufträge. Mein Hobby ist jetzt mein Beruf.

Was inspiriert Sie?

Filme und Bücher inspirieren mich sehr. Ich bin ein großer Fan von Fantasy- und Science-Fiction-Künstlern. Ralph McQuarrie ist einer meiner Lieblingskünstler. Die Illustrationen und Designs, die er für die „Star Wars“-Filme gemacht hat, sind einfach fantastisch. James Cameron ist eines meiner größten Vorbilder. Nicht nur wegen seines Stils, sondern wegen seiner Art, Geschichten zu erzählen.

Als Kreatur-Designer und Fantasy-Illustrator sind echte Tiere und Landschaften als 
Inspiration nicht wegzudenken. Referenzen von echten Dingen sind extrem hilfreich, wenn man etwas Realistisches und Glaubwürdiges designen will. Manchmal vermische ich zeichnerisch einige Tierarten, um auf eine Idee für ein neues Kreatur-Design zu kommen.

Wie arbeiten Sie?

Das Entwerfen einer Kreatur kann sehr komplex sein. Ich folge mehreren Stufen: das Designen der Form (der schwierigste und wichtigste Teil), dann des Kopfes (der Blickfang), dann die Details und die Farben. Neben der Kreativität ist es auch sehr wichtig, einen guten Sinn für Realismus und Imagination zu haben. Wenn das Design zu realistisch aussieht, wirkt es langweilig und nicht anspruchsvoll. Wenn man ein Design zu sehr fantasievoll und abstrakt entwirft, wirkt es unglaubwürdig und albern.

Ich arbeite hauptsächlich digital. Ich beginne jedoch immer mit Bleistiftzeichnungen, die ich anschließend in den Computer scanne und mit einem Wacom Tablet im Photoshop färbe. Ich habe angefangen, mit 3D-Programmen zu arbeiten. 
Somit kann ich das fer
tige Design fotorealistisch und dreidimensional präsentieren. Zudem kann dieses digitale 3D-Modell weiter in der 
jeweiligen Produktion verwen-
det werden. Bei einem Film 
kann ich so das Modell der jeweiligen Visual effects-Firma senden, damit das Team es dann für die Animationen verwenden kann. Auf diesem Weg spart man dann viel Zeit.

Sie haben die Griever-Monster von „The Maze Runner“ entwickelt. Wie sind Sie dazu gekommen?

„The Maze Runner“ ist der erste Teil einer Buch-Trilogie. Die Griever wollte ich so nah wie möglich an der Buchvorlage entwerfen. Sie werden im Buch als riesige schneckenartige Monster mit maschinellen Beinen beschrieben. Aber wie designt man eine Nacktschnecke, die gruselig und gefährlich aussieht? Das war die größte Herausforderung. Schnecken und Kokosnusskrabben waren dann eine große Inspirationsquelle.

Nachdem ich das Griever-Design fertig hatte, fragte mich der Regisseur Wes Ball, ob ich Lust hätte, noch bei anderen Projekten dabei zu sein. Von da an arbeitete ich außerdem an einigen wichtigen Teilen des Labyrinths, Requisiten, usw. Ich habe fast an allem ein wenig gearbeitet, acht Monate lang. Ich hatte einen kleinen Chat mit dem Autor James Dashner. Er liebte das Griever-Design und sagte, es sei die perfekte Übertragung von dem Buch auf die große Kinoleinwand. Das hat mir sehr viel bedeutet.

Sind Sie nach Amerika gereist?

Ich habe hauptsächlich über 
E-Mail und Skype mit dem Regisseur Wes Ball gearbeitet. So konnte ich in meinem Studio arbeiten und wir waren ständig in Kontakt.

Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Regisseur Wes Ball hatte einige meiner Arbeiten im Internet gesehen. Er hat mich kontaktiert und gefragt, ob ich daran interessiert sei, die Monster für seinen Film zu designen. Das war der absolute Jackpot für mich. „A dream came true.“ Ich habe sofort zugesagt.

War das Ihr erstes Projekt in diesem Maßstab?

Ich hatte bereits an mehreren kleineren Projekten gearbeitet. Aber das ist meine erste Hollywoodproduktion. Ich habe schon Anfragen für einen weiteren Film dieser Größe, darüber darf ich aber leider noch nichts verraten. Momentan arbeite ich am zweiten Teil von „The Maze Runner“, der „The Scorch Trials“ heißen wird. Dieser Film kommt schon in einem Jahr ins Kino. Das Budget ist dieses mal viel größer; deswegen haben wir jetzt mehr Möglichkeiten. In der Fortsetzung gibt es eine offene Welt, die komplett designed werden muss.

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