Mar 22 2008

Interview Guy Daleiden

Published by at 08:19 under Misc. Luxembourg

Filmförderung: Blühende Landschaften

Einer der dynamischsten Geschäftsbereiche des kommunikativen Wirtschaftszweigs in Luxemburg ist ohne Zweifel der audiovisuelle Sektor, der im Internetzeitalter nicht nur Anwärtern auf ein politisches Amt ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hat.

Daleiden

Carlo Kass interviewt im Tageblatt den Vorsitzenden der Luxemburgischen Filmförderung Guy Daleiden.

Gründe für seinen Aufschwung sind unter anderen das in Luxemburg niedergelassene Unternehmen CLT, das zur Jahrtausendwende in „RTL Group“ umbenannt wurde, und der Satellitenbetreiber SES in Betzdorf, der heute „SES Global“ heißt. Doch durch diese Privatträger hatte Luxemburg lange Zeit keinen öffentlich-rechtlichen Kommunikationsbetrieb, der erst durch das Mediengesetz von 1991 ermöglicht wurde, bei dem der damalige Medienberater der Regierung und spätere Zeitungsdirektor Paul Zimmer federführend war.
Neben dem öffentlich-rechtlichen Radio 100,7 starteten auch viele andere Rundfunksender mit multikultureller Ausrichtung. Da Medien eine große Rolle bei der Identitätsbildung der Menschen zukommt, vor allem in Ländern mit einem derart hohen Ausländeranteil wie Luxemburg, konnten diese Anstalten endlich ihre pluralistischere Integrationsarbeit aufnehmen, die in rein wirtschaftlich orientierten oder religiös verbrämten Institutionen nur sehr begrenzt möglich ist.
Staatliche Förder- und Gesetzmaßnahmen im kommunikativen Wirtschaftszweig haben also auch ihren Teil zum Erfolg der Branche beigetragen. Im Bereich audiovisueller Produktion wurde bereits am 13. Dezember 1988 ein Gesetz abgestimmt, das Investoren für audiovisuelle Produktionen anziehen sollte, indem ein zeitlich begrenztes Steuererleichterungssystem eingerichtet wurde. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die 1989 erfolgte Gründung des „Centre national de l’audiovisuel (CNA)“ zu erwähnen, dessen Hauptaufgabe in der Förderung des luxemburgischen Kinos sowie in der Archivierung und Restaurierung des nationalen audiovisuellen Erbes besteht.
Darüber hinaus wurde durch ein Gesetz vom 11. April 1990 ein „Luxemburger Filmfonds“ eingerichtet, mit dem Schaffung, Produktion, Koproduktion und Vertrieb audiovisueller Werke in Luxemburg gefördert werden sollen. Wir sprachen mit Guy Daleiden, der seit 1990 im „Service des médias et de l’audiovisuel“ arbeitet und seit 1999 dem Luxemburger Filmfonds vorsteht.

