May 04 2009

Indie Horror Picture Show, die Zweite…

Published by at 13:43 under Misc. Luxembourg,Screening Room

source: http://www.journal.lu

Etwas trocken, mit spritzigem Abschluss

Wenn Kids sich entscheiden, der Kreativität Vorrang vor Alkohol, Drogen und Autobahnraserei zu geben, dann ist dies mehr als lobenswert. In diesem Kontext erfreuten wir uns vergangenes Jahr bei der ersten „Indie Horror Picture Show“ an den diversen Filmproduktionen der einheimischen „Independants“. Manch einer meinte im Nachhinein, wir seien zuviel des Lobes gewesen, aber wie gesagt, wir kennen auch andere Kids.


Doch wollen wir dieses Mal kritischer sein, denn die zweite Edition der untereinander selbst organisierten Premierensoirée im Escher Cinebelval ließ sich doch etwas träge und trocken an. Neun Kurzfilme verschiedener Produzententeams traten an, wobei „Lei, lui e l’altro“ und „TV-Fresser“ im Rahmen schulischer Aufgaben entwickelt wurden, und weniger aus kinematographischen Aspirationen.
Was die anderen Filme betrifft, müssen wir leider einen Hang zum „artsy-fartsy“ feststellen. Die Jugend zeichnet sich vor allem und mit Recht technisch aus, der Aufwand ist sichtlich beträchtlich, und es gibt sicherlich schöne Bilder zu sehen. Aber das reicht nicht. Man braucht auch eine Erzählung, einen Plot, es muss etwas passieren. Es reicht nicht zu zeigen, dass man Lynch und Aronofsky gesehen hat. Hitchcock (der mittlerweile von etablierten Filmleuten als veraltet verschrien ist, man stelle sich vor, da haben auch einige was nicht verstanden) sprach mal von „kitchen-sink-movies“, das heißt, man sieht wie eine Frau am Waschbecken steht und spült. Gell, das ist interessant… Kinners, wenn ihr Filme machen wollt, die kein Schwein sich ansieht, dann müsst ihr Major werden und Steuergelder verbraten. Ihr kriegt dann im Hunsrück ‘nen Award…

Es gibt doch andere Mittel, um das Öde im Leben darzustellen, als mit Detaileinstellungen zu protzen, wenn jemand die Cornflakes aus dem Schrank nimmt. Und so kommt‘s wie es kommen muss, es sieht schön aus… und es ist schön langweilig. Dies als allgemeine Anmerkung. Des weiteren gibt‘s außer deprimierten Selbstmördern und noch deprimierteren Mördern noch andere Stories. Ihr bringt euch doch auch nicht dreimal am Tag um. Manche Prämisse mag noch angehen, aber im Endeffekt wurde erzählerisch nicht viel geboten. Manche gut gemeinte Kritik am Kapital und der Gesellschaft versandete in juvenilen, moralinsauren Dialogen, welche durchaus mehr narrative Tiefe vertragen hätten. Schade.
Selbst die dritte „Bommeléer“-Episode wirkte etwas schal und uninspiriert, dennoch sorgte Regisseur Mike Tereba, der mit gleich drei Filmen an den Start ging, am Ende für den Knüller. 12 Minuten lang wurde im Saal gelacht und Schenkel geklopft, dass sich die Leinwand bog. „Date-lech“ erzählt zackig und knackig von Lisi und Georges, welche sich beim Speed Dating den passenden Partner erhoffen. Hatten wir die Hoffnung auf großes Kino, bei welchem man die Zeit vergisst, und sich ins Geschehen einfügt, schon fast verloren, wurden wir hier des Besseren belehrt.
Dennoch wollen wir nicht, dass sich die Filmkids von unserem verbalen Tritt in den Hintern abhalten lassen, weiter zu experimentieren. Im Gegenteil wünschen wir uns, dass die zweifellosen Talente mehr Authentizität, und mehr Gefühl fürs Publikum in die Sache einbringen. Ihr wollt doch Kino machen. Also vergesst mal für ‘ne Weile die Kunst…