Tageblatt: Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?
Guy Daleiden: „Damals waren wir dem CNA angegliedert und dem Kulturministerium unterstellt.“
„T“: Und heute?
G.D.: „Heute unterstehen wir der Kommunikation, den Medien und immer noch der Kultur.“
„T“: Ihnen kann also nichts passieren, unterstehen Sie doch mit Premier- und Medienminister Jean-Claude Juncker, Kommunikationsminister Jean-Louis Schiltz, Kulturminister François Biltgen und Kulturstaatssekretärin Octavie Modert gleich vier hochrangigen CSV-Regierungsmitgliedern. Der Film scheint wegen seiner möglichen Manipulierbarkeit von Information in Propaganda bei den Politikern also noch immer hoch im Kurs zu stehen?
G.D.: „Als Politiker, der ich neben meinem Beruf ja auch noch bin, muss ich schon sagen, dass die Visibilität in unserer Branche in der Tat ziemlich hoch ist, was ja für eine politische Karriere bekanntlich nicht unwichtig ist.“
„T“: Das erinnert daran, dass Luxemburg mit Viviane Reding ja auch die Medienkommissarin in Brüssel stellt. Doch kommen wir endlich zu unserem Anliegen: Mit welchem Budget ist der Luxemburger Filmfonds ausgestattet?
G.D.: „Wir verfügen jährlich über 4,5 Millionen Euro, die teilweise in Beihilfen von audiovisuellen Produktionen, Personalkosten und Promotionen dieser Produktionen gehen.“
„T“: Wie viele Leute arbeiten an diesem Projekt?
G.D.: „Neun bis zehn.“
„T“: Und wie viele Produktionen begleitet der Fonds?
G.D.: „Das kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein, doch dürften es wohl zwischen sechs und zehn Spielfilme, zwei bis drei Kurz- und ein bis zwei Dokumentarfilme sein. Insgesamt haben wir bisher wohl um die 400 Produktionen in Koproduktion mitfinanziert.“
„T“: Wenn diese Filme nachher zum kommerziellen Erfolg werden, spielen ihnen die Rechte viel Geld ein?
G.D.: „Nein. Die Rechte bleiben beim Produzenten. Nur bei direkten Hilfen bekommen wir unser Geld pro rata zurück.“
„T“: In welcher Höhe?
G.D.: „Das sind durchschnittlich zwei Prozent. Das meiste, das wir je zurück bekamen, waren 28,8 Pozent bei dem Film „Une liaison pornographique“. Beim „Club des chômeurs“, der fast ausschließlich in Luxemburg gezeigt wurde, waren es rund 12 Prozent. Doch sieht das Gesetz nicht vor, dass der Filmfonds Geld verdient, sondern das Umfeld zu einer nationalen Filmproduktion positiv beeinflusst.“
„T“: Und, haben Sie dieses Ziel erreicht?
G.D.: „Nun, ich bin zufrieden. Besonders freut es mich, dass wir in den 20 Jahren zahlreiche junge Talente in allen relevanten Berufen der Filmindustrie, fördern konnten – vom Toningenieur über Szenarist und Kameramann bis zum Schauspieler.“

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Filmförderung: Blühende Landschaften

Einer der dynamischsten Geschäftsbereiche des kommunikativen Wirtschaftszweigs in Luxemburg ist ohne Zweifel der audiovisuelle Sektor, der im Internetzeitalter nicht nur Anwärtern auf ein politisches Amt ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hat.

Daleiden

Carlo Kass interviewt im Tageblatt den Vorsitzenden der Luxemburgischen Filmförderung Guy Daleiden.

Gründe für seinen Aufschwung sind unter anderen das in Luxemburg niedergelassene Unternehmen CLT, das zur Jahrtausendwende in „RTL Group“ umbenannt wurde, und der Satellitenbetreiber SES in Betzdorf, der heute „SES Global“ heißt. Doch durch diese Privatträger hatte Luxemburg lange Zeit keinen öffentlich-rechtlichen Kommunikationsbetrieb, der erst durch das Mediengesetz von 1991 ermöglicht wurde, bei dem der damalige Medienberater der Regierung und spätere Zeitungsdirektor Paul Zimmer federführend war.
Neben dem öffentlich-rechtlichen Radio 100,7 starteten auch viele andere Rundfunksender mit multikultureller Ausrichtung. Da Medien eine große Rolle bei der Identitätsbildung der Menschen zukommt, vor allem in Ländern mit einem derart hohen Ausländeranteil wie Luxemburg, konnten diese Anstalten endlich ihre pluralistischere Integrationsarbeit aufnehmen, die in rein wirtschaftlich orientierten oder religiös verbrämten Institutionen nur sehr begrenzt möglich ist.
Staatliche Förder- und Gesetzmaßnahmen im kommunikativen Wirtschaftszweig haben also auch ihren Teil zum Erfolg der Branche beigetragen. Im Bereich audiovisueller Produktion wurde bereits am 13. Dezember 1988 ein Gesetz abgestimmt, das Investoren für audiovisuelle Produktionen anziehen sollte, indem ein zeitlich begrenztes Steuererleichterungssystem eingerichtet wurde. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die 1989 erfolgte Gründung des „Centre national de l’audiovisuel (CNA)“ zu erwähnen, dessen Hauptaufgabe in der Förderung des luxemburgischen Kinos sowie in der Archivierung und Restaurierung des nationalen audiovisuellen Erbes besteht.
Darüber hinaus wurde durch ein Gesetz vom 11. April 1990 ein „Luxemburger Filmfonds“ eingerichtet, mit dem Schaffung, Produktion, Koproduktion und Vertrieb audiovisueller Werke in Luxemburg gefördert werden sollen. Wir sprachen mit Guy Daleiden, der seit 1990 im „Service des médias et de l’audiovisuel“ arbeitet und seit 1999 dem Luxemburger Filmfonds vorsteht.

Tageblatt: Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?
Guy Daleiden: „Damals waren wir dem CNA angegliedert und dem Kulturministerium unterstellt.“
„T“: Und heute?
G.D.: „Heute unterstehen wir der Kommunikation, den Medien und immer noch der Kultur.“
„T“: Ihnen kann also nichts passieren, unterstehen Sie doch mit Premier- und Medienminister Jean-Claude Juncker, Kommunikationsminister Jean-Louis Schiltz, Kulturminister François Biltgen und Kulturstaatssekretärin Octavie Modert gleich vier hochrangigen CSV-Regierungsmitgliedern. Der Film scheint wegen seiner möglichen Manipulierbarkeit von Information in Propaganda bei den Politikern also noch immer hoch im Kurs zu stehen?
G.D.: „Als Politiker, der ich neben meinem Beruf ja auch noch bin, muss ich schon sagen, dass die Visibilität in unserer Branche in der Tat ziemlich hoch ist, was ja für eine politische Karriere bekanntlich nicht unwichtig ist.“
„T“: Das erinnert daran, dass Luxemburg mit Viviane Reding ja auch die Medienkommissarin in Brüssel stellt. Doch kommen wir endlich zu unserem Anliegen: Mit welchem Budget ist der Luxemburger Filmfonds ausgestattet?
G.D.: „Wir verfügen jährlich über 4,5 Millionen Euro, die teilweise in Beihilfen von audiovisuellen Produktionen, Personalkosten und Promotionen dieser Produktionen gehen.“
„T“: Wie viele Leute arbeiten an diesem Projekt?
G.D.: „Neun bis zehn.“
„T“: Und wie viele Produktionen begleitet der Fonds?
G.D.: „Das kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein, doch dürften es wohl zwischen sechs und zehn Spielfilme, zwei bis drei Kurz- und ein bis zwei Dokumentarfilme sein. Insgesamt haben wir bisher wohl um die 400 Produktionen in Koproduktion mitfinanziert.“
„T“: Wenn diese Filme nachher zum kommerziellen Erfolg werden, spielen ihnen die Rechte viel Geld ein?
G.D.: „Nein. Die Rechte bleiben beim Produzenten. Nur bei direkten Hilfen bekommen wir unser Geld pro rata zurück.“
„T“: In welcher Höhe?
G.D.: „Das sind durchschnittlich zwei Prozent. Das meiste, das wir je zurück bekamen, waren 28,8 Pozent bei dem Film „Une liaison pornographique“. Beim „Club des chômeurs“, der fast ausschließlich in Luxemburg gezeigt wurde, waren es rund 12 Prozent. Doch sieht das Gesetz nicht vor, dass der Filmfonds Geld verdient, sondern das Umfeld zu einer nationalen Filmproduktion positiv beeinflusst.“
„T“: Und, haben Sie dieses Ziel erreicht?
G.D.: „Nun, ich bin zufrieden. Besonders freut es mich, dass wir in den 20 Jahren zahlreiche junge Talente in allen relevanten Berufen der Filmindustrie, fördern konnten – vom Toningenieur über Szenarist und Kameramann bis zum Schauspieler.“

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