Comments

comments

source: http://www.journal.lu

Etwas trocken, mit spritzigem Abschluss

Wenn Kids sich entscheiden, der Kreativität Vorrang vor Alkohol, Drogen und Autobahnraserei zu geben, dann ist dies mehr als lobenswert. In diesem Kontext erfreuten wir uns vergangenes Jahr bei der ersten „Indie Horror Picture Show“ an den diversen Filmproduktionen der einheimischen „Independants“. Manch einer meinte im Nachhinein, wir seien zuviel des Lobes gewesen, aber wie gesagt, wir kennen auch andere Kids.


Doch wollen wir dieses Mal kritischer sein, denn die zweite Edition der untereinander selbst organisierten Premierensoirée im Escher Cinebelval ließ sich doch etwas träge und trocken an. Neun Kurzfilme verschiedener Produzententeams traten an, wobei „Lei, lui e l’altro“ und „TV-Fresser“ im Rahmen schulischer Aufgaben entwickelt wurden, und weniger aus kinematographischen Aspirationen.
Was die anderen Filme betrifft, müssen wir leider einen Hang zum „artsy-fartsy“ feststellen. Die Jugend zeichnet sich vor allem und mit Recht technisch aus, der Aufwand ist sichtlich beträchtlich, und es gibt sicherlich schöne Bilder zu sehen. Aber das reicht nicht. Man braucht auch eine Erzählung, einen Plot, es muss etwas passieren. Es reicht nicht zu zeigen, dass man Lynch und Aronofsky gesehen hat. Hitchcock (der mittlerweile von etablierten Filmleuten als veraltet verschrien ist, man stelle sich vor, da haben auch einige was nicht verstanden) sprach mal von „kitchen-sink-movies“, das heißt, man sieht wie eine Frau am Waschbecken steht und spült. Gell, das ist interessant… Kinners, wenn ihr Filme machen wollt, die kein Schwein sich ansieht, dann müsst ihr Major werden und Steuergelder verbraten. Ihr kriegt dann im Hunsrück ‘nen Award…

Es gibt doch andere Mittel, um das Öde im Leben darzustellen, als mit Detaileinstellungen zu protzen, wenn jemand die Cornflakes aus dem Schrank nimmt. Und so kommt‘s wie es kommen muss, es sieht schön aus… und es ist schön langweilig. Dies als allgemeine Anmerkung. Des weiteren gibt‘s außer deprimierten Selbstmördern und noch deprimierteren Mördern noch andere Stories. Ihr bringt euch doch auch nicht dreimal am Tag um. Manche Prämisse mag noch angehen, aber im Endeffekt wurde erzählerisch nicht viel geboten. Manche gut gemeinte Kritik am Kapital und der Gesellschaft versandete in juvenilen, moralinsauren Dialogen, welche durchaus mehr narrative Tiefe vertragen hätten. Schade.
Selbst die dritte „Bommeléer“-Episode wirkte etwas schal und uninspiriert, dennoch sorgte Regisseur Mike Tereba, der mit gleich drei Filmen an den Start ging, am Ende für den Knüller. 12 Minuten lang wurde im Saal gelacht und Schenkel geklopft, dass sich die Leinwand bog. „Date-lech“ erzählt zackig und knackig von Lisi und Georges, welche sich beim Speed Dating den passenden Partner erhoffen. Hatten wir die Hoffnung auf großes Kino, bei welchem man die Zeit vergisst, und sich ins Geschehen einfügt, schon fast verloren, wurden wir hier des Besseren belehrt.
Dennoch wollen wir nicht, dass sich die Filmkids von unserem verbalen Tritt in den Hintern abhalten lassen, weiter zu experimentieren. Im Gegenteil wünschen wir uns, dass die zweifellosen Talente mehr Authentizität, und mehr Gefühl fürs Publikum in die Sache einbringen. Ihr wollt doch Kino machen. Also vergesst mal für ‘ne Weile die Kunst…

Comments

comments

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply